Die Indianer im Pelzhandel Nordamerikas und seine Einflüsse auf das Leben der Indianer


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

17 Seiten, Note: gut


Leseprobe

1) Inhaltsverzeichnis

2) Einleitung

3) Kurze Geschichte des Pelzhandels in Nordamerika

4) Die Rolle der Indianer im Pelzhandel

5) Abhängigkeiten von Waren der Europäer
5.1) Schmuckgegenstände/ Kleidung
5.2) Metallwaren
5.3) Nahrungs- und Genussmittel

6) Krankheiten

7) Kriege während des Pelzhandels

8) Migrationen

9) Das Leben der Indianer nach dem Pelzhandel

10) Anhang

11) Literaturverzeichnis

2) Einleitung:

Der Pelzhandel war vom 17. bis ins 19. Jahrhundert eine der entscheidenden Kräfte in der Erschließung Nordamerikas sowie in seiner wirtschaftlichen und politischen Entwicklung. Während dieser Zeit kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Europäern und Indianern, aber auch zu einer Annäherung untereinander. Für einen wirklichen Erfolg des Pelzhandels war die Zusammenarbeit beider Seiten unerlässlich, da man auf den anderen Partner angewiesen war. In großen Teilen des Landes kann man vielleicht sogar von einer Art Partnerschaft sprechen, auch wenn dabei nicht immer alle Partner gleichberechtigt waren. Im Laufe der Zeit veränderte sich die Kultur der Indianer unter dem Einfluss der europäischen Nationen: Sie lernten neue Lebensweisen von den Weißen kennen - ob diese nun gut oder schlecht waren sei hier erst einmal dahingestellt - und sie mussten sich permanent an die Veränderungen ihrer Umgebung anpassen. Im Folgenden soll nun versucht werden, die Rolle der Indianer im Pelzhandel und die auf sie wirkenden Einflüsse aufzuzeigen und zu werten. Auf diese Weise soll das Leben der Indianer vor, während und nach der Ära des Pelzhandels nachgezeichnet werden. Dafür ist allerdings erst einmal ein kurzer Überblick über die Geschichte des Pelzhandels notwendig.

3) Kurze Geschichte des Pelzhandels in Nordamerika:

Die allerersten Anfänge des Pelzhandels in Amerika liegen im Jahre 1534, als Jacques Cartier auf der Suche nach der Nordwestpassage in Labrador und am Sankt-Lorenz-Strom landet und dort das erste Mal mit Einheimischen Waren gegen Felle tauscht. Felle werden jedoch erst mit Ende des 16. Jahrhunderts bedeutsam, als in Europa Filzhüte in Mode kommen, für die große Mengen Biberfelle benötigt werden. Als erstes erkennen 1608 die Franzosen den Wert des entdeckten Gebietes und errichten dort Siedlungen und Posten, von denen aus sie mit den Indianern um Felle handeln. Allerdings wollen auch die Briten einen Teil des Gebietes haben, und so kommt es immer wieder zu mehr oder minder schweren Auseinandersetzungen. 1659 finden die Franzosen Chouart und Radisson ertragreiche Gebiete an der Hudson Bay, laufen aber wegen Streitigkeiten mit der französischen Regierung zu den Briten über und arbeiten fortan für diese. 1663 entstehen erste feste koloniale Strukturen, im Jahre 1670 wird die Hudson Bay Company (HBC) gegründet, die für die Briten das Monopol im Pelzhandel besitzt.[1] Die Briten dehnen ihr Gebiet zu dieser Zeit nicht weiter aus, während die Franzosen in die Mississippi-Region und die Region westlich der Großen Seen vorstoßen. Das französische Zentrum des Pelzhandels ist Montreal, wo 1685 die Compagnie du Nord gegründet wird, die das französische Monopol besitzt. In der Folgezeit kommt es permanent zu kleinen und größeren Gefechten um die Pelzquellen, mal zwischen den Briten und den Franzosen, mal zwischen diesen Nationen und den Indianern, und manchmal auch zwischen den einzelnen Stämmen. Die Niederländer spielen im Pelzhandel hingegen nur eine geringe Rolle. Sie siedeln am Hudson- und Delaware-River und auf der Insel Manhattan (später Stadt New York) und handeln dort mit den Irokesen. Bereits 1674 ziehen sie sich als nordamerikanische Kolonialmacht zurück.[2] Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Höhepunkt des Pelzhandels erreicht, als allein von den Franzosen circa 300.000 kg Fell pro Jahr nach Europa geliefert werden. Ab 1763 geht der Handel mit Pelzen allerdings wieder zurück, was zum einen am Krieg der Briten und Franzosen liegt, den letztere zusammen mit ihren Gebieten verlieren, zum anderen aber auch an der weiter wachsenden Konkurrenz z.B. durch die Northwest Company. Außerdem erschöpfen sich langsam die Pelzquellen in Nordamerika, da der Bedarf in Europa enorm ist. Die vermehrte Konkurrenz führt zu einer Ausdehnung der Territorien der einzelnen Companys und zu einer voranschreitenden Erschließung des Landesinneren. Im Jahre 1812 verbieten die Amerikaner allerdings Ausländern den Handel auf amerikanischem Boden, was für die Franzosen und Briten hier das Aus bedeutet. Auf kanadischem Boden führt weiterhin die HBC. Jedoch gerät auch diese trotz der Fusion mit der Northwest-Company 1821 in Schwierigkeiten, da Biberfelle mittlerweile durch andere Tierarten ersetzt werden können, zumal ihre Verarbeitung recht teuer ist und in Europa die Seide immer mehr in Mode kommt. 1859 läuft das Monopol der HBC aus und bis 1870 wird der Pelzhandel im Osten Nordamerikas so gut wie unbedeutend.[3]

Im Westen Nordamerikas, besonders in Alaska, ließen sich die Russen nieder. 1741 erreichte der Däne Bering im Auftrag der Russen als erster Europäer Alaska. Handelspunkte waren z.B. die Alëuten oder Kodiak Island. 1799 wurde die Russische Amerika-Kompagnie (RAK) gegründet, die fortan das Monopol für die Ausbeutung Alaskas besaß und nicht gerade sehr gut mit den indigenen Völkern der Gebiete umging. 1839 pachtete die Hudson Bay Company Teile der Küste Alaskas von den Russen und stieg somit in den westlichen Pelzhandel ein. 1867 schließlich verkaufte Russland auf Grund sinkender Profite Alaska an die Amerikaner.[4]

Aber nicht nur in Alaska gab es Pelze, auch der Rest der westlichen Küste bis hinunter nach Kalifornien versprach gute Profite. Sogar von östlich der Rocky Mountains aus den Plains wurden Pelze an die Küste geliefert. Hier waren unter anderem die Northwest-Company und die Rocky Mountain Fur Company (später American Fur Company) zu finden. Allerdings vollzog sich die Entwicklung im Westen Nordamerikas erheblich langsamer, weil die Entfernungen und somit die Zeiträume und Strapazen hier viel größer waren als im Osten Nordamerikas.[5] Hier waren noch größere Anpassungen an die Anforderungen des Lebens notwendig als im Osten. So lag die größte Bedeutung für den Pelzhandel im Osten des Kontinents, von wo ja auch die hauptsächliche Erschließung des Landes erfolgte.

4) Die Rolle der Indianer im Pelzhandel:

Die Indianer handelten bereits lange vor der Ankunft der Europäer in Nordamerika mit Pelzen, jedoch hatte dieser Handel ganz andere Dimensionen als der spätere indianisch-europäische Handel. Der Handel mit Pelzen war für die Indianer nur eine geringfügige Ergänzung zu ihrem am Nahrungserwerb ausgerichteten Leben, eine Art kleiner Nebenerwerb. Es wurde nur mit anderen Stämmen gehandelt und auch nur recht selten[6]. Der Handel richtete sich, wie das ganze Leben der Indianer, an den Jahreszeiten aus. Das ganze Jahr über wurden kleinere Pelztiere wie Biber, Fuchs, Otter und Kaninchen gejagt sowie Fische geangelt. Nur wenig davon ging in den Handel, das meiste war für die Selbstversorgung mit Nahrung und Kleidung gedacht. In den Wintermonaten teilten sich die Stämme bzw. Familien und gingen auf die Jagd nach größeren Tieren wie Bären, Elchen und Karibus. Erst am Ende des Frühlings kamen die Gruppen wieder zusammen um Feste zu feiern, zu heiraten, Zeremonien abzuhalten und zu handeln. Dieser Ablauf bestimmte das Leben der Indianer und später auch die Organisation des kommerziellen Pelzhandels. Als Beispiel können hier die Stämme der Naskapi und Montagnais in Labrador, die Micmac der kanadischen Küstenregion oder die Abenaki des heutigen Maine angeführt werden.[7]

1534 handelten Indianer das erste Mal mit Europäern, als Jacques Cartier in Labrador landete und dort Waren gegen Felle eintauschte. Aber erst Ende des Jahrhunderts kam der Pelzhandel richtig in Schwung, als in Europa Filzhüte aus Biberfell in Mode kamen und der Biber in Europa fast ausgestorben war. Anfangs lief der gesamte Handel so ab, dass die Europäer Handelsposten an der Küste errichteten, zu denen die Indianer dann die Felle brachten und dort eintauschten; solche Posten waren z.B. Fort York oder Fort Churchill an der Hudson Bay. Für die Europäer war dies einerseits sehr einfach, da sie keine großen Aufwand betreiben mussten um an die Felle zu kommen, und zum anderen war es erheblich sicherer, da ihnen das Land ja bisher völlig unbekannt war. Vor allem die Briten organisierten den Handel anfangs auf diese Weise, während sich die Franzosen entlang der Flüsse und der Großen Seen weiter ins Land vorwagten. Hierbei waren die Indianer als Führer durch das unbekannte Gebiet von enormer Wichtigkeit. Ohne sie hätte die Erschließung der Gebiete erheblich länger gedauert und das ganze Unternehmen wäre noch gefährlicher gewesen als es ohnehin schon war. Auf Grund der Ortskundigkeit waren die Indianer in der Lage Nahrungsmittel bereitzustellen und sichere Transportwege zu zeigen. Natürlich blieben sie auch weiterhin selbst Fallensteller und Jäger.[8] Außerdem vermittelten sie Kontakte zu anderen Stämmen der Gebiete, mit denen die Europäer dann handeln konnten. Nicht immer traten die Indianer selbst mit den Europäern in Kontakt, manche Stämme dienten auch als Zwischenhändler und kauften von entfernteren Stämmen wie den Ojibwa, Menomini oder Fox die Pelze, die sie dann mit eigenem Profit an die Europäer weiterverkauften. Solche Zwischenhändler waren z.B. die Odawa, Huronen und Haudenosaunee, in deren eigenen Gebieten die Pelztiere nur noch sehr selten waren, und die dann auf diese Weise am Handel teilnahmen.[9] Manche Stämme handelten nur mit einer Nation, manche wie die Cree oder Assiniboine handelten sowohl mit den Briten als auch mit den Franzosen. Durch die gemeinsame Tätigkeit für die Europäer entstanden so auch neue indianische Allianzen, die sonst vielleicht nicht zustande gekommen wären.

Ein weiterer Vorteil der Indianer war ihr Vermögen, Transportmittel für das Landesinnere zu bauen, Kanus, die auf den teils schmalen Flüssen möglichst große Mengen schnell transportieren konnten. Hätte man die Pelze den ganzen Weg über Land transportieren müssen, wären Pelze noch teurer gewesen und es hätte vermutlich weniger von ihnen gegeben. Ohne die Indianer wäre der Handel mit den küstenfernen Gebieten also gar nicht möglich gewesen.

Je länger die Europäer in Nordamerika Zeit hatten Fuß zu fassen, desto mehr Handelsposten und Forts errichteten sie und desto geringer wurde die Rolle der Indianer als Vermittler beziehungsweise Führer. Nun aber wurden sie immer wichtiger als Nahrungslieferanten. Ab 1800 stieg die Zahl der Personen in den Handelsposten sehr schnell an und somit auch die Nachfrage nach Versorgungsgütern und Nahrungsmitteln. Manche Stämme verlagerten sich nun ganz auf die Versorgung der einzelnen Posten, während die Europäer die Pelze mittlerweile auch selber beschaffen konnten, da einige ihrer Leute mit den Indianern gelebt und von ihnen gelernt hatten. Wichtige Nahrungslieferanten war im Osten unter anderem die Cree und die Assiniboine.[10]

[...]


[1] Siehe: http://www.canadiana.org/hbc/intro_e.html

[2] Siehe: Schnurmann, Claudia: Europa trifft Amerika, S. 118

[3] Siehe: http://www.canadiana.org/hbc/intro_e.html

[4] Siehe: http://www.travelocity.de/TEU_destGuide/0,4179,TCYDE%7C3553%7C3573%7C5251%7C1,00.html; Der Große Bertelsmann Bildatlas Indianer, S. 206 f.

[5] Siehe: Stammel, H.J.: Indianer, S. 128 f.

[6] Eine Karte mit den nordamerikanischen Indianerstämmen befindet sich im Anhang!

[7] Siehe: Josephy, Alvin M.: 500 Nations, S. 228

[8] Siehe: Probst, Ingmar: Geschichte des kanadischen Pelzhandels, 1763 - 1821, S. 16

[9] Siehe: Josephy, Alvin M.: 500 Nations, S. 228

[10] Siehe: Probst, Ingmar: Geschichte des kanadischen Pelzhandels, 1763 - 1821, S. 17

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Indianer im Pelzhandel Nordamerikas und seine Einflüsse auf das Leben der Indianer
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Globalisierung und Weltwirtschaft
Note
gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V24989
ISBN (eBook)
9783638277327
Dateigröße
964 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indianer, Pelzhandel, Nordamerikas, Einflüsse, Leben, Globalisierung, Weltwirtschaft
Arbeit zitieren
Andreas Kellner (Autor), 2003, Die Indianer im Pelzhandel Nordamerikas und seine Einflüsse auf das Leben der Indianer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24989

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