Sexualpädagogik in Summerhill


Studienarbeit, 2004

13 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Grundsätze der antiautoritären Erziehung in Summerhill

2. Sexualpädagogik in Summerhill
2.1 Einstellung zur Sexualität
2.2 Onanie
2.3 Sexuelle Aufklärung
2.4 Schwangerschaft und Abtreibung
2.5 Homosexualität
2.6 Nacktheit

Schlussteil

Literaturverzeichnis

Anlagen
- Kurzbiographie von A.S. Neill
- Übersicht zu den Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach S. Freud

Einleitung

Das Thema „Sexualität“ ist aus unserer heutigen Medienwelt nicht mehr wegzudenken. Im Zeitalter von Aids wird offen über Sexualität gesprochen und aufgeklärt. Doch wer denkt, dass diese „Vergesellschaftung von Sexualität“ (Sielert 1993, S.21) den Erwerb einer befriedigenden sexuellen Identität erleichtert, der irrt sich. Es existieren immer noch Zwänge und Tabus, die sich im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte, nur verlagert haben und somit schwieriger zu bekämpfen sind. (vgl. Sielert 1993, S. 21)

Schon vor rund 83 Jahren setzte sich Alexander Sutherland Neill für eine freie Erziehung ohne sexuelle Tabus ein.

1921 wagte er ein „Experiment“ antiautoritärer Erziehung, indem er „Summerhill“ gründete. Sein Ziel war es „ die Schule kindgeeignet zu machen- nicht die Kinder schulgeeignet“(Neill 1969, S. 22)

Seine Schüler sollten in Freiheit aufwachsen und die Möglichkeit haben, sie selbst zu sein. Aus diesem Grund verzichtete er „ auf alle Disziplinarmaßnahmen, auf Lenkung, suggestive Beeinflussung, auf jede ethische und religiöse Unterweisung.“ (Neill 1969, S.22) Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Schüler von Summerhill machen können was sie wollen. Die persönliche Freiheit des Einzelnen geht nur soweit, wie sie andere Mitmenschen nicht beeinträchtigt. Immerhin gibt es in Summerhill ca. 200 Regeln an die sich die Schüler halten müssen.

Summerhill war aufgrund seiner freien Erziehung schon oft Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen, in denen es vor allem um die drei „S“- „Sex, Swearing and Smoking“ (dt.: Sex, Schimpfwörter und Rauchen) ging. (vgl.: Appleton 2000, S.1)

In Summerhill ist Sexualität kein isolierter Bereich, sondern gehört zur Anerkennung der Ganzheitlichkeit des Menschen. Dieser freie Umgang mit der Sexualität an sich und im Besonderen mit der kindlichen Sexualität, führte in der Vergangenheit zu vielen Missverständnissen. So schrieb ein Sozialkritiker „…ich könnte eines meiner Kinder ebenso gut in einem Bordell anmelden, wie in Summerill“ (Appleton 2000, S.1)

Um mich dieser Diskussion anzuschließen und diese Missverständnisse aufzuklären, möchte ich mich in der vorliegenden Studienarbeit mit der Sexualpädagogik[1] in Summerhill, die auf den Einstellungen von A.S. Neill basiert, kritisch auseinandersetzen.

Hierzu gehe ich auf A.S.Neills Einstellung zur Sexualität, vor allem der kindlichen Sexualität in Anlehnung an die psychosexuelle Entwicklung nach S.Freud ein. Danach lege ich dar, wie in Summerhill mit Onanie und Aufklärung umgegangen wird und wie Neill zu den Themen Schwangerschaft, Abtreibung, Homosexualität und Nacktheit steht.

Doch bevor ich dazu komme möchte ich kurz auf die Grundsätze der antiautoritären Erziehung in Summerhill eingehen.

1. Grundsätze der antiautoritären Erziehung in Summerhill

Neills pädagogische Arbeit basiert auf dem Glauben an das Gute im Kind. Das Kind wird mit allen Voraussetzungen geboren „das Leben zu lieben und am Leben interessiert zu sein.“ (Neill 1969, S.14) Es ist frei von Schuldgefühlen und Erbsünden.[2]

Das Ziel von A.S. Neill ist es seine Schüler glücklich zu machen, indem sie ihre Individualität ausleben können, und nicht sie an die bestehende Gesellschaft anzupassen. „Glücklichsein heißt, auf das Leben nicht nur mit dem Verstand, sondern mit der ganzen Persönlichkeit zu reagieren.“ (Neill 1969, S.14) Und Neill behauptet: „Summerhill hat wahrscheinlich die glücklichsten Schüler der Welt“ (Neill 1969, S.26) Hieraus lässt sich erkennen, dass intellektuelle Bildung in Summerhill nicht an erster Stelle steht. Sie soll vielmehr mit der Entwicklung der Emotionalität und der natürlichen Selbstentfaltung des Kindes einhergehen. Lernen bedeutet in Summerhill Entdecken, Experimentieren und Spielen ohne Reglementierung, Anleitung oder Drill. (vgl. Ludwig 1997, S.17) Neill ist der Meinung, dass sich ein Kind ohne den Einfluss von Erwachsenen, entsprechend seinen Möglichkeiten entwickelt. ( vgl. Neill 1969, S.22/23) Hierbei ist der negativste Einflussfaktor auf die freie Entfaltung die erzwungene Disziplin, die seiner Ansicht nach zu Angst, Neurosen und Feindseligkeit führt. Deshalb lehnt Neill jegliche Form von einengenden Disziplinarmaßnahmen ab (siehe Einleitung) und erhebt die Freiheit zum größten menschlichen Gut. Hierbei ist Freiheit aber nicht gleichbedeutend mit Zügellosigkeit. „Jedes Individuum hat die Freiheit, das zu tun, was es will, solange es die Freiheit der anderen nicht beeinträchtigt.“ (Neill 1969, S.158) Neills Freiheitsgedanke zieht sich durch sein ganzes pädagogisches Konzept und findet seinen Ausdruck vor allem in der freiwilligen Teilnahme am Unterricht. Das Kind soll seine eigenen Interessen leben und selbst lernen, Angelegenheiten nach ihren Prioritäten einzuschätzen. (vgl. Neill 1969, S.123)

Das erzieherische Verhältnis in Summerhill ist partnerschaftlich und nicht autoritär.

Die Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern basieren auf gegenseitiger Achtung, ohne Zwang oder Druck auf den anderen auszuüben. Dies erfordert Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit im Umgang miteinander und Anerkennung als gleichberechtigte Partner. Dieser Grundsatz kommt vor allem in der Selbstregulation und Selbstbestimmung in Summerhill zum tragen. „Selbstbestimmung ist ein Verhalten, das aus dem Selbst hervorgeht, das nicht von außen aufgezwungen ist“(Neill 1971, S.11) Die Schulversammlung, die wöchentlich stattfindet, ermöglicht den Schülern eine „demokratisch -gleichberechtigte Form der Selbstverwaltung“(Van Dick 1979, S.114), wo gemeinsam diskutiert und bei Bedarf sanktioniert wird.

Die Selbstbestimmung der Schüler setzt sich auch im Bereich der Sexualität fort

In Summerhill haben alle Schüler die Möglichkeit ihre Sexualität, frei von suggestiver Beeinflussung und Motivation, auszuleben, egal in welchem Alter.

Auf diesen Aspekt in der Pädagogik werde ich im folgenden Abschnitt meiner Arbeit genauer eingehen.

2. Sexualpädagogik in Summerhill

Der offene Umgang mit Sexualität in Summerhill galt damals als revolutionär und ist auch heute noch Mittelpunkt kontroverser Diskussionen.

A.S. Neill wollte die Kinder die zu ihm kamen, von denen alle „…eine krankhafte Einstellung zur Sexualität und zu den Körperfunktionen…“ (Neill 1969, S.197) mitbrachten, von den aufgezwungenen Moral- und Wertvorstellungen ihrer Eltern befreien.

[...]


[1] Sexualpädagogik ist ein Teilbereich der Erziehung. „ Anthropologische und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem aus der Psychoanalyse, stützen die Forderung nach einer unbefangenen Bejahung der Sexualität …Das gemeinsame aller modernen pädagogischen Bestrebungen ist eine emanzipatorische gegenüber einer traditionell-repressiven Sexualerziehung, erreichbar durch Enttabuisierung der Sexualität und des Sexualverhaltens und Vermittlung von Kenntnissen ihrer Entwicklungsformen und Einsicht in ihre soziale Bedingtheit.“ (Häcker; Stapf 2004, S.859)

[2] Antiautoritäre Erziehung ist eine nichtrepressive, zwangsfreie Erziehungsmethode die in den Zwanziger Jahren durch A.S. Neill und W. Reich begründet und Ende der Sechsziger Jahre wieder aufgriffen wurde.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Sexualpädagogik in Summerhill
Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn
Note
1,2
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V24873
ISBN (eBook)
9783638276443
ISBN (Buch)
9783638788984
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sexualpädagogik, Summerhill
Arbeit zitieren
Doreen Hunger (Autor), 2004, Sexualpädagogik in Summerhill, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24873

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