Im Zuge der Mordernisierung der Unterrichtsmethoden besonders nach PISA stellen sich viele Lehrer die Frage, wie man Deutschunterricht „besser“ machen kann. Richtungsweisend hierbei sind die Ansätze des Handlungs-und
Produktionsorientierten Unterrichts, welche eine Öffnung des Unterrichts nach sich ziehen. Im Folgenden möchte ich ein Modell vorstellen, bei dem ein Deutschlehrer der Veit-Stoß-Realschule/Nürnberg Unterrichtsgegenstände, insbesondere Lyrik von seinen Schülern szenisch darstellen lässt. Ich bekam bei einem Blockseminar die Möglichkeit, diese Art des Deutschunterrichts selbst auszuprobieren.
Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen zeigte, dass verstärkte musische und musikalische Erziehung an Schulen soziale Kompetenz, Intelligenz,
Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Abbau von Angst und emotionaler Labilität fördere und damit schließlich auch die allgemeine Schulleistung verbessere. Eine relativ leicht zu praktizierende Form dessen im Fach Deutsch ist die szenische Darstellung von Gedichten und Balladen. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler spielerische Erfahrungen mit den Ausdrucksformen der Stimme ( z.B. einzelnem und chorischem Sprechen) sammeln. Auch Körpersprache und Bewegung können hierbei geübt werden. Das Gruppengefühl wird gestärkt und die heute so wichtigen Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit oder Sprechfertigkeit in den Übungs- und Präsentationsphasen eingeübt. Nicht zuletzt werden die Schüler so natürlich an die vermeintlich „toten“ Klassiker der Literatur herangeführt und lernen diese spielerisch kennen und ohne „Pauken“ auch auswendig. Der Zugang zur manchmal schwer verständlichen Aussage des Gedichts wird so erleichtert und auch den Schülern, die nur schwer Zugang zu Lyrik finden ermöglicht. Szenische Darstellung eines Werkes der Literatur lässt die Schüler selbst aktiv werden und ist deshalb lernpsychologisch deutlich effektiver, da das erworbene Wissen langfristig gespeichert werden kann.
Gliederung
1. Einleitung
2. Vorteile szenischer Interpretation von Lyrik im Unterricht
3. Beispiel 1: Schiller: Der Handschuh
4. Beispiel 2: Heine: Belsazar
5. Beispiel 3: Tucholsky: Augen in der Großstadt
6. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Potenzial des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts durch die szenische Darstellung von Lyrik, um das Interesse der Schüler an klassischer Literatur zu steigern und die Lernpsychologie durch aktives Erleben zu verbessern.
- Förderung der Motivation und des Gruppengefühls durch szenische Interpretation.
- Stärkung von Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit und Sprechfertigkeit.
- Entwicklung kreativer und choreographischer Ausdrucksformen im Deutschunterricht.
- Praktische Erprobung der Methode anhand klassischer und moderner Gedichte.
- Methodische Gestaltungsmöglichkeiten für unterschiedliche Altersstufen.
Auszug aus dem Buch
Vorteile szenischer Interpretation von Lyrik im Unterricht
Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen zeigte, dass verstärkte musische und musikalische Erziehung an Schulen soziale Kompetenz, Intelligenz, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Abbau von Angst und emotionaler Labilität fördere und damit schließlich auch die allgemeine Schulleistung verbessere. Eine relativ leicht zu praktizierende Form dessen im Fach Deutsch ist die szenische Darstellung von Gedichten und Balladen. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler spielerische Erfahrungen mit den Ausdrucksformen der Stimme ( z.B. einzelnem und chorischem Sprechen) sammeln. Auch Körpersprache und Bewegung können hierbei geübt werden. Das Gruppengefühl wird gestärkt und die heute so wichtigen Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit oder Sprechfertigkeit in den Übungs- und Präsentationsphasen eingeübt.
Nicht zuletzt werden die Schüler so natürlich an die vermeintlich „toten“ Klassiker der Literatur herangeführt und lernen diese spielerisch kennen und ohne „Pauken“ auch auswendig. Der Zugang zur manchmal schwer verständlichen Aussage des Gedichts wird so erleichtert und auch den Schülern, die nur schwer Zugang zu Lyrik finden ermöglicht. Szenische Darstellung eines Werkes der Literatur lässt die Schüler selbst aktiv werden und ist deshalb lernpsychologisch deutlich effektiver, da das erworbene Wissen langfristig gespeichert werden kann.
Der Lehrer tritt hier als „Moderator“ zurück und gibt vielmehr Hilfestellung. Intrinsische Motivation entsteht leichter, ebenso wie gruppendynamische Prozesse, die zu Kritik und Selbstkritik anregen. Jeder Schüler arbeitet nach seinen eigenen Fähigkeiten, d.h. er kann, muss aber nicht vor der Klasse „performen“. Da aber szenische Darstellung meist in einer Gruppe geschieht wird auch der schüchterne Schüler aktiviert, ohne bloßgestellt zu sein. Der bei Schülern unbeliebte Gedichtvortrag vor der Klasse entfällt und in die Benotung können deutlich mehr Aspekte einfließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Intention, den Deutschunterricht durch handlungsorientierte Ansätze zu modernisieren und die eigene Praxiserfahrung mit der szenischen Interpretation von Lyrik zu präsentieren.
2. Vorteile szenischer Interpretation von Lyrik im Unterricht: Erörterung der lernpsychologischen und pädagogischen Vorteile, wie die Steigerung von Motivation, Sozialkompetenz und das tiefere Verständnis für literarische Texte.
3. Beispiel 1: Schiller: Der Handschuh: Anleitung für eine klassische Umsetzung als Gesamtklassenszenario mit Fokus auf choreographische Elemente und die Rollenverteilung in der Arena.
4. Beispiel 2: Heine: Belsazar: Beschreibung eines szenischen Konzepts für die ganze Klasse, das durch den Einsatz von Sprechlautstärke und symbolische Bewegungen die dramatische Entwicklung des Gedichts verdeutlicht.
5. Beispiel 3: Tucholsky: Augen in der Großstadt: Anwendung der Methode in Kleingruppenarbeit, die den Fokus auf die Gestaltung der Stimmung durch Bewegung und Rhythmus legt.
6. Schluss: Abschließendes Fazit zur Einsetzbarkeit der Methode als bereichernde Ergänzung des Deutschunterrichts, die jedoch die klassische Gedichtanalyse nicht ersetzen kann.
Schlüsselwörter
Szenische Interpretation, Lyrik, Deutschunterricht, Handlungsorientierung, Produktionsorientierung, Gruppenarbeit, Choreographie, Sprechfertigkeit, Teamfähigkeit, Lernmotivation, Gedichtvortrag, Literaturdidaktik, Schulpraxis, Kreativität, Klassiker.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Integration handlungs- und produktionsorientierter Methoden, speziell der szenischen Darstellung von Lyrik, in den Deutschunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Förderung von Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, die Steigerung der Schülermotivation und die Überwindung des trockenen Auswendiglernens von klassischer Lyrik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Schüler durch szenisches Agieren einen aktiven und effektiveren Zugang zu Gedichten und Balladen finden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine praxisorientierte Didaktik-Hausarbeit, die auf Basis von Fachliteratur und eigenen Erfahrungen aus einem Blockseminar Modelle zur Unterrichtsgestaltung vorstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begründung der Methode und drei konkrete Unterrichtsbeispiele für unterschiedliche Gedichte von Schiller, Heine und Tucholsky.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind szenische Interpretation, Handlungsorientierung, Klassiker, Motivation und choreographische Gestaltung.
Welche Rolle nimmt der Lehrer bei diesem Unterrichtsmodell ein?
Der Lehrer agiert weniger als dozierende Instanz, sondern tritt als Moderator zurück, der den Schülern Hilfestellung leistet und gruppendynamische Prozesse unterstützt.
Wie unterscheidet sich die szenische Interpretation vom traditionellen Gedichtvortrag?
Im Gegensatz zum oft unbeliebten Einzelvortrag vor der Klasse ermöglicht die Gruppenarbeit auch schüchternen Schülern eine aktive Beteiligung, ohne dass diese bloßgestellt werden.
- Arbeit zitieren
- Kerstin Remshard (Autor:in), 2004, Szenische Darstellung von Lyrik im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25520