Die hier behandelte Fragestellung lautet: Wie kann eine freie Entscheidungsfindung des Menschen, wie sie sich von der Aufklärung vorgestellt wurde, stattfinden, und wie sollen dabei moralische Problemstellungen gelöst werden? Und stellt sich die Nachwirkung in der Literatur nach der Aufklärung fort? Diese Frage möchte ich an drei ausgewählten Beispielen untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ideen der Aufklärung als Präposition
2.1. Kant
2.2. Rousseau
3. Weiterentwicklung in der nachfolgenden Literatur
3.1. de Sade
3.2. Conrad
3.3. Akutagawa
4. Schluß
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie sich die Konzepte der freien Entscheidungsfindung und der moralischen Problemlösung aus der Ära der Aufklärung in der nachfolgenden Literatur weiterentwickeln und kritisch reflektiert werden. Ziel ist es, anhand dreier ausgewählter literarischer Beispiele aufzuzeigen, wie das Ideal der menschlichen Vernunft und Freiheit an die Grenzen menschlichen Handelns stößt.
- Die philosophischen Grundlagen der Freiheit bei Kant und Rousseau
- Die Dekonstruktion moralischer Gesetze im Werk des Marquis de Sade
- Die psychologische Dimension von Macht und Finsternis bei Joseph Conrad
- Die Problematik der subjektiven Wahrnehmung von Wahrheit bei Ryunosuke Akutagawa
Auszug aus dem Buch
3.1. Donatien-Alphonse-Francois Marquis de Sade
Als ein „Kind der Aufklärung” schließt sich hier der Marquis de Sade an. Wie sich zeigen wird, greift er die Thesen Kants auf, verfolgt diese jedoch konsequenter bis zum Ende. Daher existiert bei de Sade auch nicht die Hilfskonstruktion des „moralischen Gesetzes”. Es wird sich zeigen, daß zu einem guten Teil sogar das Gegenteil vorliegt. Er greift damit die Lehren Kants auf, in seiner Sicht der Gesellschaft geht er jedoch mit Rousseau weitgehend konform: Die menschliche Gesellschaft ist ein Schmelztiegel, in dem es jedoch einen gravierenden Gegensatz gibt, der unvereinbar zwischen zwei Gruppen steht, welche sich wie bei Rousseau unter dem Einfluß des Eigentums gebildet haben: Arm und Reich, schwach und stark. Die Starken sind dazu bestimmt die Schwachen zu dominieren.
Bei der vorliegenden Novelle handelt es sich um eine Vorstufe zu der späteren Erzählung „Justine et Juliette”. Sie war jedoch eigentlich als Teil der Sammlung „Verbrechen der Liebe” gedacht, wurde vom Autor jedoch nie in diese Sammlung aufgenommen, und daher auch nie zu seinen Lebzeiten veröffentlicht.
De Sade wollte von der grundlegenden Philosophie, die er hier formulierte ausgehen, und diese noch weiter verdichten und mit Darstellungen ausschmücken, die als Beweise dienen sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung, wie die aufklärerische Idee der freien Entscheidung moralische Probleme lösen kann und ob sich diese Nachwirkung in der Literatur zeigt.
2. Ideen der Aufklärung als Präposition: Analyse der grundlegenden Positionen von Immanuel Kant zur Unmündigkeit und Vernunft sowie der Thesen von Jean-Jaques Rousseau zur Korruption durch den Besitz.
3. Weiterentwicklung in der nachfolgenden Literatur: Untersuchung der literarischen Umsetzung dieser philosophischen Ansätze in den Werken von de Sade, Conrad und Akutagawa.
4. Schluß: Zusammenfassung der Erkenntnisse, dass die Frage nach der Entscheidung eines freien Willens durch die Aufklärung nicht abschließend geklärt werden konnte, sondern eine fortwährende literarische Auseinandersetzung nach sich zog.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Freiheit, Moral, Vernunft, Unmündigkeit, Naturzustand, Eigentum, Literaturgeschichte, Determinismus, Menschenbild, Philosophie, ethische Konflikte, Machtstrukturen, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den philosophischen Freiheitsbegriffen der Aufklärung und deren Darstellung sowie kritischer Weiterentwicklung in ausgewählten literarischen Werken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Rolle der Vernunft, den Einfluss gesellschaftlicher Strukturen auf den Menschen und die Frage nach der moralischen Integrität im Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Literatur die philosophische Vorstellung der Aufklärung von der freien, moralischen Entscheidungsfindung des Menschen aufgreift und auf ihre praktische Umsetzbarkeit hin hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die philosophische Primärquellen mit literarischen Textbeispielen in einen Diskurs setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Kant, Rousseau) dargelegt und anschließend an den Werken von de Sade, Conrad und Akutagawa auf ihre literarische Ausgestaltung geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wesentlichen Schlüsselbegriffen zählen Aufklärung, Vernunft, Freiheit, moralisches Gesetz, Macht und die Subjektivität der Wahrnehmung.
Wie interpretiert der Autor die Figur des Mr. Kurtz bei Joseph Conrad?
Der Autor sieht in Kurtz einen Typus des Kolonialisten, der zwar mit aufklärerischen Idealen und Illusionen in den Dschungel geht, dort jedoch an der Realität scheitert und seine Vernunft verliert, wodurch er symbolhaft für den Untergang aufklärerischer Ordnung steht.
Welche Bedeutung kommt der Novelle "Im Dickicht" von Akutagawa zu?
Die Novelle dient als Beispiel für die Schwierigkeit der Wahrheitsfindung, da die widersprüchlichen Aussagen der beteiligten Personen die Unfähigkeit einer Gesellschaft verdeutlichen, objektive Ereignisse jenseits der eigenen Perspektive korrekt wiederzugeben.
- Citation du texte
- Sebastian Weiß (Auteur), 2004, Das Böse und die Freiheit - Kant, de Sade und die literarische Avantgarde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25574