Strukturkonservative und strukturinnovative Gruppenarbeit in der Automobilindustrie


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kontext der modernen Gruppenarbeitsdiskussion

III. Theorie der Gruppenarbeitskonzepte
III.1. Das Strukturkonservative Gruppenarbeitskonzept
III.2. Das Strukturinnovative Gruppenarbeitskonzept
III.2.1. Psychologischer Veränderungsprozess
III.2.1.1. Aufgabenintegration
III.2.1.2. Soziale Integration
III.2.1.3. Normative Integration

IV. Umsetzungsbeispiele strukturinnovativer Gruppenarbeit aus der Automobilindustrie
IV.1. Gestaltungskonzept der untersuchten Beispiele
IV.2. Umsetzungsbeispiel aus dem technisierten Bereich
IV.3. Umsetzungsbeispiel aus dem manuellen Bereich
IV.4. Bilanz

V. Fazit

VI. Daten der Evaluierung

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Hausarbeit hat den Anspruch eine differenzierte Betrachtung moderner Formen von Gruppenarbeit zu ermöglichen. Da sich das Spektrum an verschiedenen Gruppenarbeitskonzepten äußerst mannigfaltig darstellt, möchte ich die Hausarbeit auf die Gestaltungskonzepte strukturkonservativer und strukturinnovativer Gruppenarbeit beschränken. Da sich die arbeitspolitische Diskussion über Gruppenarbeit sehr kontrovers darstellt, leite ich meine Hausarbeit mit einem zeitgeschichtlichen Kontext der Diskussion ein.

Die Gruppenarbeitstheorie definiert die beiden Konzepte und soll auch verdeutlichen, dass sich die betriebliche Praxis nicht auf innovative und konservative Ansätze reduziert. Das vierte Kapitel beschäftigt sich anhand einer Studie mit der Frage, inwiefern sich strukturinnovative Konzepte in der Realität umsetzen lassen. Ich habe das innovative Konzept bevorzugt, da es mir am engsten mit den gewerkschaftlichen Kriterien qualifizierter Arbeit[1] verbunden schien. Die unterschiedliche Bewertung von Gruppenarbeit hat mich dazu bewogen, ein positives und ein negatives Umsetzungsbeispiel zu demonstrieren, wobei ich in der anschließenden Bilanz Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung beurteile.

Meine Beweggründe über dieses Thema eine Hausarbeit zu schreiben, haben einen aus meiner beruflichen Erfahrung heraus stammenden Hintergrund. Das Scheitern eines innovativen Gruppenarbeitskonzeptes während meiner Ausbildungszeit hat mich dazu bewogen näheres über Theorie und Umsetzungsvoraussetzungen zu erfahren.

Die betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise, sowie industriesoziologische Erkenntnisse sollen die Hausarbeit wissenschaftlich fundiert zu einem Fazit über die Effektivität von Gruppenarbeit führen.

II. Kontext der modernen Gruppenarbeitsdiskussion

In den siebziger Jahren gab es eine Entwicklung, die zum Ziel hatte, den Arbeitsplatz an die menschlichen Bedürfnisse anzupassen. Das Aktions- und Forschungsprogramm zur Humanisierung von Arbeit (HdA) wurde geschaffen. Primär ging es darum, die Demokratisierung des Arbeitsplatzes und die Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen voranzutreiben. Das Programm unterstütze Unternehmen bei der Einführung der Gruppenarbeit mit finanziellen und praktischen Mitteln. Die Akzeptanz der Gruppenarbeit als effizienzsteigerndes Instrument in der Produktion endete jedoch meist auch mit dem Ende des HdA-Programms. Somit hatte sich das Modell der Gruppenarbeit im Deutschland der siebziger Jahre nicht durchgesetzt[2].

Seit dem Ende der achtziger bis etwa Mitte der neunziger Jahre waren, bezogen auf die Entwicklung von Industriearbeit in der Automobilindustrie, optimistische Szenarien zu konstatieren. Die Einführung von Gruppenarbeit avancierte zum akzeptieren Konzept, dass den tayloristischen Arbeitsstrukturen entgegentrat. Unterteilung der Arbeit in Teilaufgaben und Trennung von planerischen und ausführenden Tätigkeiten schienen überwunden. Automobilhersteller adoptierten ein Konzept, welches in der Diskussion als strukturinnovative, oder selbstorganisierte Gruppenarbeit bezeichnet wurde. Im Vordergrund der Überlegungen stand, dass innovative Gruppenarbeit neue Ressourcen schafft und Potentiale der Beschäftigten, durch fachlich anspruchsvollere Industriearbeit, weniger einseitige Beanspruchung, Verringerung von Monotonie und erweiterte Beteiligungschancen, fördert. Anfangs wurde das strukturinnovative Konzept vor allem in technisierten Produktionsbereichen etabliert, hielt in den frühen Neunzigern aber auch, nach erfolgreicher wirtschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Evaluierung, Einzug in manuelle Fertigungsbereiche. Die strukturinnovative Gruppenarbeit dominierte bis Mitte der neunziger Jahre, bis Kosten und Produktivitätsdruck, die Spielräume für Qualifizierung, Prozessbegleitung und Selbstorganisation von Beschäftigten einengten. Aus dieser Prämisse heraus entstand ein Gruppenarbeitskonzept, welches sich durch minimale Arbeitsumfänge, kurze Bearbeitungszyklen und kaum vorhandenen Entscheidungsspielräume kennzeichnet und somit dem tayloristischen Paradigma entstammt. Gemeint ist das strukturkonservative Konzept der Gruppenarbeit, das im angloamerikanischen Wirtschaftsraum erfolgreich widerlegt, dass weniger sozialpartnerschaftliche Dogmen unterlegen sein müssen. Vor diesem Hintergrund wird in der Automobilindustrie eine belebte Diskussion über die Grundausrichtung betrieblicher Arbeitspolitik geführt. Die sozialpolitischen Errungenschaften der betrieben Arbeitsstrukturen drohen in der Automobilindustrie weniger qualifizierten Konzepten zu weichen[3].

Die Folgen eines Paradigmenwechsel auf Kosten von arbeitspolitischen Errungenschaften, sowie die Wirkung auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit sind Bestandteile der differenzierten Gruppenarbeitsdiskussion.

III. Theorie der Gruppenarbeitskonzepte

In der Gruppenarbeitsdiskussion ist man sich mittlerweile einig über die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtungsweise. Die Wissenschaft unterscheidet zwischen strukturinnovativen und strukturkonservativen Gestaltungsansätzen, jedoch sind diese „nur arbeitspolitische Leitbilder und Idealtypen, wohingegen in der betrieblichen Praxis Mischformen überwiegen“[4]. Eine bekannte und in der betrieblichen Umsetzung befindliche Mischform der Gruppenarbeit ist die standardisierte Gruppenarbeit, die auch als demokratischer Taylorismus deklariert wird und Anwendung im Automobilwerk NUMMI findet.

Die Hausarbeit möchte sich jedoch auf die beiden Basismodelle der Gruppenarbeit konzentrieren. Den Kern der Hausarbeit bildet somit die strukturinnovative (Selbstorganisiertes Konzept) und strukturkonservative (Modifiziert- tayloristisches Konzept) Gruppenarbeit. Im Folgenden werden die theoretischen Ansätze definiert.

III.1. Strukturkonservative Gruppenarbeit

Die strukturkonservative, oder auch als modifiziert- tayloristische bezeichnete Gruppenarbeit, orientiert sich in ihrer Grundausrichtung an die traditionellen Fertigungsformen. „Trotz einer Reihe von Modifikationen ist das Grundmerkmal dieser Variante in der konkreten Ausgestaltung letztlich doch die Zementierung des Status quo tayloristischer Organisationsformen und Betriebsstrukturen. In entscheidenden Punkten hält sie an den bisherigen Prinzipien von Arbeitskraftnutzung und Arbeitskräfteeinsatz fest“[5].

Das strukturkonservative Modell ist im Wesentlichen gekennzeichnet durch Routinisierung und Standardisierung der Arbeit, d.h. Beibehaltung kurzzyklischer, taktgebundener Tätigkeiten. Durch diese Mechanismen arbeitspolitischer Einfalt soll ein möglichst hoher Grad an Effizienz erreicht werden. Das Prinzip der fordistischen Fließfertigung soll den Leistungsgrad der Produktion durch Transparenz der Fertigung steigern. Den Produktionsbeschäftigten sind in diesem Konzept keine Aufgabenerweiterungen zugedacht, vielmehr wird die Rotation der Arbeit eingeschränkt und die Zuteilung indirekter Aufgaben beschränkt. Da kaum indirekte Funktionen integriert werden, bleibt die Organisationsstruktur spezialistenzentriert und somit auch keine qualifikatorische Aufwertung der Tätigkeiten gewährleistet. Desweiteren wird den Arbeitern nur begrenzt die Möglichkeit zu Motivationsfördernden Arbeitsformen zugestanden (z.B. Projektarbeit). Ein Hauptkriterium qualifizierter Gruppenarbeit, die Selbstorganisation, wird in diesem Konzept kaum berücksichtigt. Die Gruppen haben geringe Handlungs- und Entscheidungsspielräume. Auch wenn Gruppensprecher, oder Moderatoren zu Kommunikations- und Informationszwecken vorgesehen sind, haben diese keine sozialintegrierenden Funktionen und fungieren letztlich als Vorarbeiterersatz. Die Distanz der Teamsprecher zu den jeweiligen Prozessen wird dadurch erweitert. Das Prinzip der Kontrolle und Außensteuerung der Gruppen ist vorherrschend und äußert sich in der Beibehaltung und Aufwertung der betrieblichen Hierarchie. Das strukturkonservative Konzept begünstigt die Entstehung von Distanz zwischen Produktionsbeschäftigten und Angestellten. Die Steuerung des Arbeitseinsatzes, sowie Kontrolle und Bewertung der Leistung sind den Vorgesetzten vorbehalten. Im modifiziert- tayloristischen Konzept ist detailliert das Leistungssoll festgelegt. Diese Vorgaben und bereichsspezifische Dokumentation der Sollparameter stärken die Einbindung der unteren Führungsebene in die betrieblichen Ziele[6].

[...]


[1] „Die zugrunde liegende These ist, dass auf Dauer nur eine Balance von „Effizienz der Arbeit“ und „Attraktivität der Arbeit“ in einem Unternehmen innovative Lösungen und somit Zukunftssicherung ermöglicht“. (Roth, S.; Gewerkschaftliche Gestaltungshinweise an Gruppenarbeit; Online in Internet: URL: http://symposium.de/gruppenarbeit/ga_11.htm)

Kriterien qualifizierter Gruppenarbeit sind demzufolge: Ganzheitliche Arbeit; Selbstorganisation; Beteiligungsorientierung; Lern- und Entwicklungschancen; Humane Leistungsbedingungen; Demokratische Unternehmenskultur

[2] vgl. Gerst, Detlef; Selbstorganisierte Gruppenarbeit. Gestaltungschancen und Umsetzungsprobleme; RKW/ SOFI (1998); RKW-Nr. 1341 S. 17 - 31

[3] Vgl. Gerst, Detlef; Arbeitspolitik im Rückwärtsgang?; in: WSI Mitteilungen; 53. Jg. (1/2000); Seiten 37-38

[4] Gerst, Detlef; Arbeitspolitik im Rückwärtsgang?; in: WSI Mitteilungen; 53. Jg. (1/2000), Seite 37

[5] Gerst, D. u.a.; Gruppenarbeit in den 90ern: Zwischen strukturkonservativer und strukturinnovativer Gestaltungsvariante; Seite 41

[6] vgl. Gerst, D. u.a.; Gruppenarbeit in den 90ern: Zwischen strukturkonservativer und strukturinnovativer Gestaltungsvariante; Seiten 41-42

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Details

Titel
Strukturkonservative und strukturinnovative Gruppenarbeit in der Automobilindustrie
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin  (Wirtschaft)
Veranstaltung
Arbeits- und Sozialstrukturen im Betrieb und gesellschaftliche Interessenvertretung
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V25019
ISBN (eBook)
9783638277587
ISBN (Buch)
9783638774925
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strukturkonservative, Gruppenarbeit, Automobilindustrie, Arbeits-, Sozialstrukturen, Betrieb, Interessenvertretung
Arbeit zitieren
Tim Schäfer (Autor), 2003, Strukturkonservative und strukturinnovative Gruppenarbeit in der Automobilindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25019

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