Focusing als zentrales Beratungselement


Seminararbeit, 2001

9 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Grundlagen der Focusingtheorie
1.1 Focusing als zentrales Beratungselement
1.2 Entstehung
1.3 Bedeutung
1.4 Darstellung und Erläuterung des Focusingprozess
1.5 Psychologische Erklärung
1.6 Hintergrund der Focusing-Theorie

Teil 1: Grundlagen der Focusingtheorie

1.1 Focusing als zentrales Beratungselement

Focusing ist ein zentrales Element in der professionellen Beratung und wird für beratende und therapeutische Berufe als Zusatzausbildung angeboten. Die Methode entstammt der personenzentrierten Psychotherapie und ist als Denkansatz und Verfahren in die humanistische Psychologie und Philosophie einzuordnen. In diesem Prozess sollen die Klienten zu einer Innenschau angeregt werden, bei der es darum geht, sich mit Hilfe von körperlichen Empfindungen und Wahrnehmungen Gefühle bewusst zu machen; ihnen soll dadurch ein besserer, realistischer Zugang zu sich selbst ermöglicht werden.

1.2 Entstehung

In den siebziger Jahren beschäftigte sich Eugene T. Gendlin an der University of Chicago zusammen mit Carl Rogers mit klientenzentrierter Psychotherapie. Im Rahmen dieser Forschung untersuchte er anhand von auf Tonband aufgezeichneten Therapiesitzungen, welche Variablen für das Gelingen bzw. Misslingen einer Therapie verantwortlich sind. Er entdeckte eine spezielle innere Handlung bei den erfolgreichen Klienten. „In diesem Prozess nehmen sie Kontakt auf mit einer besonderen Art innerlichen Bewusstsein, das ich als „felt sense“ bezeichnen möchte.“[1] Hierbei handelt es sich um einen inneren Akt, der bei persönlichen Veränderungen abläuft. Bei diesem Prozess handelt es sich also um einen natürlichen Prozess im Menschen, der ganzheitlich, d.h. auf geistiger und körperlicher Ebene, stattfindet. Zu diesem inneren Prozess versuchte Gendlin mit Gesprächspsychotherapie hinzuarbeiten und ihn zu aktivieren. Die Methode, die er dafür entwickelte, bezeichnete er als Focusing.

1.3 Bedeutung

Gendlin sieht die Bedeutung von Focusing nicht nur im Rahmen von Psychotherapie, sondern erkennt die Bedeutung auch darin, diesen Prozess gezielt in sich selbst zu aktivieren. Er sieht in Focusing sogar eine Möglichkeit „alle Probleme und Situationen anzupacken, ein Werkzeug, das täglich benutzt werden kann“[2]. Grundsätzlich kann Focusing eine sinnvolle Anwendungsmöglichkeit in allen therapeutischen und beratenden Gesprächssituation sein. Im Rahmen der Gesprächspsychotherapie wird Focusing heute als therapeutische Methode angewendet, die dem Klienten helfen soll sein eigenes inneres Bezugssystem besser zu verstehen, indem seine Fähigkeit zum Selbsterleben gesteigert und weiterentwickelt wird.

1.4 Darstellung und Erläuterung des Focusingprozesses

Um Focusing betreiben zu können ist es zunächst einmal unabdingbar notwendig, bei sich selbst zu sein – sonst ist ein Focusingprozess unmöglich. Bevor der Focusingprozess begonnen werden kann, muss die Person in der Lage sein, sich zu sammeln und einen Bezug zu sich selbst herzustellen. Wenn diese Voraussetzung erfüllt sind, kann der Focusingprozess beginnen.

Beim Einsatz des Focusingprozesses als Selbstanwendung oder als Methode in der Therapie und Beratung läßt sich sein Ablauf in drei Schritten darstellen.

Der erste Schritte besteht darin, sich gedanklich auf einen Inhaltsbereich der persönlichen Probleme zu konzentrieren. Beispielsweise könnte man an eine Person denken, mit der man in letzter Zeit Probleme hatte oder an andere Bereiche der eigenen Lebenswelt, die man als problematisch empfindet. Hierbei ist es wichtig, sich auf einen einzigen problematischen Kontext festzulegen.

Im zweiten Schritt wird die Aufmerksamkeit auf die körperliche Reaktion gelenkt, die sich bei der gedanklichen Auseinandersetzung mit diesem Problem im Körper einstellt. Wenn sich der menschliche Geist mit bestimmten Inhalten befasst, sei es gedanklich oder weil man sich in einer entsprechenden Situation befindet, entsteht zu diesem Kontext immer ein Körpergefühl, ein Grundgefühl, welches immer mit dieser Thematik auftaucht. Diese körperliche Wahrnehmung wird von Gendlin als „felt sense“ bezeichnet, was sich mit „gefühlter Bedeutung“ übersetzten läßt. „Ein „felt sense“ ist keine geistige, sondern eine physische Erfahrung, ein körperliches Wahrnehmen einer Situation, einer Person oder eines Ereignisses. Eine innere Aura, die alles umgibt, was Sie zu einen bestimmten Gegenstand zu einer bestimmten Zeit fühlen und wissen – sie umgibt es und teils es Ihnen mit, nicht eines nach dem anderen, sondern alles auf einmal.“[3] Dieses diffuse Körpergefühl tritt besonders stark als unangenehmes Gefühl im Zusammenhang mit Lebensbereichen auf, die als problematisch empfunden werden. Der „felt sense“ kann sich natürlich auch angenehm anfühlen, bei Lebensbereichen, die als sehr angenehm empfunden werden. Jedoch ist er bei starken Problemen am leichtesten wahrzunehmen.

[...]


[1] Gendlin, Eugene T.: Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme, rororo 1998

[2] Gendlin, Eugene T.: Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme, rororo 1998

[3] Gendlin, Eugene T.: Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme, rororo 1998

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Focusing als zentrales Beratungselement
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Fachbereich Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Konzepte und Formen sozialpädagogischer Beratung
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V2493
ISBN (eBook)
9783638115230
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Focusing, Gendlin, Rogers, Gesprächspsychotherapie
Arbeit zitieren
Diplom Pädagoge Volker Müller (Autor), 2001, Focusing als zentrales Beratungselement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2493

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