Innerhalb des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschlands nehmen Verbände eine entscheidende Position ein.
Relativ schnell ist festzustellen, dass erhebliche Defizite in der demokratischen Struktur des Verbandssystems erkennbar sind. Bei dem bereits erwähnten Beitrag der den Verbänden im Politikprozess in der BRD zugesprochen wird, kann dies zu enormen Problemen für das System führen. Jenes ist auch die Grundlage für die Frage nach der Gefahr, die der Mangel an innerverbandlicher Demokratie für die pluralistische Interessenvertretung darstellt.2 Allgemein kann man davon sprechen, dass es ganz im Sinne des Pluralismus ist eine hohe Anzahl von Interessen in staatliche Entscheidungen mit einzubeziehen.3 Allerdings bleibt zu klären, ob die positiven Aspekte dieser Einbindung bei der Betrachtung der innerorganisatorischen Demokratie noch haltbar sind.
Zunächst versuche ich, die Verbände im Pluralismus zu verorten, um dann dazu überzugehen, kurz den Versuch der gesetzlichen Regulation von innerorganisatorischen Strukturen darzustellen. Weiterhin werde ich auf Kriterien eingehen, welche die Binnendemokratie ausmachen, um dann anhand des Aufbaus von Beispielverbänden den Zustand dieser in der Bundesrepublik zu untersuchen. Daraus resultiert dann die Überlegung über den Nutzen von Demokratisierungsprozessen in komplexen Organisationen. Schließlich wird noch einmal auf die Rolle der Interessengruppen im Pluralismus eingegangen, indem die Beeinflussung ihrer Funktionen durch das Prinzip der konsequenten innerverbandlichen Demokratie betrachtet wird. Die Aussagen dieser Hausarbeit beziehen sich nur auf Verbände des Wirtschafts - und Arbeitsbereiches, obwohl sie in Teilen auch in anderen Typen auffindbar sind. Diese Herangehensweise erlaubt jedoch zumindest ein Maß an Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit. Der Hausarbeit liegt eine Sekundärliteraturanalyse zugrunde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verbände im Pluralismus
2.1 Verbände und ihre Rolle im pluralistischen System der BRD
2.2 Der Versuch der Regulierung
2.3 Kriterien an die innerverbandliche Demokratie
3. Die innerorganisatorische Demokratie in Verbänden der BRD
3.1 Die Struktur von Verbänden
3.1.1 Die Determinante Größe
3.1.2 Die Determinanten Mitglieder und Führung
3.1.3 Der formale Aufbau und die Kompetenzzuweisung
3.2 Die Diskussion über die Notwendigkeit von innerverbandlicher Demokratie
3.3 Der Einfluss der Binnendemokratie auf die Funktionen von Verbänden
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der innerorganisatorischen Demokratie in Verbänden der Bundesrepublik Deutschland und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob ein Mangel an Binnendemokratie eine ernsthafte Gefahr für die pluralistische Interessenvertretung darstellt.
- Rolle von Verbänden im pluralistischen politischen System
- Analyse von internen Machtstrukturen und Legitimationsfragen
- Spannungsfeld zwischen Effektivität und demokratischer Partizipation
- Untersuchung von Strukturmerkmalen wie Größe und Führungsbürokratie
- Diskussion der Notwendigkeit demokratischer Grundsätze in Interessengruppen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Determinante Größe
Es ist prinzipiell feststellbar, dass sich nahezu keine identischen Strukturen auffinden lassen. Man kann jedoch auf die Ähnlichkeiten im Aufbau der Organisationen zurückgreifen und versuchen davon Generalisierungen abzuleiten. So lässt sich feststellen, dass ab einer bestimmten Verbandsgröße (orientiert sich an Mitgliederzahl und/oder am vertretenen Interesse und seiner Konfliktfähigkeit) sich quasi zwangsweise ein hauptamtlicher Funktionärsapparat herausbilden muss, um die Arbeits- und damit die Entscheidungsfähigkeit einer Organisation gewährleisten zu können. Ebenfalls mit zunehmender Größe des Verbandes findet sich eine durch Hierarchie gekennzeichnete vertikale, als auch eine auf Arbeitsteilung basierende horizontale Strukturierung.
In großen Organisationen ist die Mitgliedereinbindung nur über Delegierte möglich, da basisorientierte Demokratievorstellungen Effektivitätsprobleme nach sich ziehen würden. Weiterhin zeigt sich, dass es zur Entstehung von Funktionsbürokratie führt, wenn der Verband eine gewisse Größe erreicht hat, und dies wiederum einhergeht mit abnehmenden Kontrollmöglichkeiten durch die Mitglieder, komplizierte und weitestgehend einseitige Kommunikationsabläufe und den daraus resultierenden Informationsungleichheiten der Mitglieder. Hier kann man die Theorie des „ehernen Gesetzes der Oligarchie“ von Robert Michels anwenden, wonach davon ausgegangen wird, dass in komplexen Interessengruppen die demokratische Willensbildung durch die Entscheidungen der oligarchischen Führung ersetzt wird. Die Oligarchisierung einer Interessengruppe zeigt sich in der Abgrenzung der jeweiligen Führungsgruppe unter der zumeist einhergehenden Ausschließung der Mitglieder von den binnenorganisatorischen Entscheidungsprozessen. Man kann weiterhin die Aussage treffen, dass je größer eine Organisation ist, umso höher wird auch der der Grad der Apathie der Mitglieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Rolle von Verbänden im politischen System der BRD und Definition der Forschungsfrage hinsichtlich der innerverbandlichen Demokratie.
2. Verbände im Pluralismus: Theoretische Einordnung der Verbände in das pluralistische System sowie Darstellung gescheiterter Regulierungsversuche und Definition demokratischer Kriterien.
3. Die innerorganisatorische Demokratie in Verbänden der BRD: Detaillierte Analyse der strukturellen Bedingungen, der Mitglieder-Führung-Beziehungen und der Auswirkungen auf die organisatorischen Funktionen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, die zu dem Schluss kommt, dass ein Demokratiedefizit in Verbänden keine unmittelbare Gefahr für den Pluralismus darstellt, da die Verbandslegitimation über die freie Mitgliedschaft erfolgt.
Schlüsselwörter
Innerverbandliche Demokratie, Pluralismus, Interessenvertretung, Binnendemokratie, Verbandsstruktur, Funktionsbürokratie, Oligarchie, Interessenaggregation, Partizipation, Legitimation, Verbände, BRD, Politische Willensbildung, Interessenartikulation, Verbändegesetz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit Verbände in der BRD innerorganisatorisch demokratisch strukturiert sind und welche Rolle dieses Thema im Kontext der pluralistischen Interessenvertretung spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Zusammenhang zwischen Verbandsgröße und Bürokratisierung, die Rolle von Führungseliten sowie die Frage nach der demokratischen Legitimation intermediärer Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob der Mangel an Binnendemokratie eine systemische Gefahr für die pluralistische Interessenvertretung darstellt oder ob andere Faktoren für den Pluralismus eine größere Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Hausarbeit stützt sich auf eine fundierte Sekundärliteraturanalyse verschiedener politikwissenschaftlicher Theorien und Organisationsstudien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die strukturellen Determinanten von Verbänden, die Diskussion um die Notwendigkeit von Binnendemokratie sowie deren Einfluss auf Kernfunktionen wie Interessenaggregation und Integration beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen innerverbandliche Demokratie, Pluralismus, Oligarchisierung, Interessenvertretung und Verbandsbürokratie.
Warum wird das "eherne Gesetz der Oligarchie" von Robert Michels zitiert?
Dieses Gesetz dient dazu, die Tendenz in großen Verbänden zu erklären, in denen die demokratische Willensbildung durch eine kleine, informierte Führungselite ersetzt wird.
Kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Verbände demokratisiert werden müssen?
Das Fazit relativiert dies: Zwar gibt es Legitimationsprobleme, doch stellt das Demokratiedefizit keine direkte Gefahr für den Pluralismus dar, da die freie Mitgliedschaft und der Wettbewerb zwischen Verbänden die Legitimation sicherstellen.
- Arbeit zitieren
- Claudia Felber (Autor:in), 2004, Die innerorganisatorische Demokratie in Verbänden der BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24885