Was ist ein Wort?
Wann ist ein Wort eine Bezeichnung und was genau ist die Bedeutung eines Wortes?
In diesem Zusammenhang stellt man sich schnell die Frage, wie Bedeutungen zustande kommen und im Gehirn gespeichert werden. Gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Bedeutungen, und woran genau kann man das festmachen?
Diese Fragen werden hier besprochen und beantwortet. Zu Beginn werde ich kurz die Aufgaben der Lexikologie beschreiben, um dann näher auf die Onomasiologie und die Semasiologie einzugehen und die Unterschiede zwischen Bezeichnungslehre und Bedeutungslehre aufzuzeigen.
Anschließend werden die Bedeutungstheorien näher untersucht. Ich werde einige Theorien, die noch bis heute Geltung haben, nennen und beschreiben.
sowie die Determination der Bedeutung zu Wörtern wie Begriff, Sach- und Fachwissen liefern.
Wie ist eine Bedeutung im Gedächtnis gespeichert oder zusammengesetzt? Das wird im nächsten Abschnitt der hier vorliegenden Ausarbeitung genauer untersucht.
Abschließend wird noch auf das Verstehen und Behalten von Wörtern eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die Lexikologie
3. Onomasiologie
4. Differenzierung von Onomasiologie und Semasiologie
5. Abgrenzung der Wortbedeutung
5.1 Bedeutungstheorien
5.1.1 Behavioristische Theorie
5.1.2 Gebrauchs-& Handlungstheorien
5.1.3 Zeichentheoretische Bedeutungskonzeptionen
5.1.4 Bedeutung als Relation
5.1.5 Bedeutung als Bewusstseinsinhalt
6. Abbildfunktion der Wortbedeutung
6.1 Wortbedeutung ⇔ Begriff
6.2 Bedeutung ⇔ Sachwissen
6.3 Denotative Bedeutung ⇔ Fachwissen
6.4 Konnotative Bedeutung
7. Wortbedeutung als psychischer Prozess
7.1 Die Netzwerkmodelle
7.2 Das Merkmalsmodell
7.3 Die Prototyptheorie
7.4 Die Referenzmodelle
7.5 Die Kernhypothese
7.6 Der Bedeutungswandel
7.7 Piagets Begriffs-& Bedeutungsentwicklung
8. Der Prozess des Verstehens
8.1 Die Benennung und ihre Folgen
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht grundlegende lexikologische Fragestellungen zur Entstehung, Speicherung und Verarbeitung von Wortbedeutungen. Dabei steht die differenzierte Betrachtung onomasiologischer und semasiologischer Prozesse im Zentrum, wobei insbesondere kognitive Aspekte sowie die Rolle des Gedächtnisses beleuchtet werden.
- Grundlagen der Lexikologie und Differenzierung von Bedeutungsebenen
- Analyse verschiedener Bedeutungstheorien (behavioristisch, zeichentheoretisch, relationell)
- Abbildfunktion der Sprache: Verhältnis von Wortbedeutung, Begriff und Sachwissen
- Kognitive Repräsentation: Netzwerk-, Merkmals- und Referenzmodelle
- Entwicklungspsychologische Perspektiven auf Begriffsbildung und Wortbedeutung
- Prozesse des Verstehens, der Benennung und der Wortwahl
Auszug aus dem Buch
7.2 Das Merkmalsmodell
Frühe Merkmalsmodelle definieren Bedeutungen als Konfiguration von atomaren Bedeutungselementen (Johannes Engelkamp, 1985, S.271). Bedeutungen bestehen demnach aus einer Ansammlung semantischer Merkmale.
In den Merkmalstheorien von Clark wird außerdem festgehalten, dass Kinder Bedeutungen erst nach und nach spezifizieren. Ein Kind lernt zuerst ein semantisches Merkmal und setzt dies gleich mit der Bedeutung. „So nennen manche Kinder alles was fährt Auto, ob es ein Bus, eine U-Bahn oder tatsächlich ein Auto ist“(Szagun,1993, S.140) Das Merkmal „fahren“ ist also gleich dem Lexem und der Bedeutung „Auto“. Dadurch werden Wörter überdehnt. Überdehnung tritt häufig während der Wortbedeutungsbildung auf. Die Basis für solche Überdehnungen sind meist perzeptuelle semantische Merkmale, dass heißt Merkmale, die auf die Sinneswahrnehmungen beruhen. Hierzu liegt in der Anlage A eine Tabelle, die Beispiele unter perzeptuellen Gesichtpunkten darstellt, vor.
Kritik die an diesem Modell geäußert wurde, ist beispielsweise, dass der Übergang der perzeptuellen Merkmale zu den semantischen Merkmalen nicht deutlich zu erkennen ist. „Das, was ein Kind mittels sinnlicher Wahrnehmung erkennt, wird semantisch enkodiert (Szagun,1993, S.146). Außerdem können nicht alle Lexeme durch semantische Merkmale dargestellt werden, als da wären fiktive Wörter wie das Wort Freundschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die zentralen Forschungsfragen zur Definition von Wörtern, Bedeutungen und deren kognitiver Speicherung dar.
2. Einführung in die Lexikologie: Definiert die Lexikologie als Lehre vom Wortschatz und erläutert ihre drei methodischen Stränge: allgemein, historisch und strukturell.
3. Onomasiologie: Behandelt die Bezeichnungslehre und untersucht das dialektische Verhältnis zwischen Wort und Sache.
4. Differenzierung von Onomasiologie und Semasiologie: Arbeitet die komplementären Ansätze der beiden Disziplinen bei der Untersuchung von Bezeichnungsfunktionen und Bedeutungsgehalten heraus.
5. Abgrenzung der Wortbedeutung: Unterscheidet zwischen Wortinhalt und Bedeutung und führt in diverse Bedeutungstheorien ein.
6. Abbildfunktion der Wortbedeutung: Erörtert die Abgrenzung von Begriffen wie Sachwissen, Fachwissen und Konnotationen gegenüber der reinen Wortbedeutung.
7. Wortbedeutung als psychischer Prozess: Präsentiert verschiedene kognitive Modelle wie das Netzwerk- und Merkmalsmodell sowie Theorien zur kindlichen Sprachentwicklung.
8. Der Prozess des Verstehens: Analysiert den Zugriff auf lexikalische Einträge und die kognitiven Konsequenzen der Benennung.
9. Schlussbetrachtung: Führt die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Grenzen der wissenschaftlichen Erklärbarkeit von Wortbedeutungen.
Schlüsselwörter
Lexikologie, Onomasiologie, Semasiologie, Wortbedeutung, Bedeutungstheorien, Kognition, Gedächtnis, Semantische Merkmale, Prototyptheorie, Spracherwerb, Begriffsbildung, Sprachverstehen, Benennung, Denotation, Konnotation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Lexikologie und untersucht, wie Wortbedeutungen entstehen, im Gehirn repräsentiert werden und durch kognitive Prozesse verarbeitet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Bezeichnungs- und Bedeutungslehre, der psychologischen Modellierung von Wortbedeutungen sowie der kindlichen Sprachentwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Bedeutungen als sprachliche Zeichen durch den Kontext und kognitive Faktoren determiniert sind und wie diese im Gedächtnis organisiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse unter Einbeziehung linguistischer und psychologischer Konzepte (u.a. von T. Schippan, J. Engelkamp und Jean Piaget).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der theoretischen Bedeutungsmodelle (Netzwerk-, Merkmals- und Referenzmodelle) sowie eine Untersuchung der psychologischen Prozesse beim Verstehen und Benennen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Lexikologie, Onomasiologie, Semasiologie, Wortbedeutung, kognitive Repräsentation und semantische Merkmale.
Inwiefern unterscheiden sich Onomasiologie und Semasiologie nach dem Autor?
Die Onomasiologie fragt von der Sache ausgehend nach der Bezeichnung, während die Semasiologie vom Lexem ausgehend nach der Bedeutung fragt; beide Ansätze ergänzen sich dialektisch.
Welche Rolle spielen "Überdehnungen" bei Kindern?
Überdehnungen bei Kindern entstehen laut den Merkmalsmodellen, wenn das Kind ein einzelnes, meist perzeptuelles Merkmal (z. B. "fahren") auf eine ganze Kategorie (z. B. "Auto") anwendet.
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- Daniela Mankel (Author), 2001, Onomasiologische und semasiologische Betrachtungen in der Lexikologie unter Berücksichtigung der kognitiven Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2533