Ist ein Kloster eine "totale Institution" wie beispielsweise ein Gefängnis? Eine Anstalt? Ein Asyl? Welche Merkmale sprechen dafür, welche dagegen - und gibt es vielleicht Unterschiede zwischen den Klöstern, je nach Ausrichtung?
In der vorliegenden Hausarbeit wird Erving Goffmans Definition der "totalen Institution" als Diskussionsgrundlage herangezogen, um das Klosterleben in einem Orden als Mönch oder Nonne näher zu betrachten. Dabei werden die Definitionsmerkmale totalen Institution mit den dem Kloster eigenen Regeln und Vorschriften verglichen, Parallelen gezogen - aber auch deutliche Unterschiede entdeckt.
Inhaltsverzeichnis
1. Was macht eine totale Institution aus?
2. Das zweite Merkmal
3. Bei der Einteilung des Arbeitstages
4. Beim letzten Merkmal
5. Die religiöse Berufung
6. Führt man sich nach diesen Überlegungen
7. Der Untertitel von Goffman Abhandlung
8. Der Gleichheitsgedanke
9. Obwohl - wie schon oben erwähnt
10. Erkenntnisse, die von Yvette und Jean-Jaques Antier gesammelt wurden
11. Die zugegebenermaßen einfache Erklärung
12. Karl Rahner vertritt dazu eine klare Position
13. Ist der Ruf ein Wunsch, ein Bedürfnis?
14. Ob bei der Berufung aber von Freiwilligkeit die Rede sein kann?
15. Vielleicht würde Goffman eben diesen Ruf
16. Punsmann vertritt die Ansicht
17. Es wird deutlich, daß sich für Punsmann
18. Punsmann dagegen kritisiert diese Betrachtungsweise
19. Trotz der kritischen Haltung
20. Das Gespräch Karl Rahners mit Novizenmeistern
21. Ich glaube, daß dieser Hinweis
22. Struktur bekommt
23. Es fällt auf, wie oft die Rede von "Verstehen" und "Einsehen"
24. ...[es] ist [...] nicht das Klosterleben an sich
25. Diese Aussage ist zunächst schwer verständlich
26. Eine ähnliche Sicht hat auch Karl Rahner
27. Infantilismus gibt es heute nicht mehr in den Klöstern
28. Dem Gehorsam wird demnach eine große Bedeutung zugemessen
29. Der Zisterzienser, der diesen blinden
30. Geisteshaltung, daß "nur ein teilnahmsloser Mensch
31. Diese Einstellung ist schwer verständlich
32. Das Problem "Gehorsam - Selbstbestimmung"
33. Bei aller Neigung zum alternativen Leben
34. Bei dieser Frage schwingt natürlich auch der Vorwurf mit
35. Es stellt sich damit die Frage, "wie [...] der Novizenmeister
36. Ob sie nun im Noviziat zu Kritik erzogen werden soll
37. Wendet man alle diese Gedanken nun nochmals auf die Frage an
38. Das Kloster mag nach außen hin als Zufluchtsort scheinen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Anwendbarkeit von Erving Goffmans Theorie der "totalen Institution" auf das klösterliche Leben. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob Klöster als totale Institutionen klassifiziert werden können oder ob sie aufgrund ihrer Freiwilligkeit und spezifischen Struktur eine Sonderform darstellen.
- Analyse der vier Hauptmerkmale totaler Institutionen nach Goffman im Kontext des Klosterlebens.
- Unterscheidung zwischen tätigen und kontemplativen Orden hinsichtlich ihrer institutionellen Struktur.
- Kritische Reflexion des Gehorsamsbegriffs und der Rolle der Freiwilligkeit beim Klostereintritt.
- Diskussion der Legitimationsproblematik im Spannungsfeld zwischen Gemeinschaftsstruktur und individueller Selbstbestimmung.
Auszug aus dem Buch
Was macht eine totale Institution aus?
Was macht eine totale Institution aus? Dieser Begriff wird von Erving Goffman näher definiert. Kann man nun bei einem Kloster von einer "totalen" Institution im Sinne Goffmans sprechen? Zur Klärung dieser Frage müssen die Merkmale, die Goffman als charakteristisch für totale Institutionen anführt, auf das Kloster angewendet werden um so eventuelle Differenzen festzustellen. Zunächst die Merkmale gemäß Goffman:
"1. Alle Angelegenheiten des Lebens finden an ein und derselben Stelle, unter ein und derselben Autorität statt.
2. Die Mitglieder der Institution führen alle Phase ihrer täglichen Arbeit in unmittelbarer Gesellschaft einer großen Gruppe von Schicksalsgenossen aus, wobei allen die gleiche Behandlung zuteil wird und alle die gleiche Tätigkeit gemeinsam verrichten müssen.
3. Alle Phasen des Arbeitstages sind exakt geplant, eine geht zu einem vorher bestimmten Zeitpunkt in die nächste über, und die ganze Folge der Tätigkeiten wird von oben durch ein System expliziter formaler Regeln und durch einen Stab von Funktionären vorgeschrieben.
4. Die verschiedenen erzwungenen Tätigkeiten werden in einem einzigen rationalen Plan vereinigt, der angeblich dazu dient, die offiziellen Ziele der Institution zu erreichen."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was macht eine totale Institution aus?: Dieses Kapitel führt in die Begriffsdefinition von Erving Goffman ein und listet die vier zentralen Kriterien auf, die eine totale Institution ausmachen.
2. Das zweite Merkmal: Hier wird die Anwendbarkeit des Kriteriums der "Gleichheit der Mitglieder" und der gemeinsamen Tätigkeit auf das Klosterleben kritisch geprüft.
3. Bei der Einteilung des Arbeitstages: Dieser Abschnitt vergleicht den strukturierten Alltag in Klöstern mit dem Konzept der exakten Planung in totalen Institutionen.
4. Beim letzten Merkmal: Hier steht die Zielsetzung der Institution im Fokus, wobei insbesondere zwischen kontemplativen und tätigen Orden unterschieden wird.
5. Die religiöse Berufung: Es wird diskutiert, welche Rolle der Berufungsgedanke spielt, da der Eintritt in das Kloster heute auf Freiwilligkeit basiert.
6. Führt man sich nach diesen Überlegungen: Eine erste Zwischenbilanz zieht den Schluss, dass Goffmans Merkmale primär auf kontemplative Orden zutreffen.
... (weitere Analysen der Kapitel 7-38): Die weiteren Kapitel vertiefen die Diskussion um Gehorsam, Selbstbestimmung und Kritikfähigkeit innerhalb klösterlicher Strukturen im Vergleich zu Goffmans Theorie.
38. Das Kloster mag nach außen hin als Zufluchtsort scheinen: Das Fazit kommt zu dem Ergebnis, dass das Kloster keine totale Institution ist, sondern eine freiwillig gewählte Lebensform darstellt.
Schlüsselwörter
Totale Institution, Erving Goffman, Kloster, Gehorsam, Kontemplation, Ordensleben, Berufung, Freiwilligkeit, Institution, Insassen, Selbstbestimmung, Karl Rahner, Noviziat, Gemeinschaft, Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologische Klassifizierung von Klöstern anhand des Modells der "totalen Institution" von Erving Goffman.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Struktur des Klosteralltags, den Gehorsamsbegriff in Ordensgemeinschaften sowie das Spannungsfeld zwischen Freiwilligkeit und institutioneller Einbindung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob der Begriff "totale Institution" auf Klöster zutrifft oder ob diese eine Sonderform bilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die theoretische Analyse von Goffmans Kriterien und wendet diese durch einen Literaturvergleich auf das gelebte Klosterleben an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Merkmale des Klosterlebens (Alltag, Gemeinschaft, Gehorsam) und setzt diese in Beziehung zu den Kriterien totaler Institutionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Totale Institution, Klosterleben, Gehorsam, Berufung und Freiwilligkeit.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Karl Rahner von der Goffmans?
Während Goffman eher die entmenschlichenden, institutionellen Strukturen betont, hebt Rahner den Raum für individuelle, spirituelle Weiterentwicklung hervor.
Welche Rolle spielt die "Freiwilligkeit" im Klosterkontext?
Die Freiwilligkeit beim Eintritt unterscheidet das Kloster wesentlich von totalen Institutionen wie Gefängnissen oder Anstalten, in denen der Aufenthalt erzwungen ist.
Gilt das Gehorsamsgelübde als Anzeichen für eine totale Institution?
Obwohl es Ähnlichkeiten in der Unterordnung gibt, wird diskutiert, ob Gehorsam im Kloster eher als bewusste, selbstbestimmte Unterwerfung unter ein höheres Ziel zu verstehen ist.
- Quote paper
- Christine Knecht (Author), 1994, Das Kloster - eine totale Institution?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25181