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Sozialisation bei Talcott Parsons

Title: Sozialisation bei Talcott Parsons

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Martin Abrahams (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Talcott Parsons hatte den Weg zur Soziologie über die ökonomische Theorie gefunden. Vor dem Hintergrund des Börsencrashs von 1929 schien das liberalistische Modell des entstaatlichten, nur durch Angebot und Nachfrage regulierten Marktes nicht mehr zu funktionieren, sondern vielmehr Not und Armut zu steigern. Erst als es der amerikanischen Regierung Mitte der 30er Jahre gelang, mit Hilfe einer neuen Kreditpolitik die Konjunktur anzukurbeln und ihre wirtschaftliche Steuerungskompetenz unter Beweis zu stellen, schienen die Folgen der Welwirtschaftskrise aufgefangen werden zu können.

Anders als in den USA waren die europäischen Staaten nach dem ersten Weltkrieg nicht nur wirtschaftlich unter Druck geraten, sondern auch durch die politische Frontstellung zur sozialistischen Sowjetunion bedroht. Während in den USA die Präsidialdemokratie, der Parsons uneingeschränkt positiv gegenüberstand, gestärkt aus der Krise hervorging, versuchte man in einigen europäischen Staaten, den inneren und äußeren Bedrohungen mit faschistischen Herrschaftskonzepten zu begegnen. Vor diesem Hintergrund wurde für Parsons das Ordnungsproblem zur zentralen Frage der Soziologie.

Parsons war überzeugt, dass die uneingeschränkte Durchsetzung privater Interessen auf Dauer destabilisierend wirken muss, genauso wie diktatorische Gewalt zur Durchsetzung von Ideologien, die nur mit Hilfe äußerer Zwangsmittel soziale Ordnung gewährleisten, keine Lösung darstellen kann. Er steht für ein voluntaristisches Modell, verbunden mit der Auffassung, dass im besten Fall die Akteure von der Durchsetzung individueller Machtinteressen Abstand nehmen und stattdessen ihr Handeln freiwillig an kollektiv verbindlichen, in der Gemeinschaft verankerten Werten orientieren.

Vor diesem Hintergrund muss eine Theorie der Sozialisation darüber Auskunft geben können, wie und in welchen gesellschaftlichen Kontexten sich autonome und zugleich verantwortungsvolle Persönlichkeiten entwickeln können. Talcott Parsons war der erste, der eine Sozialisationstheorie in einer systematischen Form als Bestandteil einer Gesellschaftstheorie ausarbeitete; mit Hilfe der Begriffe ‚Sozialisation‘ und ‚Internalisierung‘ verknüpfte er die Frage nach der Stabilität sozialer Ordnungen mit der nach dem Ursprung von subjektiven Handlungsorientierungen. Dabei versuchte er unterschiedliche kulturanthropologische, interaktionistische und vor allem psychoanalytische Theorien zu integrieren (vgl. Veith 1996: 403 f.). [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Systemtheorie

2. Sozialisation als Handeln in Rollen

3. Sozialisation und Internalisierung

3.1 Parsons‘ Adaption der psychosexuellen Entwicklungsstufen nach Freud

3.2 Die Bedeutung und Verinnerlichung von Kultur nach Parsons

4. Außerfamiliäre Sozialisationsinstanzen

4.1 Pattern variables

4.2 Die Schulklasse als Sozialisationsinstanz

4.3 Die sozialisatorische Funktion der peer-groups

5. Kritik

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Sozialisationskonzept von Talcott Parsons, wobei der Fokus auf dem Erwerb von Rollenkompetenz und der Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte liegt, um soziale Stabilität innerhalb eines systemtheoretischen Rahmens zu erklären.

  • Integration von Psychoanalyse und Soziologie bei Parsons
  • Die zentrale Rolle der Familie bei der Internalisierung kultureller Werte
  • Struktur und Funktion der Schulklasse als Vermittlungsinstanz
  • Sozialisatorische Wirkungen von Peer-groups
  • Kritische Würdigung des Ansatzes hinsichtlich der Individualität

Auszug aus dem Buch

3. Sozialisation und Internalisierung

Um die Frage zu beantworten, auf welche Weise die Heranwachsen Rollen bzw. Orientierungsmuster für ihr Handeln verinnerlichen, bezieht sich Parsons im Rahmen seiner Sozialisationstheorie auf unterschiedliche Erklärungsmodelle. Er verwendet zum einen die Forschungsergebnisse Meads, zum anderen stützt er sich auf die behavioristische Lerntheorie Skinners. Lernen wird unter dieser Perspektive als Verhaltensänderung definiert, die durch die positiven oder negativen Reaktionen der Umwelt auf ein zuvor gezeigtes Verhalten eines Individuums bewirkt wird. Selbst komplexe Verhaltensmuster und Einstellungen sind nach Skinner als Resultat solcher Konditionierungsprozesse zu verstehen. Die Übernahme und Erfüllung von Rollenerwartungen wäre demnach auf soziale Kontrolle bzw. positive oder negative Sanktionen der Umwelt zurückzuführen (vgl. Baumgart 2000: 85).

Auch Parsons betont, dass bereits der Säugling in den ersten Wochen, wenn nicht Tagen in ein soziales System integriert wird und normative Erwartungen hinsichtlich seines Verhaltens entstehen (so etwa, ob er sich gut oder schlecht stillen lässt). Das Verhalten der Erwachsenen, die sich in einer dominierenden Machtposition befinden, nimmt demnach unvermeidlich den Charakter von Belohnungen und Bestrafungen für gutes und schlechtes Verhalten des Säuglings an (vgl. Parsons 1958: 108). Diese lerntheoretische Erklärung für Rollenübernahme ist für Parsons allerdings noch nicht ausreichend. Er kombiniert deshalb den behavioristischen Ansatz mit der Theorie der psychosexuellen Entwicklung des Heranwachsenden nach Freud. Er übernimmt Kernbegriffe der Psychoanalyse wie Identifikation, Internalisierung und Über-Ich, um den Prozess der Übernahme der kultureller Werte und sozialer Strukturen in die Persönlichkeit zu erläutern (vgl. Baumgart 2000: 85).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den zeitgeschichtlichen Kontext und die ökonomischen Krisenerfahrungen, die Parsons dazu führten, die Stabilität sozialer Ordnungen als zentrale soziologische Fragestellung zu betrachten.

1. Systemtheorie: Dieses Kapitel erläutert den strukturfunktionalistischen Ansatz, bei dem Gesellschaft als geordnetes System von Subsystemen begriffen wird, die zur Bestandserhaltung des Ganzen beitragen.

2. Sozialisation als Handeln in Rollen: Es wird dargelegt, wie Individuen durch die Übernahme von Rollenmustern in soziale Strukturen eingebunden werden, was konfliktfreies Handeln und Systemstabilität ermöglicht.

3. Sozialisation und Internalisierung: Das Kapitel analysiert die Verknüpfung von Freuds Psychoanalyse mit soziologischen Theorien, um den Prozess der Internalisierung moralischer Werte und kultureller Normen zu erklären.

4. Außerfamiliäre Sozialisationsinstanzen: Hier werden die Mechanismen untersucht, durch die Kinder außerhalb der Familie, insbesondere in Schule und Peer-groups, universalistische Kompetenzen erwerben.

5. Kritik: Der abschließende Teil reflektiert die Einseitigkeit des Parsons'schen Modells, das die Anpassungsleistung des Individuums stark betont und dabei aktive, individuelle Spielräume eher vernachlässigt.

Schlüsselwörter

Talcott Parsons, Sozialisationstheorie, Systemtheorie, Strukturfunktionalismus, Rollenhandeln, Internalisierung, Identifikation, Über-Ich, kulturelle Werte, Sozialisationsinstanzen, Schule, Peer-groups, Pattern variables, psychoanalytische Soziologie, Vergesellschaftung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Sozialisationstheorie von Talcott Parsons und analysiert, wie Individuen in einer modernen Gesellschaft zu handlungsfähigen und normorientierten Mitgliedern werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Systemtheorie, das Konzept des Rollenhandelns, die Internalisierung kultureller Werte sowie die Rolle von Familie, Schule und Peer-groups im Sozialisationsprozess.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Parsons durch die Integration von Psychoanalyse und Soziologie das Problem der gesellschaftlichen Ordnung und Stabilität durch die Ausbildung spezifischer Persönlichkeitsstrukturen löst.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Literaturanalyse, die zentrale Werke von Parsons sowie rezeptionsgeschichtliche Einordnungen aufarbeitet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die theoretischen Grundlagen (Systemtheorie, Rollenbegriff), die psychologischen Mechanismen der Internalisierung sowie die Bedeutung der außerschulischen und schulischen Sozialisationsinstanzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Sozialisation, Rollenhandeln, Internalisierung, Systemstabilität und die soziologische Integration von Persönlichkeit und Kultur.

Wie verknüpft Parsons die Theorie von Freud mit der Soziologie?

Parsons nutzt Begriffe wie Identifikation und Über-Ich, um den Prozess zu erklären, durch den Kinder gesellschaftliche Normen internalisieren und somit ihr Verhalten an sozialen Erwartungen ausrichten.

Warum ist laut Parsons die Schule als Sozialisationsinstanz so wichtig?

Die Schule fungiert als Vermittlungsinstanz, die das Kind von der primären, auf Partikularismus basierenden Familienwelt zur universalistischen Welt der beruflichen Erwachsenenrollen überführt.

Was ist die Hauptkritik an Parsons' Sozialisationstheorie?

Kritisiert wird vor allem eine einseitige Ausrichtung auf Anpassung und Vergesellschaftung, wodurch die individuelle Autonomie und der Spielraum für abweichendes Handeln vernachlässigt werden.

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Details

Title
Sozialisation bei Talcott Parsons
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Fachbereich Soziologie)
Grade
1,3
Author
Martin Abrahams (Author)
Publication Year
2003
Pages
26
Catalog Number
V25337
ISBN (eBook)
9783638279987
Language
German
Tags
Sozialisation Talcott Parsons
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Abrahams (Author), 2003, Sozialisation bei Talcott Parsons, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25337
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