Karikaturen und politische Lieder in der Revolution 1848/49


Hausarbeit, 2001

16 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das politische Lied in allgemeiner Betrachtung

2. Die Karikatur in allgemeiner Betrachtung

3. Lied und Karikatur im Revolutionsverlauf
3.1. Das politische Lied in der Revolution 1848/49
3.1.1. Untersuchung an 3 verschiedenen Liedern
3.2. Die Karikatur in der Revolution 1848/49
3.2.1. Untersuchung an 5 verschiedenen Karikaturen

4. Die Bedeutung von Lied und Karikatur für die Revolution 1848/49

5. Literaturverzeichnis

1. Das politische Lied in allgemeiner Betrachtung

Politische Lieder existieren schon so lange, wie es die Politik selbst gibt. Doch so heikel und problematisch die Beschäftigung mit Politik seit jeher empfunden wird, so heikel und problematisch gestaltet sich auch der Umgang mit den politischen Liedern. Deshalb wurde auch erst recht spät begonnen, nämlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sich ernsthaft mit politischer Dichtung auseinander zusetzen[1]. Den im Unterschied zu Akten oder Artikeln, beinhaltet ein Lied eben auch Gefühle des Menschen, dient der Animation Anderer und setzt sich zumeist über jegliche Verstandsgrenzen hinweg. So wurden politische Lieder schon immer entweder für einen bestimmten Zweck gebraucht oder eben für einen Zweck missbraucht. Entweder als Auflehnung gegen bestehende politische Systeme, wie in der Revolution 1848/49, oder als Mittel der Legalisierung und Stabilisierung des schon bestehenden Systems, wie in der Zeit des Nationalsozialismus oder zum Teil auch durch den Sozialismus im ehemaligen Ostblock. So führt Wimmer in seiner Untersuchung über das historisch-politische Lied zunächst ein Zitat aus Goethes Faust an, dass das Verhältnis zum politischen Lied wiederspiegelt: „Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisches Lied, Ein leidig Lied“.[2] Doch in gleichem Maas, wie der Umgang problematisch ist, ist er doch auch zugleich sehr aufschlussreich über einen bestimmten Zeitabschnitt. Im Lied spiegeln sich eben nicht nur die reinen Fakten über eine Epoche oder ein Ereignis wieder, sondern wie schon erwähnt, die Gefühle der Menschen. Hier können wir erahnen, wie es den Menschen in jener Situation ergangen ist, was sie gefühlt haben und wie die Situation von ihnen wahrgenommen wurde. Handelt es sich um ein Lied der politischen Führung, kann man sehen, mit welchen Mitteln, zum Teil erfolgreich, man denke nur an das Lied der HJ von Baldur von Schirach „Unsre Fahne flattert uns voran“, versucht wurde, der Bevölkerung propagandistisch, Ziele und Aktionen der Herrschenden nahe zu bringen. Dadurch, dass politische Lieder zumeist einen sehr einfachen Aufbau haben, erreicht ihre Botschaft fast alle Bevölkerungsschichten. Durch die oftmals überspitzte Darstellungsweise wird die Botschaft auch für den einfachen, wenig gebildeten Menschen verständlich, d.h. das politische Lied kann entweder von einer breiten Masse als gemeinsames Kampfmittel eingesetzt werden oder eben auch von einem herrschenden System für die gesamte Bevölkerung missbraucht werden. Politische Lieder werden seit jeher ganz bewusst als Propagandamittel eingesetzt und solange es die Politik gibt, solange wird es auch das politische Lied geben. Jedoch hat das politische Lied in der Bundesrepublik Deutschland derzeit eher eine Randrolle inne, bedingt zum einen durch die vorherrschende Politikverdrossenheit[3], zum anderen durch die Distanz, die zum politischen Lied seit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland besteht. Diese wurde durch den Missbrauch der sozialistischen Führung der DDR, sogar noch verlängert. Einzig während der Zeit der Studentenunruhen Ende der 60er Jahre erlebte das politische Lied eine große Renaissance.[4]

2. Die Karikatur in allgemeiner Betrachtung

Die Karikatur, abgeleitet vom lateinischen „caricare“ überladen übertreiben, stellt ein wichtiges Mittel, im Umgang mit Ereignissen, gleich ob politischer oder anderer Natur, dar. Dabei wird ein Ereignis im Form eines Bildes karikiert. Damit aber aus der Zeichnung eine Karikatur wird, muss sie mehrere Merkmale erfüllen. Es muss auf jeden Fall ein Realitätsbezug zum gezeichneten vorhanden sein. Erst durch den Realitätsbezug wird die Zeichnung verständlich. Der Betrachter erkennt, welche Aussage der Karikaturist mit seiner Zeichnung machen möchte. Als weiteres wichtiges Definitionsmerkmal gilt die Übertreibung bzw. Verfremdung, die den Betrachter oftmals zum Lachen bringt. John Gilbert Bohun Lynch formulierte dies 1927 folgendermaßen: „Die Karikatur ist ein Porträt oder eine künstlerische Darstellung, in der die charakteristischen Züge des Originals übertrieben sind, woraus ein Lacheffekt entsteht.[5] Dabei darf der Lacheffekt aber nicht zu den wesentlichen Definitionsmerkmalen gezählt werden, denn wer über was lacht, hängt ganz von der Person des Betrachters ab. Dagegen, wie schon aus dem lateinischen abgeleitet, gehört der Übertreibungs- bzw. manchmal der Verzerrungseffekt, eindeutig zum Merkmal einer Karikatur. Auch in den nachfolgenden Beispielen wird dies, zum Bespiel durch dem im Spiritusglas sitzenden Reichsverweser Erzherzog Johann oder den drei Professoren, deutlich. Das Reale wird bewusst an einigen Punkten so abgeändert und an anderen weggekürzt, dass das entstehende Bild eine eindeutige Aussage abgibt und zwar die Aussage, die der Zeichner geben möchte. So ist es möglich auf ein Ereignis Karikaturen mit völlig verschiedenen Aussagen zu erhalten. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten die Karikatur umzusetzen. Wird zur Karikatur zusätzlich noch ein Text hinzugefügt, der eine weitere oder die eigentliche Pointe enthält, so spricht man von einer Bild-Text-Komposition. Auch die folgenden Beispiele „Germanias's Wochenbett“ und „Wie der deutsche Michel von seinem Freiheitsschwindel befreit wird“ leben hauptsächlich von dem hinzugefügten Text. Der überwiegende Teil der Karikaturen besteht aus so genannten Einzelkarikaturen, d.h. Zeichnungen die ihre Aussage komplett enthalten. Liegt aber eine ganze Abfolge von Karikaturen vor, deren Aussage nur dann verständlich wird, wenn alle zusammen betrachtet werden, so spricht man von Abfolgekarikaturen. Besonders beliebt ist diese Karikaturart, wenn es darum geht, Gegensätze wie Vorher – Nachher, Krieg – Frieden, Arm – Reich oder Jung – Alt darzustellen.[6] Unterschieden wird zusätzlich noch was auf der Karikatur dargestellt wird. Handelt es sich um eine Karikatur, auf der keine Personen zu sehen sind, handelt es sich um eine Sachkarikatur. Diese sind jedoch sehr selten, da es schwieriger ist, einen Umstand oder Ereignis ohne dargestellte verantwortliche Person anzuprangern. Ebenso ist die Tierkarikatur eine Randerscheinung, wobei sich dort oft Tier- und Individualkarikatur vermischen. So wird zum Bespiel der Rumpf eines Tieres mit einem Menschenkopf dargestellt. Die eben schon erwähnte Individualkarikatur zeigt konkret erkennbare Menschen. Dabei eignen sich natürlich am besten Politiker mit sehr hohem Bekanntheitsgrad oder jede andere öffentliche Person. Wiederum treffen die zuvor schon erwähnten Bespiele zu. So sind auf den Karikaturen erkennbar: Robert Blum, Heinrich von Gagern, Erzherzog Johann, Friedrich Wilhelm IV. und Alexander von Soiron. Ein Sonderfall der Individualkarikatur stellt dabei die Porträtkarikatur dar. Hier wird eine Person, hauptsächlich im Gesicht, so verfremdet, dass daraus Rückschlüsse auf den Charakter gemacht werden sollen. Der übrige Körper rückt völlig in den Hintergrund, typische Accessoires der Person verschwinden fast ganz. Der Eindruck, den die Zeichnung auf den Betrachter hat, beschrieb Schneider folgendermaßen: „(...) wie ein Wahlplakat einen Politiker als vertrauenserweckend, zukunftssicher und tatenkräftig zu definieren versucht, definiert die Porträtkarikatur oft im entgegengesetzten Sinne; man kann sie gewissermaßen als Antiwahlplakat bezeichnen.“[7] Letzte Gruppe der Karikaturen bilden die Typenkarikaturen. Hier werden Personen karikiert, die für bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Schichten stehen und nicht als Persönlichkeit erkannt werden können. Hierfür kann die Karikatur „Drei deutsche Professoren entwerfen den Entwurf des Entwurfs für die Verfassung des deutschen Reichsheeres“ angeführt werden.

3. Lied und Karikatur im Revolutionsverlauf

3.1. Das politische Lied in der Revolution 1848/49

Politische Lieder waren in der Revolution 1848/49 ein beliebtes und oft gebräuchliches Mittel, politische Ereignisse zu kommentieren oder eigene Forderungen auszudrücken. Aus der Zeit des Vormärzes bestanden weiterhin die zahlreichen Gesangsvereine, so dass die Bevölkerung bereits mit dem Singen vertraut war und es als beliebte Unterhaltung praktizierte. Dabei konnten sie auf ein reiches Spektrum von Liedern zurückgreifen. Die deutschen Lyriker lieferten nämlich eine Vielzahl an Texten, die dann einfach vertont wurden. Dabei herrschen einfache und sangbare Formen vor. Oftmals wurden dazu gerade Strophenanzahlen, Kreuz -und Paarreime und Jamben oder Trochäen verwendet. Am häufigsten wurden Vierzeiler verwendet, gefolgt von acht; sechs; fünf und, wie im zweiten Beispiel, siebenzeiligen Liedern. Eine absolute Minderheit bilden die Lieder mit mehr als acht Zeilen.[8] Ebenso wie die geringe Zeilenanzahl je Strophe, fällt auch die geringe Strophenanzahl an sich, auf. All dies wurde aus Gründen der Verständlichkeit praktiziert. Je einfacher und leichter das Lied ist, desto mehr Personen erreicht die Botschaft. Da kurze Strophen eine sehr präzise Ausdrucksweise erfordern, bleiben die Lieder der Revolution auch für den einfachen Mann verständlich. Die breite Masse kann also die Lieder propagandistisch als Kampfmittel einsetzen. Um gebräuchliche Motive zu verwenden, wurden oftmals schon, aus der Zeit der Romantik, bekannte Naturbilder verwendet, beispielsweise im Lied „Michels Abendlied im Belagerungszustande“ (Beispiel drei) das Motiv des blühenden Baums. Die zahlreichen Lyriker lieferten, wie schon erwähnt, den Text der Lieder, die dann mit bereits bekannten Melodien vertont wurden. Das Verfahren Texte auf schon bekannte Melodien zu verfassen oder Texte mit schon vorhandenen Melodien zu unterlegen, wird Kontrafakturverfahren genannt.[9] Dieser Umstand machte es für die damalige Bevölkerung noch einfacher, ein Lied propagandistisch einzusetzen. Aber nicht nur aus Gründen der Einfachheit verwendete man oftmals dieses Verfahren. Meistens blieb den Lyrikern einfach gar keine Zeit für ihren Text noch eine eigene Melodie komponieren zu lassen, da ansonsten der aktuelle Bezug des Textes schon längst wieder vorbei gewesen wäre. So war es möglich beinahe jedes politische Ereignis zu kommentieren, wenn auch mit größerem Aufwand als bei einer Karikatur. Das Lied hatte auch noch den Vorteil, dass hören einen weitaus geringeren psychischen Aufwand erfordert als das Lesen eines Textes. All diese Faktoren trugen dazu bei, dass das Lied oftmals als Propagandamittel in der Revolution 1848/49 von der Bevölkerung eingesetzt wurde.

[...]


[1] Vgl. Wimmer, Fridolin, 1994: Das historisch-politische Lied im Geschichtsunterricht. Exemplifiziert am Einsatz von Liedern des Nationalsozialismus und ergänzt durch eine empirische Untersuchung über die Wirkung dieser Lieder. Frankfurt am Main: Peter Lang, S.14.

[2] Vgl. von Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil. Vers 2092f.

[3] Wimmer: S.20.

[4] Ebenda: S.18f.

[5] Vgl. Bohun Lynch, John Gilbert, 1927: A history of caricature. Boston

[6] Vgl. Schneider, Franz, 1988: Die politische Karikatur. München: C.H.Beck, S.76.

[7] Ebenda: S. 92.

[8] Vgl. Otto, Ulrich, 1982: Die historisch-politischen Lieder des Vormärz und der Revolution von 1848/49. Köln: Pahl-Rugenstein, S.65.

[9] Ebenda: S.67.

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Details

Titel
Karikaturen und politische Lieder in der Revolution 1848/49
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten  (Institut für Geschichte)
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V25486
ISBN (eBook)
9783638280952
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Karikaturen, Lieder, Revolution
Arbeit zitieren
Jürgen Bader (Autor), 2001, Karikaturen und politische Lieder in der Revolution 1848/49, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25486

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