"Das Leben ist schön" - Kömodie oder Melodram - eine fachdidaktische Filmanalyse


Seminararbeit, 2004
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Inhalt des Films

3. Melodram oder Komödie?- Zur inhaltlichen Gesamtgestaltung des Films
3.1 Szenenanalyse

4. Beispiele zur Einsetzung in der Schule

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schindlers Liste, Hitlerjunge Salomon und Rosenstraße all diese Filme haben das gleiche Thema, den 2. Weltkrieg und die Judenverfolgung. All diese Filme haben noch mehr gemeinsam, sie behandeln dieses Thema mit der Ernsthaftigkeit, die dieses traurige und grausame Kapitel der deutschen Geschichte verlangt. Doch bei dem Film „Das Leben ist schön“, der dreimal mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, ist das etwas anders. Hier darf und soll gelacht werden. Roberto Benigni inszenierte einen märchenhaften Film, der die Geschichte einer Lebenslüge erzählt und in der der Hauptdarsteller bis zum Ende seine Hoffnung nicht verliert und seinen Sohn beschützt. Lachen und weinen, beides ist in diesem Film erlaubt, ohne dass es unangenehm wird und man sich fragen muss: „War es wirklich so?“

„Vor allem wollte ich keine Theorie über das Schicksal liefern oder die ewige Frage nach den Gründen stellen. Wenn man aus einer authentischen Geschichte einen schlechten Film macht, nützt es nichts, dass sie vom Holocaust handelt. Wenn ein Film schön ist, dann wird seine Geschichte wahr werden.“[1]

Auch Benigni selbst gibt zu, dass der Film die Realität nicht genau wiederspiegelt und, dass ihm die Ästhetik am wichtigsten ist, denn „manchmal kann nur ein Clown die Wahrheit sagen.“[2]

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Komödie oder Melodram“, und wie man den Film einordnen kann. Nach einer kurzen Inhaltsangabe befasst sich der nächste Punkt mit der inhaltlichen Gesamtgestaltung des Film. Danach folgt eine Analyse von zwei Szenen und im letzen Teil gebe ich einige Ansätze, wie man den Film in der Schule einsetzen kann.

2. Der Inhalt des Films

Der Film „ Das Leben ist schön“ wurde 1997 in Italien gedreht. Im Original lautet der Titel „ La vita è bella“. Die Regie führte Roberto Benigni, der auch die Hauptrolle des Films spielt. Der Film spielt 1939 in Italien. Guido, gespielt von Roberto Benigni, zieht mit seinem Freund Ferruccio, gespielt von Sergio Bustric, von der ländlichen Toskana nach Arezzo. Guido möchte hier einen Buchladen eröffnen. Weder er noch sein Freund kümmern sich um das faschistische Regime oder deuten die Zeichen des zunehmenden Antisemitismus um sich herum.

Auf ihrer Reise nach Arezzo verliebt sich Guido in die Lehrerin Dora (Nicoletta Braschi), die aber leider mit einem faschistischen und engstirnigen Bürokraten verlobt ist. In Arezzo arbeitet Guido als Kellner und trifft wieder auf Dora. Mit Phantasie und Einfallsreichtum gelingt es ihm, dass Dora sich in ihn verliebt und auf ihrer Verlobungsfeier mit dem Bürokraten entführt Guido sie.

Ein paar Jahre später haben sie einen Sohn zusammen und leben glücklich. Die Anfeindungen der Juden versucht Guido seinem Sohn auf humorvolle Art zu erklären. Als Guido und sein Sohn abgeholt werden, steigt die Nichtjüdin Dora aus Liebe mit in den Transportzug ein. Im Konzentrationslager versucht Guido seinen Sohn vor der grauenhaften Wahrheit zu schützen und versteckt ihn in seiner Baracke. Mit verzweifelten Einfällen erklärt Guido seinem Sohn alles wäre nur ein Spiel und der, der als erstes 1000 Punkte hat gewinnt einen echten Panzer. Am Ende des Krieges versucht Guido mit seinem Sohn zu fliehen. Seinen Sohn Giosuè kann er noch verstecken, Guido selbst wird aber von einem deutschen Soldaten erschossen. Die Amerikaner stürmen das Lager und Giosuè darf auf einem echten Panzer mitfahren und trifft vor dem Lager seine Mutter wieder.

Melodram oder Komödie? - Zur inhaltlichen Gesamtgestaltung des Films

Darf man über so einen Film lachen? Bezieht man diese Frage nur auf den ersten Teil des Films, kann man sie mit „ja“ beantworten. Im ersten, „märchenhaften Teil“[3] überwiegt ganz klar die Situationskomik. Es fliegen Tabletts und Blumenkästen durch die Luft. Die verschiedenen Menschen schneiden Grimassen und Kellner Guido setzt seinen Einfallsreichtum ein um Dora zu erobern. Als Guido seinen Hut hinter dem Rücken mit einem Stock hochhebt, denkt man sofort an Slapstick der Marke Chaplin. Durch die überschwängliche Gestik, seine übersprudelte Sprache und die extrovertierte Sprache ist er ein klassischer Vertreter der italienischen Burleske.[4] Guido „schönt [...] das Leben dort, wo die Schatten des faschistischen Italien ihn, der zufällig auch Jude ist, bedroht.”[5] Roberto Benigni hat seine ganz eigene Art auf den faschistischen Terror zu reagieren. Jedoch wird das sehr ernste Thema im ersten Teil des Film nicht sehr häufig angesprochen und die merklichen Zeichen werden ignoriert, wie das folgende Beispiel zeigt. Bevor der Schulinspektor kommt muss sich ein jüdisches Kind von der ersten in die letzte Reihe setzen. Auf die Frage „Warum?“ wird keine Antwort gegeben. Durch Wortwitz, Gewandtheit, rasche Auffassungsgabe und Unverschämtheit schafft Guido es, sich aus jeder Situation herauszuwinden, wie das folgende Beispiel deutlich macht. Um Dora wieder zu sehen gibt sich Guido als faschistischer Schulinspektor aus und demonstriert den Schüler die Überlegenheit der arischen Rasse, obwohl er ein Jude ist.[6] Auch die Warnungen von seinem Onkels nimmt Guido nicht ernst, ganz im Gegenteil, er macht sich über die Warnungen lustig.

Durch einen Zeitsprung gelangt man in den zweiten Teil des Films. Guido und Dora sind verheiratet und haben einen Sohn: Giosuè. Als Guido und Giosuè ins Konzentrationslager deportiert werden, richtet Guido seine ganze Inszenierungskraft darauf, die ganze Lage seinem Sohn erträglich zu machen. Für Giosuè lügt er um die Zeit im Lager zu überleben[7] und bringt dadurch „das Lachen in die Welt des unvorstellbaren Grauens“[8] indem er seinem Sohn alles mit einer guten Portion Humor und Witz erzählt. Das beste Beispiel hierfür ist die Übersetzung der Lagerregeln. Guido, der kein Deutsch kann übersetzt die Lagerregeln des SS-Führer, als Spielregeln für seinen Sohn. Um die Fassade zu wahren, benutzt Guido scheinbar unglaublich viel tragikomische Anstrengung, denn wie soll man auf Giosuès Ausspruch: „ Die machen Knöpfe und Seife aus uns!“ sonst reagieren?[9] In dieser Szene wird deutlich, dass Benigni sein Fach versteht.

„Die Absurdität und sarkastische Zuspitzung, in der dem Zuschauer das Lachen im Halse steckenbleibt, sind immer auf der Folie der lebensrettenden Lüge für seinen Sohn zu sehen.“[10]

Nachdem Guido und sein Sohn bei einem nächtlichen Spaziergang einen Leichenberg findet, gibt es einen Bruch in der Geschichte. Selbst Guido kann sich in diesem Augenblick nicht verstellen wie das Beispiel zeigt: Kurz bevor sie den Leichenberg sehen sagt Guido zu seinem Sohn: „Vielleicht ist das alles nur ein Traum?“ Doch als er durch den Nebel die vielen leblosen Körper sieht, steht im das Entsetzen und die Angst ins Gesicht geschrieben. Wortlos geht er rückwärts in den Nebel zurück. Das ernste Thema des Films wird dem Zuschauer vor Augen geführt und es wird deutlich, dass der Film nicht mit einem Happy- End enden kann und das die dramatischen Aspekte denen der Komödie überwiegen.

[...]


[1] Zitiert nach Zoske 1999, S. 33

[2] Zoske 1999, S. 33

[3] Hammerschmidt 1999, S.41

[4] vgl. ebd. S. 41

[5] Zoske 1999, S.32

[6] Hammerschmidt 1999, S. 41

[7] vgl. Zoske, S. 32

[8] Nikitin, Nokolaj: Ein Stück Filmgeschichte. www.schnitt.de/tv-tip/artikel/leben_ist_schoen_das.shtml (4.3.2004).

[9] vgl. Hammerschmidt 1999, S. 42

[10] Hammerschmidt 1999, S. 42

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
"Das Leben ist schön" - Kömodie oder Melodram - eine fachdidaktische Filmanalyse
Hochschule
Universität Bielefeld  (Studiengang Deutsch Sek. I)
Veranstaltung
Film im Deutschunterricht
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V25038
ISBN (eBook)
9783638277723
ISBN (Buch)
9783638789004
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leben, Kömodie, Melodram, Filmanalyse, Film, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Alexandra Strathmann (Autor), 2004, "Das Leben ist schön" - Kömodie oder Melodram - eine fachdidaktische Filmanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25038

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