Cash-Flow-Rendite, Umsatzrentabilität und Anlageintensität. Das sind nur wenige von vielen Kennzahlen, die man im täglichen Leben aufschnappen kann. Als Konsument z.B. von Nachrichten aus der Wirtschaft könnte man vermuten, dass unternehmerische Entscheidungen nur auf Kennzahlen basiert sind. Für den einfachen Betrachter erschließt sich meist nicht der Sinn, der hinter der nüchternen Analyse eines Unternehmens oder Branche mittels Kennzahlen steht. Doch warum wird eben diese nüchterne Betrachtung gewählt?
Aus diesem Grund soll in der hier vorliegenden Seminararbeit „Kennzahlensysteme als Basis für das Risikomanagement? Eine kritische Analyse“ soll daher genauer betrachtet werden, warum viele Managemententscheidungen besonders im strategischen Controlling auf Kennzahlensystemen und daraus abgeleiteten Führungssystemen basieren. Dass bei den streng mathematischen und logischen Beziehungen, die in einem solchen System vorherrschen, qualitative Bestimmungsfaktoren des Unternehmenserfolges wie beispielsweise
Kundenzufriedenheit oder Qualität der Produktpalette wichtig sind, scheint auf der Hand zu liegen.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der im dritten Kapitel der hier vorliegenden Arbeit behandelt wird, ist, inwiefern mit Kennzahlensystemen die e rhofften Frühwarnsysteme im Bereich des Risikomanagements den Anforderungen
entsprechen und inwiefern für die Unternehmen dieses eher ein Segen oder eine zusätzliche Belastung ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kennzahlensysteme und ihre Bedeutung
2.1. Von der Kennzahl zum Kennzahlensystem
2.2. Kennzahlensysteme zur Analyse von Unternehmen
2.2.1. Die externe Analyse
2.2.2. Die interne Analyse
2.3. Arten von Kennzahlensystemen
2.3.1. Klassische Kennzahlensysteme
2.3.2. Selektive Kennzahlensysteme
3. Warum sind Kennzahlensysteme Grundlage des Risikomanagements?
3.1. Das frühzeitige Erkennen zukünftiger Probleme
3.2. Hauptbestandteil des Planungs- und Kontrollprozesses
3.3. Grenzen der Aussagekraft
4. Welche Kennzahlensysteme eignen sich im Risikomanagement?
4.1. Kann man ein Kennzahlensystem pauschal empfehlen?
4.2. Welches Kennzahlensystem eignet sich am besten?
5. Zum Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Rolle von Kennzahlensystemen als fundamentale Basis für ein effektives Risikomanagement kritisch zu untersuchen und zu hinterfragen, ob diese Instrumente Fehlentscheidungen im Management tatsächlich verhindern können.
- Kritische Analyse klassischer versus selektiver Kennzahlensysteme
- Die Funktion von Kennzahlen im strategischen Controlling
- Möglichkeiten und Grenzen der Frühwarnung durch Kennzahlensysteme
- Anforderungen an Kennzahlensysteme im Kontext des Risikomanagements
- Untersuchung der Eignung spezifischer Systeme für unterschiedliche Unternehmenszwecke
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Klassische Kennzahlensysteme
Die bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelten Kennzahlensysteme bezeichnet man als so genannte klassische oder traditionelle Kennzahlensysteme. Das wahrscheinlich wichtigste System aus der Kategorie ist das Du Pont-System of Financial Control, welches bereits 1919 in den USA entwickelt wurde. Nach diesem System ist die Gewinnmaximierung das oberste Ziel eines Unternehmens, d.h. der Erfolg eines Unternehmens definiert sich lediglich nach dem Gewinn. Das System ist pyramidenförmig aufgebaut, an dessen Spitze die Rentabilitätskennzahl oder auch Spitzenkennzahl steht. Hierbei ist von zentraler Bedeutung, dass das System den gesamtunternehmerischen Erfolg genauestens untersucht.
Es beachtet die Interpendenzen sowohl zwischen organisatorischen Einheiten eines Unternehmens sowie alle Sachverhalte, die für den Geschäftsablauf relevant sind. Die Betrachtung einzelner Bereiche wird durch die logische Verknüpfung aller Sektoren bzw. aller Einflussfaktoren für den Erfolg eines Unternehmens ausgeschlossen. „Als umfassendes Planungs-, Steuerungs- und Kontrollinstrument leistet das Du Pont-System neben der Ermittlung des Leistungserfolgs gleichzeitig Analysen zu Liquidität und Vermögens- bzw. Kapitalbindung“10, was insbesondere bei der externen Analyse wichtig ist. Gerade für die Frage, ob bei einem Unternehmen Überschuldung oder Illiquidität droht, ist diese Analyse besonders wichtig. Des Weiteren soll mit Hilfe des Systems der Einsatz der knappen Ressource Kapital optimiert werden.11
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Kennzahlen im wirtschaftlichen Alltag und formuliert die zentrale Fragestellung, inwiefern Kennzahlensysteme als Basis für das Risikomanagement fungieren können.
2. Kennzahlensysteme und ihre Bedeutung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Kennzahlen, deren Systematisierung und die Differenzierung zwischen externen und internen Analysezwecken sowie klassischen und selektiven Systemen.
3. Warum sind Kennzahlensysteme Grundlage des Risikomanagements?: Hier wird die Informationsfunktion von Kennzahlensystemen im Rahmen von Frühwarnsystemen und als Teil des Planungs- und Kontrollprozesses analysiert, wobei auch die Grenzen ihrer Aussagekraft aufgezeigt werden.
4. Welche Kennzahlensysteme eignen sich im Risikomanagement?: Das Kapitel diskutiert die Anwendbarkeit verschiedener Kennzahlensysteme, wie Du Pont, ZVEI und das RL-System, und kommt zu dem Schluss, dass es keine pauschale Empfehlung für alle Unternehmen gibt.
5. Zum Schluss: Das Fazit stellt fest, dass Kennzahlensysteme kein Wundermittel gegen Fehlentscheidungen sind, da komplexe ökonomische Zusammenhänge nicht vollständig durch mathematische Modelle abgebildet werden können.
Schlüsselwörter
Kennzahlensysteme, Risikomanagement, Controlling, Du Pont-System, ZVEI-Kennzahlensystem, RL-Kennzahlensystem, Rentabilität, Liquidität, Frühwarnsysteme, Unternehmensanalyse, Kennzahlen, Strategisches Management, Finanzanalyse, Informationsverdichtung, Betriebsvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch, inwiefern Kennzahlensysteme als methodische Grundlage für das Risikomanagement in Unternehmen dienen können und wo ihre Grenzen liegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Systematisierung von Kennzahlen, der Vergleich zwischen klassischen und selektiven Modellen sowie die Einbettung dieser Systeme in die strategische Planung und Risikoprävention.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob Kennzahlensysteme Managemententscheidungen sicherer machen oder ob sie aufgrund ihrer Komplexitätsreduktion lediglich eine Illusion von Sicherheit erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine literaturgestützte Analyse und theoretische Einordnung bestehender Kennzahlensysteme (wie Du Pont, ZVEI, RL-System) sowie eine kritische Hinterfragung ihrer Anwendungspraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedeutung von Kennzahlen, ihre Anwendung im Risikomanagement als Frühwarn- und Steuerungsinstrument sowie eine spezifische Eignungsprüfung der bekanntesten Kennzahlensysteme für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kennzahlensysteme, Risikomanagement, Controlling, Du Pont-System, ZVEI-Modell, sowie Rentabilitäts- und Liquiditätsanalysen.
Warum kritisiert der Autor das Du Pont-System trotz seiner weltweiten Verbreitung?
Der Autor kritisiert die starke Monozielausrichtung auf die Kapitalrentabilität, da dieses System viele marktwirtschaftliche und qualitative Faktoren vernachlässigt.
Inwiefern beeinflussen qualitative Faktoren die Analyse mittels Kennzahlensystemen?
Der Autor merkt an, dass klassische Systeme durch ihre starke mathematische Operationalisierung wichtige qualitative Aspekte wie Kundenzufriedenheit oder Marktstellung oft ausblenden, was selektive Systeme zu korrigieren versuchen.
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- Patrick Meinhard (Author), 2004, Kennzahlensysteme als Basis für Risikomanagement? Eine kritische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25264