Johann Bernard Basedow und die Versinnlichungsmethode der Philanthropen


Seminararbeit, 2002

14 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Basedows Leben und der Philanthropismus

3. Das „Elementarwerk“ – Ein Ansatz zur Versinnlichung
3.1. Inhalt, Aufbau und Verwendung
3.2. Die Rolle der Kupfertafeln Chodowieckies

4. Rezeption und Einschätzung des Versinnlichungsansatzes des „Elementarwerkes“

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das 18. Jahrhundert war auch in Deutschland das Jahrhundert der Aufklärung, die philosophisch das Ideengut der Zeit prägte. Politisch unterstützt wurde diese Strömung durch den 1740 an die Macht gekommenen Friedrich II. Er unterhielt bereits in jungen Jahren einen Briefwechsel mit Voltaire. Beeinflusst durch diesen, konnte er einen aufgeklärten Regierungsstil entwickeln und kann somit heute als wohl bekanntester Vertreter des „aufgeklärten“ Absolutismus in Deutschland bezeichnet werden. Gestützt durch den Grundsatz „Alles für das Volk, Nichts durch das Volk“[1] setzte er viele fortschrittliche Ideen durch, ordnete die Wirtschaft nach merkantilistischen Grundsätzen, reformierte das Rechtswesen, förderte die Wissenschaften und versprach sogar Religionsfreiheit. Auf der Suche nach der Faszination der Philosophie die den König dabei inspirierte stolpert man über den wohl bekanntesten Grundsatz des berühmtesten deutschen Verteters der Aufklärung. Immanuel Kant, dem zu folge Aufklärung „der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“[2] ist. Rationalität wurde damit zum Maßstab sämtlicher Gedanken, mit dem Ziel die Menschen zu Toleranz und Menschlichkeit zu erziehen und sie so zu Wohlstand, irdischem Glück und Freiheit zu führen. Bildung und Erziehung als Einheit nahm so eine sehr bedeutende Rolle in dieser Philosophie ein und wurde zum zentralen Thema der aufklärerischen Bewegung des Philanthopismus.

So, wie in Frankreich Jean-Jaques Rousseau mit seinem Erziehungsroman „Emile ou de l’éducation“ 1762 die auflklärerische Strömung hinsichtlich Erziehung und Bildung einleitete, entwickelte sich auch in Deutschland ein aufklärerisches pädagogisches Schriftentum. Schon seit den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurden pädagogische Schriften herausgegeben. Mit der 1768 erschienenen „Vorstellung an den Menschenfreund und vermögende Männer über Schulen, Studien und ihren Einfluss auf die öffentliche Wohlfahrt“ von Johann Bernard Basedow entwickelte sich eine eigene pädagogische Strömung, der Philanthropismus.

Mit der Herausbildung Basedows Hauptwerkes, dem „ Elementarwerk “, dem Philan-thropismus, der sich maßgeblich als Strömung der Aufklärung, durch Basedow entwickelte, in wieweit sein Leben in dieser Hinsicht beeinflusst wurde und beeinflussend war, wie er sich den neuartigen Unterricht vorstellte und inwieweit die neue Methode der Versinnlichung Anklang fand, darauf soll in der vorliegenden Abhandlung eingegangen werden.

2. Basedows Leben und der Philanthropismus

Der Begriff Philanthropismus leitet sich von dem griechischen Wort Philanthropie[3] (dt. Menschenfreundlichkeit) ab und wurde hier in Deutschland nicht nur eine Absplitterung der Aufklärung. In dieser Strömung vereinten sich auch Elemente des Pietismus[4] (praxisbetonte Frömmigkeit) und des Merkantilismus[5] (Wirtschaftsprinzip, bei dem das Ziel der ökonomischen Tätigkeit der Profit ist). Aus der Forderung nach „Glückseligkeit“ des Zöglings, wie sie auch schon in der Begriffsdefinition des Philanthropismus angedeutet wird, entwickelten sich zwei Maxime. Zum einen die Vervollkommnung des Menschen als Mensch, und zum anderen aber trotzdem die Erziehung zu Bürgern mit der Fähigkeit zur Unterordnung unter die Anforderungen des absolutistischen Staates. Neben der geistigen Erziehung auf der Grundlage der Menschennatur, gesetzlicher Bestimmungen und der Rücksicht auf das Recht des Kindes zur freien Entfaltung der eigenen Natur, Grundsätze, die des öfteren zu pädagogischen Problemen führten, da sich nicht jedes Kind von Natur aus zu einem „brauchbaren“ Bürger entwickeln wollte, empfanden die Vertreter der Strömung auch die Bildung des Körpers sehr wichtig. Im Zeitalter der Wissenschaftsentwicklung bildete sich ein neuer wissenschaftlicher Zweig heraus. Im Zentrum dieses Zweiges, der Anthropologie stand der Mensch und die Untersuchung seiner Möglichkeiten und Grenzen, mit dem Ziel ihn zu vervollkommnen. Während sich die Anthropologen mit dem erwachsenen Menschen beschäftigten, widmeten sich die Philanthropen der Erfoschung der Wechselwirkung von Körper und Geist beim Kind. Die eigenen pädagogischen Ansprüche und Theorien versuchte man in eigenen Lehranstalten, den Philanthropien umzusetzen.

Basedow, der bereits im „Menschenfreund“ für staatliche Schulaufsicht, Vermehrung der Realfächer, elementare Schulbibliotheken und dem Vorrang der Erziehung gegenüber des Unterrichts plädierte, eröffnete 1774 das erste Philanthropinum in Dessau.

Sein Interesse an der Bildung und Erziehung von Kindern lässt sich anhand seiner Vita gut nachvollziehen. Er ist am 11. September 1723 als Sohn eines Perückenmachers in Hamburg geboren, gehört somit zunächst nicht zu dem Stand des Besitzbürgertums, bekomm jedoch durch eine Gehilfenstellung bei einem holsteinischen Landphysikus, der sein Talent erkennt und fördert, die Chance das Johaneum in Hamburg zu besuchen. Hier findet er in Richen und Rimarus[6] zwei unterstützende Kräfte, die ihn zu poetischen Tätigkeiten anleiten und ihn so nachhaltig beeinflussen. Schon da versuche er weniger begabten Schülern zu helfen und sich zusammen mit der poetischen Tätigkeit seinen Unterhalt zu finanzieren. Nach dem misslungenen Versuch eines Theologiestudiums in Leipzig, widmet er sich autodidaktischen Studien bis er als Privatlehrer im Haus von Qualen den Sohn unterrichtet. Zu ihm baut er ein starkes Vertrauensverhältnis auf, indem er den Lehrstoff auf sehr anschauliche Art und Weise vermittelt. Nach der 1752 verfassten Magisterdissertation über seine Erziehungsmethoden wird er ein Jahr später an der dänischen Ritterakademie in Soroe Professor der Moral und Beredsamkeit. Wegen seiner rationalen Anschauungen und Schriften wird er stark kritisiert. So schlägt er in der 1762 erscheinenden Philalethie vor, 30 unerzogene Kinder in einem Garten einzuzäunen, sie ihrer eigenen Entwicklung zu überlassen und zu protokollieren, was dabei herauskäme[7]. In diesem Werk übt er auch starke Kritik an den äußeren Erscheinungen des Kirchenwesens, weist die Lehre der Höllenstrafen zurück und empfiehlt eine „natürliche“ Religion. Nachdem seine Gegner seine Lehren als unchristlich propagieren werden seine Schriften verboten und er wird trotz der Zuneigung der Studenten an das Gynmasium nach Altona versetzt, wo er nur drei Stunden pro Woche unterrichten und keine Privatvorträge abhalten darf. Auch hier wird er wegen seiner populär-philosophischen und pädagogischen Veröffentlichungen bekämpft und 1767 vom Lehramt entbunden.

Von Rosseaus „ Emile “ stark beeinflusst, entwirft Basedow 1786 in der „ Vorstellung an den Menschenfreund “ ein vollständiges Programm zur philanthropischen Pädagogik, in dem er sich für eine gründliche Umgestaltung des gesamtenen Bildungswesens einsetzt. Die Hauptaufgabe der Erziehung ist dabei, die Vorbereitung auf ein gemeinnütziges, patriotisches und glückseliges Leben, indem ein religös, aufgeklärter, sittlicher, wirtschaftlich vernünftiger Mensch erstrebt wird. Das Ziel einer Weltoffenheit ohne kirchliche Schulpflicht dient seiner Überzeugung, einer Überzeugung, mit der er sich scharf gegen zu hohen Einfluss der Kirche auf die Schule abgrenzt. Mißstände prangert er offen an. So bedeuten Schulen in dieser Zeit für ihn nur ewiges Moralisieren, keine Übungen im Geiste. Basedow will diese Mißstände durch einen unabhängigeren Handlungsspielraum verbessern. Schlechte Methoden sollen sofort durch bessere ersetzt werden, die Anzahl der Lehrer der Anzahl der Schüler entsprechen. Die natürlichen Kräfte des Kindes, besonders die Vernunft, sollen gefördert werden, der Unterricht nach den Bedürfnissen des sich herausbildenden Bürgertums gestaltet werden, so dass auf Realien, moderne Fremdsprachen, kaufmännische Fächer, patrotische und körperliche Erziehung, Werkunterricht und Exkursionen im Sinne der Erziehung des „reinen, natürlichen“ Menschen zu einem gesellschaftsbewussten Menschen großer Wert gelegt werden soll. Gewalt und Bestrafungsmethoden hält Basedow ungeeignet für solch eine Erziehung und entwickelt mit den Meritentafeln ein eigenes System. Mit der Vergabe von goldenen Punkten und verschiedenen Orden für gute Leistungen und schwarzer Nägel für schlechte soll so der Ehrentrieb der Zöglinge geweckt werden, was zu Fleiß und Gutem Betragen führen soll. Neben körperlicher Ertüchtigung und Hygiene ist er sich eines hinreichenden Kapitals , das zu freien Verfügung notwendig für die Reformierung des Schulsystems ist, bewusst.

[...]


[1] Vgl. WUNDERLICH, Dieter (2002). Vernetzte Karrieren. Friedrich der Große, Maria Theresia, Katharina die Große. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet 2000, S.32 ff.

[2] Kant, I. (1974): Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: E. Bahr, Hrsg.: Was ist Aufklärung? Stuttgart 1974, S.9

[3] Die historische Wirkung des Philanthropismus, mag sie auch im Schatten des Neuhumanismus stehen, sollte nicht unterschätzt werden; immerhin setzte mit dem Philanthropismus die "erste große Rousseau-Rezeption in Deutschland" ein (Blankertz 1982, S.80) - beeinflußt durch die ausfühliche Kommentierung der deutschen Übersetzung des Emile durch die Herausgeber.

vgl. Blankertz, Herwig (1981): Die utilitaristische Bildungstheorie der Aufklärungspädagogik. In: Herrmann (1981), S.247-270

[4] vgl. www.heiligenlexikon.de/Glossar/Pietismus.html - 10k - 7 Juli 2002

[5] Blaich, F., Die Epoche des Merkantilismus, Wiesbaden 1973. S. 113 ff..

[6] vgl. www.uni-oldenburg.de/~topsch/basedow/1jugend1.htm - 12k

[7] vgl. www.gutenberg2000.de/jeanpaul/hesperus/hesps41.htm - 43k

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Johann Bernard Basedow und die Versinnlichungsmethode der Philanthropen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Seminar 'Pädagogisches Ideengut - Ein historischer Überblick'
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V25631
ISBN (eBook)
9783638281973
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johann, Bernard, Basedow, Versinnlichungsmethode, Philanthropen, Seminar, Ideengut
Arbeit zitieren
Liane Weigel (Autor), 2002, Johann Bernard Basedow und die Versinnlichungsmethode der Philanthropen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25631

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