Asterix und Co. - Authentische Gallier?


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1,7

Martin Kussel (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Authentische Figurengestaltung
I. Figur I: Asterix, der „Anti-Superstar“
II. Obelix, der treue Gefährte
III. Miraculix, der alte und weise Druide
IV. Troubadix, der Barde
V. Majestix, der Stammeshäuptling

C. Gallische Wohn- und Arbeitsstrukturen in der Zeit von Asterix
I. Gallische Dörfer
II. Arbeiten im gallischen Dorf

D. Die Römer – der große Feind
I. Römische Lager und ihre Bewohner
II. Die Gallierfurcht

E. Résume

A. Einleitung

Die Comichelden Asterix und Obelix (sowie die weiteren Dorfbewohner) führen uns durch viele bunte Abenteuer und Episoden in der Zeit 50 vor Christus. Hierbei stellt sich jedoch die Frage: Spiegeln Asterix und seine Freunde authentische Gallier zu der Zeit 50 vor Christus wider, oder handelt es sich bei der Darstellung der sympathischen Helden vielmehr um rein fiktive Comicfiguren? In meiner nachfolgenden Arbeit werde ich dieser Fragestellung auf den Grund gehen. Exemplarisch zu untersuchen sind hierfür insbesondere die fünf „Hauptfiguren “ der Asterix-Hefte, welche auf der vierten Seite eines jeden Bandes abgebildet und kurz vorgestellt werden (sowohl bildlich, als auch in ihren Hauptcharakterzügen / Attributen). Jede dieser Figuren besitzt eine feststehende Garderobe, welche sich im Normalfall in keinem der Hefte ändert. Schon die Namen der Dorfbewohner spiegeln oftmals die Figur und gegebenenfalls einige ihrer Charakterzüge wider.[1] Weiterhin wird in dieser Arbeit das gallische Umfeld in der Zeit 50. vor Christus weiter thematisiert und in seiner Authentizität abgeklopft. Wie lebten die Gallier? Wie erlebten sie ihre damalige Welt? Wie sah die römisch-gallische Beziehung aus? Sind die Asterix-Comics wirklich weitestgehend authentisch, oder eher fiktiv?

B. Authentische Figurengestaltung

I. Figur I: Asterix, der „Anti-Superstar“

Asterix, der Namensgeber und vermeintliche Held der Comicreihe ist eine der oben genannten Hauptfiguren. Es ist allerdings festzustellen, dass Asterix ganz anders als die meisten bekannten Comichelden wirkt. Im Gegensatz zu den heroisch auftretenden meist amerikanischen Superhelden wie beispielsweise Batman oder Superman ist Asterix eher als „grotesker“ und „nicht stilgerechter“ Held dargestellt. Er ist klein, besitzt einen eher durchschnittlich athletischen Körper und ein verschmitzes Gesicht, sodass sich der Leser gut in ihn hinversetzen und sich mit ihm zumindest ansatzweise identifizieren kann. Auch in seinem Handeln ist er keinesfalls so zielstrebig und direkt aktiv wie seine amerikanischen Superheldenkollegen. Asterixs Stärke ist eher im raffinierten, rationalen, pfiffigen und vernünftigen Umgehen mit Problemsituationen angesiedelt.[2]

Allerdings, finden sich bei Asterix viele gallische Elemente und Züge wider. Ein Beleg seiner gallischen Herkunft und Authentizität findet sich schon in seinem Namen Asterix (von Astericus lat.: Sternchen) wieder. Die Nachsilbe ix bzw. rix stammt von dem lateinischen Begriff rex (lat. König) und war im gallischen bzw. keltischen Bereich durchaus üblich, wie die Namen berühmter gallischer Anführer (z.B. Dumnorix, Vercingetorix und Orgetorix) deutlich belegen.[3] Ein weiteres Element, welches die gallische Authentizität belegt ist die Ausstattung Asterixs. Sein Helm ist beispielsweise rund , mit einem Knauf versehen und weiterhin mit Federn verziert. Bei Betrachtung historischer gallischer Helme ist festzustellen, dass sie in der Tat sehr ähnlich aussahen. Neben der ausschließlich runden Form besaßen die meisten Helme genau wie bei Asterix einen kleinen aufgesetzten Knauf.[4] Der griechische Historiker Diodor berichtet hierzu: „Auf ihre Köpfe setzten sie bronzene Helme mit großen Knauf oder großen Tieren darauf, die die Träger der Helme größer erscheinen ließen; so sind in manchen Fällen Hörner daran festgemacht, in anderen Fällen Köpfe von Vögeln und Vierfüßlern“[5]. Die Verzierung durch Federn kann allerdings nicht historisch nachgewiesen werden. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass Uderzo sie als künstlerisches Mittel eingesetzt hat um Stimmungen und Gemütsverfassungen darzustellen. Zusätzlich gewinnt die Figur Asterix hierdurch an Ausstrahlung. Weiterhin beabsichtigte Uderzo, ein Stück französische Nationalität und Vergangenheit dadurch einzubringen, indem er den Helm der ebenfalls französischen Zigarettenmarke Gauloises in weitem Maße übernahm. Diese Verschmelzung sorgt nun endgültig dafür, dass der Helm von Asterix und den anderen Galliern in der Comicreihe ein für die Franzosen angemessenes Beispiel darstellt, so wie ihn auch Caesar während seiner Feldzüge durch Gallien gesehen haben mag.

Ein weiteres typisch gallisches bzw. keltisches Ausrüstungsstück Asterixs ist sein Schwert, welches er allerdings nicht einsetzt. Es soll ausschließlich dazu dienen, die Figur Asterix authentisch darzustellen. Auch die eher kleine Größe des Schwertes ist wahrheitsgetreu, da „die Waffenausrüstung der Gallier an ihre Körpergröße angepasst war“[6]

II. Obelix, der treue Gefährte

Auch bei Obelix, dem besten Freund Asterixs deutet Vieles darauf hin, dass Uderzo und Goscinny darum bemüht waren, ihn authentisch und nicht nur rein fiktiv darzustellen. Neben der Namensgebung und auch dem Helm (vgl. oben) ist auch seine Arbeit (Distribution von Menhiren (auch Hinkelstein genannt)) ein Indiz für seine tatsächlich gallische Herkunft. Zwar existierten damals keine hauptberuflichen „Hinkelsteinlieferanten“ (Hinkelsteine galten als Kultgegenstände und nicht als Handelsgut[7]), jedoch spiegelt das häufige Vorkommen der Hinkelsteine die Wichtigkeit dieser Kultobjekte bezüglich der gallischen bzw. keltischen Mythologie wider. Die Wissenschaft geht davon aus, dass sämtliche französische Menhiren auf die Gallier zurückzuführen waren.[8]

Auch die ständig wiederkehrende Selbstkritik Obelixs bezüglich seines Gewichts, bzw. Verteidigung vor der Kritik Anderer, ist keineswegs ein neumodisches Verhalten, das von Uderzo hinzugefügt wurde. Denn schon bei den Galliern herrschten gewisse Wertvorstellung über ihr Körpergewicht. Der griechische Historiker Ephoros bezieht hierzu wie folgt Stellung „Auch dies ist eine Eigenart von ihnen, nämlich dass sie Wert darauf legen, nicht zu dick zu werden und keinen Bauch zu bekommen...“[9] Demnach ist herzuleiten, dass es durchaus Kelten gab, welche sich um ihr Gewicht kümmerten. Obelix hat diese Neigung also nicht künstlich aufgesetzt bekommen.[10]

Auch die Kleidung beruht auf historischen Tatsachen. Gängige Kleidungsstücke bei den Galliern waren in erster Linie Hosen und Mäntel. Selbst das ausschließliche tragen von Hosen als einzigstes Kleidungsstück (zuzüglich des Gürtels) lässt sich anhand römischer Kunst belegen. Auch das Streifenmuster der Hose war bei den Galliern durchaus gängig.

III. Miraculix, der alte und weise Druide

Eine weitere Hauptfigur in der Comicreihe Asterix ist der alte und weise Druide Miraculix. In den Comicheften gilt er als der Kopf des Dorfes, der immer in der Lage ist die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sein Wort gilt hierbei am höchsten und somit ist es noch gewichtiger als das des Stammeshäuptling Majestix. Diese Tatsache ist ebenfalls keineswegs eine Erfindung der beiden Macher Uderzo und Goscinny, denn in der Tat hielt der Druide in der gallischen Gesellschaft eine sehr hohe und privilegierte Stellung inne. Er war für die gallischen Dorfgemeinschaften unentbehrlich. Obwohl die damaligen Druiden natürlich keinen Zaubertrank brauen konnten, wie Miraculix, waren sie dennoch in der Lage Medikamente und auch körperlich stärkende Gebräue herzustellen.[11] Der römische Autor Plinius weißt beispielsweise darauf hin, dass die gallischen Druiden einen Trank brauen konnten, der aus Misteln bestand und Fruchtbarkeit und Stärke förderte. Uderzo und Goscinny scheinen sich mit den historischen Werken zumindest soweit beschäftigt zu haben, dass das Rezept des Zaubertranks tatsächlich viele Bestandteile des damaligen Druiden Repertoires beinhaltet.[12]

Durch die vielseitige Funktion der Druiden (Herstellung von Medikamenten, geistiges Oberhaupt, Ratgeber, Lehrer etc.) waren die Druiden somit unentbehrlich und besaßen deswegen einen so hohen Stellenwert in der Dorfgemeinschaft. Weiterhin waren sie in der Lage, sich bei einer innergallischen Auseinandersetzung zweier Stämme, zwischen die Fronten zu stellen und somit den Konflikt temporär zu beenden.

[...]


[1] Rene van Royen / Sunnyva van der Vegt, Asterix – Die ganze Wahrheit, S.21

[2] Andrè Stoll, Asterix, S. 35-39

[3] Rene van Royen / Sunnyva van der Vegt, Asterix – Die ganze Wahrheit, S.21

[4] Rene van Royen / Sunnyva van der Vegt, Asterix – Die ganze Wahrheit, S.22

[5] Diodor, Griechische Weltgeschichte, S. 30

[6] Strabon, Erdbeschreibung S. 40

[7] Andrè Stoll, Asterix, S. 42

[8] Rene van Royen / Sunnyva van der Vegt, Asterix – Die ganze Wahrheit, S. 28

[9] Strabon, Erdbeschreibung S. 60

[10] Rene van Royen / Sunnyva van der Vegt, Asterix – Die ganze Wahrheit, S. 29

[11] Rene van Royen / Sunnyva van der Vegt, Asterix – Die ganze Wahrheit, S.32

[12] Plinius, Historia Naturalis, S. 251

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Asterix und Co. - Authentische Gallier?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für deutsche Sprache)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V25267
ISBN (eBook)
9783638279420
ISBN (Buch)
9783638760119
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Hausarbeit geht es darum, ob die Gallier "Asterix und Co" tatsächlich einigermaßen authentisch dargestellt, oder eher rein fiktiver Natur sind. Viel Spaß damit !!
Schlagworte
Asterix, Authentische, Gallier, Seminar
Arbeit zitieren
Martin Kussel (Autor), 2004, Asterix und Co. - Authentische Gallier?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25267

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