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Die kritische Darstellung des Bürgertums und des Adels in Lessings 'Emilia Galotti'

Title: Die kritische Darstellung des Bürgertums und des Adels in Lessings 'Emilia Galotti'

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Martin Abrahams (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die heroische Tragödie bezog ihre Stoffe aus Geschichte und Mythos. Könige und Helden repräsentierten den Menschen gleich welche n Standes und das Unglück das sie befiel, war das durch Menschenkraft Unabwendbare, Absolute. Die zentrale Thematik war in der Regel das Verhältnis des Menschen zum Übermenschlichen. Das Auftreten des bürgerlichen Trauerspiels um 1755 bringt einen grundlegenden Wandel des Tragischen mit sich. Nicht mehr Märtyrertum und Welthaltigkeit stehen nun im Vordergrund, sondern das Moralische, Private und der Mensch in seiner Bindung an die Gemeinschaft. Darüber hinaus soll ihn nicht länger ein durch das Jenseits determiniertes Schicksal ereilen: ein grausames, undurchschaubares Verhängnis kann nicht mehr Tragik begründen. Die Verursachung des Tragischen wird in den Menschen und in dessen Welt verlegt. Entsprechend verknüpft das bürgerliche Trauerspiel Unglück, Schuld und Charakter; man legt Wert auf Kausalität und lückenlose Motivation. Religiöse Fragen spielen noch eine Rolle, das Metaphysische ist jedoch nicht mehr der Gehalt des Tragischen, denn maßgebend ist das Diesseits. Ein Bezug zur Säkularisation kann hergestellt werden: „Ihr Träger ist das Bürgertum, das seine humanitäre Ideologie im Widerspruch gegen die transzendenten Deutungen der institutionalisierten Religion ausbildet“ (Guthke 1994, S. 19). Eine bürgerliche und nicht-bürgerliche Gesinnung ist im bürgerlichen Trauerspiel allerdings nicht an Standesgegensätze gebunden.

Mit Emilia Galotti (1772) finden Konflikte zwischen den Ständen und gesellschaftskritische Elemente Einzug in das bürgerliche Trauerspiel. In erster Linie richtet sich die darin enthaltene Gesellschaftskritik an die Aristokratie, das Bürgertum wird allerdings ebenfalls einer kritischen Prüfung unterzogen. Auch hier werden also moralische Gegensätze nicht verschiedenen Ständen zugeordnet, vielmehr ist vermeintliches Fehlverhalten durch standestypische Verhaltensweisen bedingt (vgl. Guthke 1994, S. 75). [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kritik am herrschenden Adel

1.1 Fürstliche Macht und Willkür

1.2 Die Unvereinbarkeit von fürstlicher Macht und Empfindsamkeit

2. Hinterfragung des Bürgertums

2.1 Familiäre Disharmonien

2.2 Kritik an bürgerlichen Tugend - und Moralprinzipien

3. Zur Mehrdeutigkeit der Kritik in Emilia Galotti

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Darstellung des Bürgertums sowie des Adels in Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel "Emilia Galotti" und hinterfragt die vermeintliche moralische Überlegenheit der bürgerlichen Akteure gegenüber der fürstlichen Willkürherrschaft.

  • Analyse der fürstlich-feudalen Machtstrukturen und deren Auswirkungen
  • Untersuchung der moralischen Integrität und familiären Dynamiken des Bürgertums
  • Kritik an der Wirksamkeit bürgerlicher Tugend- und Moralvorstellungen
  • Diskussion der Mehrdeutigkeit und Komplexität der gesellschaftskritischen Aussage
  • Reflexion über die Wirkung des Stückes im Kontext von Lessings Mitleidspoetik

Auszug aus dem Buch

Die Unvereinbarkeit von fürstlicher Macht und Empfindsamkeit

Obwohl der Prinz fürstliche Macht verkörpert, erlebt man ihn im Verlauf des Stückes kaum als Regenten in klassischem Sinne, erledigt er doch seine Regierungsgeschäfte eher launisch im Vorbeigehen oder gar mit Abneigung: „Die traurigen Geschäfte; und man beneidet uns noch“ (I, 1). Stattdessen erscheint er von Anfang bis Ende des Stücks vor allem als Liebender, wodurch seine Funktion als Herrscher auffällig kontrastiert wird. Die Liebe zu Emilia scheint bisher nicht gekannte Gefühle im Inneren des Prinzen angeregt zu haben. Im Gegensatz zu seinem ihn wenig erfüllenden Leben als Regent und der eher pragmatischen Liason mit Gräfin Orsina („Nun ja; ich habe sie zu lieben geglaubt!“ [I, 1]) hat nun große Leidenschaft von ihm Besitz ergriffen.

Der Prinz hat sich offenbar zu einem empfindsamen Menschen gewandelt; allerdings erscheint diese Empfindsamkeit übertrieben und hat unkontrollierbare Ausmaße angenommen. Er ist teilweise nicht mehr sein eigener Herr, wie die Fassungslosigkeit und Wut über die bevorstehende Heirat Emilias beweist: „O, ich komme von Sinnen! [...] Sie sehen mich einen Raub der Wellen“ (I, 6). In seinen Phantasien weidet er sich daran, Emilia vollständig zu besitzen - mit welchen Mitteln auch immer. Als er in Hinblick auf Emilia endlich zu Taten getrieben wird, handelt er bei seiner ungestümen Werbung während der Messe ausschließlich gefühlsgesteuert und vollkommen unbeherrscht.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einführung erläutert den Wandel des bürgerlichen Trauerspiels ab 1755 und verortet die gesellschaftskritischen Aspekte in Lessings "Emilia Galotti".

1. Kritik am herrschenden Adel: Dieses Kapitel analysiert die unberechenbare fürstliche Willkürherrschaft und die damit einhergehende Machtlosigkeit der bürgerlichen Charaktere.

1.1 Fürstliche Macht und Willkür: Hier wird die Struktur der feudalen Dominanz des Prinzen und die Delegierung seiner unmoralischen Taten an Helfer wie Marinelli untersucht.

1.2 Die Unvereinbarkeit von fürstlicher Macht und Empfindsamkeit: Dieser Abschnitt beleuchtet den Kontrast zwischen dem Regentenamt und den unkontrollierten, leidenschaftlichen Gefühlen des Prinzen gegenüber Emilia.

2. Hinterfragung des Bürgertums: In diesem Kapitel wird die moralische Integrität der Familie Galotti hinterfragt und deren familiäre Struktur einer kritischen Prüfung unterzogen.

2.1 Familiäre Disharmonien: Hier werden die verborgenen Konflikte innerhalb der Familie Galotti sowie das ambivalente Verhältnis von Odoardo zu seiner Ehefrau und Tochter analysiert.

2.2 Kritik an bürgerlichen Tugend - und Moralprinzipien: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Odoardos rigide Vorstellungen von Tugend und Moral die Handlungsfähigkeit der Familienmitglieder einschränken und fatal beeinflussen.

3. Zur Mehrdeutigkeit der Kritik in Emilia Galotti: Das Abschlusskapitel thematisiert die Komplexität der Kritik im Stück, die sich einer einseitigen Zuweisung von Gut und Böse entzieht.

Schlüsselwörter

Emilia Galotti, Gotthold Ephraim Lessing, bürgerliches Trauerspiel, Aufklärung, fürstlicher Absolutismus, Empfindsamkeit, Standeskonflikt, Moralprinzipien, Tugendbegriff, Machtstrukturen, Gesellschaftskritik, Mitleidspoetik, Odoardo Galotti, Prinz von Guastalla, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die gesellschaftskritische Darstellung von Adel und Bürgertum in Lessings "Emilia Galotti" und analysiert, inwieweit bürgerliche Moralvorstellungen in der Auseinandersetzung mit feudaler Macht bestehen können.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der fürstlichen Willkürherrschaft, der Infragestellung bürgerlicher Tugendideale, familiären Disharmonien bei den Galottis sowie der komplexen Mehrdeutigkeit der Kritik im Werk.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Lessing weder eine einfache Gegenüberstellung von tugendhaftem Bürgertum und korruptem Adel vornimmt, noch bürgerliche Ideale unkritisch idealisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur, um die Struktur und Aussageabsichten des Dramas zu erörtern.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?

Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Machtausübung des Prinzen, dem Scheitern der bürgerlichen Moral an den eigenen Widersprüchen und der Wirkungsästhetik des Stückes.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Emilia Galotti, Aufklärung, Empfindsamkeit, Standeskonflikt, Tugendbegriff und Machtstrukturen.

Warum wird Odoardo Galottis tugendhaftes Verhalten kritisch hinterfragt?

Odoardos Tugend wird kritisch gesehen, da sie durch eine väterliche Gefühlskälte geprägt ist, welche die Tochter eher zum Objekt eigener Prinzipien degradiert, anstatt ihr Schutz zu bieten.

Inwiefern beeinflusst der Prinz die bürgerlichen Akteure trotz seiner eigenen Unsicherheit?

Obwohl der Prinz persönlich emotional instabil und unsicher wirkt, zwingt ihn der Automatismus seiner Machtstruktur und die Korruptheit seines Hofes dazu, die Galottis in eine ausweglose Situation zu drängen, der diese nicht entkommen können.

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Details

Title
Die kritische Darstellung des Bürgertums und des Adels in Lessings 'Emilia Galotti'
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Course
Hauptseminar: Das bürgerliche Trauerspiel
Grade
1,3
Author
Martin Abrahams (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V25334
ISBN (eBook)
9783638279956
Language
German
Tags
Darstellung Bürgertums Adels Lessings Emilia Galotti Hauptseminar Trauerspiel Thema Emilia Galotti
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Abrahams (Author), 2003, Die kritische Darstellung des Bürgertums und des Adels in Lessings 'Emilia Galotti', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25334
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