Individualisierung nach Theodor Geiger


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Aktualität und Problemstellung des Themas
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau und methodisches Vorgehen

2. Demokratie ohne Dogma
2.1 Die anonyme Massengesellschaft
2.2 Societas hominis sapientis
2.2.1 Über den Entwicklungsstand des Menschen
2.2.2 Über die Erhöhung des Menschen
2.2.3 Über das Christentum und die Nächstenliebe

3. Ausblick und kritische Würdigung

1. Einleitung

Theodor Julius Geiger (9.11.1891 – 16.6.1952) befasste sich neben seinem wohl bekanntesten Werk „Die soziale Schichtung des Deutschen Volkes“ (1932) mit einer Vielzahl weiterer soziologischer Fragestellungen. Der promovierte Jurist (1918) und Professor der Soziologie (1928), der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für sein vor dem Hintergrund der Machtübernahme durch Adolf Hitler entstandenes Buch zur Erbpflege stark kritisiert wurde, analysiert in seinem erst im Jahre 1964 erschienenen Werk „Demokratie ohne Dogma. Die Gesellschaft zwischen Pathos und Nüchternheit“ die deutsche Nachkriegsgesellschaft. Er geht insbesondere auf die entstandenen Gegensätze zwischen der Individualisierung des Menschen im Privatleben auf der einen sowie dem zunehmend anonymisierten Dasein im gesellschaftlichen Dasein auf der anderen Seite ein. Im Teilabschnitt „Societas hominis sapientis“ (S. 115-136) stellt Geiger die sittlich-moralische Entwicklung des Menschen als die Ursache für die wahrgenommenen Missstände und vermeintlichen Fehlentwicklungen der modernen Gesellschaft heraus.

1.1 Aktualität und Problemstellung des Themas

Obwohl sich Geigers Ausführungen in „Demokratie ohne Dogma“ auf die deutsche Gesellschaft der Nachkriegszeit beziehen, haben seine grundlegenden Gedanken nichts von ihrer Brisanz und Aussagekraft verloren. Die seit Jahren sinkende Beteilung an politischen Wahlen, der immer wieder aktuelle Diskurs um die ökonomische Effizienz des hohen Regulierungsgrades flächendeckender Tarifverträge sowie der zunehmend geringere gesellschaftliche wie politische Einfluss der Amtskirchen geben hinreichend Anlass, sein Werk fast 40 Jahre nach der Ersterscheinung nochmals zu analysieren. Theodor Geigers Darstellung des Individuums, das befreit vom Ständezwang des Mittelalters und den oftmals inhumanen Arbeits- und Lebensbedingungen der Industrialisierung seinen Platz in einer Gesellschaft sucht, die scheinbar alle Möglichkeiten eröffnet, aber letztlich nur wenig verbindliche Orientierung zu geben vermag, ist im heutigen Zeitalter der Globalisierung aktueller denn je. Eine Epoche, die dem Interessierten die Zugehörigkeit zu fast jeder denkbaren Religionsgemeinschaft erlaubt, die dem Arbeitnehmer soviel Freizeit wie niemals zuvor ermöglicht und die trotz extremistischer Minderheiten weltweit so frei von [politischen] Ideologiekämpfen ist wie noch keine Epoche davor, muss den Menschen fast zwangsläufig überfordern.

Theodor Geiger gibt Denkanstösse, wie der sogenannte „moderne“ Mensch angesichts aller dieser genannten sozio-psychologischen Herausforderungen und Fragestellungen als Individuum, als „Einer“ bestehen kann.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Gesamtziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, wie Theodor Geiger den Menschen vor dem Hintergrund einer Gesellschaft sieht, deren Strukturen sich in einer relativ kurzen Zeit radikal gewandelt haben. Ein Teilziel ist die Analyse des gegenwärtigen Menschen und der Stellung des Individuums im gesellschaftlichen Dasein. Der Fokus der Arbeit liegt auf der Darstellung des Gedankengerüstes, das Geiger zur Erhöhung des Menschen und zur Auflösung des Missverhältnisses zwischen dem beobachteten Entwicklungsstand der Menschen auf der einen und den Anforderungen der modernen Gesellschaft auf der anderen Seite aufgestellt hat.

1.3 Aufbau und methodisches Vorgehen

Das erste, einleitende Kapitel ist in die Teilabschnitte 1.1 „Aktualität und Problemstellung des Themas“, 1.2 „Zielsetzung der Arbeit“ sowie 1.3 „Aufbau und methodisches Vorgehen“ unterteilt.

Das 2. Kapitel ist der Analyse des Werks „Demokratie ohne Dogma. Die Gesellschaft zwischen Nüchternheit und Pathos" gewidmet. In Abschnitt 2.1 „Die anonymisierte Massengesellschaft“ untersucht Theodor Geiger die Situation des Menschen in Gesellschaft, Beruf und Privatleben und setzt sich mit den argumentativen Ansätzen zeitgenössischer Wissenschaftler bzw. wissenschaftlicher Strömungen auseinander. Im Abschnitt 2.2 „Societas hominis sapientis“ erläutert Geiger, wie der Menschen durch einen Prozess der Intellektualisierung erhöht werden soll, um in der modernen Gesellschaft bestehen zu können. Alle Zitationen in diesem Kapitel beziehen sich, sofern nicht anders gekennzeichnet, auf dieses Buch.

Kapitel 3 schließt mit einer kritischen Würdigung dieser Arbeit Theodor Geigers.

2. Demokratie ohne Dogma

2.1 Die anonyme Massengesellschaft

Theodor Geiger verwendet den Begriff der „anonymen Massengesellschaft“ bezogen auf den Menschen im wirtschaftlichen und politischen Dasein. Gleichsam von der „unsichtbaren Hand“ des Marktes unaufhaltsam in die Richtung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage gezogen, bleiben persönliche Kontakte der Akteure, Verhandlungsgeschick oder auch herausragende Qualitätsmerkmale eines Produktes völlig auf der Strecke. Ein „durch Tarif geregeltes Standardverhältnis zwischen Massen namenloser Arbeiter und Arbeitgeber“ (S. 63) verhindert die freie Entfaltung der Kräfte auf dem Arbeitsmarkt, anhand der Eingriffe des Staates in die Wirtschaftsprozesse und einer hoch entwickelte, institutionalisierte Bürokratie sind wird die „Machtlosigkeit des namenlosen Einers“ (vgl. ebenda) in der ökonomischen Welt überdeutlich erkennbar. Die durch F. W. Taylor zur Perfektion gebrachte Optimierung jedes einzelnen Arbeitsschrittes sowie die Unterteilung des Arbeitsprozesses in kleinstmögliche Einheiten haben dem Menschen zudem vom Sinn seiner Arbeit, quasi dem höheren Ziel seiner Tätigkeiten, entfernt.

Auch die Einflussmöglichkeiten des Individuums auf seine demokratisch gewählten Volksvertreter beschränkt sich auf die Stimmabgabe verbunden mit der Hoffnung, es möge sich eine ausreichend große Mehrheit für die per Stimmzettel geäußerte politische Meinung finden. Die Staatsbürger als „amorphe Masse“ (S. 63) haben nur „in ihrer Gesamtheit (...) mittelbaren Einfluss auf die Programme der Parteien und deren Stellungnahme in Einzelentscheidungen, sofern nämlich die Parteiführung es für angezeigt hält, auf die unter Wählern herrschenden öffentlichen Meinungen Rücksicht zu nehmen“ (vgl. ebenda).

Auf der Ebene des privaten Daseins hingegen hat, so Geiger, eine völlig konträre Entwicklung, eine „Atomisierung“, stattgefunden, das Privatleben „wurde (...) in höherem Grade intim und privat“ (vgl. ebenda). Mit dem Niedergang der patriarchalischen Familienstruktur hin zu einem Verbund gleichberechtigter Mitglieder und der Auflösung der generationenüberspannenden Großfamilie eröffnen sich dem einzelnen neue Lebensentwürfe.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Individualisierung nach Theodor Geiger
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Soziologie und empirische Sozialforschung)
Veranstaltung
Theodor Geiger
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V25374
ISBN (eBook)
9783638280204
ISBN (Buch)
9783638789080
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Individualisierung, Theodor, Geiger
Arbeit zitieren
Robert Besl (Autor), 2004, Individualisierung nach Theodor Geiger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25374

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