Germanische Sprachvarietäten: Elsässisch - Ein allemannischer Dialekt in Frankreich


Seminararbeit, 2002

14 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Transkript: Huguette Dreikaus; Auszug aus dem „Vater Unser“

3. Systematische Aufbereitung lt. Fragenliste zum Sprachkontakt
3.1. Lexik
3.2. Lautung
3.3. Gegenstände: Numerus, Artikel, Genus, Wortbildung
3.4. Sachverhalte: Tempus, Modus, Diathese
3.5. Wortstellung
3.6. Junktoren
3.7. Gewichtung von 3.1. bis 3.6
3.8. Formen – Funktionen
3.9. Archaismus
3.10. „Futurismus“
3.11. Exklusivität
3.12. Grammatikalisierung
3.13. Reanalyse
3.14. Analogie
3.15. Prestige einzelner Formen
3.16. Code- Switching
3.17. Language Acquisition
3.18. Attitude
3.19. Culture- Mixing
3.20. Culture- Switching

4. Schlußbemerkung

1. Einleitung

Neben Französisch als Nationalsprache, existieren im heutigen Frankreich auch Dialekte und mehrere Varietäten des Regionalfranzösisch. Mit fünf romanischen Sprachen, drei Varietäten der germanischen Sprachfamilie und einer keltischen Sprache, sowie einer nicht-indogermanischen Sprache kann Frankreich als Vielsprachenland betrachtet werden, in dem die Sprecher der sogenannten Minderheitssprachen heute in der Regel nicht mehr einsprachig, sondern gleichzeitig Sprecher des Französischen sind (Diglossiesituation).

Elsässisch gehört zu den drei germanischen Sprachvarietäten und wird im Elsaß, d.h. in den

Départements Haut- Rhin und Bas- Rhin und in einigen Gemeinden um Sarrebourg gesprochen.

Das Elsaß selbst war bis in die Neuzeit Teil des Deutschen Reiches und wurde im 17. Jahrhundert von Frankreich nach und nach annektiert. Die hier von ca. 1,2 bis 1,8 Millionen Menschen gesprochene Mundart gehört innerhalb des Oberdeutschen zu den alemannischen Dialekten, wobei nach Coseriu ein Dialekt definiert wird als „ eine Sprache, die einer historischen Sprache als deren räumliche Varietät untergeordnet ist“ und sich somit von der Gemeinsprache unterscheidet[1]. Durch die Zugehörigkeit des Elsaßes zu Frankreich sowie die gleichzeitige Nähe zu Deutschland treten hier komplexe sprachliche Situationen auf (Triglossie: Elsässisch/Französisch/ Hochdeutsch)[2].

In der Gesellschaft des heutigen Frankreichs weichen französische Dialekte also auch das Elsässisch, immer mehr zurück. Bestrebungen zum Fortbestand des Elsässischen als Ausdrucksmittel eines eigenständigen kulturellen Altertums zeigen sich aber z.B. im Hinblick auf die Förderung des bilingualen Unterrichts in vereinzelten Schulen.

Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich bezüglich des Seminarthemas „Sprachkontak t“ mit den Eigenheiten des Elsässischen als Mundart, besonders im Vergleich mit dem Hochdeutschen, aber auch mit dem Französischen. Anhand der Gliederungspunkte (Fragenliste) soll mit Hilfe eines Transkriptes und des Auszuges aus dem elsässischen „Vater Unser“ auf zwanzig Merkmale Bezug genommen werden.

2. Transkript: Huguette Dreikaus

Das nachfolgende Transkript bezieht sich auf einen Auszug einer Aufführung der Straßburger „Choucroutrie“, in dem die Akteurin Huguette Ereignisse, die ihr und Marcel auf dem Weg nach Cannes passiert sind, unter Verwendung der elsässischen Mundart beschreibt. Das Transkript wurde von einem französischen Video über „Langue, dialectes et patois des pays de France“ angefertigt. Sowohl die deutsche (Hochdeutsch), als auch die französische Entsprechung (kursiv) erscheint unter dem elsässischen Originaltranskript (fett).

Da hier keine Sprachkontaktsituation in einem Dialog (Französisch-Elsässisch oder Elsässisch-Deutsch) vorliegt, fällt die systematische Erläuterung lt. Fragenliste schwer. Deshalb wird später für verschiedene Gliederungspunkte auch auf andere Textauszüge, z.B. aus dem „Vater Unser“, Bezug genommen.

1.Material: Transkript: Huguette Dreikaus:

... De Marcel un ich mer fàhre fort, hein.. uf Cannes...

... Der Marcel und ich wir fahren fort... nach Cannes...

... Marcel et moi nous partons à Cannes…

... Den Wàre nehm mer abbe ne mit bis uf Cannes. Den loah mer stehn in Lothringe in Puttlange aux Lacs...

... Den Wagen nehmen wir aber nicht mit bis nach Cannes. Den lassen wir in Lothringen in

Puttelange aux Lacs stehen...

... Mais on ne prend pas la voiture jusqu’ à Cannes. On la laisse en Lorraine à Puttelange aux Lacs…

dert han se so schöne parking, mer were abbe schon uf Puttelange aux Lacs…

la mer de Wàge dort stehn und nehme de Zug...

...dort haben sie so einen schönen Parkplatz, wir waren aber schon in Puttelange aux Lacs...

(deshalb) lassen wir den Wagen dort stehen und nehmen den Zug...

...là-bas, ils ont un si joli parking... mais nous avons été déjà à Puttelange aux Lacs…

(c’est pourquoi) nous la laissons …là-bas et (nous) prenons le train…

…(weil) se uns ne als Klient habbe, hamse cet gare noch zügemacht…

... weil sie uns nicht als Kunden haben, haben sie den Bahnhof zugemacht...

... (parce qu’) ils ne nous avaient pas comme clients, ils fermaient la gare…

s’ isch halt misère in Lothringe…(hein ?)

… es ist halt die Misere (Jammer/Not/Elend) in Lothringen... (nicht?)

... il y a de la misère en Lorraine, hein?…

2. Material: Transkript (Deutsch): Vater Unser (Auszug)

Unser Vàdd e r wo im Himmel isch
Unser Vater, der im Himmel ist

Din Reich soll komme

Dein Reich komme
Dinner Wille soll geschehn

Dein Wille(n) geschehe
Heilig sei dinner Nàmme...

Heilig sei dein Name...
...wie mir au denne vergebe wo uns schuldig sinn...
...wie wir auch denen vergeben, die uns (etwas) schuldig sind...[3]

3. Systematische Aufbereitung lt. Fragenliste zum Sprachkontakt

3.1. Lexik

Der Begriff Lexik bezieht sich auf den Wortschatz einer (Fach-) sprache[4]. Dieser unterscheidet sich in der elsässischen Mundart z.T. grundlegend von dem deutschen (hochdeutsch) Wortschatz, mehr noch aber von dem französischen. Auffällig ist hierbei speziell die Entlehnung. Le parking, wie es im Transkript verwendet wird, existiert im Wortschatz des heutigen Französisch und wurde in den allemannischen Dialekt, Elsässisch, übernommen. Es bezeichnet hier einen Ort zum Abstellen des Autos, also einen ´Parkplatz’ oder ein ´Parkhaus’.

Erkennbar ist bei diesem Beispiel auch der Einfluß des Englischen auf das Französische (lexikalisch und phonisch). Wörter wie le parking werden nach Cypionka (1994) als Pseudoanglizismen, „des inventions ´made in France’, formées avec des mots d’apparence anglaise mais qui n’existe pas sous cette forme, ou avec le même sens, en anglais“ bezeichnet[5]. D.h. eigentlich lässt sich le parking vom englischen Verb to park ableiten und kann sowohl den Vorgang des Parkens (Abstellen des Autos) als auch den Parkplatz selbst bezeichnen, existiert aber in dieser Bedeutung im Englischen nicht.

Weitere Entlehnungsbeispiele aus dem Französischen sind gare (dt. Bahnhof) und misère (dt. Jammer, Not, Elend...).

Parking

´parking’

parking

engl. (to) park + ing

engl. : Verb + Suffix –ing

franz. : (le) parking, m.

els.: parking, m.

deutsch: (der) Parkplatz

3.2. Lautung

Lautung bezieht sich auf lautliche Veränderungen im Dialekt, z.B. Vokalschwund, immer mit Bezug auf die Hochsprache (hier: Hochdeutsch). Auffällig hinsichtlich der lautlichen Veränderung ist in dieser Mundart das Weglassen bzw. Verschlucken der Endungen bei Verben, aber auch bei Substantiven. Außerdem zeigen manche Pronomina eine starke lautliche Veränderung, die die deutsche Entsprechung manchmal nur erahnen lässt. Vokale entfallen oder werden durch andere ersetzt oder nur auf einzelne Buchstaben reduziert (s. s’isch), aus zwei Silben wird eine, der Redefluss des Satzes wird so unterstützt und der Sprecher benötigt weniger Zeit für seine Aussage.

Nehm mer

[...]


[1] COSERIU, Eugenio (1988/1981), “Die Begriffe ´Dialekt’, ´Niveau’ und ´Sprachstil’ und der eigentliche Sinn der Dialektologie“, in ALBRECHT, Jörn et al. (Hrsg.), Energeia und Ergon..., Tübingen, Bd. 1: 15-43, 24

[2] GECKELER, Horst (1997), “Einführung in die französische Sprachwissenschaft”, Berlin, 1997: 35

[3] Die Version der deutschen Transkription entspricht nicht dem genauen Wortlaut des “Vater unser” wie es beim Beten in der Kirche vorkommt.

[4] s. Duden

[5] s. GECKELER, Horst (1997), S. 237

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Germanische Sprachvarietäten: Elsässisch - Ein allemannischer Dialekt in Frankreich
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V25632
ISBN (eBook)
9783638281980
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Germanische, Sprachvarietäten, Elsässisch, Dialekt, Frankreich
Arbeit zitieren
Liane Weigel (Autor), 2002, Germanische Sprachvarietäten: Elsässisch - Ein allemannischer Dialekt in Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25632

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