Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die These Ulrich Albrechts, daß mit den humanitären Interventionen ein Rückfall in den “gerechten Krieg“ stattgefunden habe. 1 Daher soll in dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, ob humanitäre Interventionen als “gerechte Kriege“ anzusehen sind. Um diese Frage zu klären, wird die Arbeit in zwei inhaltliche Hauptteile gegliedert.
In einem ersten inhaltlichen Hauptteil soll es zunächst darum gehen, die Begriffe “Intervent ion“ (Abschnitt 2.1) und “humanitäre Intervention“ (Abschnitt 2.2) zu klären, um klar abgrenzen zu können, was unter Intervention und humanitärer Intervention verstanden wird. In einem nächsten Schritt sollen die (völker-)rechtlichen Regelungen für Interventionen bzw. humanitäre Interventionen dargestellt werden (Abschnitt 3), um darzulegen wann und wie interveniert werden darf, kann und wird. Daran anschließend werden die ethischen, mensche nrechtsverletzenden Voraussetzungen für eine humanitäre Intervention vorgestellt (Abschnitt 4). Es soll darum gehen, die Kriterien, welche eine humanitäre Intervention rechtfertigen würden, herauszustellen.
Bei diesem ersten inhaltlichen Teil wird sich hauptsächlich auf verschiedenste völkerrechtliche Vereinbarungen, wie zum Beispiel die Charta der Vereinten Nationen und die Völker-mord-Konvention von 1948, gestützt. Des weiteren werden mehrere Artikel und Bücher herangezogen, welche sich mit der Problematik des Völkerrechts im Hinblick auf den oben genannten Fokus befassen. Dabei erfolgte die Auswahl dieser Bücher nach zwei Kriterien. Zum einen wurde danach gegangen, was die Bücher inhaltlich zum Thema beitragen konnten. Zum anderen, was an Literatur überhauptgefunden werden konnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was wird unter einer humanitären Intervention verstanden?
2.1 Zum Begriff: Intervention
2.2 Zum Begriff: Humanitärer Intervention
3 (Völker-)rechtliche Regelungen für (humanitäre) Interventionen
4 Was sind ethische, menschenrechtsverletzende Voraussetzungen für eine humanitäre Intervention?
5 Beispiel Kosovo-Krieg der NATO im Jahr 1999
5.1 Einordnung der NATO-Luftschläge als Krieg
5.2 Vorgeschichte des Kosovo-Krieges
5.3 Verlauf des Kosovo-Krieges
6 Bewertung des Kosovo-Krieges
7 Zusammenfassung und Schlußbetrachtung
8 Literatur
9 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, ob humanitäre Interventionen im völkerrechtlichen und ethischen Sinne als "gerechte Kriege" klassifiziert werden können, wobei der Kosovo-Krieg der NATO im Jahr 1999 als zentrale Fallstudie dient.
- Analyse und Differenzierung der Begriffe Intervention und humanitäre Intervention.
- Untersuchung der völkerrechtlichen Rahmenbedingungen und ethischen Mindeststandards für Interventionen.
- Kritische Bewertung des Kosovo-Krieges anhand formaler Kriterien und Zielerreichung der NATO.
- Reflexion über die moralische und rechtliche Legitimität militärischer Eingriffe ohne UN-Mandat.
- Diskussion über die Doppelmoral der internationalen Gemeinschaft bei der Auswahl von Interventionsschauplätzen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Zum Begriff: Intervention
Der Begriff „Intervention“ ist nicht leicht zu fassen und hat mit der Zeit auch einen Wandel erlebt. Eine eindeutige Definition für den Begriff „Intervention“ konnte bisher weder in der völkerrechtlichen, noch in der politikwissenschaftlichen Literatur erzielt werden. Das Verständnis von Intervention reicht „...von Telefonanrufen bei Außenministerien über geheimdienstliche Aktivitäten bis hin zum Entsenden von Truppen.“4
Trotzdem möchte ich einen kurzen Einblick über die Entwicklung des Interventionsbegriffes geben, sowie grob erfassen, was heutzutage unter dem Begriff „Intervention“ verstanden wird beziehungsweise (bzw.) wie er sich von anderen Begriffen abgrenzt.
Der klassische Interventionsbegriff wurde schon im 19. Jahrhundert entwickelt. Mit der zunehmenden Herausbildung der Nationalstaaten entwickelte sich ein anderes “Gefühl“ für die Einmischung in sogenannte “innere Angelegenheiten“ und die Verletzung des eigenen Territoriums. Bis zur Bildung der Nationalstaaten wurde sich wenig um die Souveränität von Aktionen gegen Nachbarstaaten gekümmert. Die eigene staatliche Souveränität ist wie kein anderes Konzept mit dem modernen Verständnis von (National-)Staatlichkeit verbunden. 5
Vor diesem Hintergrund wurde im 19. Jahrhundert „Intervention“ als der Einsatz oder die Androhung von militärischer Gewalt verstanden. Vor was die Staaten sich bei einem solchen Interventionsverständnis schützen wollten, war die Verletzung der eigenen territorialen Integrität.6
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, ob humanitäre Interventionen als gerechte Kriege anzusehen sind, und Erläuterung des methodischen Vorgehens anhand des Kosovo-Krieges.
2 Was wird unter einer humanitären Intervention verstanden?: Begriffsdefinitionen von Intervention und humanitärer Intervention unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und moderner Erweiterungen.
3 (Völker-)rechtliche Regelungen für (humanitäre) Interventionen: Erörterung der UN-Charta sowie der rechtlichen Grenzen und Möglichkeiten für militärische Interventionen durch die Staatengemeinschaft.
4 Was sind ethische, menschenrechtsverletzende Voraussetzungen für eine humanitäre Intervention?: Darlegung der menschenrechtlichen Mindeststandards und Kriterien, deren Verletzung eine Intervention theoretisch rechtfertigen könnte.
5 Beispiel Kosovo-Krieg der NATO im Jahr 1999: Detaillierte Fallanalyse der NATO-Luftschläge, ihrer Vorgeschichte und ihres tatsächlichen Verlaufs.
6 Bewertung des Kosovo-Krieges: Kritische Analyse des Erfolgs der NATO-Intervention sowie eine juristische und moralische Einordnung der Ereignisse.
7 Zusammenfassung und Schlußbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und Fazit zur Problematik der Doppelmoral sowie zur zukünftigen Rolle der VN.
8 Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Fachliteratur.
9 Anhang: Bereitstellung von Definitionen und ergänzenden Begriffsbestimmungen zum Konfliktbarometer.
Schlüsselwörter
Humanitäre Intervention, Gerechter Krieg, Kosovo-Krieg, NATO, Völkerrecht, UN-Charta, Intervention, Souveränität, Menschenrechte, Genozid, Gewaltverbot, Zwangsmittel, Konflikteskalation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Legitimität und Rechtmäßigkeit humanitärer Interventionen, insbesondere vor dem Hintergrund des völkerrechtlichen Gewaltverbots und der Frage, ob solche Einsätze als "gerechte Kriege" eingestuft werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die völkerrechtlichen Grundlagen, die ethischen Voraussetzungen für menschenrechtsbezogene Interventionen sowie eine detaillierte Fallstudie zum Kosovo-Krieg 1999.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob die humanitäre Intervention der NATO im Kosovo völkerrechtlich und ethisch zu rechtfertigen war oder ob sie den Rahmen des Völkerrechts überschritten hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse völkerrechtlicher Vereinbarungen und fachwissenschaftlicher Abhandlungen, ergänzt durch eine Fallstudienanalyse des Kosovo-Konflikts unter Heranziehung von Kriegsdefinitionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffs- und Rechtsanalyse sowie einen empirischen Teil, der den Verlauf des Kosovo-Krieges darstellt und diesen kritisch bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Humanitäre Intervention, Gerechter Krieg, Kosovo-Krieg, NATO, Völkerrecht, Menschenrechte und Souveränität.
Warum betrachtet der Autor den Kosovo-Krieg als "gescheitert"?
Der Autor argumentiert, dass die NATO ihre selbst gesteckten Ziele, wie die Verhinderung der Vertreibung der Bevölkerung, nicht erreichte und durch die Eskalation militärischer Gewalt das völkerrechtliche Grundprinzip des Gewaltverbots untergrub.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Medien?
Die Arbeit stellt fest, dass die Konzentration der Medien auf die "humanitäre Katastrophe" im Kosovo die rechtlichen Fragen der Legalität in den Hintergrund drängte und eine politische Legitimationsgrundlage abseits des UN-Sicherheitsrates schuf.
- Quote paper
- Sven Kusserow (Author), 2001, Humanitäre Intervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25040