Das 18. Jahrhundert war auch in Deutschland das Jahrhundert der Aufklärung, die philosophisch das Ideengut der Zeit prägte. Politisch unterstützt wurde diese Strömung durch den 1740 an die Macht gekommenen Friedrich II. Er unterhielt bereits in jungen Jahren einen Briefwechsel mit Voltaire. Beeinflusst durch diesen, konnte er einen aufgeklärten Regierungsstil entwickeln und kann somit heute als wohl bekanntester Vertreter des „aufgeklärten“ Absolutismus in Deutschland bezeichnet werden. Gestützt durch den Grundsatz „Alles für das Volk, Nichts durch das Volk“ 1 setzte er viele fortschrittliche Ideen durch , ordnete die Wirtschaft nach merkantilistischen Grundsätzen, reformierte das Rechtswesen , förderte die Wissenschaften und versprach sogar Religionsfreiheit. Auf der Suche nach der Faszination der Philosophie die den König dabei inspirierte stolpert man über den wohl bekanntesten Grundsatz des berühmtesten deutschen Verteters der Aufklärung.
Immanuel Kant, dem zu folge Aufklärung „der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ 2 ist. Rationalität wurde damit zum Maßstab sämtlicher Gedanken, mit dem Ziel die Menschen zu Toleranz und Menschlichkeit zu erziehen und sie so zu Wohlstand, irdischem Glück und Freiheit zu führen. Bildung und Erziehung als Einheit nahm so eine sehr bedeutende Rolle in dieser Philosophie ein und wurde zum zentralen Thema der aufklärerischen Bewegung des Philanthopismus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Basedows Leben und der Philanthropismus
3. Das „Elementarwerk“ – Ein Ansatz zur Versinnlichung
3.1. Inhalt, Aufbau und Verwendung
3.2. Die Rolle der Kupfertafeln Chodowieckies
4. Rezeption und Einschätzung des Versinnlichungsansatzes des „Elementarwerkes“
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das pädagogische Wirken von Johann Bernard Basedow, insbesondere seine "Versinnlichungsmethode" im Kontext der Philanthropenbewegung des 18. Jahrhunderts. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Methode die Bildung des Kindes durch visuelle Anschauung und eine praxisnahe Unterrichtsgestaltung zu reformieren suchte und inwiefern sie Wegbereiter für spätere moderne didaktische Ansätze war.
- Historischer Kontext von Aufklärung und Philanthropismus
- Biografie und pädagogische Philosophie von Johann Bernard Basedow
- Aufbau und methodische Zielsetzung des "Elementarwerks"
- Bedeutung visueller Medien (Kupfertafeln) im Fremdsprachenunterricht
- Kritische Reflexion der Rezeption und des Scheiterns des Philanthropin-Modells
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Rolle der Kupfertafeln Chodowieckies
Da wie schon erwähnt großer Wert auf die Behandlung der „Realien“ im Unterricht gelegt werden sollte, kommt den Kupfetafeln neben, Naturalien und Modellen eine sehr große Bedeutung zu, indem die Schüler durch diese „Hilfsmittel“ die „Realien“ durch Versinnlichung im Gegensatz zur Abstaktion begreifen lernen. Das Dessauer Philanthropin besaß deshalb ein großes Realienkabinnett, da jedoch reale Dinge bloß in begrenter Anzahl in der Natur bzw. als Modelle verfügbar sein konnten, übergab Basedow Chodowiecki den Auftrag, die Kupfersammlung anzufertigen. Die hundert Kupfertafeln sind im Querformat gehalten, meist viergeteilt und dienen zur Illustration von ca. einem Viertel der gesamten Texte des Elementarwerkes. Chodowieki war der bedeutenste Vertreter der Rokokokultur im preußischen Berlin, was sich durch die Wiederspiegelung des Weltbildes der höheren Stände und stilistische Anklänge der Zeit zeigt.
Neben dem Hörverständnis war für Basedow die Sprechfertigkeit die wesentliche Fähigkeit, die die Schüler im Fremdsprachenunterricht beherrschen sollten, so dass die Kupfertafeln v.a. für Konversationsübungen im Französischunterricht, dem Pflichtfach am Philanthropin, große Anwendung fanden. Auf die Lehrprobe Johann Friedrich Simons über das Frühlingsbild, die im Rahmen des öffentlichen Examens im Mai 1776 abgehalten wurde, soll im folgenden eingegangen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet das Thema in den historischen Rahmen der Aufklärung ein und erläutert die Bedeutung von Erziehung und Bildung als zentrale Anliegen dieser Epoche.
2. Basedows Leben und der Philanthropismus: Dieses Kapitel skizziert die Biografie Basedows sowie die theoretischen Grundlagen des Philanthropismus als pädagogische Strömung, die den Menschen zur Mündigkeit und Nützlichkeit erziehen wollte.
3. Das „Elementarwerk“ – Ein Ansatz zur Versinnlichung: Hier werden der Aufbau und die didaktische Konzeption des Hauptwerkes analysiert, wobei der Fokus auf der Verknüpfung von Texten und Kupferstichen zur Veranschaulichung liegt.
4. Rezeption und Einschätzung des Versinnlichungsansatzes des „Elementarwerkes“: Das Kapitel reflektiert die zeitgenössische Kritik an der Methode sowie die Gründe für das Ausbleiben einer breiten schulischen Etablierung.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die Bedeutung Basedows aus heutiger Sicht und identifiziert Parallelen zur modernen Fremdsprachendidaktik und zur direkten Methode.
Schlüsselwörter
Johann Bernard Basedow, Philanthropismus, Versinnlichungsmethode, Aufklärung, Elementarwerk, Realienunterricht, Kupfertafeln, Chodowiecki, Fremdsprachenunterricht, Philanthropinum, Dessau, Didaktik, Bildungsreform, Anschauungsunterricht, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Reformbewegung des Philanthropismus und der Rolle von Johann Bernard Basedow bei der Einführung einer neuen Lehrmethode, der sogenannten "Versinnlichungsmethode".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Bildungsphilosophie der Aufklärung, die Praxis des Philanthropinums in Dessau sowie die didaktische Nutzung von Bildmedien im Unterricht des 18. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Versinnlichungsansatz Basedows zu analysieren und dessen Erfolg sowie das Scheitern vor dem Hintergrund der damaligen Zeit kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-pädagogischen Analyse, die primäre Quellen wie das "Elementarwerk" und zeitgenössische Berichte sowie aktuelle wissenschaftliche Sekundärliteratur auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Biografie Basedows, den Philanthropismus als Strömung, die inhaltliche Konzeption des "Elementarwerkes" und die spezifische Bedeutung der Kupfertafeln von Chodowiecki für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Philanthropismus, Versinnlichungsmethode, Anschauung, Elementarwerk und Didaktik prägen das Werk.
Welche Rolle spielten die Kupfertafeln konkret im Fremdsprachenunterricht?
Sie dienten der semantischen Erschließung neuer Vokabeln im direkten Gespräch, um eine konsequente Einsprachigkeit zu ermöglichen und die Bedeutung ohne den Umweg über die deutsche Übersetzung zu vermitteln.
Warum wird das Philanthropinum als gescheitert angesehen?
Das Scheitern wird auf interne organisatorische Probleme, Meinungsverschiedenheiten unter den Lehrkräften sowie finanzielle Engpässe und die persönliche Belastung Basedows zurückgeführt.
- Quote paper
- Liane Weigel (Author), 2002, Johann Bernard Basedow und die Versinnlichungsmethode der Philanthropen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25631