Rousseaus Demokratiemodell


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Rousseaus Menschenbild
1.1. Der Mensch im Naturzustand.
1.2. Der Mensch nach der Vergesellschaftung

2. Mit dem Gesellschaftsvertrag zur bürgerlichen Freiheit

3. Volkssouveränität und Gemeinwille

4. Einschränkungen und Schwachstellen in Rousseaus politischer Theorie

5. Rousseau: Demokrat oder Vorläufer des Totalitarismus?

6. Der Gesellschaftsvertrag und die Französische Revolution

7. Literatur

0. Einleitung

Rousseau, 1712 als Sohn eines Genfer Uhrmachers geboren, hatte seine effektivste Schaffenszeit zwischen den Jahren 1750 und 1762. Er bewegte sich zwischen verschiedenen Ständen, Konfessionen und Ländergrenzen und konnte sich so einen reichen Schatz an Beobachtungen und Erfahrungen aneignen und diesen schließlich in seine Werke integrieren. Während der Zeit des absolutistisch regierten Frankreichs unter Ludwig XV., wirkte er als Komponist, Romancier, Pädagoge und politischer Denker auf vielfältigen Wegen. Als Anhänger der Aufklärung, wirkte er durch seine Kritik an der Zivilisation, der Betonung des Gefühls und der von Gott geschaffenen Natur, jedoch schon über diese hinaus.

Das Schlagwort „Zurück zur Natur“ wird gemeinhin als seine zentrale Botschaft aufgefasst. In seinem Erziehungsroman Emile beschrieb er eine Pädagogik, die vor allem die Aufgabe hat, dem Kind in, einem von negativen Einflüssen der Zivilisation und der Gesellschaft, geschütztem Umfeld, eine natürliche Entwicklung zu ermöglichen. „Alles ist gut“, schreibt er zu Beginn des Emile, „was aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen.“[1]

Für die vorliegende Arbeit sind aber vor allem zwei Werke wichtig, in denen Rousseau seine politische Theorie entwickelte: Die Discours sur l´inégalité, in dem er ausführlich sein Menschenbild darlegt und der Contrat social, dem Kern seiner politischen Theorie, in dem er zeigt, wie die vergesellschaftete Menschheit zur bürgerlichen Freiheit gelangen könne.

Die Entwicklung des Menschen vom Naturzustand, den Rousseau als überwiegend positiv schildert, bis hin zur bürgerlichen Gesellschaft, in der der Mensch entfremdet lebe, soll im ersten Kapitel dargelegt werden. In den darauffolgenden Punkten, wird der Gesellschaftsvertrag mit seinen Kernelementen, der Volkssouveränität und des Gemeinwillens erläutert. Im Anschluss dazu, sollen die Einschränkungen, die Rousseau selbst für seinen Gesellschaftsvertrag aufgezeigt hat, sowie die Schwachstellen, die sich in Rousseaus politischer Theorie erkennen lassen, umrissen werden. Die Fragen, ob man Rousseau einen Vertreter der Demokratie nennen und / oder ob er als Vorläufer des Totalitarismus gelten kann, werden im nächsten Punkt aufgeworfen. Hier sollen zudem mögliche Klassifizierungen seines Modells, im Kontext der Demokratietheorien, kurz zusammengefasst werden. Zum Schluss sollen schließlich noch die Einflüsse des Contrat social auf die Französische Revolution untersucht werden.

1. Rousseaus Menschenbild

1.1. Der Mensch im Naturzustand

Um seine Kritik an dem Zustand des Menschengeschlechts zu verdeutlichen und zu zeigen, wie sehr sich dieser vom Ursprung entfremdet habe, versucht Rousseau, durch eine Rekonstruierung des Naturzustandes, dem eigentümlichen Wesen des Menschen näher zu kommen.

Demnach seien „in der natürlichen Ordnung [...] alle Menschen gleich“[2]. Gebe es Ungleichheit, so sei diese nur eine physische, deren Unterschiede wie Alter und Gesundheitszustand, von der Natur eingerichtet seien. Auch sei der Mensch noch ohne Sprache und sein Verstand nur soweit entwickelt, wie er für das Überleben gebraucht werde.

Der noch wilde Mensch lebe für sich allein und sei unabhängig. Diese indépendance lässt sich auch als „Gleichgültigkeit gegenüber allen anderen Menschen“[3] deuten. Rousseaus Mensch im Naturzustand hat nur sporadisch Kontakt zu anderen, weshalb auch keine moralischen Regeln auf ihn wirken: Kategorien wie Gut und Böse spielen in der Eigenbrötelei keine Rolle. Gefahren drohten ihm nur von Tieren, „die mehr Stärke besitzen, als der Mensch Geschicklichkeit [...], furchtbarere Feinde, gegen die der Mensch nicht die gleichen Mittel hat, sich zu verteidigen, sind die natürlichen Gebrechen, die Kindheit, das Alter und die Krankheiten.“[4] Der Mensch im Naturzustand verfüge des weiteren über die ihn im wesentlichen charakterisierenden Merkmale der Selbstliebe amour de soi, die der Selbsterhaltung diene, und des Mitgefühls commisération, das veranlasse, „ohne zu überlegen denjenigen Hilfe zu leisten, die wir leiden sehen; es vertritt im Naturzustand die Stelle der Gesetze“[5].

Auch wenn Rousseau mit dem Mitgefühl eine soziale Eigenschaft des Menschen betont, weist er das Menschenbild Aristoteles`, wonach der Mensch ein für die Gemeinschaft geschaffenes Wesen sei, zurück: „Der natürliche Mensch ruht in sich. Er ist eine Einheit und ein Ganzes; er bezieht sich nur auf sich“[6]

Ebenso lehnt er die negative Vorstellung von Hobbes ab, der den Mensch im Naturzustand als des Menschen Wolf sah. „Die Menschen sind schon deswegen von Natur aus keine Feinde, weil sie [...] untereinander keinerlei Beziehungen haben, die dauerhaft genug sind, um einen Friedens– oder Kriegszustand zu begründen. Es sind die Verhältnisse und nicht die Menschen, die den Krieg begründen.“[7]

Mit dem Beginn der Landbewirtschaftung, sieht Rousseau den entscheidenden Einschnitt, der den Beginn der Vergesellschaftung markiert: „Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen «Dies gehört mir» und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft.“[8] Von nun an sollte eine Entwicklung beginnen, die den Menschen der Natur entfremdete.

1.2. Der Mensch nach der Vergesellschaftung

Die Kritik am Prozess der Vergesellschaftung lässt sich durch Rousseaus gesamtes Werk verfolgen. Bereits mit dem frühen Discours sur les science et les arts, den er auf ein Preisausschreiben der Akademie von Dijon hin, im Jahre 1750, verfasste, griff er mit heftigen Worten die Wissenschaften und Künste, die im Müßiggang entstanden seien und eben diesen förderten, und mit ihnen die gesamte selbstbewusste Epoche der Aufklärung an.

Er kann dem in Gemeinschaft lebenden Menschen, der doch von der Natur als Einzelgänger geschaffen sei, nichts abgewinnen. Vielmehr erscheint ihm der Mensch als dadurch entartet. „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“[9]

Wilden Tieren ähnlich, die man zu Haustieren mache und die dadurch an natürlicher Kraft und Gesundheit verlieren, ergehe es dem Menschen: „Indem er vergesellschaftet und versklavt wird, wird er schwach, furchtsam, kriecherisch, und seine verweichlichte und weibische Lebensweise schwächt schließlich zugleich seine Kraft und seinen Mut.“[10]

Gab es im Naturzustand nur die physische Ungleichheit, so entstand, alsbald die Menschen seßhaft wurden und sich versammelten, die Politische. „Wer der Schönste, der Gewandteste oder der Beredsamste war, wurde der Geachtetste; und dies war der erste Schritt zur Ungleichheit und zugleich zum Laster.“[11] Eitelkeit, Verachtung, Neid und Scham - Wesenszüge, die dem Menschen des Naturzustands fremd waren, machten nun die Menschen unglücklich. Aus dem Selbsterhaltungstrieb, der Selbstliebe, wurde die Selbstsucht amour-propré.

[...]


[1] Rousseau, Jean-Jacques: Emil oder Über die Erziehung, Paderborn, 2001, S. 9.

[2] ebd. S.14.

[3] Maier, Hans: Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), in: Maier, Hans/ Denzer, Horst (Hg.): Klassiker des politischen Denkens. Bd.2. Von John Locke bis Max Weber, München, 2001, S. 65.

[4] Rousseau, Jean-Jacques: Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den

Menschen, Stuttgart, 2003, S. 38f.

[5] ebd. S. 65.

[6] Rousseau, Jean-Jacques: Emil, S. 12.

[7] Rousseau, Jean-Jacques: Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts, Stuttgart, 2003, S. 12.

[8] Rousseau, Jean-Jacques: Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den

Menschen, S. 74.

[9] Rousseau, Jean-Jacques: Gesellschaftsvertrag, S. 5.

[10] Rousseau, Jean-Jacques: Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den

Menschen, S. 42.

[11] ebd. S.81.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Rousseaus Demokratiemodell
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten  (Gesellschaftswissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Demokratietheorien
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V25662
ISBN (eBook)
9783638282208
ISBN (Buch)
9783638901703
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rousseaus, Demokratiemodell, Demokratietheorien
Arbeit zitieren
Timo Blaser (Autor), 2004, Rousseaus Demokratiemodell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25662

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