Sexueller Mädchenmißbrauch innerhalb der Familie


Hausarbeit, 1999

15 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Gliederung

1.Was bedeutet sexueller Mißbrauch?

2. Deutungsansätze zur Erklärung des sexuellen Mißbrauches

3. Beginn und Ursachen des sexuellen Mißbrauch

4. Das Problem des Erkennens von sexuellen Übergriffen, die Signale der Mädchen und Gründe für das Schweigen

5. Auswirkungen und Folgen

Literaturverzeichnis

Sexueller Mißbrauch war sogar auch für lange Zeit ein Tabuthema in der Frauenbewegung. Die erste Selbsthilfegruppe entstand durch eine Initiative einiger betroffenen Frauen.Sie hatten Erfahrungen mit anderen Selbsthilfegruppen in den USA gesammelt. Dieses Beispiel half auch anderen Betroffenen ihr Schweigen zu brechen und mit ihren traumatischen Erlebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Durch die Selbsthilfegruppen sehen die Betroffenen, daß auch andere damit Erfahrungen gemacht haben und können somit Unterstützung und Hilfe zur Bearbeitung der Probleme geben, die durch die sexuellen Übergriffe entstanden sind.

1.Was bedeutet sexueller Mißbrauch?

„Sexueller Mißbrauch von Kindern läßt sich definieren als Ausbeutung eines Kindes durch einen Erwachsenen, indem der Erwachsene das Kind als Objekt zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse benutzt. Dabei nützt der Ältere seine Macht und Autorität aus, um seine eigenen Interessen durchzusetzen“(vgl. Petra Knödel- Koch, S.10). Hierzu zählt nicht nur der vollendete Geschlechtsverkehr, sondern jede sexuell motivierende Handlung. „Darunter fallen heimliche, vorsichtige Berührungen, Exhibitionismus, Beobachtungen von Mädchen beim Waschen, Baden oder auf der Toilette, Manipulationen an den Genitalien der Mädchen, Oralverkehr und Penetration durch Vergewaltigung“(Gutjahr/Schrader, S.23). Aus medizinischer Sicht ist es ein traumatisches Erlebnis, das verbunden ist mit konkreten körperlichen Traumata und das zu psychische Sofort -, Früh - oder Spätfolgen führen kann. Der sexuelle Mißbrauch umfaßt alles, was die sexuelle Selbstbestimmung des Mädchen verletzt und zerstört. Es ist kein Problem bestimmter Randgruppen, sondern kommt in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Eine Untersuchung von 1981 ergab, daß 47,5% der Familien aus der Arbeiterschicht und 52,5% aus der Mittelschicht stammen. Nicht der soziale Status, sondern die innerfamiliäre Situation spielt eine Rolle.

Zu fast 100% sind Männer die Täter. In 50- 70% aller Fälle ist der Vater der Täter. Der Rest sind enge Verwandte, gute Bekannte, Freunde und Nachbarn. Es sind Männer jeder Altersklasse. 70 bis 90 %der Sexualopfer waren Mädchen und Frauen.

Mit der Berücksichtigung der Dunkelziffer werden 150.000 bis 300.000 Kinder pro Jahr in Deutschland sexuell mißbraucht.

In einigen Fällen sind sogar die Mütter der Mädchen während des Mißbrauchs anwesend, und versuchen ihn noch nicht einmal zu verhindern. Auch sie wollen häufig das „Geheimnis“ verbergen aus ihren eigenen Interessen. Der Mißbrauch

außerhalb der Familie wird häufiger und schneller angezeigt und wird auch härter bestraft.

Ein sicheres Indiz für sexuellen Mißbrauch innerhalb der Familie ist die Geheimhaltung, auch innerhalb der Familie, besonders der Mutter gegenüber und wird vom Täter als „kleines Geheimnis“ zwischen ihm und der Tochter betrachtet.

Der innerfamiliäre Mißbrauch findet nur selten einmalig statt. Hat der Täter nur einmal seine Hemmungen überschritten, wird er die Tat immer wieder versuchen zu wiederholen. In der Regel dauern die sexuellen Übergriffe mehrere Jahre an und sind Ausdruck von extremen Konflikten innerhalb des Familiensystems. Das Mädchen wird meist nicht nur als „Sexualpartner“ betrachtet, sondern muß auch die Haushaltsführung und die Verantwortung für die jüngeren Geschwister übernehmen. Es fühlt sich verantwortlich für den Familienerhalt, da die Eltern ihre Ehepartner- Rolle und ihre Elternrolle nicht richtig erfüllen können.

2. Deutungsansätze zur Erklärung des sexuellen Mißbrauches

Ich möchte auf drei Ansätze zur Erklärung von sexuellem Mißbrauch eingehen. Es gibt den sozialpsychologischen, den soziologisch – feministischen und den psychoanalytischen den Ansatz. Der Schwerpunkt der Analysen liegt in der Erklärung der Ursachenzusammenhänge.

Der psychoanalytische Ansatz bietet eine umfassende Auseinandersetzung mit dem sexuellen Mißbrauch an Mädchen und Frauen. Er fand seinen Ursprung in Freuds Triebtheorie. Siegmund Freud war der erste Wissenschaftler der sich mit diesem Thema beschäftigt hat.

In seinem Werk: „Zur Ätiologie der Hysterie“ von 1896 befaßte er sich mit einem Leiden, daß er vorwiegend bei Frauen aus der Mittel- und Oberschicht fand.

Bei achtzehn seiner Patienten, die an hysterischen Anfällen litten, stellte er durch die analytische Arbeit die Behauptung auf, daß sie eine oder mehrere vorzeitige

sexuellen Erfahrungen ausgesetzt waren. Er entwickelte die Verführungstheorie und erklärte die Entstehung neurotischer Symptome einerseits durch das

Nichtwiedersetzen gegen die sexuellen Wünsche der Erwachsenen und anderseits, daß die Mädchen kein eigenes Interesse an Sexualität entwickeln durften. Zu dieser Zeit war auch das Sprechen über Sexualität streng verboten. Somit war es für die meisten Opfer unmöglich, Hilfe bei Außenstehenden zu suchen.

1897 revidierte er jedoch diese Theorie und schuf eine neue Theorie und zwar die Theorie des Ödipuskomplexes, auch Triebtheorie genannt. Die Betroffenen erkennen keinen Unterschied zwischen Realität und Phantasie. Er reduzierte somit den sexuellen Mißbrauch auf sexuelle Phantasien und erreichte eine Verdeckung des gesellschaftlichen Mißstandes dem sexuellen Mißbrauch. Für den Wechsel spielten individuelle Gründe und gesellschaftliche Faktoren eine Rolle. Er konnte seine Verführungstheorie in der zeitgenössischen Wissenschaft nicht durchsetzen.

In der Öffentlichkeit wurde nicht über Sexualität geredet, auch wurden die eigenen Kinder von den Eltern nicht aufgeklärt. Jedoch herrschte in dieser Zeit auch schon eine grassierende Kinderprostitution in den großen Städten Europas. Durch die Verführungstheorie gelang es Freud die sexuelle Gewalt gegen Kinder in der Familie aufzudecken. Er sah die Doppelmoral der Männer darin, daß sie in der Öffentlichkeit ein angesehenes Auftreten haben, zu Hause aber Kindesmißbrauch durchführen. Die Doppelmoral beinhaltet einerseits die Befriedigung der sexuellen Interessen der Männer und andererseits die Unterdrückung von Mädchen und Frauen durch die Männer. Der individuelle Grund lag darin, daß er bei seinen Geschwistern ebenfalls hysterische Symptome diagnostizierte und deshalb nicht weiter forschen wollte, ob sein Vater sie sexuell mißbraucht haben könnte.

[...]

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Details

Titel
Sexueller Mädchenmißbrauch innerhalb der Familie
Hochschule
Universität Erfurt  (Sozialpädagogik)
Note
gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
15
Katalognummer
V25691
ISBN (eBook)
9783638282420
ISBN (Buch)
9783656342861
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sexueller, Mädchenmißbrauch, Familie
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagogin Eyleen Böttger (Autor), 1999, Sexueller Mädchenmißbrauch innerhalb der Familie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25691

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