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Die sozio-ökonomische Situation der Hausmädchen in Segou, Mali

Title: Die sozio-ökonomische Situation der Hausmädchen in Segou, Mali

Thesis (M.A.) , 2003 , 123 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Annett Fleischer (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

In der vorliegenden Arbeit befasse ich mich mit der Arbeits- und Lebenssituation der Hausmädchen in Segou, Mali. Hausmädchen sind weibliche
Jugendliche, die in der Regel aus ländlichen Gebieten in die Stadt
kommen, um dort in einem Haushalt zu arbeiten.
Als Basis für die vorliegende Arbeit dient meine viermonatige Feldforschung
in Segou, durchgeführt von August bis November 2000. Die gewonnenen empirischen Daten stellen die Grundlagen der Arbeit dar.
Das Ziel meiner Forschung ist es, die soziale und ökonomische Situation der Mädchen zu beleuchten. Dazu war es mir wichtig, biographische und lebensgeschichtliche Daten sowie Wünsche und Zukunftsperspektiven zu erfragen. Die Fragen nach der sozialen Herkunft, der aktuellen Lebenssituation der Mädchen sowie der Art ihrer Beziehung zu den Gastfamilien stehen dabei im Mittelpunkt meiner Untersuchung. Die Ausgangshypothese meiner Forschung entwickelte ich anhand der Literatur über Kinderadoption und Pflegschaftsverhältnisse in Westafrika. Ich sah die Hausmädchen als Teil der besonders in Westafrika weitverbreiteten Pflegschaftsverhältnisse, bei denen ein Kind zu einer verwandten Familie geschickt wird, um dort für eine bestimmte Zeit zu leben. In der Literatur werden für diese Fremdplatzierungenverschiedene Motive angegeben. So wird beispielsweise davon ausgegangen, dass die Mädchen zum Zweck einer Ausbildung oder einer besseren Erziehung von ihren Eltern in die Stadt geschickt werden. Andere Autoren sehen in der Fremdplatzierung der Kinder ein Mittel zur Neubildung und Festigung von sozialen Beziehungen und Netzwerken zwischen den ländlichen und urbanen Gebieten (vgl. u.a. Atto 1996, Page 1989, Goody 1982).
In meiner Ausgangshypothese ging ich von einem verwandtschaftlichen Verhältnis zwischen den Hausmädchen und ihren Gastfamilien aus. Während meiner Feldforschung in Segou wollte ich diese Hypothese überprüfen und bestimmen, durch welche Merkmale sich die Beziehungen charakterisieren lassen. Die Intention meiner Forschung war es, neben der sozialen Lebenssituation der Mädchen in der Stadt, die besondere Form der Beziehung zwischen ihnen und ihren Gastfamilien zu untersuchen. Dabei sollten Aspekte der Arbeit von Mädchen in einem Haushalt, ihre Beschäftigung im informellen Sektor und die Land-Stadt-Migration der jungen Frauen eine besondere Rolle spielen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Motivation

1.2 Aufbau der Arbeit

1.3 Methoden und Vorgehensweisen

1.3.1 Teilnehmende Beobachtung

1.3.2 Interviews und informelle Gespräche

1.3.3 Die Gesprächssituationen

1.3.4 Schwierigkeiten der Feldforschung

2 Der Forschungsort Segou

2.1 Zur historischen Situation

2.2 Zur gegenwärtigen Situation

2.3 Bevölkerungsmobilität und Wanderarbeit

3 Pflegschaftsverhältnisse und soziale Elternschaft

3.1 Darstellung von Pflegschaftsverhältnissen in der ethnologischen Literatur

3.2 Gründe der Pflegschaft

3.2.1 Sozio-ökonomische Gründe

3.2.2 Kritische Bemerkungen zu den funktionsorientierten Ansätzen

3.3 Gesellschaftliche Veränderungen und ihre Folgen für Pflegschaften

3.4 Zur Situation der Pflegekinder

4 Dienstleistungsverhältnisse und Lohnarbeit

4.1 Begriff und Phänomen der Arbeit aus ethnologischer Sicht

4.1.1 Kinderarbeit oder arbeitende Kinder

4.1.2 Hausarbeit

4.1.3 Pflegekinder und Hausmädchen

4.2 Bemerkungen zum informellen Sektor

4.2.1 Entstehung des Begriffes

4.2.2 Definitionsversuche

5 Land-Stadt-Migration

5.1 Geschichte der Migration

5.2 Gründe der Migration

5.3 Migration von Frauen und jungen Mädchen

5.4 Folgen der Migration

6 Ergebnisse meiner Feldforschung

6.1 Biografische Hintergründe

6.2 Aufenthalt der Mädchen in Segou

6.3 Beschreibung der Hausmädchen

6.4 Zu den Beziehungen zwischen Hausmädchen und Patroninnen

6.4.1 Zur Sicht der Hausmädchen

6.4.2 Zur Sicht der Patroninnen

6.4.3 Meine Sichtweise des Verhältnisses zwischen Hausmädchen und Patroninnen

6.5 Zur Rolle des Vermittlers

7 Fazit

7.1 Analyse der Ergebnisse

7.2 Bilanz

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die sozio-ökonomische Situation von jungen Hausmädchen in Segou, Mali, und beleuchtet dabei insbesondere deren Arbeitsverhältnisse, ihre Motivation zur Land-Stadt-Migration sowie die komplexen Beziehungsstrukturen zu ihren Gastfamilien. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die ambivalente Position der Mädchen zwischen familiärer Einbindung und erwerbsorientierter Lohnarbeit zu analysieren.

  • Sozio-ökonomische Lebenssituation von Hausmädchen in städtischen Kontexten
  • Dynamik von Pflegschaftsverhältnissen im Vergleich zu westlichen Adoptionskonzepten
  • Auswirkungen der Land-Stadt-Migration auf junge Frauen in Mali
  • Beziehung zwischen Hausmädchen und Patroninnen als gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis
  • Die Rolle des informellen Sektors bei der Beschäftigung junger Frauen

Auszug aus dem Buch

Die Teilnehmende Beobachtung

Die teilnehmende Beobachtung ist die zentrale empirische Forschungsmethode in der Ethnologie. Während meiner Datenerhebung war es mir möglich, an den Arbeitsprozessen der Hausmädchen passiv teilzunehmen und Daten aus diesen Beobachtungen zu sammeln. Aufgrund meiner Rollenzuschreibung als “Helferin von außen” ist es mir nur selten gelungen, gemeinsam mit den Mädchen zu arbeiten. Dennoch habe ich versucht, viel Zeit in den Höfen zu verbringen, um die Mädchen bei ihren Tätigkeiten beobachten zu können, um ihnen Fragen zu stellen, die sich aus den jeweiligen Situationen ergaben und um von mir und meinem Leben in Deutschland zu erzählen.

Während meines viermonatigen Aufenthaltes in Mali habe ich versucht, die täglichen Abläufe in einem Haushalt und die Interaktionen zwischen den Haushaltsmigliedern zu erfassen. Des weiteren habe ich an nicht-alltäglichen Ereignissen wie Hochzeitsfeiern, Freizeitaktivitäten der Mädchen und informellen Treffen teilgenommen. Besonders viele Informationen konnte ich durch die wöchentlich stattfindenden Alphabetisierungskurse gewinnen, da die Mädchen dort außerhalb ihres gewohnten Arbeitsumfeldes auftraten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung des Forschungsgegenstandes, der Zielsetzung sowie der verwendeten ethnologischen Methoden und Schwierigkeiten im Feld.

2 Der Forschungsort Segou: Geografische, historische und sozio-ökonomische Einordnung der Stadt als Migrationsziel.

3 Pflegschaftsverhältnisse und soziale Elternschaft: Ethnologische Diskussion der Begriffe und Motive von Pflegschaften in Westafrika im Kontrast zu europäischen Sichtweisen.

4 Dienstleistungsverhältnisse und Lohnarbeit: Analyse der Arbeit als Kategorie, Definition von Hausarbeit und Einordnung von Hausmädchen im informellen Sektor.

5 Land-Stadt-Migration: Geschichtliche Entwicklung der Binnenmigration in Mali und spezifische Analyse der Push- und Pull-Faktoren für junge Frauen.

6 Ergebnisse meiner Feldforschung: Darstellung der gesammelten Daten zu biographischen Hintergründen, den Arbeitsverhältnissen und den Beziehungen zwischen Mädchen und Patroninnen.

7 Fazit: Zusammenfassende Analyse der Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnisse sowie Ausblick auf die gesellschaftlichen Folgen der Migration.

Schlüsselwörter

Hausmädchen, Mali, Segou, Migration, Ethnologie, Pflegschaftsverhältnisse, informeller Sektor, soziale Elternschaft, Lohnarbeit, Aussteuer, Land-Stadt-Wanderung, Arbeitsbedingungen, Patroninnen, Sozialanthropologie, Geschlechterrollen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der sozio-ökonomischen Situation von Mädchen, die aus ländlichen Regionen Malis nach Segou migrieren, um dort als Hausmädchen zu arbeiten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die soziale Elternschaft, die Dynamik der Migration von Frauen, die Einordnung von Hausarbeit in den informellen Sektor und die spezifischen Machtverhältnisse innerhalb der Gastfamilien.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Ziel ist es, die biographischen Daten, Wünsche und Zukunftsperspektiven der Mädchen zu erfassen und die ambivalente Beziehung zwischen Arbeitgeberinnen und den Hausmädchen wissenschaftlich zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt vor allem die teilnehmende Beobachtung, ergänzt durch teilstandardisierte Interviews und informelle Gespräche mit den Mädchen, Arbeitgeberinnen und lokalen Akteuren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Theorie der Pflegschaft, die wirtschaftlichen Strukturen des informellen Sektors in Mali und die empirischen Ergebnisse der Feldforschung bezüglich der Lebensumstände der Hausmädchen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Hausmädchen, Pflegschaftsverhältnisse, Migration, informeller Sektor und die soziale Differenzierung innerhalb der malischen Gesellschaft.

Warum wählen die Mädchen den Weg in die Stadt, obwohl die Bedingungen oft hart sind?

Der Hauptgrund ist die Notwendigkeit, Geld für die eigene Aussteuer zu verdienen, da die Familien im Dorf dies finanziell kaum noch leisten können.

Welche Rolle spielt der sogenannte „Vermittler“ im Prozess der Migration?

Der Vermittler dient als erste Anlaufstelle in der Stadt, bietet Unterkunft und hilft bei der Suche nach einer Gastfamilie, wobei er meistens aus dem verwandtschaftlichen oder bekannten Umfeld der Mädchen stammt.

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Details

Title
Die sozio-ökonomische Situation der Hausmädchen in Segou, Mali
College
Free University of Berlin  (Institut fuer Ethnologie-Sozialwissenschaften)
Grade
1.0
Author
Annett Fleischer (Author)
Publication Year
2003
Pages
123
Catalog Number
V25416
ISBN (eBook)
9783638280488
ISBN (Book)
9783656207832
Language
German
Tags
Situation Hausmädchen Segou Mali
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Annett Fleischer (Author), 2003, Die sozio-ökonomische Situation der Hausmädchen in Segou, Mali, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25416
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