[...] Unter Beachtung der aufgezeigten Entwicklung müssen die Kriterien für die
Arbeitsplatzwahl und das individuelle Entscheidungsverhalten besonders vor dem
Hintergrund der Globalisierung betrachtet werden.
Daher stehen folgende Fragen im Vordergrund: Welche Determinanten beeinflussen die
internationale Arbeitsplatzwahl? Auf Basis welcher Faktoren fällen Studierende die
Entscheidung für einen Arbeitsplatz und welche theoretischen Konzepte liegen den
persönlichen Erfahrungen und Handlungen zugrunde?
Die vorliegende Arbeit beantwortet die Fragen anhand einer empirischen Studie mit
qualitativen Interviews.
Dabei wird die Arbeitsplatzwahl nicht nur als einmalige Annahme oder Ablehnung
einer konkreten Arbeitsstelle definiert, sondern als Prozess begriffen, der eventuell
schon mit der Wahl der Abiturfächer beginnt, über Ausbildung und Studium reift und
seinen vorläufigen Abschluss in der Besetzung eines Arbeitsplatzes nimmt. So wird
klar, dass dieser Weg zumeist von verschiedenen Einflüssen bestimmt wird, die im
Rahmen dieser Arbeit identifiziert werden sollen. Es wird hierzu von einem
arbeitssuchenden Individuum ausgegangen, d.h. nicht die organisationale Sicht steht im
Vordergrund, sondern individuelles Entscheidungsverhalten.
Um den internationalen Aspekt der Arbeitsplatzwahl abzubilden, werden Studenten des
Studiengangs Deutsch-Französisches Management befragt. Deutschland und Frankreich
als europäische Nachbarn mit gemeinsamer Geschichte und vielfältigen internationalen
Verbindungen auf wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Ebene stehen im
Rahmen dieser Arbeit beispielhaft für die zunehmende Relevanz von
Globalisierungsprozessen und die konkreten Veränderungen, die dies für international
orientierte Hochschulabsolventen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt bedeutet. Zunächst wird dazu der Trend der Globalisierung als zugrundeliegendes Phänomen
betrachtet und die Auswirkungen auf die Länder Frankreich und Deutschland in
Wirtschaft und Gesellschaft, auf dem Arbeitsmarkt und im Studium beschrieben.
Mobilität als Grund, aber auch als Folge des globalen Zusammenwachsens und
Migration als konkrete Ausprägung von Mobilität wird ebenso dargestellt wie die
Interkulturalität, die sich aus den internationalen Bewegungen ergibt. Damit wird
angenommen, dass u.a. diese beiden Aspekte das Entscheidungsverhalten für einen
Arbeitsplatz im internationalen Umfeld beeinflussen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Internationale Arbeitsplatzwahl – eine theoretische Annäherung
2.1 Globalisierung und ihre Folgen
2.1.1 Auswirkungen der Globalisierung für Deutschland und Frankreich in der Wirtschaft, auf dem Arbeitsmarkt und im Studium
2.1.2 Mobilität und Migration
2.1.3 Interkulturalität
2.2 Arbeitsplatzwahl und individuelles Entscheidungsverhalten
2.2.1 Bemerkungen zur Arbeitsplatzwahl
2.2.2 Theorien der Arbeitsplatzwahl
2.2.2.1 Nicht-psychologische Theorien
2.2.2.2 Psychologische Theorien
2.2.2.3 Allgemeine Theorien
2.2.2.4 Würdigung
2.3 Relevante Aspekte der internationalen Arbeitsplatzwahl
3 Internationale Arbeitsplatzwahl – eine empirische Untersuchung
3.1 Untersuchungsmethode
3.1.1 Erhebung – das qualitative Interview
3.1.2 Aufbereitung und Auswertung
3.2 Darstellung und Diskussion der Ergebnisse
3.2.1 Interkulturelle Erfahrungen
3.2.2 Wunsch nach Abwechslung
3.2.3 Suche nach Herausforderung
3.2.4 Persönlichkeitsmerkmale
3.2.5 Berufsanforderungen
3.2.6 Externe Einflüsse
3.2.7 Würdigung
3.3 Vergleich der theoretischen Hintergründe mit den empirischen Ergebnissen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Determinanten des individuellen Entscheidungsverhaltens bei der Wahl eines internationalen Arbeitsplatzes unter dem Einfluss von Individualisierung und Globalisierung. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche Faktoren die Arbeitsplatzwahl beeinflussen und wie Studierende subjektiv zu ihrer Entscheidung gelangen.
- Analyse der Auswirkungen von Globalisierung und Individualisierung auf die Karriereplanung
- Untersuchung theoretischer Ansätze zur Berufs- und Arbeitsplatzwahl
- Empirische Identifikation subjektiver Entscheidungskriterien durch problemzentrierte Interviews
- Vergleich zwischen theoretischen Konzepten und dem realen Entscheidungsverhalten international orientierter Absolventen
Auszug aus dem Buch
Arbeitsplatzwahl und individuelles Entscheidungsverhalten
Einer der ersten Ansätze strukturierter Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Arbeitsplatzwahl war Parsons’ „Choosing a Vocation“ von 1909. Seine Begründung für den Versuch, Beruf und Individuum aufeinander abzustimmen, scheint auch aus heutiger und vor allem aus ökonomischer Sicht sinnvoll: Wenn sich eine Person ihren Beruf aktiv aussucht, statt irgendeinen beliebigen zu ergreifen, werden wahrscheinlich zum einen persönliche Zufriedenheit und Erfolg auf Arbeitnehmerseite steigen, zum anderen können die Kosten z.B. durch Fehlbesetzung und Ineffizienz für den Arbeitgeber gesenkt werden. Ziel dieser anfänglichen Bemühungen um die Arbeitsplatzwahl war es vor allem, Berufsinformation und -beratung zur Verfügung zu stellen.
Die Relevanz der Arbeitsplatzwahl verdeutlicht Scheller: „Da Individuen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, um als Person anerkannt zu werden, um Unabhängigkeit zu erlangen etc., dient der Beruf als Mittel zur Bedürfnisbefriedigung und zur Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit“ Auch für Ginzberg ist der Arbeitsplatz wichtiger Bestimmungsfaktor für Status, Einkommen und Zufriedenheit.
Bedenkt man, dass ein Individuum ab dem Eintritt ins Berufsleben etwa 88.000 Stunden mit beruflicher Arbeit verbringt, ist die Arbeitsplatzwahl eine durchaus ernstzunehmende Entscheidung. Entsprechend bezeichnet Parsons die Berufswahl eines Individuum als “greatest decision of his life“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Arbeitsplatzwahl vor dem Hintergrund von Individualisierung und Globalisierung ein und skizziert die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen.
2 Internationale Arbeitsplatzwahl – eine theoretische Annäherung: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen zu Globalisierung, Mobilität, Migration und Interkulturalität und diskutiert verschiedene wissenschaftliche Theorien zur Berufswahl.
3 Internationale Arbeitsplatzwahl – eine empirische Untersuchung: Dieser Teil beschreibt die qualitative Untersuchung mittels problemzentrierter Interviews, wertet diese aus und stellt die Determinanten der Arbeitsplatzwahl induktiv dar, gefolgt von einem Vergleich mit den Theorien.
4 Fazit: Das Fazit fasst die identifizierten Einflussfaktoren zusammen und gibt Empfehlungen für die praktische Personalsuche in Unternehmen.
Schlüsselwörter
Arbeitsplatzwahl, Globalisierung, Internationale Karriere, Individuelles Entscheidungsverhalten, Interkulturelle Erfahrungen, Mobilität, Migration, Berufsanforderungen, Persönlichkeitsmerkmale, Qualitative Inhaltsanalyse, Doppeldiplom, Person-Job-Fit, Motivation, Berufseinstieg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren das individuelle Verhalten bei der Wahl eines international ausgerichteten Arbeitsplatzes beeinflussen und wie dieser Prozess unter dem Einfluss der Globalisierung abläuft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Globalisierung, individuelle Mobilität, interkulturelle Aspekte im Arbeitsleben sowie Theorien und empirische Methoden zur Erforschung von Berufsentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation von subjektiven Determinanten der Arbeitsplatzwahl bei international orientierten Studierenden und Absolventen, um zu verstehen, wie diese zu ihren Entscheidungen gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative empirische Untersuchung durchgeführt, die auf problemzentrierten Interviews mit zehn Studierenden und Absolventen eines deutsch-französischen Studiengangs basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte (z.B. Migrations- und Berufswahltheorien) sowie die systematische Auswertung der Interviews, aus denen sechs Hauptkategorien für die Entscheidungsdeterminanten abgeleitet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie internationale Arbeitsplatzwahl, Globalisierung, Mobilität, interkulturelle Erfahrungen und individuelles Entscheidungsverhalten beschreiben.
Welche Bedeutung haben die "Grandes Écoles" für die Befragten?
Einige befragte französische Studierende betrachten das Diplom einer Grande École als entscheidende Voraussetzung für eine attraktive Karriere, was bei Nicht-Absolventen dieses Systems zu einer spezifischen Form der Strategiebildung (z.B. durch Doppeldiplome) führt.
Inwiefern beeinflussen soziale Faktoren die Wahl?
Soziale Faktoren wie das direkte Umfeld (Familie, Freunde), die soziale Schicht sowie die Arbeitsmarktlage werden als externe Einflussfaktoren identifiziert, die den Druck auf das individuelle Entscheidungsverhalten erhöhen können.
Spielen Gefühle bei der Entscheidung eine Rolle?
Ja, die Arbeit zeigt, dass nach einer rationalen Vorauswahl der Arbeitsplatz oft "mit dem Bauch" bzw. durch ein Gefühl (z.B. nach dem Vorstellungsgespräch) entschieden wird.
- Quote paper
- Irina Lauke (Author), 2004, Determinanten der internationalen Arbeitsplatzwahl - eine empirische Untersuchung individuellen Entscheidungsverhaltens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25585