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Therapieorientierte Psychodiagnostik und intraindividuelle Variabilität

Ein kurzer Überblick

Title: Therapieorientierte Psychodiagnostik und intraindividuelle Variabilität

Term Paper , 2002 , 15 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Dipl. Psychologe Jörg Hartig (Author)

Psychology - Diagnostics
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Eigenschaften und Verhalten

Zu Beginn steht die Frage: Warum beschäftigen wir uns überhaupt mit Begriffen wie Eigenschaften und Verhalten? Die Antwort liegt in der Suche nach Möglichkeiten, die helfen sollen, den einzelnen Menschen nicht nur als einzigartige Persönlichkeit zu erkennen, sondern auch als solche zu beschreiben. Damit soll der jeweils betrachtete Mensch deutlich von anderen trenn- und unterscheidbar sein. Es wird versucht zu erklären und eventuell vorherzusagen, was ein Mensch aufgrund seines Persönlichkeitsgefüges tun wird oder warum auch nicht. Die Frage ist, ob sichere Verhaltensvorhersagen möglich sind. Es soll geklärt werden, ob das Verhalten konsistent ist, zeitstabil oder nur situationsabhängig. Allgemein liegt der Beschreibungsschwerpunkt auf der Betrachtung interindividueller und intraindividueller Unterschiede von Personen.

Hinsichtlich einer persönlichkeitspsychologischen Sichtweise auf den Eigenschaftsbegriff schreiben HERRMANN und ROTH Folgendes: „In der Persönlichkeitspsychologie spielen Eigenschaften als aus dem Verhalten erschlossene Konstrukte eine Rolle, die relativ überdauernde, nicht situationsspezifische Persönlichkeitsmerkmale bezeichnen. In der faktorenanalytisch orientierten Persönlichkeitspsychologie werden Eigenschaften durch Faktoren (Persönlichkeitsfaktor) definiert. Der wichtigste Unterschied zwischen Eigenschaft und Faktor besteht dabei lediglich in der Methode der Gewinnung (HERRMANN 1969; ROTH 1970) “

Betrachtung des Eigenschaftsmodells

Das Eigenschaftsmodell beschreibt grundlegende Dimensionen, über die jeder Mensch verfügt. Wie zum Beispiel Geselligkeit oder Ehrlichkeit. Solche Eigenschaften werden als Qualitäten bezeichnet. Sie beeinflussen unser aller Verhalten und wirken als generalisierte Handlungstendenzen. Mit der Kenntnis über die Eigenschaften einer Person kann man darauf schließen, wie sich eine Person, auf einen Reiz bzw. auf eine Reizsituation hin, verhalten kann. Eine Verhaltensvorhersage kann deshalb, weil eine absolut sichere Vorhersage von Verhalten generell nicht möglich ist, immer nur eine Wahrscheinlichkeitsaussage sein. Nach ALLPORT: Eigenschaften sind Bausteine einer individuellen Persönlichkeit. Sie schaffen die Konsistenz des Verhaltens, da sie generelle und überdauernde Attribute einer Person darstellen. Sie stehen als Verbindung zwischen den Reaktionen einer Person auf Reize.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Eigenschaften und Verhalten

Betrachtung des Eigenschaftsmodells

Unterscheidung der Arten von Eigenschaften

Differenzierung von Persönlichkeitseigenschaften

Kritik am Eigenschaftsansatz

Ist Verhalten wirklich konsistent?

Das Paradoxon der Konsistenz

Kritik an den Eigenschaftsmodellen

II. Therapieorientierte Psychodiagnostik und intraindividuelle Variabilität

Therapiebezug von Diagnostik intraindividueller Variabilität

Vier Aspekte der intraindividuellen Variabilität von Persönlichkeitsmerkmalen

Einsichten, die sich für die Therapie ergeben

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Nutzen der Erfassung intraindividueller Variabilität innerhalb der psychologischen Diagnostik, um therapeutische Prozesse präziser zu steuern, die Patienten-Therapie-Passung zu verbessern und somit den Erfolg klinischer Interventionen zu erhöhen.

  • Kritische Analyse des klassischen Eigenschaftsmodells und der Konsistenzannahme von Verhalten.
  • Differenzierung zwischen inter- und intraindividuellen Unterschieden.
  • Psychodiagnostik als dynamischer Problemlöseprozess mit Rückkopplungsschleifen.
  • Kategorisierung der intraindividuellen Variabilität (Oszillation, Fluktuation, Eigenschaftsänderung, experimentelle Veränderung).
  • Einfluss der Merkmalsvariabilität auf den Erfolg von Therapieverfahren.

Auszug aus dem Buch

Vier Aspekte der intraindividuellen Variabilität von Persönlichkeitsmerkmalen

Intraindividuelle Variabilität soll an dieser Stelle genauer beschrieben werden. Sie ist durch vier Aspekte beschreibbar und untersuchbar.

1. Oszillation: Merkmalsschwankungen, die durch momentanen organischen Zustand und die augenblickliche Situation bedingt sind. Das entspricht den Merkmalsschwankungen bei Alltagsbedingungen ohne grundlegende oder abrupte Veränderung der Lebensbedingungen. Zu erwarten sind hierbei Niveauänderungen im Sinne von Trends und langfristige Veränderungen in den Perönlichkeitsmerkmalen einer Person im Zeitverlauf. Diagnostische Aussagen sind hier nur zeitlich begrenzt gültig.

2. Fluktuation: Deutlich erkennbare Niveau- und Variabilitätsänderungen, die durch definierte Veränderte Bedingungen in den Lebenssituationen oder durch gezielte Intervention verursacht wurden. Sie bleiben über längere Zeiträume bestehen. Sie sind dadurch charakterisiert, daß nach Wegfall der verursachenden Bedingungen ein Rückgang auf das Ausgangsniveau von Merkmalsniveau und Variabilität erfolgt.

3. Eigenschaftsänderung mit Ausbildung eines neuen Merkmalsniveaus: Es handelt sich um gerichtete Veränderungen, die gegeben sind, wenn es unter den wie bei der Fluktuation beschriebenen Bedingungen zur Ausbildung eines neuen Merkmalsniveaus und zu einer neuen Variation der Merkmalsausprägung kommt, das auch dann erhalten bleibt, wenn die verursachenden Faktoren nicht mehr wirksam sind.

4. Diagnostisch - experimentell hervorgerufene Veränderungen: Unter experimentellen Bedingungen hervorgerufene Merkmalsänderung. Beispiel: Interventionsbedingungen bei Lerntests. Kennzeichnend ist, daß die im Test hervorgerufene Veränderung nicht erhalten bleiben muß und nicht das unter allen möglichen Bedingungen erreichbare darstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Eigenschaften und Verhalten: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Eigenschaftstheorien, hinterfragt die Annahme der Verhaltenskonsistenz und diskutiert die Kritik am dispositionellen Ansatz durch Forscher wie Mischel.

Betrachtung des Eigenschaftsmodells: Hier werden Eigenschaften als Bausteine der Persönlichkeit und generalisierte Handlungstendenzen definiert, die eine Wahrscheinlichkeitsaussage über zukünftiges Verhalten erlauben.

Unterscheidung der Arten von Eigenschaften: Das Kapitel kategorisiert Persönlichkeitsmerkmale in kardinale, zentrale und sekundäre Eigenschaften, um die Struktur der Persönlichkeit zu verdeutlichen.

Differenzierung von Persönlichkeitseigenschaften: Es wird zwischen interindividuellen Differenzen (konstante Merkmale zwischen Personen) und intraindividuellen Differenzen (Veränderung innerhalb einer Person über Zeit und Situation) unterschieden.

Kritik am Eigenschaftsansatz: Der Text kritisiert, dass Eigenschaftstheorien oft nur Zustandsbeschreibungen liefern und die Verursachung von Verhalten sowie die Entwicklung der Persönlichkeit vernachlässigen.

Ist Verhalten wirklich konsistent?: Es wird argumentiert, dass die Annahme, Verhalten sei über verschiedene Situationen hinweg konsistent (nomothetischer Ansatz), empirisch schwer haltbar ist, da situationsspezifische Gewohnheiten eine größere Rolle spielen.

Das Paradoxon der Konsistenz: Das Kapitel erklärt, warum Personen ihre eigene Verhaltenskonsistenz oft überschätzen, da sie Situationen meist selbst wählen, was ein konsistentes Verhalten vortäuscht.

Kritik an den Eigenschaftsmodellen: Zusammenfassung der Kritik von Walter Mischel, der die mangelnde Vorhersagekraft von allgemeinen Eigenschaftsmodellen für interindividuelle Unterschiede betonte.

II. Therapieorientierte Psychodiagnostik und intraindividuelle Variabilität: Dieses Hauptkapitel schlägt die Brücke zur therapeutischen Anwendung und definiert Diagnostik als einen dynamischen Problemlöseprozess.

Therapiebezug von Diagnostik intraindividueller Variabilität: Es wird dargestellt, dass die Messung von Variabilität eine präzisere Zuweisung von Patienten zu geeigneten Therapieformen ermöglicht und die Erfolgschancen erhöht.

Vier Aspekte der intraindividuellen Variabilität von Persönlichkeitsmerkmalen: Detaillierte Unterteilung der Variabilität in Oszillation, Fluktuation, Eigenschaftsänderung und experimentell induzierte Veränderungen.

Einsichten, die sich für die Therapie ergeben: Das Fazit der Arbeit betont die Vorteile von Meßwertwiederholungen gegenüber einmaligen Statuserhebungen zur Verbesserung von Therapieindikation und -prognose.

Schlüsselwörter

Psychodiagnostik, intraindividuelle Variabilität, Verhaltenskonsistenz, Persönlichkeitsmerkmale, Therapieerfolg, Eigenschaftsmodell, Verhaltensvorhersage, Therapieindikation, Oszillation, Fluktuation, Diagnostik, therapeutische Intervention, Problemlöseprozess, Differenzielle Psychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit, in der psychologischen Diagnostik verstärkt die intraindividuelle Variabilität von Persönlichkeitsmerkmalen zu berücksichtigen, statt sich nur auf statische Eigenschaftsmodelle zu verlassen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Kritik an der Annahme der Verhaltenskonsistenz, die Differenzierung zwischen verschiedenen Arten von Variabilität sowie die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse in der therapeutischen Diagnostik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie eine therapieorientierte Diagnostik durch Mehrfachmessungen eine genauere Patientencharakterisierung und eine sicherere Wahl der Therapieform ermöglicht, um die Abbruchquoten zu senken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur zu Eigenschaftstheorien sowie auf die Analyse eines empirischen Fallbeispiels zur Beziehung zwischen Variabilität und Therapieerfolg.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen von Eigenschaften, die methodische Kritik an Konsistenzannahmen durch Walter Mischel und führt das Modell der Diagnostik als Problemlöseprozess mit Rückkopplungsschleifen ein.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Psychodiagnostik, intraindividuelle Variabilität, Therapieerfolg, Verhaltenskonsistenz und der ideographische versus nomothetische Ansatz.

Wie unterscheidet sich die Oszillation von der Fluktuation?

Während die Oszillation durch momentane organische Zustände und Alltagsbedingungen bedingt ist, beschreibt die Fluktuation Niveauänderungen, die durch gezielte Interventionen oder definierte Veränderungen in der Lebenssituation verursacht wurden.

Warum wird die klassische Statuserhebung kritisiert?

Die klassische Einmal-Messung wird kritisiert, weil sie die zeitliche und situative Abhängigkeit von Merkmalen als bloße Störgröße ausblendet und somit kein differenziertes Bild des individuellen Verlaufs ermöglicht.

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Details

Title
Therapieorientierte Psychodiagnostik und intraindividuelle Variabilität
Subtitle
Ein kurzer Überblick
College
University of Leipzig  (Differentielle Psychologie und Psychodiagnostik)
Grade
1,5
Author
Dipl. Psychologe Jörg Hartig (Author)
Publication Year
2002
Pages
15
Catalog Number
V25171
ISBN (eBook)
9783638278812
ISBN (Book)
9783638842471
Language
German
Tags
Therapieorientierte Psychodiagnostik Variabilität Psychologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Psychologe Jörg Hartig (Author), 2002, Therapieorientierte Psychodiagnostik und intraindividuelle Variabilität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25171
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