Im Jahre 2002 wurden auf der Halbinsel Jasmund 11 ausgewählte, naturnahe Quellen umfassend untersucht, von denen 6 im Nationalpark liegen. Ziel war es, den Ist-Zustand der Quellen zu erfassen, um eine Aussage zum ökologischen Zustand und evtl. erforderlichen Maßnahmen treffen zu können.
Der Schwerpunkt der Untersuchung lag auf einer Bestandsaufnahme des Makrozoobenthos. Alle Standorte wurden zweimalig qualitativ auf Makroinvertebraten beprobt. Ergänzend wurden Köderungen nach Strudelwürmern durchgeführt und die Landschneckenfauna erfasst. Gewässergüte und Ernährungstypenzusammensetzung wurden ermittelt und die Ähnlichkeiten der Zoozönosen verglichen.
Die Bestandserfassung der Vegetation an den Quellstandorten erfolgte in Form von Vegetationsaufnahmen. Die vorherrschenden Pflanzengesellschaften wurden bestimmt und die Ähnlichkeiten berechnet.
Ergänzend wurden stichprobenhafte wasserchemische Messungen durchgeführt.
Die Jasmunder Quellen besitzen fast alle eine artenreiche Lebensgemeinschaft mit hoher Taxazahl und einem mittleren bis hohen Anteil an quelltypischen und krenobionten Arten. Nur 3 Quellen weisen natürlicherweise eine artenarme Zoozönose auf. An 5 Standorten wurde das Glazialrelikt Crenobia alpina (Alpenplanarie) nachgewiesen.
An 9 Standorten wurden gesetzlich geschützte Quellflur-Gesellschaften (Montio-Cardaminetalia) bestimmt, die z.T. von nährstoffliebenden, artenreichen Feuchtwiesen- und Auwaldgesellschaften durchdrungen sind. Die Halbinsel Jasmund weist ein bedeutendes Vorkommen der in Norddeutschland sehr seltenen Kalk-Quellfluren auf. Die anthropogene Beeinflussung der Vegetation wird als mittel bis gering eingeschätzt. Sie besteht hauptsächlich im Eintrag von nährstoffreichem Grund- und Sickerwasser.
Die Wasserqualität wird insgesamt als gut eingeschätzt, die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung wurden nur in sehr wenigen Fällen leicht überschritten. Im Vergleich zu früheren Messungen zeigte sich eine schwache Versauerung der Quellwässer. An 3 Standorten wurden erhöhte Nährstoffgehalte festgestellt. Typisch für die kalk- und eisenreichen Quellwässer ist die Ausscheidung von Quellkalken und Eisenocker.
Die Mehrheit der untersuchten Gewässer befindet sich in einem naturnahen Zustand und ist nur in geringem Grad gefährdet. Eine Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen ist jedoch insbesondere bei Quellen außerhalb des Nationalparks gegeben. Dort ist eine Minimierung der Nährstoffeinträge sowie die Ausweisung als Schutzgebiet anzustreben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rahmenbedingungen im Untersuchungsgebiet
2.1 Allgemeiner Überblick
2.1.1 Lage und naturräumliche Einordnung
2.1.2 Geologie und Hydrogeologie
2.1.3 Böden
2.1.4 Klima
2.1.5 Vegetation
2.1.6 Landnutzung auf Jasmund seit dem Mesolithikum
2.2 Die Jasmunder Kalkquellen und –bäche
2.2.1 Allgemeine Charakterisierung
2.2.2 Quellkalkbildungen
2.2.3 Schwefelwasserstoffquellen
2.2.4 Eisenockerausscheidungen
2.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3 Beschreibung und allgemeine Charakterisierung der untersuchten Quellen
3.1 Quelle 1 – Brunnenaue
3.2 Quelle 2 – Kalkquellmoor Nardevitz
3.3 Quelle 3 – Mühlengrund
3.4 Quelle 4 – Uferquelle
3.5 Quelle 5 – Höllgrund
3.6 Quelle 6 – Hohes Holz
3.7 Quelle 7 – Kleiner Steinbach
3.8 Quelle 8 – Schwefelquelle Kollicker Bach
3.9 Quelle 9 – Tümpelquelle Kollicker Bach
3.10 Quelle 10 – Lenzer Bach
3.11 Quelle 11 – Großer Steinbach
4 Methodischer Teil
4.1 Ermittlung chemisch-physikalischer Parameter
4.1.1 Schüttung
4.1.2 Luft- und Wassertemperatur
4.1.3 pH-Wert und elektrische Leitfähigkeit
4.1.4 Sauerstoffgehalt und Sauerstoffsättigungsindex (SSI)
4.1.5 Säurekapazität
4.1.6 Bestimmung von Anionen
4.1.7 Bestimmung von Kationen
4.2 Erfassungsmethodik des Makrozoobenthos
4.2.1 Qualitative Bestandserhebung
4.2.2 Köderung der Strudelwürmer
4.2.3 Zusätzliche Erhebungen
4.3 Vegetationskundliche Erfassungsmethodik
4.3.1 Vegetationsaufnahme
4.4 Auswertungsverfahren
4.4.1 Ermittlung des Saprobienindex und der Gewässergüte
4.4.2 Ähnlichkeitsvergleiche
5 Ergebnisse und Auswertung
5.1 Chemisch-physikalische Parameter
5.1.1 Ergebnisdarstellung und Auswertung der einzelnen Parameter
5.1.2 Zusammenfassende Bewertung der Wasseranalysen
5.2 Makrozoobenthos
5.2.1 Arteninventar
5.2.2 Saprobienindex und Gewässergüte
5.2.3 Ernährungstypen
5.2.4 Ökologische Bewertung der Quellfauna
5.2.5 Ähnlichkeiten der Quellzoozönosen
5.2.6 Zusammenfassende Bewertung der Jasmunder Quellfauna
5.3 Vegetationszusammensetzung
5.3.1 Pflanzengesellschaften der Jasmunder Quellen
5.3.2 Pflanzensoziologische Beschreibung der einzelnen Standorte
5.3.3 Berechnung der Flächenähnlichkeiten
5.3.4 Zusammenfassende Bewertung der Vegetationsverhältnisse
6 Diskussion
6.1 Gesamtbeurteilung der Quellfluren
6.2 Maßnahmenvorschläge
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel der Diplomarbeit ist die erstmalige, umfassende ökologische Untersuchung und Charakterisierung ausgewählter Quellstandorte auf der Halbinsel Jasmund (Rügen), um deren Ist-Zustand zu erfassen und eine Bewertung ihres ökologischen Status vorzunehmen.
- Faunistische Bestandsaufnahme des Makrozoobenthos als Indikatorgruppe
- Chemisch-physikalische Wasseranalysen zur Bestimmung des Gewässerzustands
- Vegetationsökologische Untersuchung und Erfassung der Pflanzengesellschaften
- Analyse von Gefährdungsursachen und Ableitung von Schutzmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
3.1 Quelle 1 – Brunnenaue
Bei der untersuchten Quelle handelt es sich um eine kaltstenotherme Seitenquelle des Sagarder Baches, welcher in den Großen Jasmunder Bodden mündet (THIENEMANN 1926). Die mit dicken leuchtend orange-roten Eisenockermatten bedeckte Helokrene entspringt in der quellreichen Brunnenaue bei Sagard inmitten eines Eschenwaldes (Abb. 8).
Die Quelle befindet sich linkerhand des Sagarder Baches, etwa 6 Meter unterhalb eines Weges, der durch die Brunnenaue führt. Ein ca. 15 Meter langer Quellbach (Abb. 9) mit beiderseits üppiger Krautschicht verbindet den Quellaustritt mit dem naturnahen Sagarder Bach.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die historische und ökologische Bedeutung von Quellen sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Rahmenbedingungen im Untersuchungsgebiet: Liefert einen detaillierten Überblick über die geographischen, geologischen, klimatischen und landnutzungsgeschichtlichen Rahmenbedingungen auf der Halbinsel Jasmund.
3 Beschreibung und allgemeine Charakterisierung der untersuchten Quellen: Dokumentiert die 11 ausgewählten Quellstandorte und deren morphologische sowie physikalische Besonderheiten.
4 Methodischer Teil: Erläutert die angewandten Methoden zur chemisch-physikalischen Wasseranalyse sowie die faunistischen und vegetationskundlichen Erhebungsmethoden.
5 Ergebnisse und Auswertung: Präsentiert und interpretiert die erhobenen Daten zu Wasserchemie, Makrozoobenthos und Vegetation sowie deren ökologische Bedeutung.
6 Diskussion: Führt eine Gesamtbeurteilung der Quellfluren durch und leitet konkrete Maßnahmenvorschläge zum Schutz der Biotope ab.
7 Zusammenfassung: Fasst die wesentlichen Ergebnisse der Diplomarbeit zusammen.
Schlüsselwörter
Jasmund, Rügen, Quellen, Quellfluren, Makrozoobenthos, Wasserchemie, Vegetationskunde, Crenobia alpina, Quellkalk, Eisenocker, Gewässergüte, Naturschutz, Lebensraum, Saprobienindex.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht ökologische Aspekte von 11 ausgewählten Quellstandorten auf der Halbinsel Jasmund (Rügen) unter Berücksichtigung faunistischer, vegetationskundlicher und chemischer Parameter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Bestandsaufnahme der Quellfauna (Makrozoobenthos), die Analyse der Wasserqualität (chemisch-physikalische Parameter) sowie die pflanzensoziologische Charakterisierung der Quellvegetation.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Hauptziel ist die Erfassung des Ist-Zustands der Quellen, um darauf aufbauend eine ökologische Bewertung vorzunehmen und gegebenenfalls notwendige Schutzmaßnahmen zu definieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Verwendet wurden qualitative Bestandserhebungen von Makroinvertebraten (u.a. durch Köderung von Strudelwürmern), chemische Laboranalysen mittels Ionenchromatographie und vegetationskundliche Aufnahmen nach der Methode von Braun-Blanquet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Standorte, die methodische Erläuterung der Parametererfassung sowie die umfangreiche Ergebnisdarstellung und Diskussion der gewonnenen Daten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Quellökologie, Makrozoobenthos, Jasmunder Kalkquellen, Glazialrelikte wie Crenobia alpina und naturschutzfachliche Schutzwürdigkeit.
Welche Rolle spielt der Alpenstrudelwurm (Crenobia alpina) in dieser Arbeit?
Crenobia alpina dient als wichtiges Indikator-Eiszeitrelikt für naturnahe, kalte Quellstandorte, dessen Vorkommen und Lebensraumbedingungen auf Jasmund gesondert analysiert werden.
Wie wirken sich menschliche Eingriffe auf die untersuchten Quellen aus?
Die Arbeit zeigt, dass anthropogene Einflüsse wie Nährstoffeinträge, Wildtritt oder die Verkippung von Müll die Artenzusammensetzung beeinträchtigen können, wobei viele Quellen im Nationalpark einen sehr naturnahen Zustand bewahrt haben.
- Quote paper
- Sindy Irmscher (Author), 2003, Faunistische, wasserchemische und vegetationsökologische Untersuchungen an ausgewählten Quellen der Halbinsel Jasmund (Rügen), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24982