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Regulierungsbehörden als neutrale Schiedsrichter im Wettbewerb oder politisch eingebundene Staatsverwaltung

Title: Regulierungsbehörden als neutrale Schiedsrichter im Wettbewerb oder politisch eingebundene Staatsverwaltung

Seminar Paper , 2004 , 31 Pages , Grade: 13

Autor:in: Jan Erik Spangenberg (Author)

Law - Public Law / Administrative Law
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In Europa und auch in Deutschland sind seit einiger Zeit unabhängige Regulierungsbehörden als ein neues Modell der Staats- und Verwaltungsorganisation anzutreffen und verstärkt auch in der öffentlichen Diskussion. Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund der Privatisierung und Marktöffnung auf dem Gebiet vormaliger Infrastrukturmonopole des Staates wie der Telekommunikation, der Post, des Verkehrs- und Energiesektors im Zuge der angestrebten Modernisierung von Verwaltungsstrukturen statt.

Das Modell der unabhängigen Regulierungsbehörde steht in diesem Umfeld im Konflikt zwischen der Eingebundenheit klassischer politischer Staatsverwaltung und den Anforderungen an Unabhängigkeit und Neutralität als Schiedsrichter im Wettbewerb. Dieser Ziel- und Interessenskonflikt wird in dieser Arbeit untersucht (Teil B) und Lösungsmöglichkeiten in der Praxis, exemplarisch am Beispiel der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation und dem Kernproblem der Unabhängigkeit, verdeutlicht (Teil C). Ein rechtsvergleichender Bezug zur Telekommunikationsregulierung in den USA soll dabei Anregungen für eine kritische Betrachtung und Fortentwicklung der deutschen Regulierungsorganisation beisteuern (Teil D).

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Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung und Fragestellung

B. Zwischen Wirtschaft und Verwaltung: Regulierungsbehörden im Spannungsfeld der unterschiedlichsten Anforderungen

I. Regulierungsbehörden als politisch eingebundene Verwaltung

II. Regulierungsbehörden als Schiedsrichter im Wettbewerb

C. Zwischen Unabhängigkeit und Eingebundenheit: Beispiel Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP)

I. Rechtliche Rahmenbedingungen und gesetzliche Vorgaben

1. Vorgaben des Rechts der Welthandelsorganisation (WTO)

2. Vorgaben des Europarechts

3. Vorgaben des Verfassungsrechts

a) Demokratie- und Sozialstaatsprinzip (Art. 20 GG)

b) Telekommunikation und Post (Art. 87 f GG)

4. Ausgestaltung im Telekommunikationsgesetz (TKG)

a) Rechtsstellung

b) Aufgabenzuweisung

(a) Quasi-richterliche Aufgaben

(b) Quasi-legislative Aufgaben

(c) Administrative Aufgaben und Aufgaben der Gefahrenabwehr

c) Weisungsrechte des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi)

II. Das Kernproblem der Unabhängigkeit der RegTP

1. Organisationsrechtliche Unabhängigkeit

a) Funktionell-institutionelle Unabhängigkeit

b) Personelle Unabhängigkeit

2. Politische Unabhängigkeit in der inneradministrativen Praxis

D. Rechtsvergleichende Betrachtungen und Anregungen aus den USA

I. Telekommunikationsregulierung in den USA

1. Verfassungsrechtliche Ausgangslage und Regulierungsansatz

2. Die Federal Communications Commission (FCC)

II. Anregungen für die deutsche Telekommunikationsregulierung

E. Schlussfolgerungen und Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht den Ziel- und Interessenskonflikt von Regulierungsbehörden, die sich im Spannungsfeld zwischen der Einbindung in die klassische politische Staatsverwaltung und dem Anspruch auf Unabhängigkeit als neutrale Schiedsrichter im Wettbewerb befinden. Exemplarisch wird die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) analysiert, wobei ein rechtsvergleichender Blick auf die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) als Anregung dient.

  • Stellung unabhängiger Regulierungsbehörden innerhalb der Staatsverwaltung.
  • Konfliktlinien zwischen politischer Weisungsgebundenheit und funktionaler Neutralität.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen (WTO, EU-Recht, Grundgesetz) der deutschen Regulierungsbehörde.
  • Organisationsrechtliche und politische Unabhängigkeit der RegTP.
  • Strukturvergleich mit der US-amerikanischen FCC als Modell für Unabhängigkeit.

Auszug aus dem Buch

I. Regulierungsbehörden als politisch eingebundene Verwaltung

Als Teil der Staatsverwaltung müssen Regulierungsbehörden gegensätzliche öffentliche Interessen miteinander ausgleichen. Die gesetzlichen und politisch vorgegebenen Ziele, die durchaus auch miteinander im Konflikt stehen können, müssen abgewogen und umgesetzt werden. So sollen Regulierungsbehörden z. B. sicherstellen, dass bestimmte Basisdienstleistungen ausreichend und zu angemessenen Konditionen angeboten werden, ein chancengleicher Wettbewerb hergestellt und gefördert wird und müssen Aufgaben im Bereich der Gefahrenabwehr wahrnehmen. Bei der Abwägung dieser unterschiedlichen Ziele in einem Entscheidungsprogramm und der Entwicklung der Regulierungspolitik üben Regulierungsbehörden quasi-gesetzgeberische Verantwortung aus.

In diesem Bereich besteht ein unmittelbares Einwirkungsinteresse der übergeordneten Ministerialverwaltung und Politik auf Regulierungsbehörden, denn die Abwägung der unterschiedlichen Ziele ist natürlich immer auch eine politische Frage. Da die einzelnen Ziele z. T. widersprüchlich sind, lassen sie sich auch nicht einfach den Regulierungsbehörden gesetzlich vorgeben.

Soweit dem Staat in dem Bereich der Zuständigkeit der Regulierungsbehörde sogar verfassungsrechtlich Aufgaben auferlegt sind, wie insbesondere im Bereich der Daseinsvorsorge, entsteht auch hier ein Interesse an Steuerung zur Sicherstellung dieser Ziele und Aufgaben. Nicht zuletzt sind Regulierungsbehörden zuletzt, wie jeder Teil der Verwaltung, an allgemeine Vorgaben, wie das Gebot der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, gebunden.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung und Fragestellung: Einführung in das Modell der unabhängigen Regulierungsbehörde und Darlegung der Untersuchungsschwerpunkte im Kontext von Privatisierung und Wettbewerb.

B. Zwischen Wirtschaft und Verwaltung: Regulierungsbehörden im Spannungsfeld der unterschiedlichsten Anforderungen: Diskussion der Rollen von Regulierungsbehörden als politisch eingebundene Instanz einerseits und als wettbewerbsorientierte Schiedsrichter andererseits.

C. Zwischen Unabhängigkeit und Eingebundenheit: Beispiel Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP): Detaillierte rechtliche und organisatorische Untersuchung der RegTP unter Berücksichtigung nationaler und internationaler Vorgaben sowie ihrer Unabhängigkeit.

D. Rechtsvergleichende Betrachtungen und Anregungen aus den USA: Analyse der US-Telekommunikationsregulierung und der FCC als unabhängigem Modell mit daraus resultierenden Impulsen für das deutsche System.

E. Schlussfolgerungen und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung des Unabhängigkeitsgrades deutscher Regulierungsbehörden und Diskussion notwendiger struktureller Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Regulierungsbehörde, Telekommunikation, Unabhängigkeit, Wettbewerb, RegTP, FCC, Staatsverwaltung, Privatisierung, Wirtschaftsregulierung, Netzregulierung, Rechtsstellung, Weisungsbefugnis, Infrastruktur, Telekommunikationsgesetz, Marktregulierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die institutionelle Stellung und Unabhängigkeit von Regulierungsbehörden in Deutschland, insbesondere der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, im Spannungsfeld zwischen politischer Steuerung und wettbewerbsrechtlicher Neutralität.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Verortung der Regulierungsbehörde im Verfassungs- und Verwaltungsrecht, der Analyse ihrer Organisationsstruktur sowie der Untersuchung von Unabhängigkeitskriterien im Vergleich zum US-amerikanischen System.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Zielkonflikt zwischen politischer Weisungsgebundenheit der Behörde und der Notwendigkeit einer unabhängigen Schiedsrichterrolle im Wettbewerb aufzudecken und Möglichkeiten zur Stärkung der Unabhängigkeit aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer juristischen Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Organisationsform der RegTP, ergänzt durch einen rechtsvergleichenden Ansatz mit Blick auf das US-Modell (FCC).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der rechtlichen Ausgestaltung der RegTP, den verschiedenen Dimensionen der Unabhängigkeit (organisationsrechtlich, politisch) sowie den Erfahrungen aus der US-amerikanischen Regulierungspraxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Regulierungsbehörde, Telekommunikation, Unabhängigkeit, Wettbewerb, RegTP, FCC und Staatsverwaltung.

Wie bewertet der Autor die politische Unabhängigkeit der RegTP?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die RegTP keine echte politische Unabhängigkeit besitzt, da sie als nachgeordnete Behörde dem BMWi weisungsgebunden ist und ministerielle Entscheidungsvorbehalte bestehen.

Welche Rolle spielt der Vergleich mit den USA?

Der Vergleich mit der US-amerikanischen FCC zeigt auf, dass eine rechtlich stärkere Unabhängigkeit und größere Distanz zur Exekutive möglich sind, jedoch die Übertragung auf Deutschland an verfassungsrechtlichen Schranken stößt.

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Details

Title
Regulierungsbehörden als neutrale Schiedsrichter im Wettbewerb oder politisch eingebundene Staatsverwaltung
College
Bucerius Law School in Hamburg
Course
Seminar Konzepte der Wirtschaftsregulierung durch unabhängige Regulierungsbehörden
Grade
13
Author
Jan Erik Spangenberg (Author)
Publication Year
2004
Pages
31
Catalog Number
V25260
ISBN (eBook)
9783638279383
ISBN (Book)
9783638648615
Language
German
Tags
Regulierungsbehörden Schiedsrichter Wettbewerb Staatsverwaltung Seminar Konzepte Wirtschaftsregulierung Regulierungsbehörden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Erik Spangenberg (Author), 2004, Regulierungsbehörden als neutrale Schiedsrichter im Wettbewerb oder politisch eingebundene Staatsverwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25260
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