Sport im Alter - eine empirische Studie - Teilbereich Interventionsgerontologische Aspekte


Ausarbeitung, 2004

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

8 Interventionsgerontologische Aspekte
8.1 Begriffsabgrenzung zur Interventionsgerontologie
8.2 Begriffsabgrenzung zur Gesundheit
8.3 Interventionstheorien aus dem Sport
8.3.1 Intervention in Betrieben
8.3.2 Intervention in Sportvereinen
8.3.3 Intervention auf Gemeindeebene
8.4 Kampagne 2000
8.5 Zusammenfassung

8 Interventionsgerontologische Aspekte

8.1 Begriffsabgrenzung zur Interventionsgerontologie

Wir leben in einer Zeit weitreichender Wandlungsprozesse. Dies macht sich auch in dem Bereich der Gesundheitsvorsorge bemerkbar, wobei insgesamt eine Bewegung mit einer Hinwendung zur Ganzheitlichkeit erkennbar wird. Somit müssen viele Konzepte überdacht und neu aufbereitet werden, wobei eine Vernetzung mehrerer Teilbereiche im Rahmen der Gesundheitsförderung sinnvolle Aspekte aufweist. Eine vorwiegende Zukunftsorientierung von Prävention und Gesundheits-förderung im Sinne der Langzeitwirkung von Verhaltens-weisen sowie der persönlich angestrebten Zukunftsperspektiven macht besonders die Notwendigkeit des Erlernens von gesundheitsfördernden Verhaltens-weisen deutlich. Interventionsgerontologische Maßnahmen tragen hierzu bei, wobei man unter Intervention jene Maßnahmen zusammen-fasst, die der Aufrechterhaltung und Förderung der Kompetenzen im Alter dienen (vgl. Krompholz-Schink 2003, S.295f.). Die Interventions-gerontologie baut hierbei auf empirisch gewonnenen Erkenntnissen auf,

- „dass Alter nicht notwendig mit Abbau gleichzusetzen ist,
- dass der Zustand Alter durch mehrdimensionale Prozesse und Einflüsse bestimmt wird, also exemplarisch neben biologischen auch biographische, ökonomische, zeitgeschichtliche und soziale Faktoren wirksam sind und
- das Alter vorwiegend durch das subjektive Erleben des einzelnen alternden Menschen geprägt ist“ (Krompholz-Schink 2003, S.295).

„Die angewandte Gerontologie geht also aus von dem, was da ist, setzt bei den vorhandenen Möglichkeiten des Menschen an, statt den Blick darauf zu richten, was er nicht mehr kann. Bei der Definition von Ressourcen muss weiterhin zwischen der Verfügbarkeit und der Nutzung von Möglichkeiten differenziert werden, da die beste Ressource nichts nützt, wenn man um ihr Vorhandensein nichts weiß. Unterschieden werden muss zwischen verfügbaren, genutzten, trainierbaren und erforderlichen Ressourcen, die für jedes Individuum aufgrund der jeweils individuell ausgeprägten Lebenslage unterschiedlich sein können“ (Krompholz-Schink 2003, S.297). Der Verfasser fügt an, dass falls die Interventionsgerontologie nicht dazu beiträgt, dass den Alten Kompetenzen zugesprochen werden, dies dazu führt, dass die Umwelt unselbstständiges Verhalten der Alten fördert und unterstützt. Anschließend wird der Autor näher auf den Begriff Gesundheit eingehen.

8.2 Begriffsabgrenzung zur Gesundheit

Wenn man heute von Gesundheit spricht, tut man dies in einem erweiterten Verständnis und unter einer veränderten Perspektive. Unter Gesundheit wird längst nicht mehr nur die Abwesenheit von medizinisch definierter Krankheit verstanden, sondern vielmehr eine Definition im positiven Sinne, wobei psychische und soziale Dimensionen mit einbezogen werden. Zu dieser veränderten Perspektive hat maßgeblich die Ottawa - Charta der Gesundheitsförderung beigetragen, die 1986 auf der 1. Konferenz zur Gesundheitsförderung der Weltgesundheits-konferenzWHOim kanadischen Ottawa, verabschiedet worden ist. „Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen, ist eines der Grundrechte jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung“ (WHO Präambel, o. S.). Wenn man von Gesundheit spricht, geht man heutzutage also von einem mehrdimensionalen Verständnis aus. Nicht nur die körperliche Gesundheit allein ist gemeint, sondern ein ganzheitliches Gesundsein, welches auch beinhaltet, sich psychisch und sozial wohl zu fühlen. In jüngster Zeit wird auch das ökologische und spirituelle Wohlbefinden mit einbezogen. Gesundsein ist somit ein vielschichtiges und komplexes Phänomen, welches in einer engen Abhängigkeit zu einer Vielzahl von inneren und äußeren Faktoren steht. Das subjektive Wohlbefinden stellt dabei die Voraussetzung und das Resultat eines Austauschprozesses des Menschen mit seiner Um- und Mitwelt dar, mit dem Bestreben nach einem individuellen Gleichgewicht. Gesundheit ist somit als dynamische Balance zu sehen, welche zu jedem Zeitpunkt des Lebens immer wieder neu hergestellt werden muss. Sie ist also kein rein passiv erlebter Zustand des Wohlbefindens, wie die rein körperliche Fixierung des Begriffs in der klassischen Medizin nahe legt, sondern ein aktuelles Ergebnis des jeweiligen Handelns eines Menschen. Die Förderung der Gesundheit beinhaltet auch immer zugleich die Vermeidung von Krankheit. Daraus ergibt sich der Doppelcharakter möglicher Maßnahmen im Vorfeld einer Erkrankung, zum einen die Vermeidung von Krankheiten und zum anderen den Erhalt und die Förderung der Gesundheit. Die Optimierung der geeigneten Lebensumstände durch bestimmte Maßnahmen - also die positive Auslegung des Begriffs - ist Merkmal der Definition der WeltgesundheitsorganisationWHO.

Inwieweit die Möglichkeiten der Prävention bzw. der Gesundheits-erziehung es zulassen, zur Steigerung des Wohlbefindens und der Gesundheit von Senioren beizutragen, soll im Folgenden aufgeführt werden.

8.3 Interventionstheorien aus dem Sport

Früher war Sport fast ausschließlich auf Turnvereine beschränkt. Erst seit kurzer Zeit findet man vermehrt Gymnastikprogramme für ältere Menschen auch in Sport- und Wohlfahrtsverbänden. Altenheime und geriatrische Einrichtungen erkannten ebenfalls das Potential für Prävention, Rehabilitation und Therapie, das der Seniorensport leisten kann und begann mit Vereinen zusammenzuarbeiten (vgl. Kruber 1999, S.3). Der Autor weist erneut darauf hin, dass dem Alterssport eine große Bedeutung zukommen muss, da leider die Anzahl der Senioren, die sportlich aktiv sind, immer noch zu gering ist. Der Verfasser vermutet als gravierendes Problem, dass in unserer Gesellschaft in den Köpfen immer noch das Stigma von ‚Alt sein’ mit einem schicksalhaften Prozess des irreversiblen Rückgangs der körperlichen, psychischen und sozialen Fähigkeiten verknüpft ist. Dieses negative Altersbild trägt dazu bei, dass nur wenige Senioren motiviert sind, Sport zu treiben. Weiterhin behauptet der Autor, dass auch alte Menschen häufig durch Ärzte und Familienangehörige eher zur Schonung oder zu passiven Therapiemaßnahmen aufgefordert werden, obwohl dosierte aktive Bewegung das bessere Mittel wäre. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, in dem die alten Menschen verstärkt in die Passivität gedrängt werden. Dadurch nimmt sowohl ihre körperliche, als auch geistige Leistungs- und Anpassungsfähigkeit sehr rasch ab. Die Senioren sind sich in ihren einstigen Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht mehr sicher und verlieren schließlich auch ihr Selbstvertrauen.

Der Verfasser ist der Meinung, dass das Wissen, dass auch im Alter funktionelle Anpassungsmechanismen erhalten bleiben und man Abbauprozesse durch Förderung im kognitiven, physischen und psychosozialen Bereich verlangsamen kann, in unserer Gesellschaft nur ungenügend bekannt ist. Die Aufgaben und Ziele im Seniorensport lassen sich unter dem Begriff der Gesundheitsförderung im Sinne von interventionsgerontologischen Maßnahmen zusammenfassen. Klingenberger formuliert die Maßnahmen des Seniorensports aus einer ganzheitlichen biopsychosozialen Betrachtungsweise wie folgt:

- „Der Altensport soll die zunehmende Bewegungsarmut ausgleichen.
- Er soll die motorischen und körperlichen Fähigkeiten schulen.
- Durch Angebote des Altensports sollen die Koordinations- und Merkfähigkeiten alter Menschen trainiert werden.
- In der Konsequenz fördert der Altensport das Selbstwertgefühl.
- Schließlich dient der Altensport auch noch der Pflege der sozialen Kontakte“ (Klingenberger 1996, S.261).

Natürlich ist das Altwerden unvermeidlich mit Verlusten verbunden, die jedoch akzeptiert und gemeistert werden müssen. Auf physischer Ebene können durch funktionelle Anpassungsmechanismen, die auf einer regelmäßigen und gezielten sportlichen Aktivität basieren, der Stütz- und Bewegungsapparat gekräftigt und die Herz- Kreislauftätigkeit ökonomisiert werden. Durch ein langes Erhalten der Alltagsmotorik und Handlungskompetenz kann die Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens, wie Treppensteigen, Einkaufen, Haushaltsführung etc., ermöglicht werden. Wie bereits vom Autor erwähnt, kann darüber hinaus im Alterssport neben der Verbesserung von Fähigkeiten und Fertigkeiten ein Aufbau von psychischen und sozialen Ressourcen erwartet werden.

Durch Erfolgserlebnisse und Spaß am Sport lässt sich das Selbstvertrauen stärken. Sport kann zur Lebensfreude beitragen und damit das psychische Wohlbefinden verbessern. Auch kommt es durch die gemeinsame Bewegungsaktivität in einer Gruppe zu vermehrten Sozialkontakten, die einer Vereinsamung im Alter vorbeugen. Mit der Einbindung in eine soziale Unterstützung gebende Gemeinschaft wird ein neues soziales Bezugssystem eingerichtet, eine gesündere Lebensweise vermittelt und dadurch auf mögliche vorhandene Risikofaktoren eingewirkt. Kolb möchte die Senioren aus ihren eigenen Kräften heraus dazu befähigen, „die ausstehenden krisenhaften Belastungen des Alterns positiv zu lösen und eine neue Perspektive für das eigene Leben zu entwerfen“ (Kolb 1995, S.41). Die übergeordnete Aufgabe des Seniorensports ist es, die Ressourcen jedes einzelnen zu stärken. Dabei geht es um personale, psychische und soziale Ressourcen, die zu einer Erweiterung von Handlungskapazitäten und dadurch zur Bewältigung von Lebenssituationen beitragen (vgl. Kolb 1995, S.42). Nachfolgend wird der Autor auf unterschiedliche Interventionsformen eingehen: Die Intervention auf betrieblicher Ebene, auf Vereinsebene und auf der Gemeindeebene.

8.3.1 Intervention in Betrieben

Betriebliche Sportförderung war bis in die 90er Jahre hinein weniger eine Angelegenheit der Gesundheitsförderung im eigentlichen Sinne, sondern wurde vielmehr als eine Art der Sozial- und Kulturpolitik des Unternehmens angesehen. Unter der Bezeichnung Betriebssport leisteten sich viele der größeren Unternehmen eigene Sport-mannschaften, bei denen wohl das bekannteste Beispiel die Fußballmannschaft des TSV Bayer 04 Leverkusen ist, der aus so einer Betriebssportmannschaft hervorgegangen ist (vgl. Böhme 1985, S.65f.). In der Vergangenheit war betriebliche Sportförderung vor allem Förderung des Wettkampfsports im Dienste der Außendarstellung der Firma und Stärkung der Identifikation mit dem Unternehmen. In den heutigen Firmen wird der Begriff Betriebssport immer noch verwendet, allerdings hat sich sein Bedeutungsgehalt erweitert beziehungsweise verschoben. Betriebssport ist heute in erster Linie eine Maßnahme der ‚betrieblichen Gesundheitsförderung’. (vgl. Tofahrn 1995, S.185f.) Hierbei verweist der Autor auf Fuchs, der auf unterschiedliche Formen der betrieblichen Sport- und Bewegungsförderung eingeht:

[...]

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Details

Titel
Sport im Alter - eine empirische Studie - Teilbereich Interventionsgerontologische Aspekte
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Veranstaltung
Teilbereich der Diplomarbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V25397
ISBN (eBook)
9783638280358
ISBN (Buch)
9783656620839
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich hierbei um ein Teilbereich der Diplomarbeit Sport im Alter und behandelt die Interventoinsgerontologischen Aspekte des Sporttreibens im Alter.
Schlagworte
Sport, Alter, Studie, Teilbereich, Interventionsgerontologische, Aspekte, Teilbereich, Diplomarbeit
Arbeit zitieren
Daniel Seibel (Autor), 2004, Sport im Alter - eine empirische Studie - Teilbereich Interventionsgerontologische Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25397

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