Die Spanische Inquisition


Hausarbeit, 2000

20 Seiten, Note: 2-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Politische Situation Spaniens

3.Gründung der spanischen Inquisition

4. Entwicklung der spanischen Inquisition

5. Das Jahr 1492
5.1) Die Reconquista
5.2) Die Vertreibung der Juden
5.3) Die Folgen der Vertreibung

6. Gründe für die Intoleranz den Juden/Conversos gegenüber

7. Vertreibung der Mauren aus Spanien

8. Abschlußbemerkung/Ergebnisse:

9. Literatur

10. Anmerkungen:

1.Einleitung

Die Hausarbeit beschäftigt sich nicht mit den Methoden der Inquisition. Es werden vor allem zwei Fragen betrachtet, die einen Überblick über die eigentliche Entstehung der Inquisition in Spanien geben sollen, und mitunter Einblick geben möchten, welche Grundlagen dazu führten, daß die spanische Inquisition eine derart mächtige und akzeptierte bzw. selbstverständliche Instanz wurde und bis in das frühe 19.Jahrhundert erhalten blieb. Somit bilden folgende Fragen den Rahmen der Arbeit:

1)Welche Ereignisse markieren die Einführung/Etablierung der Inquisition in Spanien,

2) wie sah die Situation der Juden aus, welche Gründe führten zur Intoleranz Andersgläubiger im Lande und schließlich zur Vertreibung von Juden und Moslems?

Besonders in Hinsicht auf die scheinbar ständige Problematik von Intoleranz und Klassenbewußtsein Minderheiten gegenüber, die gerade in gegenwärtiger Zeit wieder an Aktualität gewonnen hat und vermehrt zur Diskussion aufruft, erscheint das Thema der spanischen Inquisition, als wichtiges Exempel der Geschichte, um die Folgen von Intoleranz, Diskriminierung und Rassenhass bis hin zu religiösem Fanatismus aufzuzeigen.

2.Politische Situation Spaniens

Die Heirat Isabels von Kastiliens mit dem Prinzen Ferdinand von Aragonien am 19.Oktober 1469 kann wohl als der entscheidende Schritt für den Anbruch einer der bedeutendsten Epochen in der Geschichte Spaniens gedeutet werden1. Zwar war sowohl die Legitimität der Trauung als auch die der Nachfolge Isabels auf den spanischen Thron zu dieser Zeit noch in jeder Hinsicht ungeklärt2, so zeigte sich doch schon in dieser Zeit der Wille dieser beiden zukünftigen Thronfolger die Geschicke Spaniens in die eigene Hand zu nehmen. Nachdem Spanien in der Regierungszeit Heinrichs des IV., der als gutmütiger aber schwacher König galt3, durch oppositionelle und rivalisierende Adelsgruppen in bürgerkriegsartige Zustände verfallen war4, nachdem seine Tochter als illegitim aus der Thronfolge ausgeschlossen wurde5, kam Isabella, die Schwester Heinrichs, erst 1474, nach Heinrichs Tod, auf den Thron. Ferdinand bestieg den von Aragon 5 Jahre später. Von diesem Zeitpunkt an waren zwei der drei christlichen Königreiche der iberischen Halbinsel durch eine Personalunion verbunden (Portugal kam erst 1580 und auch nur für ein halbes Jahrhundert in Personalunion hinzu).

Zwar wurden beide Königreiche jeweils getrennt voneinander verwaltet, doch waren die Ziele der beiden Könige im Wesentlichen dieselben6. Vor allem Isabella galt als entschiedene Persönlichkeit7, die sowohl die politische Einheit als auch die Einheit des Glaubens herbeizuführen entschlossen war. Diese beiden Ziele, die die Einheit Spaniens herbeiführen sollten, waren Grundlage, die zu den gravierenden Entscheidungen in den folgenden Jahren der Regierungszeit Ferdinands und Isabels, der “Katholischen Könige”, wie sie später auch genannt wurden8, führten. Allen voran die Einführung der Inquisition und dem späteren Edikt, daß die Vertreibung der Juden besagte.

3.Gründung der spanischen Inquisition

Doch wäre es zu einseitig und falsch, die Gründe der ab 1478 zunehmenden Maßnahmen gegen die Andersgläubigen in Spanien nur im Umbruch der Verhältnisse und in der Veränderung an der Spitze des spanischen Königshauses zu sehen. Die Grundlage für Verfolgungen und Vertreibungen von Juden und getauften Juden, Neuchristen oder auch Conversos genannt, waren vielseitig und schon seit Jahrhunderten Ursache für immer wieder ausbrechende Ausschreitungen. So gab es schon seit dem 14.Jahrhundert wiederholt Pogrome, allein 1391 wurden in Sevilla und anderen großen Städten des Reiches mehrere tausend Juden ermordet, die, die nicht ermordet wurden, wurden gezwungen sich taufen zu lassen9. Diese erzwungenen Massentaufen im Anschluß an blutige Pogrome, waren ein Grund für die steigende Zahl der Conversos. Doch die Zwangstaufen führten natürlich nicht dazu, daß die Juden auf einmal aufrichtig bekehrt wurden. Viele dieser Neuchristen, die verächtlich auch Marranen im Volksmund genannt wurden, praktizierten ihren jüdischen Glauben insgeheim weiter. Diese Tatsache war dann auch der Grund für die Einführung der Inquisition in ganz Spanien. Hatte die Inquisition bis dato nur in Aragon Fuß fassen können, war jedoch auch dort seit dem 15.Jahrhundert praktisch erloschen10, wurde schließlich am 1.November 1478 eine Bulle des Papstes Sixtus IV. erlassen, die besagte, “daß zwei oder drei Geistliche im Alter von über vierzig Jahren zu Inquisitoren ernennen seien. Ihre Ernennung, ihre Vollmachten und ihre Entlassung sei Sache der spanischen Krone..”11

Diese durch die Katholischen Majestäten herbeigeführte Maßnahme, die von verschiedenen Seiten auf die Bedrohung durch die Ketzerei aufmerksam gemacht worden waren12, wurde allerdings erst am 27. September 1480 durch die Ernennung von zwei Inquisitoren in die Tat umgesetzt. Mag es der Wunsch Isabells gewesen sein13, noch eine Weile Milde walten zu lassen14 oder sei es dem Einfluß der einflußreichen Conversos am Hofe zuzuschreiben, daß die Bulle erst zwei Jahre nach ihrer Zusage ausgeführt wurde, -mit der Ernennung der Inquisitoren war die spanische Inquisition definitiv geschaffen.

Ihr eigentlicher Zweck war es nun, die aufrichtige Bekehrung der Neuchristen zum christlichen Glauben zu überprüfen, und judaisierende, das heißt jüdische Riten praktizierende, getaufte Conversos zu bestrafen bzw. zu läutern. Sie richtete sich also nicht gegen die Juden selbst, sondern nur gegen die Conversos.

4. Entwicklung der spanischen Inquisition

Bereits am Anfang ihrer Tätigkeit, die zuerst in Sevilla begann, kam es zu mehreren Flüchtlingswellen, viele zogen sich aufs Land zu adligen Familien zurück, was aber kurzerhand durch einen Befehl (unter Androhung der Exkommunizierung) unterbunden wurde. Eine Gruppe von reichen Conversos hingegen beabsichtigte zu dieser Zeit gegen die anbahnenden Prozesse Widerstand zu leisten und einen Aufstand herbeizuführen. Dieses Vorhaben scheiterte allerdings durch den Verrat der eigenen Tochter des Rädelsführers Siego de Susan, woraufhin am 6.Februar 1481 das erste Autodafe der spanischen Inquisition abgehalten wurde. Sechs Menschen wurden verbrannt15. Schon bei diesem ersten Vorfall zeigt sich wie gnadenlos selbst führende Conversos nicht verschont wurden, und wie die Inquisition gerade unter diesem Vorwand vor allem die reichen und einflußreichen Conversos beschuldigte, und deren Vermögen konfiszierte16. So wurde denn auch dieser Vorfall proklamatisch zum Anlaß genommen, weitere Tribunale überall im Lande zu rechtfertigen.

1481 veröffentlichten die Inquisitoren einen Gnadenerlaß, in dem es hieß, daß allen sich des Abfall schuldig gemachten Neuchristen, Gnade erwiesen werde unter Beibehaltung des Vermögens, wenn sie denn freiwillig erschienen17. Doch war dies nur ein weiterer Anlaß um Anzeigen zu erwirken und oftmals selbst die Anzeigenden zu verurteilen, hinzurichten und das Vermögen zu beschlagnahmen. In dieser Zeit gerieten bereits Tausende in die Fänge der Inquisition und die zwei Inquisitoren reichten längst nicht mehr aus, um das Ausmaß des Tribunals zu bewerkstelligen18.

Von diesem Zeitpunkt an hatte die Inquisition nun Fuß gefaßt, es wurden sieben weitere Inquisitoren ernannt, sämtlich Dominikanermönche, unter ihnen der berühmt berüchtigte Thomas de Torquemada. 1483 wurde schließlich die “Suprema” oder ausführlich der C onsejo de la Suprema y General Inquisici ó n gegründet, eine Ratsbehörde, die der Inquisition vorstand, und dessen Generalinquisitor eben dieser Tomas de Torquemada wurde. Hiermit wurde die Inquisition nun zur festen Einrichtung und Institution.

Zu der Person Torquemadas schreibt Grigulevic zusammenfassend:

“ Thomas Torquemada wird als der eigentliche Schöpfer und Ideologe der spanischen Inquisition angesehen. Er leitete das Inquisitionstribunal im Verlauf von 18 Jahren nach seiner Gründung. Torquemada war ein Fanatiker, der das Hauptziel seines Lebens in der Ausrottung der Maranen sah...er zeichnete sich aus durch Grausamkeit, Rachsucht und eine kolossale Energie; das alles zusammen mit dem Vertrauen, das Isabella und Ferdinand in ihn setzten, machte ihn zum wirklichen Diktator Spaniens..”19

Insgesamt sind wohl durch Torquemadas Rechtsprechung an die 100.000 Personen abgeurteilt worden20.

Torquemada stellte auch zusammen mit den bekanntesten spanischen Theologen den Codex der Inquisition zusammen, der 28 Instruktionen enthielt und auch alle Direktiven der Heiligen Inquisition der römischen Kirche aufnahm21.

Vor allem die flexible und gleichzeitige Koordination in ihrer Organisation machte die Inquisition schließlich so stark. Begaben sich die Gerichte am Anfang noch von Stadt zu Stadt, so wählten sie schon bald einen festen Standort in jedem Bezirk22.

Doch es gab auch Widerstände und Hindernisse, auf die die Inquisition stieß, so z.B. folgende Interventionen der Kirche:

War der Widerstand in Kastilien nur schwach und nutzlos gewesen, sah die Inquisition sich von seiten des Papstes Sixtus IV. in ihrer autorisierten Ausübung bedroht. So übte der Papst 1482 in einer Bulle, höchstwahrscheinlich durch Gelder von Conversos dazu bewegt23, arge Kritik gegen die Art und Weise der Ausübung der Inquisition. Darin heißt es :

“...daß sich die Inquisition seit einiger Zeit nicht im Eifer für den Glauben und die Errettung von Seelen betätigt hat, sondern aus Gier nach Reichtum, und daß viele getreue Christen auf Aussagen ihrer Feinde, Rivalen, Sklaven oder anderer Personen der unteren Stände ohne legitime Beweise in weltliche Gefängnisse geworfen...wurden..”24

[...]


1 vgl. Turberville, A.S.: The Spanish Inquisition, Archon Books, USA 1968, S.18: “..the royal marriage was much more than a mere symbol of concord; it meant unity of policy and the pooling of resources; it was the making of modern Spain..”

2 vgl. Erlanger, Phillipe: Isabella die Katholische, Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1989, siehe Kapitel III-VII: Isabella und Ferdinand waren Verwandte 3.Grades, was eine Zustimmung des Papstes erforderlich gemacht hätte, ferner war ihr Anspruch auch nur den glücklichen Umständen zu verdanken, daß die oppositionellen Adelsgruppen die Tochter Heinrich des IV. nicht als legitim anerkennen wollten, und sie als uneheliches Kind verleumundet wurde;

3 vgl. Perez, Joseph: Ferdinand und Isabella, Spanien zur Zeit der Katholischen Könige, Callwey Verlag, München1989, S.57ff

4 ebd.ff

5 ebd. (vgl. auch Erlanger, Phillipe: Isabella die Katholische, Kapitel III-VII)

6 vgl. Perez, Ferdinand und Isabella, S.260

7 vgl. Graf Baldassare Castiglione: Frauenspiegel der Renaissance, Leipzig um 1928, S. 90: Sie galt als hart, befehlshaberisch, unnahbar und furchteinflößend. Graf Baldassare Castiglione (+ 1529) konnte über sie folgendes berichten: "Abgesehen davon versichern alle, die sie gekannt haben, sie habe eine so wunderbare Herrschergabe besessen, daß es den Anschein hatte, als genüge ihr bloßer Wille, damit jedermann ohne Widerrede seine Pflicht tue und daß ihre Untertanen kaum in ihrem eigenen Hause und im geheimen etwas zu tun wagten, von dem sie glaubten, daß es ihren Unwillen erregen könne."

8 vgl. Hroch, Miroslav / Skýbová, Anna: Die Inquisition im Zeitalter der Gegenreformation, Kohlhammer Verlag, Leipzig 1985, S.47: “..ein Ehrentitel der ihnen 1496 vom Papst verliehen wurde..”

9 vgl. Kamen, Henry : Die spanische Inquisition, Rütten+Loening Verlag, München 1967, S.24; u. Turberville, A.S.: The Spanish Inquisition, Archon Books, USA 1968, S.28 ff.

10 vgl. Perez, Ferdinand und Isabella, S.278: Perez weist aber darauf hin, daß es noch wenigstens 15 Prozesse gegen conversos in den Jahren zwischen 1460 und 1467 allein in Valencia gegeben hat. vgl. auch Grigulevic, J.R.: Ketzer-Hexen-Inquisitoren (13.-20.Jahrhundert), Akademieverlag, Berlin 1976 (Band 2), S.349;

11 zit. Kamen, Die spanische Inquisition, S.48

12 vgl.Grigulevic, Ketzer-Hexen-Inquisitoren, S. 345, u. Perez, Ferdinand und Isabella, S.237

13 vgl. Kamen, Die spanische Inquisition, S.48

14 vgl. Perez: Ferdinand und Isabella, S.248: Perez schreibt, daß Mendoza und Talavera einen Katechismus in dieser Zeitspanne verfassten, um mit friedlichen Mitteln doch noch rigorosere Maßnahmen zu verhindern, doch die Evangelisationskampagne scheiterte, bzw. “hat nicht viel genutzt”, wie der Geschichtschreiber Pulgar es ausdrückt..

15 vgl. Kamen, Die Spanische Inquisition S.49; Turberville, The Spanish Inquisition, S.43

16 Kamen, Die Spanische Inquisition, S. 171: ..”besonders die große Anzahl von Prozessen gegen Vermögende fiel auf..” (zit. aus Diego Ortiz Zu´niga , A´nnales de Sevilla, (Madrid 1677), ano 1480, S.389)

17 Grigulevic, Ketzer-Hexer-Inquisitoren, S.347

18 ebd. S.347

19 ebd. S.352 (vgl.auch Sassenbach, Die heilige Inquisition, S.94 ff.)

20 Hroch, Miroslav / Skýbová, Anna: Die Inquisition im Zeitalter der Gegenreformation, S.48

21 Grigulevic, Ketzer-Hexen-Inquisitoren, S.355

22 Perez, Ferdinand und Isabella, S.280

23 vgl. Kamen, Die Spanische Inquisition, S.54; Grigulevic, S.348

24 zit.Kamen, Die Spanische Inquisition, S.54

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Spanische Inquisition
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Geschichte FMI)
Note
2-
Autor
Jahr
2000
Seiten
20
Katalognummer
V25451
ISBN (eBook)
9783638280747
ISBN (Buch)
9783638747509
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanische, Inquisition
Arbeit zitieren
Raoul Hansche (Autor), 2000, Die Spanische Inquisition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25451

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