Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Die geschichtlichen Dimensionen des Schillerschen Idyllenbegriffs

Title: Die geschichtlichen Dimensionen des Schillerschen Idyllenbegriffs

Term Paper , 2003 , 14 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Julia Hermanns (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Verlauf der Französischen Revolution ließ Schiller über die Idee eines politischen
Fortschritts resignieren. Er erkannte, dass das ideale Geschichtsziel vom „Paradies der
Erkenntnis und der Freiheit“2 auf dem gesellschaftlichen Weg nicht herbeizuführen sei.
Schiller gab jedoch seine Idee vom idealen Staat nicht auf, sondern verlegte ihre
Verwirklichung ins Ästhetische. In seinen philosophischen Schriften sah sich Schiller dazu
veranlaßt, diesen idealen Staat zu entwerfen, um den Menschen die `Veredelung ihres
Charakters` zu ermöglichen. Denn nur so bestehe überhaupt die Möglichkeit einer
„Annäherung an eine paradiesische Vollendung der Geschichte“.3
In seinen großen philosophischen Schriften verbindet Schiller Anthropologie, Geschichte und
Ästhetik miteinander. Vor allem seine Abhandlungen Über die ästhetische Erziehung des
Menschen4 und Über naive und sentimentalische Dichtung5 können als Antwort auf die
Begebenheiten der Französischen Revolution und als Auseinandersetzung mit seiner eigenen
Dichtungsweise gelesen werden.
Für das Ende des 18. Jahrhunderts – einer Zeit grundlegender und radikal tiefgreifender
Veränderungen - ist es sehr kennzeichnend, nach dem Sinn der Kunst überhaupt zu fragen.
Schiller sucht in seinen ästhetischen Schriften die Wirksamkeit der Dichtung in dieser ganz
bestimmten historischen Situation zu ermitteln, indem er der modernen Gesellschaft einen
Widerspruch zwischen Wirklichkeit und Ideal diagnostiziert. Die ursprüngliche Einheit von
Natur und Kultur existiere nicht mehr. Die sentimentalische Dichtung beruhe auf dieser
gegenwärtigen Trennung zwischen Natur und Kultur und beziehe sich aus der Besinnung auf
ihre ehemalige arkadische Ausgewogenheit auf ihren zukünftigen elysischen Zusammenschluß.
Auf den Widerspruch der modernen Gesellschaft könne der moderne Dichter in dreifacher
Weise reagieren. Diesen drei möglichen Beziehungen zwischen Ideal und Wirklichkeit
entsprächen die drei sentimentalischen Dichtungsarten Satire, Elegie und Idylle. [...]
2 Eduard von der HELLEN (Hg,): Schillers sämtlichen Werke. Säkularausgabe in 16. Bdn , Bd. 13, Stuttgart 1904-1906, S. 25.
3 Gert SAUTERMEISTER: Idyllik und Dramatik im Werk Friedrich Schillers. Zum geschichtlichen Ort seiner klassischen
Dramen, Stuttgart 1971, S. 23.
4 Friedrich SCHILLER: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. In: Schillers
Werke. Nationalausgabe, Bd. 20, Weimar 1987, S. 309-412.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

I. Die gesellschaftskritische Funktion der Kunst

II. Die Autonomie der Kunst

Ausblick

Literatur

I. Primärliteratur

II. Sekundärliteratur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Friedrich Schillers ästhetischem Idyllenentwurf und den geschichtlichen Auswirkungen der Französischen Revolution. Ziel ist es zu klären, ob Schiller seine ästhetische Philosophie als bewusste Abkehr von der gesellschaftlichen Realität konzipierte oder ob seine Schriften eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der politischen Wirklichkeit darstellen, indem sie den Begriff der Politik und die Funktion der Kunst neu definieren.

  • Die gesellschaftskritische Dimension von Schillers Ästhetik
  • Die Autonomie der Kunst im Spiegel der Französischen Revolution
  • Verhältnis von Idealismus und Realismus in Schillers Werk
  • Die Rolle der sentimentalischen Idylle und Utopieforschung
  • Die Bedeutung von Bildung und Mündigkeit in der ästhetischen Erziehung

Auszug aus dem Buch

1. Die gesellschaftskritische Funktion der Kunst

Die allgemeine Behauptung, Schiller habe wie andere deutsche Dichter und Philosophen anfangs mit Sympathie die Revolution in Frankreich verfolgt, läßt sich schwer belegen. Es gibt Äußerungen in seinen Briefen und Gesprächen, aber diese bleiben sehr sporadisch und ihre Auslegung sehr zweifelhaft. Beispielsweise berichtet Schiller in einem Brief vom 30. Oktober 1789 an Charlotte von Lengefeld über das Verhalten von König Ludwig XVI. und fügt hinzu: „Schulz weiß sehr unterhaltende Partikularitäten von dem Aufruhr in Paris zu erzählen, gebe der Himmel daß alles wahr ist was er sagt.“ Diese knappe Anmerkung wird oft als Beleg für Schillers Begeisterung für die revolutionären Begebenheiten in Paris angeführt. Diese Äußerung wird damit jedoch aus ihrem gesamten Zusammenhang herausgerissen und stellt daher keine explizite Äußerung zu Schillers eventueller Sympathie gegenüber den Geschehnissen in Paris dar.

Jedoch spätestens im April 1794 als Danton und andere revolutionäre Mittstreiter ermordet wurden, wendet sich Schiller von der Schreckensherrschaft der Jakobiner ab. In einem Brief an seinen Freund Körner vom 8. Februar 1793 schreibt er, er könne „seit 14 Tagen keine französische Zeitung mehr lesen, so ekeln diese elenden Schindersknechte“ ihn an. Nach Schiller habe die Aufklärung und ihr politisches Ergebnis, die Revolution, die Freiheit der Menschen nicht weiterentwickelt, sondern reduziert. Die Aufklärung habe nicht erkannt, dass einer rein begrifflichen Kultur eine in der Wirklichkeit auftretende vorangehen müsse. Die Französische Revolution habe den Bürgern eine Verfassung gegeben, ohne ihre Mündigkeit abzuwarten. Schiller sucht nun einen anderen Weg, damit die Ziele der Aufklärung doch noch erreicht werden können. Die Lösung findet er in der Kunst. Die Erziehung des Menschen solle nun nicht mehr über die Politik gehen, sondern über die Ästhetik.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Schillers Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution und die daraus resultierende Verschiebung seines Fokus hin zu einer philosophischen Ästhetik als Mittel zur Charakterveredelung.

I. Die gesellschaftskritische Funktion der Kunst: Dieses Kapitel analysiert Schillers kritische Haltung gegenüber der revolutionären Gewalt und seine Auffassung, dass wahre Freiheit durch ästhetische Erziehung statt durch rein politische Umbrüche erreicht werden muss.

II. Die Autonomie der Kunst: Hier wird untersucht, inwiefern Schiller Kunst als einen autonomen Raum definierte, der dennoch eine moralische und gesellschaftliche Appellfunktion besitzt, um den Menschen zur Mündigkeit zu führen.

Ausblick: Der Ausblick resümiert das Spannungsverhältnis zwischen Schillers Dichtung und Geschichtsphilosophie und kommt zu dem Schluss, dass Schiller den Menschen durch ästhetische Reflexion zur Ganzheit und Selbstverantwortung erziehen wollte.

Schlüsselwörter

Friedrich Schiller, Französische Revolution, Ästhetik, Idyllenentwurf, Utopie, Autonomie der Kunst, Aufklärung, Politische Philosophie, Gesellschaftskritik, Ästhetische Erziehung, Mündigkeit, Idealisierung, Klassik, Freiheitsbegriff

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Friedrich Schiller seine ästhetischen Theorien und seine Idyllenentwürfe als Reaktion auf die Ereignisse und das Scheitern der Französischen Revolution entwickelte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen das Verhältnis von Kunst und Politik, die Autonomieästhetik und die Frage, ob Schillers Idealismus als Flucht vor der Realität oder als kritische Auseinandersetzung mit ihr zu werten ist.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen Schillers ästhetischem Programm und seinem Geschichtsverständnis aufzuzeigen und zu prüfen, ob Kunst sowohl autonom als auch gesellschaftskritisch wirken kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Schillers philosophische Schriften, Briefe und dramatische Werke sowie die dazu existierende Utopieforschung und Forschungsliteratur einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der gesellschaftskritischen Funktion von Schillers Kunst sowie die Erörterung der Autonomie der Kunst als notwendige Bedingung für die menschliche Vollkommenheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem: Autonomie der Kunst, Schillers Idyllenentwurf, Französische Revolution, ästhetische Erziehung und politische Mündigkeit.

Wie bewertet die Arbeit Schillers Haltung zur Französischen Revolution?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Schiller die Revolution anfangs nicht enthusiastisch unterstützte und sich aufgrund der radikalen Entwicklungen (Jakobinerherrschaft) von ihr abwandte, um Freiheit stattdessen in der Ästhetik zu suchen.

Wie ist Schillers Verhältnis zur Politik definiert?

Schiller wird nicht als unpolitischer Träumer gesehen; vielmehr hat er den Begriff der Politik neu definiert, indem er die individuelle ästhetische Bildung als Voraussetzung für ein verantwortungsvolles politisches Handeln betrachtete.

Excerpt out of 14 pages  - scroll top

Details

Title
Die geschichtlichen Dimensionen des Schillerschen Idyllenbegriffs
College
University of Freiburg  (Deutsches Seminar)
Course
Einführung in das Studium der neueren deutschen Literatur
Grade
2,3
Author
Julia Hermanns (Author)
Publication Year
2003
Pages
14
Catalog Number
V25309
ISBN (eBook)
9783638279796
Language
German
Tags
Dimensionen Schillerschen Idyllenbegriffs Einführung Studium Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Hermanns (Author), 2003, Die geschichtlichen Dimensionen des Schillerschen Idyllenbegriffs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25309
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  14  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint