Die antike, mittelalterliche und neuzeitliche Stadt - Stadtentstehungsschichten in Mitteleuropa


Hausarbeit, 2004
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Was ist eine Stadt?

3. Stadtgenese in Mitteleuropa
3.1 Die römisch-antike Stadt
3.2 Stadtentwicklung im Mittelalter
3.3 Neuzeitliche Städtetypen
3.4 Stadtentstehung im Zeitalter der Industrialisierung

4. Resümee

5. Literatur

1. Einleitung

Städte sind heute Mittelpunkte des gesellschaftlichen Lebens. Sie besitzen eine zentralörtliche Funktion, tragen zur Versorgung der jeweiligen ländlichen Umgebung bei, bieten Arbeitsplätze und kulturelle Vielfalt. Hier werden wichtige politische und ökonomische Entscheidungen getroffen. Von den rund 85 Millionen Einwohnern der Bundesrepublik Deutschland lebt der überwiegende Teil in Städten und Agglomerationsräumen. Doch seit wann existieren diese Städte? Auf welche Weise sind sie entstanden? Welche Faktoren bestimmten ihre Herausbildung?

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Stadtgenese von der Antike bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nachzuzeichnen. Es sollen die Ursachen und Ansatzpunkte der Urbanisierung herausgearbeitet werden. Hierbei bleibt der Blick bewußt auf den mitteleuropäischen - insbesondere den deutschen - Raum beschränkt, eine zusätzliche Behandlung weiterer Beispielsräume kann aus Platzgründen nicht erfolgen.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zu Beginn wird im zweiten Kapitel der Begriff „Stadt“ einer näheren Betrachtung und Klärung unterzogen. Im Mittelpunkt des dritten Kapitels stehen die verschiedenen Formen von Stadtgenese und Stadttypen. Dort werden jeweils in Einzeldarstellungen die bedeutendsten Stadtentstehungsschichten in Mitteleuropa herausgestellt und deskriptiv erläutert. Es soll erarbeitet werden, welche Phänomene und Interessen die Bildung von Städten in Antike, Mittelalter, Neuzeit und Industrialisierungszeit bestimmten und auf welche Weise diese Entwicklung verlief. Abschließend folgt im fünften Kapitel ein Resümee, das die herausgearbeiteten Ergebnisse zusammenfasst und beurteilt.

2. Was ist eine Stadt?

Wann kann man eine Siedlung als Stadt bezeichnen? In der heutigen amtlichen Statistik wird die „Stadt“ über eine bestimmte Einwohnerzahl definiert. Diese (willkürliche) Art der Abgrenzung ist für die Stadtgeschichtsforschung jedoch weitgehend unbrauchbar. In der historischen Wissenschaft werden zahlreiche anderweitige „Stadt“-Kriterien genannt und diskutiert. So wird als ein Kennzeichen der antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadt häufig die Ummauerung, also ihr Festungscharakter, angesehen. Die Ansässigkeit von Handel und Gewerbe sowie das Vorhandensein eines Marktes gelten zudem als städtische Merkmale. Jedoch ist festzustellen, dass es in der Vergangenheit sowohl ummauerte Dörfer als auch ungesicherte Marktorte gab.[1]Die zentralörtliche Funktion, d. h. der Bedeutungsüberschuss der Stadt gegenüber den Orten der Umgebung, wird als ein weiteres Charakteristikum genannt. Doch auch isoliert liegende Herrensitze und Klöster verfügten über eine gewisse Zentralität.[2]Des weiteren wird die Stadt als besonderer Rechtsbezirk identifiziert, der gekennzeichnet war durch ein eigenes Recht und eine eigene Verfassung, durch den Stadtfrieden und die Stadtfreiheit. In diesem Sinne bildete sich die Stadt erst durch die Privilegierungen der Könige und Stadtherren ab dem beginnenden 12. Jahrhundert heraus. Bereits zu frühreren Zeiten existierten jedoch größere Siedlungen mit Stadtcharakter.[3]

Die Einschränkungen und Widersprüche lassen erkennen, dass eine verbindliche und allgemein gültige Definition der „Stadt“ anhand eines feststehenden Rasters nicht möglich ist. Vielmehr kann man dieses Phänomen nur mit Hilfe eines Bündels von Merkmalen beschreiben, deren jeweils wechselnde Anzahl, Kombination und Gewichtung in Raum und Zeit die spezifische Entwicklung und individuelle Gestalt einer Stadt ausmachen. Hierzu zählen die bereits genannten Kriterien, zudem die dichte und geschlossene Bebauung, eine innerräumliche Differenzierung (also der unterschiedliche Bau- und Funktionscharakter einzelner Siedlungsteile), die hiermit in Zusammenhang stehende Sozialgliederung der Einwohnerschaft wie auch die Ausprägung von „städtischen“ Lebensformen und Einrichtungen.[4]

3. Stadtgenese in Mitteleuropa

3.1 Die römisch-antike Stadt

Die Römerstädte bilden, im Gegensatz zu den keltischen Siedlungen und den germanischen Volksburgen, die kaum Stadtqualität besaßen und somit nur als Vorläufer des Städtewesens anzusehen sind, die früheste Stadtentstehungsschicht in Mitteleuropa.[5]Mit den Römern verbreitete sich in diesem Raum der Hausbau mit festen Materialien, ebenso die hiermit verbundenentermini techniciwie Dach (vontectum) oder Mauer (vonmurus).[6]Auch einige der heutigen Städtenamen gehen auf die Bezeichnungen von römischen Siedlungen zurück: Köln vonColonia Claudia Ara Agrippinensium, Bonn vonBonna, Trier vonAugusta Treverorum, Mainz vonMogontiacum.[7]

Die römischen Städte in Mitteleuropa dienten als Truppenstützpunkte der Sicherung des eroberten Territoriums, fungierten darüber hinaus aber auch als Verwaltungsstandorte. Von hier aus wurde das Umland militärisch und administrativ kontrolliert. Schließlich war die Stadt auch Marktort. Hier fanden Handwerker, Händler und Bauern Abnehmer für ihre Waren. In jeder Römersiedlung fanden sich Gewerbeniederlassungen, im näheren Umland lagen zahlreiche Bauern- und größere Gutshöfe; sie trugen maßgeblich zur städtischen Versorgung bei.[8]

[...]


[1]vgl.: Goetz 19914, S. 203; Engel 1993, S. 17; Isenmann 1988, S. 20 ff.

[2]vgl.: Goetz 19914, S. 203; Engel 1993, S. 18; Isenmann 1988, S. 25.

[3]vgl.: Goetz 19914, S. 202; Isenmann 1988, S. 20 ff.

[4]vgl.: Goetz 19914, S. 202 f.; Engel 1993, S. 18; Ennen 1979³, S. 13 f.; Schöller 1967, S. 2 ff.

[5]vgl.: Hofmeister 19997, S. 30 f. Siehe auch: Ennen 1979³, S. 14 ff.

[6]vgl.: Hofmeister 19997, S. 31.

[7]vgl.: ebd., S. 31.

[8]vgl.: Martin 2002, S. 12 ff.; Pekáry 1979, S. 83 ff.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die antike, mittelalterliche und neuzeitliche Stadt - Stadtentstehungsschichten in Mitteleuropa
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Historisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V25118
ISBN (eBook)
9783638278416
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kann sowohl dem geschichtswissenschaftlichen wie auch dem geographischen Fachbereich zugeordnet werden!
Schlagworte
Stadt, Stadtentstehungsschichten, Mitteleuropa
Arbeit zitieren
Karsten Kramer (Autor), 2004, Die antike, mittelalterliche und neuzeitliche Stadt - Stadtentstehungsschichten in Mitteleuropa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25118

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