Order Penetration Point - Übergang von der auftragsneutralen zur auftragsbezogenen Fertigung, seine Positionierung und Auswirkung auf die Teilebevorratung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Order Penetration Point – Definitionen und Bedeutung

2 Positionierung des OPP in der Wertschöpfungskette
2.1 Prognosegetriebene Massenfertigung
2.2 Auftragsfertigung
2.3 Auftragsbezogene Konstruktion
2.4 Mischtypen der Fertigung
2.4.1 Auftragsbezogene Distribution
2.4.2 Auftragsbezogene Endmontage
2.4.3 Mass Customization
2.5 Kriterien zur Identifizierung des OPP im Produktionsprozess

3 Auswirkung auf die Teilebevorratung
3.1 Materialbedarfsermittlung
3.1.1 Deterministische Bedarfsermittlung
3.1.2 Stochastische Bedarfsermittlung
3.1.3 Anwendungsgebiete der Methoden
3.2 Lagerhaltungspolitik
3.3 Teileklassifikation
3.3.1 ABC-Analyse
3.3.2 XYZ-Analyse
3.3.3 Klassifizierung in I-/II-/III- Teile
3.4 Steuerungssysteme
3.4.1 Kanban
3.4.2 MRPII
3.4.3 Just-in-time

4 Übersicht und Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

1 Order Penetration Point – Definitionen und Bedeutung

Da aufgrund der gesteigerten Erwartungen der Abnehmer komparative Konkurrenzvor-teile auf Qualitäts- und Kostenebene allein häufig nicht mehr ausreichen, um im Wett- bewerb erfolgreich zu sein, sind Unternehmen immer häufiger gezwungen, sich durch möglichst kurze Lieferzeiten positiv von der Konkurrenz abzuheben [BICH00, S. 238].

Gleichzeitig bedarf es einer immer größeren Produktvielfalt, um den Wunsch der Kun-den nach Individualität zu befriedigen. Um beiden Anforderungen, der zeitlichen so wie der produktbezogenen Differenzierung gerecht werden zu können ohne dabei die Kosten aus den Augen zu verlieren, ist eine ganzheitliche Analyse der gesamten Wertschöpfungskette vom Rohmateriallieferanten bis zum Endkunden im Sinne des Supply Chain Management notwendig [BICH00, S. 239].

Um bestimmen zu können, welchen Teilprozessen innerhalb der Logistikkette bezüglich des Problems der Lieferzeiten bzw. der Differenzierung besondere Aufmerksamkeit gebührt, ist die Bestimmung des Order Penetration Point sinnvoll (OPP).

Wie die folgenden Definitionen zeigen, ist unter der Bezeichnung „Order Penetration Point“ der zeitlich und räumlich bestimmte Punkt auf der Wertschöpfungskette zu verstehen, an dem ein zuvor kundenunabhängiges Produkt auftragsspezifisch weiterverarbeitet wird.

Der OPP ist der Punkt auf der Wertschöpfungskette, bei dem ein spezifischer Kundenauftrag einfließt“ [BICH00, S. 242].

„(Der) Order Penetration Point (ist) ein in den Dimensionen Raum und Zeit beschriebener Punkt in der Wertschöpfungskette, jenseits dessen ein zuvor anonym gefertigtes Produkt auftragsspezifisch weiterverarbeitet wird; mithin also der Punkt, an dem eine prognosegetriebene Fertigung zu einer auftragsgetriebenen Fertigung wird“ [LOGI04a].

Der Order Penetration Point bestimmt somit den Grad der Orientierung der Produktion an den kundenindividuellen Bedürfnissen und kennzeichnet folglich die Schwelle vom Push- zum Pull-Prinzip. Der Produktionsprozess erhält seine Impulse durch den Nachfragesog, nicht durch Bringkonzepte des Angebotsdrucks. Betriebliche Prozesse werden zunehmend ausgehend von der Absatzseite verursacht, denn Güter die nicht verkauft werden können, müssen auch nicht produziert werden [HEIS02, S. 16, HAUP00, S. 191].

Zwar sind sich die Autoren in der Regel über die grundsätzliche Bedeutung des Order Penetration Point einig, jedoch existiert in der Literatur eine Fülle alternativer Bezeich-nungen für den gleichen Sachverhalt. Mit den Ausdrücken „Variantenbestimmungs-punkt“ [PILL04], „Entkopplungspunkt“ [PILL04], „Freeze-Point“ [PILL04; HAUP00, S. 112], „(optimaler) Vorfertigungsgrad“ [PILL04; ZÄPF96, S. 89], oder „Punkt der Auftragsspezifizierung“ [HEIS02, S. 18] sind nur einige der gängigen Bezeichnungen genannt.

2 Positionierung des OPP in der Wertschöpfungskette

Die auch als Wertschöpfungs-, Logistik-, oder Versorgungskette bezeichnete Supply Chain beinhaltet alle wertschaffenden Prozesse über sämtliche Beschaffungs-, Produk-tions- und Distributionsstufen hinweg [LOGI04b].

Bezüglich der Positionierung des Order Penetration Point in der Logistikkette (Abb.1) existieren in der Literatur mehrere Standpunkte, die eine mehr oder weniger detaillierte Aufgliederung der möglichen Positionierungsstrategien beinhalten. Allen gemein ist sinngemäß die Beschreibung der beiden Extremsituationen der prognosegetriebenen, kundenanonymen Massenfertigung und der auftragsbezogenen Fertigung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Positionierung des OPP in der Logistikkette.

2.1 Prognosegetriebene Massenfertigung

Die auch als Replenish-to-order-Konzept (Abb.2) bezeichnete kundenanonyme Massenfertigung beruht auf Absatzprognosen. Der eigentliche Auftrag des Kunden wird erst relevant, wenn dieser im Einzelhandel die Ware entnimmt. Somit liegt der OPP am Ende der Wertschöpfungskette. Davon betroffen sind in der Regel standardisierte Produkte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Replenish to order, in Anlehnung an [THAL03, S. 72].

Im hier betrachteten Extremfall der rein auf Erwartungen basierenden Produktion sind die betreffenden Güter im Idealfall bei Auftragseingang bereits fertiggestellt, was im Gegensatz zur auftragsbezogenen Produktion zu stark verringerten Lieferfristen führt. Verlässt eine Lieferung das Fertigwarenlager, so wird der Lagerbestand aktualisiert. Sobald ein festgelegter Meldebestand erreicht bzw. unterschritten wird, werden durch die Disposition Produktionsprozesse in Gang gesetzt um den Lagerbestand wieder aufzufüllen. Ein weiterer Vorteil besteht in der relativen Unempfindlichkeit der Fertigung gegenüber temporären Absatzschwankungen. Als nachteilig erweist sich allerdings das durch die Möglichkeit überraschender Entwicklungen des Bedarfs auf Kundenseite erhöhte Absatzrisiko [ZÄPF96, S. 86-88; THAL03, S. 72].

Die charakteristischste Form der prognoseorientierten Fertigung ist in der reinen Lagerfertigung zu sehen. Die Vorteilhaftigkeit der Lagerfertigung beruht u.a. auf einem prognostizierbaren Bedarf. Auf der Grundlage der antizipierten Nachfrage wird ein Absatzprogramm erstellt, welches wiederum die Basis für das Produktionsprogramm bildet. Weitere Vorteile des Lagerproduktionskonzepts ergeben sich aufgrund der standardisierten Leistungen, vertretbaren Lagerhaltungskosten und dem Wunsch der Kunden nach sofortiger Verfügbarkeit des betreffenden Erzeugnisses. Ein weiteres Argument für die Produktion auf Lager ist in einem ungünstigen Verhältnis der Rüstkosten bei Produktumstellung gegenüber den Lagerkosten zu suchen. Dieser Effekt wird weiter verstärkt je geringer der Wert der produzierten Erzeugnisse ist [ZÄPF96, S. 86-88; LOGI04a; THAL03, S. 72].

Vorrangiger Organisationstyp dieser Fertigungsart ist aufgrund der Gleichartigkeit der erzeugten Produkte die Fließfertigung (flow shop). Diese ist gekennzeichnet durch eine verbindliche Abfolge der Produktionsprozesse und den Einsatz spezieller Anlagen. Sie unterliegt in ihrer strengsten Form, der getakteten Fließfertigung, der Vorgabe von genau festgelegten Zeitabschnitten für die einzelnen Arbeitsgänge. Neben der reinen Massefertigung, die in der Realität kaum noch anzutreffen ist, eignet sich die Fließfertigung auch für die Großserienfertigung [HAUP00, S. 120-122; BREC92, S. 275].

2.2 Auftragsfertigung

Die Grundlage für das Produktionsprogramm bei vollständig individualisierter Fer-tigung (Abb.3) bilden bereits eingegangene Kundenaufträge. Erst aufgrund der darin enthaltenen konkreten Daten können entsprechende Beschaffungs- und Fertigungsprozesse einsetzen [ZÄPF96, S. 85].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Auftragsbezogene Fertigung, in Anlehnung an [THAL03, S. 72].

Unter der Lieferzeit wird im allgemeinen der Zeitraum zwischen dem Eingang der Be-stellung und der Bereitstellung des Enderzeugnisses für den Kunden verstanden. Die Lieferzeit wird neben Faktoren wie der Auftragswartezeit und der Vertriebszeit maß-geblich von der internen Durchlaufzeit beeinflusst. Diese wiederum hängt von der zur Produktion von eigengefertigten und der Beschaffung von zugekauften Teilen benötigten Zeit ab [ZÄPF96, S. 85; THAL03, S. 75].

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Order Penetration Point - Übergang von der auftragsneutralen zur auftragsbezogenen Fertigung, seine Positionierung und Auswirkung auf die Teilebevorratung
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Betriebswirtschaftliches Institut, Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik)
Veranstaltung
Logistische Aufgaben und Prozesse
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
25
Katalognummer
V25498
ISBN (eBook)
9783638281058
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Order, Penetration, Point, Fertigung, Positionierung, Auswirkung, Teilebevorratung, Logistische, Aufgaben, Prozesse
Arbeit zitieren
Christine Krätschmer (Autor), 2004, Order Penetration Point - Übergang von der auftragsneutralen zur auftragsbezogenen Fertigung, seine Positionierung und Auswirkung auf die Teilebevorratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25498

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