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Die deutsche Querelle des Anciens et des Modernes, Schlegels Position und die Einflüsse der Querelle auf seine "Lucinde"

Title: Die deutsche Querelle des Anciens et des Modernes, Schlegels Position und die Einflüsse der Querelle auf seine "Lucinde"

Seminar Paper , 2004 , 36 Pages , Grade: unbenotet

Autor:in: Kerstin Schramm (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Der Querelle des Anciens et des Modernes hat in der Literaturgeschichte
vergleichsweise wenig Beachtung gefunden, obwohl seine Wirkung auf unser
gegenwärtiges Kunst- und Ästhetikkonzept sowie die Perspektive unserer
heutigen Geschichtsbetrachtung von großer Bedeutung ist.
Mit der Querelle des Anciens et des Modernes beginnt sich das, für uns
heute selbstverständliche lineare, diachronisch-historische Geschichtsdell
durchzusetzen. Weiterhin setzt sich das systemtheoretische BasisÜberbau-
ModellA durch, das heißt, Entwicklungen und Neuerungen künstlerischer
Bereiche werden im Zusammenhand sozialer und politischer Veränderungen
begriffen. Ohne die Querelle wäre unser heutiges Kunstverständnis
autonomer Kunst undenkbar. Die Legitimation der epochalen nationalen
Kunst als Ergebnis der Querelle führte überdies zur Stärkung des nationalen
Selbstwertgefühls und zur Rückbesinnung auf die eigene Kultur. Eigene
Brauchtümer und Traditionen werden wieder entdeckt. Die sogenannte
Deutschtümelei findet Ausdruck in deutschen Märchen (Grimms Märchensammlung),
Sagen und Volksliedern. Hier sind auch die Anfänge der deutschen
Literaturwissenschaften zu finden.
Auf die Literatur der Romantik hatte die Querelle großen Einfluss und in
vielen frühromantischen Werken werden die Fragen der Querelle implizit
eingeflochten und bearbeitet. Insbesondere Schlegel war maßgeblich an der
deutschen Querelle beteiligt und auch sein Roman „Lucinde“ spiegelt die
Fragen der Querelle wieder. Ohne das Wissen um die Querelle würde ein
wichtiger Zugang zu diesem frühen Werk Schlegels fehlen.
Ich werde in der folgenden Arbeit nach dem geistesgeschichtlichen Ansatz
vorgehen und versuchen die Hintergründe und Ursachen des Querelles darzulegen.
Weiter möchte ich auf die deutsche Querelle und ihre Vertreter,
insbesondere auf Schlegels Position und die Wirkung des Streites auf seine
Philosophie und Poesie eingehen.
Die Gründe für die Querelle, ihre Durchführung und Folgen sind allerdings
so vielfältig und komplex, daß es mir im Rahmen dieser Hausarbeit nicht
möglich sein wird den Streit in seiner Universalität darzustellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

Teil I: Vorraussetzungen und Ergebnisse der Querelle des Anciens et des Modernes in Frankreich und Deutschland

2.0 Vorraussetzungen der Querelle

3.0 Die französische Querelle

4.0 Die deutsche Querelle

4.1 Die Fragen der Querelle

4.2 Die Vertreter der deutschen Querelle

4.2.1 Herders Briefe „Zur Beförderung der Humanität“

4.2.2 Schillers Abhandlung „Über naive und sentimentale Kunst“

5.0 Die Querelle als Missverständnis?

5.1 Das Zeit- und Geschichtsverständnis als Problem der Querelle

5.2 Die Ästhetikkonzepte als Problem der Querelle

Teil II: Friedrich Schlegel Position in der Querelle des Anciens et des Modernes und Einflüsse auf seine Philosophie und Poesie

6.0 Schlegels Position in der Querelle: „Über das Studium der griechischen Poesie“

6.1 Schlegels Universalphilosophie und –poesie als Produkt der Querelle

6.1.2 Schlegels Theorie der Naturpoesie als Sublimation und Substitution gesellschaftlicher und religiöser Funktionen, der Entzweiung von Mensch und Natur, von natürlicher und künstlicher Kunst

7.0 Die Wirkung der Querelle des Anciens et des Modernes auf Schlegels Lucinde

8.0 Schlusswort

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der „Querelle des Anciens et des Modernes“ für das deutsche Geistesleben und analysiert insbesondere Friedrich Schlegels Beitrag zu dieser Debatte sowie deren Auswirkungen auf seinen Roman „Lucinde“.

  • Historische Herleitung und Voraussetzungen der Querelle in Frankreich und Deutschland.
  • Analyse der zentralen ästhetischen Konzepte und des Zeitverständnisses bei Herder und Schiller.
  • Schlegels Versuche einer ästhetischen Synthese durch seine Universalpoesie.
  • Die reflektive Anwendung der Querelle-Problematik in Schlegels „Lucinde“.

Auszug aus dem Buch

6.1.2 Schlegels Theorie der Naturpoesie als Sublimation und Substitution gesellschaftlicher und religiöser Funktionen, der Entzweiung von Mensch und Natur, von natürlicher und künstlicher Kunst

Schlegel bietet eine ästhetische Lösung in seiner Bemühung um Ausgleich zwischen Moderne und Antike, die ästhetische Hieroglyphe, ein onthologisch-ästhetisches Zeichenmodell.

Die Grundlage Schlegels Zeichenmodells ist die Duplizität des menschlichen Wesens: „Die Menschheit ist eine zwitterhafte Spielart, eine Mischung zwischen der Gottheit und der Tierheit“20 und „so wie der Mensch im Leben in symbolischem Verhältnis zu Gott stehe, sei auch alle Kunst und alle Religion des Menschen symbolisch“21.

Dahinter ist wie auch bei Winckelmann und Herder der Gedanke des Humanismus zu erkennen, von der Entzweiung von Mensch und Natur, Wissenschaft und Religion wieder zu einer Einheit zu gelangen.

Die Funktion der Religion, die Absorption von Unsicherheiten, wird durch die romantische Kunst- und Naturreligion substituiert, die Poesie wird zur Universalpoesie, die alle Lebensbereiche durchdringt, so wie zuvor die Religion alle Lebensbereiche durchdrang. Als Äquivalent zum christlichen Monotheismus erlebt die pantheistische Naturmythologie eine Renaissance. Die Natur wird wieder als beseelte Natur verstanden und durch Elementargeister personifiziert. Natur ist Freiheit, idealistischer Fluchtpunkt aus der Gesellschaft, Harmonie und Verführung.

Zusammenfassung der Kapitel

1.0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Querelle für das moderne Kunstverständnis und die Entstehung eines diachron-historischen Geschichtsbildes.

2.0 Vorraussetzungen der Querelle: Dieses Kapitel erläutert den geistesgeschichtlichen Wandel von einer antiken Naturmystik hin zu einem wissenschaftlich geprägten Weltbild, das die Querelle erst ermöglichte.

3.0 Die französische Querelle: Der Ursprung des Streits in der Académie Francaise durch Charles Perrault und die Etablierung des Fortschrittsgedankens werden hier dargelegt.

4.0 Die deutsche Querelle: Es wird analysiert, warum der Streit in Deutschland erst mit zeitlicher Verzögerung und unter dem Einfluss der Romantik und Aufklärung wirksam wurde.

5.0 Die Querelle als Missverständnis?: Der Autor diskutiert hier, inwiefern unterschiedliche Zeitbegriffe und Ästhetikkonzepte eine konstruktive Verständigung zwischen den Parteien verhinderten.

6.0 Schlegels Position in der Querelle: „Über das Studium der griechischen Poesie“: Dieses Kapitel analysiert Schlegels frühen Versuch, das Verhältnis von antiker und moderner Dichtung theoretisch zu bestimmen.

6.1 Schlegels Universalphilosophie und –poesie als Produkt der Querelle: Die Integration und Sublimation der Querelle-Gegensätze in Schlegels Konzept einer progressiven Universalpoesie stehen hier im Mittelpunkt.

7.0 Die Wirkung der Querelle des Anciens et des Modernes auf Schlegels Lucinde: Hier wird aufgezeigt, wie Schlegel die Debatte der Querelle in die poetologische Struktur seines Romans „Lucinde“ einwebt.

8.0 Schlusswort: Das Schlusswort bilanziert die Bedeutung der „Lucinde“ als Musterwerk der Universalpoesie, das trotz zeitgenössischer Skandalierung die ästhetische Revolution Schlegels verdeutlicht.

Schlüsselwörter

Querelle des Anciens et des Modernes, Friedrich Schlegel, Lucinde, Universalpoesie, Ästhetische Revolution, Antike, Moderne, Naturpoesie, Kunstkonzept, Geschichtsbild, Humanität, Müssiggang, Roman, Zeichenmodell, Frühromantik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Literaturstreit „Querelle des Anciens et des Modernes“ und analysiert insbesondere, wie Friedrich Schlegel die damit verbundenen ästhetischen und historischen Fragestellungen theoretisch verarbeitet und in seinem Roman „Lucinde“ literarisch umsetzt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der Epochenvergleich zwischen antiker und moderner Literatur, der Wandel des Kunstbegriffs durch die Säkularisierung sowie die Rolle des Individuums und des Müssiggangs in der frühromantischen Philosophie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Schlegels „Lucinde“ nicht nur als Roman, sondern als komplexes poetologisches Werk gelesen werden muss, das den methodischen Streit der Querelle zu einer „ästhetischen Revolution“ synthetisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einem geistesgeschichtlichen Ansatz, der literarische Texte in den Kontext ihrer Entstehungszeit, philosophischer Strömungen und gesellschaftlicher Veränderungen einbettet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Querelle in Frankreich und Deutschland sowie eine detaillierte Untersuchung von Schlegels Schriften („Über das Studium der griechischen Poesie“) und dessen konkreter Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse im Roman „Lucinde“.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Universalpoesie, Naturhieroglyphen, zwitterhaftes Menschenwesen, ästhetische Mündigkeit und das Spannungsfeld zwischen Antike und Moderne definieren.

Welche Rolle spielt die „Lucinde“ im Kontext der Querelle?

Die „Lucinde“ fungiert als Kulminationspunkt, in dem Schlegel versucht, den narzisstischen Egozentrismus der Moderne durch eine Symbiose mit antiken Idealen zu überwinden und zur „Humanität“ zurückzuführen.

Warum betrachtet der Autor den „Müssiggang“ als entscheidendes Element?

Der Müssiggang wird als notwendige Voraussetzung für wahre Poesie und als gottähnlicher Zustand der Einheit zwischen Mensch und Natur interpretiert, was im direkten Gegensatz zur „künstlichen“ und zweckorientierten modernen Arbeit steht.

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Details

Title
Die deutsche Querelle des Anciens et des Modernes, Schlegels Position und die Einflüsse der Querelle auf seine "Lucinde"
College
University of Marburg  (Fachbereich 09 Germanistik und Kunstwissenschaften)
Course
MS: Friedrich Schlegels Lucinde - ein Skandalon der Frühromantik
Grade
unbenotet
Author
Kerstin Schramm (Author)
Publication Year
2004
Pages
36
Catalog Number
V25482
ISBN (eBook)
9783638280914
Language
German
Tags
Querelle Anciens Modernes Schlegels Position Einflüsse Querelle Lucinde Friedrich Schlegels Lucinde Skandalon Frühromantik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kerstin Schramm (Author), 2004, Die deutsche Querelle des Anciens et des Modernes, Schlegels Position und die Einflüsse der Querelle auf seine "Lucinde", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25482
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