Die Inflation im Jahr 1923 bei Thomas Mann und Stefan Zweig


Seminararbeit, 2004
15 Seiten, Note: 5,5 (entspr. 1,5)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Inflation bei Thomas Mann
2.1 Die Ursachen der Inflation
2.2 Die Folgen der Inflation
2.3 Gewinner und Verlierer
2.4 Die Bewertung der Inflation
2.5 Die Inflation als Revolution

3. Die Inflation bei Stefan Zweig
3.1 Die Folgen der Inflation
3.2 Gewinner und Verlierer
3.3 Die Bewertung der Inflation

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis
5.1 Zeitgenössische Literatur
5.2 Literatur

1. Einleitung

Die individuellen Bewertungen von Krisenzeiten sind oft durch die individuellen Erfahrungen geprägt, und es liegt auf der Hand, dass Profiteure und Verlierer diese Zeiten mit anderen Augen sehen. Bei Personen, die für sich ein besonderes Interesse und Augenmerk für das Wohl der Allgemeinheit beanspruchen, müsste man erwarten, dass die eigenen Erfahrungen nicht der alleinige Gradmesser für die Bewertung sind. Bei Intellektuellen, etwa den hier ins Auge gefassten Schriftstellern Thomas Mann und Stefan Zweig, könnte man sich deshalb wohl Hoffnungen machen, dass sie ein differenziertes Bild der entsprechenden Krisenzeit zeichnen. Es wird interessant zu sehen sein, ob sie diesem Anspruch gerecht werden.

Die Krisenzeit, von der in dieser Arbeit die Rede sein wird, ist die Inflationszeit, welche im Verlauf des Ersten Weltkrieges seinen Anfang nahm, 1923 ihren Höhepunkt und ihr Ende fand. Ich werde der Frage nachgehen bzw. rekapitulieren, wie Stefan Zweig in seiner autobiographischen Schrift „Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers“ die Inflation dargestellt und vor allem – bewertet hat. Dem gegenüber stellen werde ich die Darstellungen und Bewertungen von Thomas Mann, die im Text „Ansprache auf der Veranstaltung ‚Writers in Exile‘“ in seinen Gesammelten Werke festgehalten sind. Interessant wird sein, ob und wenn ja, in welcher Form sich die Bewertung jener Inflation unterscheiden. Weiter stellt sich die Frage, für welche Folgen die Inflation (mit)verantwortlich gemacht wird für die weitere Entwicklung der Weimarer Republik.

2. Die Inflation bei Thomas Mann

Der Text von Thomas Mann stammt aus dem Jahr 1942, also als Hitler seinen „Höhepunkt“ erreicht hatte. Der Schriftsteller erinnert sich an die Zeit der Inflation und erzählt auch die eine oder andere Anekdote aus dem eigenen Leben. Nicht von ungefähr meint er, dass es etwas völlig anderes sei, eine Sache selbst zu erleben, „als die gründlichsten Statistiken darüber zu lesen.“[1] Mann nennt Ursachen, Gewinner und Verlierer. Wie er die Inflation bewertet, wird dabei sehr deutlich.

2.1 Die Ursachen der Inflation

Thomas Mann sieht mehrere Ursachen, die zur Inflation Anfang der 20er Jahre geführt haben – „ökonomische, politische und psychologische Gründe“.[2] Zeitlich gesehen ortet er den Ursprung der Inflation im Ersten Weltkrieg. Der nämlich habe gleich in zweifacher Hinsicht ein Vermögen gekostet – eines an Geld und eines an Menschenleben. Durch den Krieg habe der Güterfluss zwischen den Staaten zu stocken begonnen oder sei ganz ausgeblieben. Kein Wunder, wurden gewisse Güter in Deutschland knapp und stiegen dadurch die Preise. Thomas Mann zählt nur wenige explizit auf: Lebensmittel und Kleider, aber auch so scheinbar unwichtige Dinge wie Packpapier und Bindfaden.

Als eine weitere Folge des Krieges habe sich auf dem Arbeitsmarkt der Anteil weiblicher Arbeitskräfte gegenüber dem Anteil der männlichen zu Gunsten jener verschoben. Es seien auch insgesamt mehr Menschen berufstätig gewesen, so dass mehr Geld in Umlauf kam, die Geldmenge sich also erhöhte. Die logische Folge von der zeitgleichen Abnahme der Gütermenge und einer Zunahme der Geldmenge ist ein Ansteigen der Güterpreise. Es kam also zu einer Geldentwertung.

Auch aus psychologischer Sicht habe der Krieg die Inflation begünstigt. Viele deutsche Familien hätten nämlich – weil ihre Versorger und Angehörigen im Krieg waren – mit einer nicht zu unterschätzenden Unsicherheit leben müssen: Es war nicht klar, ob und in welchem Zustand (gesund oder invalid) die Versorger und Angehörigen zurückkehren würden. Gerade davon aber hing das eigene Schicksal ab, und deshalb wundert es nicht, dass viele Menschen in Sachwerte investierten.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges verschärfte sich die Situation. Die Industrie war erschöpft, es kamen die Forderungen der Siegermächte hinzu. Die Flucht in die Sachwerte hielt an. Der Inflationsprozess entwickelte so eine Eigendynamik.

Mann fügt eine spezifisch deutsche Neigung an – die deutsche Neigung nämlich zum radikal Unvernünftigen und Katastrophalen. Dies zeigt sich denn darin, dass das deutsche Volk mit sich machen lasse, was seine Führer für angebracht halten. Wobei hier mit Führern nicht zwingend politische Führer, sondern besonders mächtige Industrielle gemeint sind. Für diese sei die Inflation schliesslich profitabel gewesen. Sie hätten kein Interesse gehabt, die Inflation zu beenden, denn durch die Geldentwertung wurden nicht nur nicht wenige ihre Schulden los, sondern mancher Unternehmer vergrösserte seinen Besitz bzw. sein Unternehmen durch Zukäufe mit bald wertlosen Inflationsmillionen.

2.2 Die Folgen der Inflation

Die Inflation habe nicht zuletzt auch das gemeinschaftliche Denken untergraben. Mann spricht denn auch davon, dass diese Zeit der beste Boden gewesen sei für Leute, die nicht arbeiten wollten. Sogar in der Schule sei mit Schülern darüber diskutiert worden, wie man aus wenig viel Geld machen könne. Mit dieser Feststellung deutet Mann an, dass sie bisherigen Lehrinhalte einer Mode Platz gemacht haben, in der kurzfristig und Profit orientiertes Denken den ganzen menschlichen Horizont einnimmt.

Mit den Erfahrungen der Menschen verändern sich nicht selten auch die Werte und ihre Präferenzen. Mann kommt auf den zunehmenden Schleichhandel zu sprechen, er spricht ihm gar eine dominierende Rolle zu, weil er eine Umkehrung der Werte bewirkt habe. Die gesellschaftliche Bewertung des Schleichhandels habe sich vom Negativen ins Ehrbare gekehrt. Dass dies so kam, verwundert nicht, wenn Mann schreibt, dass es fast unmöglich geworden sei, vom gesetzlich Zulässigen zu leben, weil durch den Schleichhandel dem legalen Markt die Ware entzogen wurde. Die Händler versuchten, die Ware illegal abzusetzen – so waren grössere Profite zu machen.

[...]


[1] T. Mann, Ansprache auf der Veranstaltung ‚Writers in Exile (1960), in: Ders., Gesammelte Werke in dreizehn Bänden, 2. Aufl., Bd. 13, Frankfurt a. M. 1974, S. 181.

[2] Ebd., S. 184.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Inflation im Jahr 1923 bei Thomas Mann und Stefan Zweig
Hochschule
Universität Zürich  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar I. Grundprobleme der Weimarer Republik
Note
5,5 (entspr. 1,5)
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V25622
ISBN (eBook)
9783638281881
ISBN (Buch)
9783640611829
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Entspricht Note 1,5 nach deutscher Bewertungsskala.
Schlagworte
Inflation, Jahr, Thomas, Mann, Stefan, Zweig, Proseminar, Grundprobleme, Weimarer, Republik
Arbeit zitieren
Philipp Zimmermann (Autor), 2004, Die Inflation im Jahr 1923 bei Thomas Mann und Stefan Zweig, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25622

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