Die strategische Diskussion zwischen Fourth Party Logistics Provider und Lead Logistic Provider


Hausarbeit, 2004
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriff, Abgrenzung und Merkmale von Logistikdienstleistern
2.1 Einzeldienstleister (First- Party- Logistics- Provider)
2.2 Spezial- oder Sonderdienstleister
2.3 Verbunddienstleister (Second- Party- Logistics- Provider)
2.4 Systemdienstleister
2.4.1 Third Party Logistics- Provider (3PL)
2.4.2 Fourth- Party- Logistics- Provider (4PL)
2.4.3 Fifth- Party- Logistics- Provider (5PL / LLP)

3. Abgrenzung 4PL und LLP

4. Abgrenzung der Netzwerkintegratoren zu benachbarten Begriffen
4.1 Abgrenzung zu Third- Party- Logistics- Providern(3PL)
4.2 Abgrenzung zu Prozessintegratoren
4.3 Abgrenzung zu Transportmarktplätzen

5. Alternative Charakterisierung von Netzwerkintegratoren

6. Merkmale der Netzwerkintegratoren

7. Besonderheiten des Managements von Netzwerkintegratoren und
Erfolgsfaktoren ihrer strategischen Positionierung
7.1 Strategische Ressourcen
7.2 Mitarbeiter
7.3 Logistische Ressourcen
7.4 Vertrauen
7.5 Wertschöpfung
7.6 Wissensintegration und -aufbau
7.7 Art der Zusammenarbeit

8. Zusammenfassung und eigenes Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der hier vorliegende Text wird sich mit dem Thema der Fourth Party Logistics Provider(4PL) und der Lead Logistics Provider (LLP / 5PL) als Systemdienstleister befassen und dabei auf ihre Aufgabengebiete, Ziele und Besonderheiten eingehen. Auch soll ein Ausblick auf die zukünftigen Anforderungen und Entwicklungen, die der Markt möglicherweise an sie stellen wird, gegeben werden.

Bedingt durch die zunehmende Komplexität und Internationalisierung von Wirtschaft und Technik wird seit einiger Zeit in der logistischen Praxis und deren Fachliteratur vermehrt die Notwendigkeit von verbesserten, unternehmensübergreifenden Steuerungs- und Gestaltungssystemen für gesamte Wertschöpfungsketten im Sinne des Supply Chain Management diskutiert. Häufig werden hierbei die Konzepte des 4PL und des LLP als Lösung angeführt. Beide Ansätze erfüllen die geforderten Aufgaben als Netzwerkintegratoren, gehen aber von unterschiedlichen Grundlagen aus.

In diesem Text soll die Frage geklärt werden, welche Voraussetzungen ein Betrieb erfüllen muss, damit es als Logistikunternehmen tatsächlich zu einem Netzwerkintegrator werden oder zumindest Teile der Wertschöpfungskette integrieren und optimieren kann. Außerdem muss geklärt werden, ob die Begriffe überhaupt sinnvoll gewählt sind oder ob auf sie bald Begriffe wie Sixth Party Logistics Provider (6PL) oder andere als Marketing-Label von Beraterfirmen folgen werden. In dieser Diskussion muss dann auch herausgestellt werden, welche Ansprüche eigentlich an diese Konzepte gestellt werden und welche Unterschiede zwischen ihnen bestehen. Durch den Vergleich der sich dabei herausstellenden Ergebnisse wird dann außerdem klar werden, inwieweit sich solche derzeitigen Anbieter auf dem Weg zu diesem Ziel befinden. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage wird meiner Meinung nach weitreichende Konsequenzen für das Verständnis der Aufgaben und des Managements von Netzwerkintegratoren haben.

Bei allem Enthusiasmus für diese neuen Konzepte werden jedoch von manchen Spezialisten jedoch auch Kritiken laut, die die aktuelle Situation eher skeptisch betrachten und diese Unternehmensformen als einen von Beratungsunternehmen geprägten Modetrend ansehen und die an diese gestellten Anforderungen eher als utopisch betrachten. Einig sind sich diese Spezialisten jedoch darüber, dass in Europa derzeit bei den Unternehmen der mit den Konzepten verbundene Begriff viel mehr verbreitet ist als die neue proklamierte Rollenverteilung (vgl. Baumgarten 2002, S. 36).

2. Begriff, Abgrenzung und Merkmale von
Logistikdienstleistern

Damit man die einzelnen Begriffe für Logistikdienstleister überhaupt unterscheiden kann, muss man die einzelnen Ausprägungsarten erst einmal gegeneinander abgrenzen.

2.1 Einzeldienstleister (First- Party- Logistics- Provider)

Einzeldienstleister bieten universelle logistische Einzelleistungen für einen mittelgroßen, teilweise anonymen Markt an. Ihr Leistungsspektrum bezieht sich auf bestimmte Güter, Frachtarten oder Branchen, welches sie in begrenzten Gebieten oder auf festen Relationen vermarkten. Sie teilen sich in Transportunternehmen, Umschlagsunternehmen sowie Lagereiunternehmen auf und verfügen in der Regel über eigene Transportmittel, Umschlags- oder Lagereinrichtungen, mit welchen sie auf Basis kurzfristiger Verträge für einzelne Verlader logistische Dienstleistungen erbringen. (vgl. Gericke 2003)

2.2 Spezial- oder Sonderdienstleister

Spezial- oder Sonderdienstleister haben sich im Gegensatz zu Einzeldienstleistern auf die Erbringung von Nischendienstleistungen spezialisiert, welche auf die speziellen Besonderheiten ihrer logistischen Objekte abgestimmt sind. Bedingt durch diese Spezialisierung haben diese Dienstleister meist einen kleinen Kundenkreis, welcher aber durch die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen den Dienstleistern und ihren Kunden gemildert wird und häufig zu langfristigen stabilen Verträgen führt. Beispiele für Spezial- und Sonderdienstleister sind Gefahrgut- und Schwertransportunternehmen. (vgl. Gericke 2003)

2.3 Verbunddienstleister (Second- Party- Logistics- Provider)

Verbunddienstleister bieten ihre Leistungen meist auf einem großen, anonymen Markt an. Ihr Angebot zeichnet sich im Unterschied zu dem von Einzeldienstleistern durch die Integration von mehreren Einzeldienstleistungen zu einer größeren Verbunddienstleistungen aus. Diese Leistungsintegration wird von den Verbunddienstleistern durch die Kombination von eigenen Kapazitäten mit den Ressourcen anderer Dienstleister erreicht, wodurch sie in die Lage versetzt werden, flexibel und schnell auf Kundenwünsche zu reagieren. Sie können damit eine breite Angebotspalette von Einzeldienstleistung bis hin zu komplexen vernetzten Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Das Wesentliche Merkmal von Verbunddienstleistern ist ihre relativ schwache Kundenbindung, welche durch eine häufig wechselnde Kundschaft sowie Aufträge mit geringer Laufzeit gekennzeichnet ist. Beispiele für Verbunddienstleister sind KEP- Dienstleister, kombinierte Straßen-, Schiffs- und Lufttransportunternehmen sowie Entsorgungsdienstleister. (vgl. Gericke 2003)

2.4 Systemdienstleister

Systemdienstleister bieten umfassende, stark auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtete Logistikdienstleistungen an. Ihr Angebotsspektrum reicht von der Entwicklung, Planung und Bearbeitung einzelner Teilbereiche der Logistik über die eigenverantwortliche Übernahme der ganzen Unternehmenslogistik bis hin zum Supply Chain Management mit der Koordination aller Vorgänge zwischen den beteiligten Unternehmen. Die Geschäftsbeziehungen der Systemdienstleister sind aufgrund ihrer engen Kundenbindung eher langfristig ausgerichtet und beziehen sich in der Regel nur auf einzelne oder wenige Kunden. Zu den Systemdienstleister gehören sowohl die Third- Party- Logistics- Provider (3PL), die Fourth- Party- Logistics- Provider (4PL) als auch die Fifth- Party- Logistics- Provider (5PL). Hierzu existieren teilweise stark differierende Beschreibungen, welche sich aus den sehr unterschiedlichen Ausprägungen in der Praxis ergeben. (vgl. Gericke 2003)

2.4.1 Third Party Logistics- Provider (3PL)

Als traditionelle Transport- und Lagerhaltungsunternehmen ihr Angebot um zusätzliche Leistungen in den 80er Jahren erweiterten, wurde von ihnen der Begriff des Third Party Logistics Provider (3PL) geprägt. (vgl. Baumgarten 2001, S. 36) Viele Industrieunternehmen begannen damals, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren und gliederten ihre logistischen Tätigkeiten aus, die dann von diesen neuen Logistikdienstleistern übernommen wurden. Ein 3PL stellt in der Regel ein weiterentwickeltes Speditionsunternehmen dar, dass sowohl Verbund- als auch Systemdienstleister sein kann. Aus Wettbewerbsgründen entwickeln sie zusätzlich zu ihrem bisherigen Leistungsspektrum weitere value added services, um ihren Kunden eigenverantwortlich Systemlösungen anbieten zu können. Um dies zu gewährleisten, kombinieren 3PL sowohl ihre eigenen Ressourcen als auch die von anderen kooperierenden Logistikpartnern. Die vertraglich festgelegte Dauer der Zusammenarbeit reicht bei ihnen, wenn sie als Verbunddienstleister eingesetzt werden, von kurzfristig mit häufig wechselnden Kunden bis zu langfristigen Verbindungen als Systemdienstleister mit festem Kundenstamm. (vgl. Gericke 2003)

2.4.2 Fourth- Party- Logistics- Provider (4PL)

Der Begriff der 4PL wurde vor einigen Jahren durch die Managementberatung Andersen Consulting (jetzt: Accenture) geprägt. „Der 4PL Provider übernimmt als Netzwerkintegrator die übergreifende Steuerung der im Netzwerk verteilten technologischen und personellen Ressourcen. Er bildet unter Einbeziehung der Ressourcen, Technologien und des Knowhows anderer, komplementärer Dienstleister, wie 3PL oder IT- Solution- Provider, das Business Process Management ab und entwickelt Gesamtlösungen für das Management komplexer Netzwerke.“ (Baumgarten 2001, S. 36) Mithilfe durchgängiger und leistungsfähiger Informationssysteme und ihrer eigenen Infrastruktur koordinieren sie die Warenflüsse aller beteiligten Akteure und übernehmen die Rolle des logistischen Netzwerkintegrators.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund der oft sehr kapitalintensiven kundenspezifischen Investitionen handelt es sich bei den von 4PL geschlossenen Verträgen meist um langfristige Verträge mit einer Laufzeit von meist nicht unter 10 Jahren. (vgl. Gericke 2003) Durch die starke Bindung der 4PL an ihre Kunden nehmen diese in der Regel nie mehr als einen Kundenauftrag gleichzeitig an , w odurch das durch den Einzelvertrag schon sehr hohe Unternehmerrisiko nochmals ansteigt.

2.4.3 Fifth- Party- Logistics- Provider (5PL / LLP)

Da man aufgrund der vom 4PL als Netzwerkintegrator eingesetzten „Assets“ um seine Neutralität fürchtete, wurde die Unternehmensform des 5PL als Lead- Logistics- Provider (LLP) als logische Fortführung des 4PL- Konzeptes eingeführt. Die Definition der nichterforderlichen Assets bezieht sich dabei nur auf eigene Fahrzeugflotten, Lager und Kommissionieranlagen, da eine ausgeprägte eigene Infrastruktur zur Steuerung von Logistikprozessen und IuK- Systemen sogar eindringlich gefordert wird. Die Kernkompetenzen der 5PL liegen eindeutig in ihrem großen Know- how hinsichtlich des Managements logistischer Netzwerke. Aufgrund seiner Unabhängigkeit von physischen Logistikressourcen ist er in der Lage, die logistisch optimalste Lösung für seinen Kunden durch die effektive und effiziente Kombination der Leistungen unterschiedlicher Dienstleister zu garantieren. Würde er hingegen wie der 4PL eigene Ressourcen besitzen, bestände die Gefahr, dass er diese primär einsetzen würde und somit eine eher suboptimale Lösung für seinen Kunden erreichen würde. Mögliche 5PL- Unternehmen sind logistische Consulting- bzw. IT- Unternehmen mit Logistik- Know- how. Im Idealfall bedeutet dies, dass die gesamte Logistik der Kunden sowie die unternehmensübergreifende Koordination aller beteiligten Unternehmen von einem Consulting- bzw. IT- Unternehmen oder einer Kooperation von diesen übernommen wird. (vgl. Gericke 2003) 5PL sind meist durch ihr im Gegensatz zum 4PL eher geringes Investitionsvolumen und das Nichtvorhandensein einer Infrastruktur gekennzeichnet, wodurch ihre Sicht nicht auf bestimmte Kunden beschränkt ist. Davon ausgehend wird von ihnen eher die logistische Betreuung ganzer Kundegruppen oder Kooperationen erwartet.

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die strategische Diskussion zwischen Fourth Party Logistics Provider und Lead Logistic Provider
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V25368
ISBN (eBook)
9783638280167
ISBN (Buch)
9783656448037
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erörtern, Hintergrund, Diskussion, Fourth, Party, Logistics, Provider, Lead, Logistic
Arbeit zitieren
Claus-Philipp Prochaska (Autor), 2004, Die strategische Diskussion zwischen Fourth Party Logistics Provider und Lead Logistic Provider, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25368

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