Beim Prinzip des Unilateralismus handelt es sich um eine Politikform, bei der einzelne Staaten für sich das Recht in Anspruch nehmen, im Alleingang handeln zu können und gegebenenfalls auch gegen andere Mitglieder der Staatengemeinschaft vorzugehen, sobald dies zur eigenen Interessendurchsetzung notwendig erscheint. Dieser Ansatz widerspricht offensichtlich dem von den Vereinten Nationen verfolgten Konzept der internationalen Kooperation und kann in Teilen auch gegen das Völkerrecht verstoßen. Weiterhin fördern die USA durch ihre auch praktizierte Idee von eigenständigen Handlungen eine Alternative zur gemeinsamen Friedenssicherung auch für andere Staaten.2 Dies kann zu einer ernsthaften Gefährdung der Relevanz der UNO und ihrer Entscheidungen führen und damit auch den gesamten Entwurf des Multilateralismus bedrohen. Schließlich basiert jener auf der Vorstellung der Staaten, ihre Interessen entweder ausschließlich oder zumindest besser im Kollektiv durchsetzen zu können. Stets war die Rolle der UNO geprägt von den Einstellungen ihrer Mitglieder zum Multilateralismus, und ihr gesamtes Potential setzt sich aus den Teilen zusammen, welche die ihr angehörenden Staaten einbringen.3 Eine Zunahme von unilateralem Aktionismus wird ohne Zweifel die UNO schwächen, wenn nicht sogar marginalisieren können, da der von ihr praktizierte Ansatz der gemeinsamen Lösung seinen Wert verliert. Dies erklärt auch die der Hausarbeit zugrunde liegende Problemstellung, inwieweit amerikanischer Unilateralismus, und damit die Veränderung der Machtverteilung im internationalen System, dem Multilateralismus wie er von den Vereinten Nationen praktiziert wird, zuwider strebt. Innerhalb der Analyse konzentriere ich mich auf die Politikfelder Sicherheit und Herrschaft, da eine umfassende Erarbeitung aller Einflussgebiete den hier gegebenen Rahmen überschreiten würde.
Vorerst gehe ich dabei auf das Programm selbst ein, um dann die Rolle der Vereinigten Staaten im internationalen System erläutern. Jenes fließt dann auch mit ein bei der Bewertung des Einflusses der jeweiligen Strategie auf die UNO, und abschließend wird pro außenpolitischen Ansatz exemplarisch eine Intervention und die Auswirkungen des Konzeptes auf diese und die Vereinten Nationen untersucht. Die Hausarbeit basiert auf einer Sekundärliteraturanalyse unter Einbeziehung der Nationalen Sicherheitsstrategie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Neue Weltordnung
2.1 Ziele und Mittel der Durchsetzung der Neuen Weltordnung
2.2 Die Rolle der USA im internationalen System unter der Regierung Bush sen.
2.3 Die Neue Weltordnung und ihr Einfluss auf die UNO
2.4 Der Irakkrieg, die Neue Weltordnung und die Vereinten Nationen
3. Die Nationale Sicherheitsstrategie
3.1 Ziele und Mittel der Durchsetzung der Nationalen Sicherheitsstrategie
3.2 Die Rolle der USA im internationalen System unter der Regierung Bush
3.3 Die Nationale Sicherheitsstrategie und ihr Einfluss auf die UNO
3.4 Der Golfkrieg, die Nationale Sicherheitsstrategie und die Vereinten Nationen
4. Fazit
5. Literaturliste
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss US-amerikanischer sicherheitspolitischer Konzeptionen, insbesondere der „Neuen Weltordnung“ und der „Nationalen Sicherheitsstrategie“, auf das Prinzip des Multilateralismus innerhalb der Vereinten Nationen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit die amerikanischen Vorstellungen zur Machtverteilung im internationalen System dem multilateralen Konzept der UNO zuwiderlaufen.
- Vergleich der sicherheitspolitischen Ansätze von George Bush sen. und George W. Bush.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen unilateralem US-Handeln und multilateralen Strukturen der UNO.
- Untersuchung der Instrumentalisierung internationaler Institutionen durch die USA.
- Bewertung der Auswirkungen von Präventions- und Präemptionsstrategien auf das Völkerrecht.
- Diskussion der Rolle der UNO bei kriegerischen Interventionen der USA.
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Neue Weltordnung und ihr Einfluss auf die UNO
Die der UNO zugeschriebene Schlüsselfunktion bei der Durchsetzung der Neuen Weltordnung gründete sich auf der Vorstellung, dass die charakteristische Lähmung des Sicherheitsrates zu Zeiten des Kalten Krieges aufgehoben wurde, und die Vereinten Nationen das erste Mal in ihrer Geschichte ihre Gründungsziele konsequent verfolgen könnten. Allerdings dominierten die USA während der Bush-Administration den Sicherheitsrat, da fast ausschließlich amerikanische Verbündete zu diesem Zeitpunkt die Sitze der nichtständigen Mitglieder besetzten. Dies machte die UNO zu einem relativ sicheren Instrument für die Interessendurchsetzung der USA. Die Einstellung von Bush sen. zu den Vereinten Nationen bewegte sich demzufolge auch im Bereich der Instrumentarisierung derselben für die amerikanische Außenpolitik.
Bush sen. konnte auch aufgrund von innenpolitischen Faktoren (Rezession Anfang der 90er Jahre, die grassierende Drogenproblematik) eine Politik des internationalen Alleingangs nicht vertreten, da diese finanziell nicht zu rechtfertigen gewesen wäre. Vielmehr war die UNO, und hier speziell der Sicherheitsrat, für ihn der Ort, an dem kollektive Aktionen der Staatengemeinschaft entschieden wurden und der gleichzeitig die Legitimationsinstanz für diese Vorhaben darstellte. Besonders im Bereich der Sicherheitspolitik waren und sind unilaterale Vorgehensweisen nicht besonders effizient, da ein praktizierter Multilateralismus auch immer eine Umverteilung von Kosten und Verantwortung bedeutet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Problem des US-amerikanischen Führungsanspruchs im Widerspruch zum multilateralen Prinzip der Vereinten Nationen und stellt die Forschungsfrage.
2. Die Neue Weltordnung: Dieses Kapitel erläutert das außenpolitische Programm der Ära Bush sen. und dessen ambivalentes Verhältnis zu multilateralen Strukturen.
2.1 Ziele und Mittel der Durchsetzung der Neuen Weltordnung: Hier werden die idealistischen Ziele wie Friedenssicherung und Demokratisierung im Kontext amerikanischer Eigeninteressen analysiert.
2.2 Die Rolle der USA im internationalen System unter der Regierung Bush sen.: Die Untersuchung konzentriert sich auf die US-amerikanische Selbstwahrnehmung als alleinige Weltmacht nach dem Kalten Krieg.
2.3 Die Neue Weltordnung und ihr Einfluss auf die UNO: Dieses Kapitel analysiert die Instrumentalisierung der Vereinten Nationen für US-amerikanische Sicherheitsziele.
2.4 Der Irakkrieg, die Neue Weltordnung und die Vereinten Nationen: Anhand der Intervention 1991 wird das Spannungsfeld zwischen UN-Resolutionen und unilateralem Handeln aufgezeigt.
3. Die Nationale Sicherheitsstrategie: Das Kapitel behandelt die 2002 veröffentlichte Strategie, die insbesondere auf den Kampf gegen Terrorismus und Massenvernichtungswaffen fokussiert.
3.1 Ziele und Mittel der Durchsetzung der Nationalen Sicherheitsstrategie: Hier stehen präventive und präemptive Handlungsoptionen als Mittel der US-Sicherheitspolitik im Mittelpunkt.
3.2 Die Rolle der USA im internationalen System unter der Regierung Bush: Es wird der Wandel hin zu einer kritischeren Haltung gegenüber internationalen Institutionen unter George W. Bush dargelegt.
3.3 Die Nationale Sicherheitsstrategie und ihr Einfluss auf die UNO: Die Analyse zeigt die Marginalisierung der UNO durch US-amerikanische Alleingänge auf.
3.4 Der Golfkrieg, die Nationale Sicherheitsstrategie und die Vereinten Nationen: Die Intervention von 2003 dient als Fallbeispiel für den Bruch mit multilateralen Normen und dem Völkerrecht.
4. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Auswirkungen des US-Unilateralismus auf die Handlungsfähigkeit und Relevanz der Vereinten Nationen zusammen.
Schlüsselwörter
USA, UNO, Neue Weltordnung, Nationale Sicherheitsstrategie, Multilateralismus, Unilateralismus, internationale Sicherheit, Prävention, Präemption, Völkerrecht, Irakkrieg, Golfkrieg, Machtverteilung, Souveränität, kollektive Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich der zunehmende US-amerikanische Unilateralismus seit dem Ende des Kalten Krieges auf das multilaterale System der Vereinten Nationen auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Außen- und Sicherheitspolitik der USA unter den Präsidenten Bush sen. und Bush jun., das Konzept der kollektiven Sicherheit sowie die Rolle internationaler Organisationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu klären, inwieweit die amerikanischen Konzeptionen zur Machtverteilung im internationalen System dem Prinzip der multilateralen Kooperation, das die UNO verkörpert, entgegenstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Hausarbeit basiert auf einer Sekundärliteraturanalyse, in deren Rahmen die offiziellen Dokumente zur Neuen Weltordnung und zur Nationalen Sicherheitsstrategie kritisch ausgewertet werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gegenüberstellung der zwei Sicherheitskonzepte, untersucht deren praktische Anwendung anhand der Irak-Interventionen und bewertet die Konsequenzen für das Völkerrecht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unilateralismus, Multilateralismus, Präemption und die Instrumentalisierung internationaler Institutionen geprägt.
Wie unterscheidet sich die Haltung zur UNO zwischen Bush sen. und Bush jun.?
Während Bush sen. die UNO noch stärker als Legitimationsinstanz für kollektive Aktionen nutzte, bewertete die Administration unter Bush jun. internationale Institutionen als hinderlich für die nationale Sicherheit und setzte verstärkt auf unilaterale Alleingänge.
Inwiefern hat die Nationale Sicherheitsstrategie von 2002 das Völkerrecht beeinflusst?
Durch die Einführung präemptiver Verteidigungsstrategien, die durch die UN-Charta nicht gedeckt sind, schwächt die Strategie die bestehenden normativen Grundlagen des Gewaltverbots und des klassischen Völkerrechts.
- Quote paper
- Claudia Felber (Author), 2004, Der Einfluss der Neuen Weltordnung und der Nationalen Sicherheitsstrategie auf die UNO - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24891