Die Organisation und Durchführung von internationalen Erwachsenenbildungsprogrammen am Beispiel eines Pilotprojektes zur Alphabetisierung von ländlichen Frauen in Äthiopien


Hausarbeit, 2001
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Internationale Erwachsenenbildung
1.1. Begriffserklärung
1.2. Erwachsenenbildung in Entwicklungsländern
1.3. Dorf- und Gemeindeentwicklung
1.4. Alphabetismus in den Entwicklungsländern
1.5. Die Nichtregierungsorganisationen in Ä

2. Das Pilotprojekt
2.1. Äthiopien – Allgemeine Angaben
2.2. Das Pilotprojekt einer gemeinwesenorientierten Erwachsenenbildung
2.3. Die Notwendigkeit einer Verbesserung des Bildungsangebotes im Bereich der Erwachsenenbildung
2.4. Die Entwicklung der Arbeitsmethode für gemeinwesenorientierte Erwachsenenbildung
2.5. Rollenverteilung und Verantwortung zur Durchführung des Projektes
2.6. Die Gestaltung des Kursinhaltes
2.7. Einstellung des Personals und Ausbildung der Erwachsenenbildner
2.8. Die Planung der Durchführung
2.9. Praktische Erfahrungen bei der Durchführung
2.10. Teilnahme und Ausstiegsrate
2.11. Kosten des P

3. Ergebnisse des Pilotprojektes: Stärken und Schwächen
3.1. Feedback der ländlichen Teilnehmerinnen und ihrer Ehemänner
3.2. Feedback der Erwachsenenbildner
3.3. Befunde der Auswertung der OE
3.4. Prüfungsergebnisse der Teilnehmerinnen
3.5. Anregungen und Verbesserungsvorschläge
3.6. Z

4. L

1. Internationale Erwachsenenbildung

1.1. Begriffsklärung

Der Begriff Erwachsenenbildung wird hier im Zusammenhang mit den Entwicklungsländern als eine ausbildende und unterrichtende Einwirkung auf die Erwachsenen außerhalb des formalen Schulsystems betrachtet. Die Besonderheit in diesen unterentwickelten Ländern im Unterschied zu den Industrieländern ist, daß die Erwachsenenbildung sich dort an Menschen mit einer abgeschlossenen Schulbildung wendet, sowie an Menschen, die völlig „unausgebildet“ sind. Letztgenannte haben aus verschiedenen Gründen keinen Zugang zum formalen Schulsystem gehabt oder die Schule vorzeitig verlassen (vgl. Heidermann 1965, S. 13)

Unter Erwachsenenbildung werden alle organisierten Bildungsveranstal-tungen für Erwachsene außerhalb des formalen Schulsystems verstanden. Es gibt zwei Formen der Erwachsenenbildung in Bezug auf die Zielgruppen. Eine Form bezieht sich auf Erwachsene, die bereits eine Ausbildung erhalten haben und in der Wirtschaft, Politik und Verwaltung tätig sind. Da das jedoch nur auf eine relativ kleine Bevölkerungsgruppe in den unterentwickelten Ländern zutrifft, möchte ich diese Art der Erwachsenenbildung in meiner Arbeit außer Acht lassen und mich auf die zweite Form berufen, die sich an den Großteil der Bevölkerung richtet und hierbei die Landbevölkerung verstärkt einbezieht. Diese Form ist in den Entwicklungsländern eine typische Aufgabe der Erwachsenenbildung. An den darauf ausgerichteten Programmen sind oft auch Kinder und Jugendliche beteiligt

1.2. Erwachsenenbildung in Entwicklungsländern

Die Möglichkeiten und Mittel zur Durchführung von Erwachsenen-bildungsprogrammen sind häufig sehr begrenzt, obwohl ein großer Bedarf vorhanden ist

Die meist angewandtesten Methoden, um Erwachsenenbildung zu organisieren und zu vollziehen, sind Kampagnen mit dem Ziel, einen Großteil des Landes zu erfassen. Zwar gelingt es, die Mehrheit durch diese Kampagnen zu erreichen und Wissen relativ schnell zu vermitteln, jedoch ist diese Methodik für eine dauerhafte Entwicklung ungeeignet. So hat man bei der Durchführung von Alphabetisierungskampagnen festgestellt, daß man mit deren Hilfe nur das Interesse einer breiten Zielgruppe wecken konnte, aber Unterrichtsräume und -materialien fehlten, die Lehrkräfte nicht ausreichend qualifiziert und Kontrolle und Übungsmöglichkeiten der TeilnehmerInnen nicht gewährleistet waren

Durch die Einsicht, daß Alphabetisierung einer systematischen Arbeit bedarf, entstand die Idee, die Durchführung einer universellen Erwach-senenbildung und Entwicklung auf ausgewählte Regionen zu begrenzen. Hierbei sollen Konzeptionen für die Dorfentwicklung eine besondere Rolle spielen und sich im Entwicklungsprozeß neben der Erwachsenenbildung auch auf die Förderung von wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen beziehen

1.3. Dorf- und Gemeindeentwicklung

Die Dorf- und Gemeindeentwicklung beschäftigt sich mit umfassenden Programmen zur Entwicklung der ländlichen Gebiete der Entwicklungsländer. Hierbei sind sowohl erzieherische Maßnahmen als auch Aktionen technischer und finanzieller Bereiche inbegriffen

„Der bisher umfassendste Versuch einer universellen Erwachsenenbildung und Entwicklung unterentwickelter ländlicher Gebiete überhaupt ist in den Community Development Experimenten und Maßnahmen gemacht worden“ (Heidermann 1965, S. 66). Die Bedeutung der Maßnahmen wird daran deutlich, daß 80 % der Bevölkerung der unterentwickelten Länder auf dem Land leben (vgl. Heidermann 1965, S. 67). Ziel ist es, den Gemeinden zu helfen sowie in die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte anregend und anleitend einzugreifen

„Der häufigste Ansatz zu einer solchen Dorfentwicklung ist der Projekt-ansatz. Ein Entwicklungshelfer, ein Lehrer oder sonst eine – von außen kommende – Person haben das Dorf dazu veranlaßt, die eigenen Probleme zu diskutieren, seine Wünsche zu klären und zu entscheiden, was es selbst zur Erfüllung dieser Wünsche tun kann. Man entscheidet sich schließlich, ein bestimmtes Projekt in Angriff zu nehmen, sei es der Bau einer Dorfstraße, der Bau eines Postamtes, einer Schule oder einer Lehrerwohnung, sei es die Verbesserung der Wasserversorgung oder die Anlage von Latrinen“ (Heidermann 1965, S. 67)

Häufig wird der Erziehungsansatz zur Unterstützung des Projektansatzes mit hinzugefügt. Dieser beinhaltet die Bildung besserer Methoden im Ackerbau, in der Vermeidung von Krankheiten, in der Verbesserung der Kindererziehung etc. Die Dorfgemeinde muß die Notwendigkeit dieser Bildung erkennen, was durch den Erziehungsansatz geschehen soll, da sonst die Effektivität und Verinnerlichung dieser Programme nicht gewährleistet sind

1.4. Analphabetismus in den Entwicklungsländern

In internationalen Diskussionen beinhaltet Alphabetisierung nicht nur das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch die Erweiterung der Kenntnisse und die Stärkung des Selbstbewußtseins der Erwachsenen. Dadurch wird die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes gefördert. Wenn man von Analphabetismus spricht, kann man zwischen natürlichem und funktionalem Analphabetismus unterscheiden. Der natürliche Analphabetismus ist vor allem in den Entwicklungsländern verbreitet, denn hier hat der Großteil der Bevölkerung „keine Möglichkeit, durch schulische Bildungsmaßnahmen Schriftsprachkompetenz zu erlangen“ (Egloff 1997, S. 114). Der funktionale Analphabetismus bedeutet „(...), wenn trotz durchgeführter schulischer Bildungsmaßnahmen die erworbenen Schriftsprachkenntnisse nicht ausreichen, um sich aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen zu können“ und ist eher typisch für die Industrieländer (Egloff 1997, S. 114)

Die Statistiken der UNESCO geben für das Jahr 1980 weltweit rund 824 Millionen Analphabeten an. 1985 waren es schon 965 Millionen, aber im Jahr 1990 war ein Rückgang von 2,5 Millionen zu verzeichnen. Das vor allem Frauen davon betroffen sind, zeigt die Prozentzahl der Analphabeten 1985. So waren 21,5 % der Männer und 32 % der Frauen nicht alphabetisiert (vgl. Fuchs 1994, S.30 f). Durch Erweiterung des formalen Bildungssystem und die Alphabetisierung der Erwachsenen war eine Reduzierung der Zahlen möglich, jedoch konnte die effektive Zahl der Analphabeten angesichts des Bevölkerungswachstums nicht reduziert werden. In Afrika haben aufgrund der Bildungs- und Sozialstrukturen nur ein Bruchteil der Bevölkerung Zugang zu den Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Deshalb liegt in diesen Ländern die Analphabetenquote zischen 70 % und 90 %

Seit dem Ende des 2. Weltkrieges ist die Alphabetisierung zu einem wichtigen Thema der internationalen Konferenzen geworden. Hier spielt der geschichtliche Aspekt der Dekolonisierung der afrikanischen und asiatischen Länder eine enorme Rolle. Die Modernisierung und Entwicklung dieser Länder wurde von Europa und den USA gestützt

Schon seit dem Jahr 1946 unterstützt die UNESCO Alphabetisierungs-programme und stützt sich dabei auf folgende zwei Punkte: „1. Der Analphabetismus ist ein wichtiges Entwicklungshindernis, 2. die Alphabeti-sierung ist ein grundlegendes Recht, das in der Menschenrechtserklärung verankert ist, welche betont, daß die Unwissenheit ein Hindernis für freie Entfaltung des Individuums darstellt“ (Fuchs 1994, S.29)

1.5. Die Nichtregierungsorganisationen in Äthiopien

In den Entwicklungsländern gibt es neben den staatlichen Organisationen eine Reihe von nichtstaatlichen Organisationen, den NRO (Nichtregierungsorganisationen). Ihre Aufgaben sind u.a. Nothilfe, Wiederaufbau und Entwicklung. Zu Beginn der 70er Jahre gründeten sich in Äthiopien die ersten NRO, die sich der sozialen Wohlfahrt und Entwicklung verschrieben haben. Fast drei Viertel aller NRO sind Wohlfahrts-organisationen. 1984/85 engagierten sich aufgrund der großen Dürre und der Hungersnot zahlreiche internationale Organisationen im Rahmen von Nothilfeprogrammen und sind in erster Linie auch heute noch in den von Dürre betroffenen Gebieten tätig. Etwa ein Viertel der NRO sind in Entwicklungsbereichen tätig, wie Landwirtschaft, Erosionsbekämpfung, soziale und technische Infrastruktur, Einkommen schaffende Maßnahmen durch Ausbildung und Gewährung von Krediten etc. Seit Anfang der 90er Jahre engagieren sich zunehmend mehr Organisationen im Bereich der langfristigen Entwicklung

250 registrierte NRO zählte man 1995 in Äthiopien, die sich mit Hilfs-, Aufbau- und/oder Entwicklungsprogrammen befassen. Davon sind etwa 20 % einheimische und 80 % internationale NRO. Weiterhin hatten 1995 die ersten wenigen Organisationen mit Projekten, meist Pilotvorhaben, begonnen, die auf eine langfristige Entwicklung zielten. Die Erfahrungen der NRO von solchen Entwicklungsvorhaben waren zu dem Zeitpunkt also noch gering

Die NRO lassen sich in ihrer Tätigkeit und Ausführung bei solchen Projekten nur schwer einschätzen, und Stärken wie Schwächen werden meist nur bei der direkten Zusammenarbeit deutlich (vgl. http://www.iiz-dvv.de)

„Folgende Probleme konnten als Haupthindernisse der NRO-Arbeit identifiziert werden:

- Mangel an finanziellen Mitteln
- Abhängigkeit von externer Finanzierung
- Mangel an qualifiziertem Personal
- Probleme mit der Zentralregierung (Bürokratie und Kontrolle)
- Mangelnde Organisationsfähigkeit
- Mangelnde Professionalität
- Politisierung
- Mangelnde Transparenz“ (http://www.iiz-dvv.de)

Der Vorteil der einheimischen NRO liegt jedoch darin, daß sie, da aus einer bestimmten Region stammend, besser die jeweiligen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten berücksichtigen können

Die Aktivitäten der NRO sind in Äthiopien sehr ungleichmäßig verteilt. So sind im Norden des Landes zahlreiche Organisationen tätig, die nicht nur ein relativ großes Gebiet abzudecken haben, sondern auch eine große Anzahl von Problemen zu bewältigen haben. Diese Probleme fordern eine intensive Auseinandersetzung und sind daher nicht kurzfristig mit sichtbarem Erfolg zu lösen

Die Aktivitäten der Organisationen überschneiden sich kaum, da einerseits einzelne Organisationen ihre Tätigkeiten regional aufteilen und andererseits ein regionales Komitee in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachministerien dazu berufen wurde, die Aktivitäten und Vorgehensweise zu koordinieren und in Einklang zu bringen

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Organisation und Durchführung von internationalen Erwachsenenbildungsprogrammen am Beispiel eines Pilotprojektes zur Alphabetisierung von ländlichen Frauen in Äthiopien
Hochschule
Universität Erfurt  (Erwachsenenbildung)
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V25693
ISBN (eBook)
9783638282444
ISBN (Buch)
9783656342458
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
vorwiegend basiert die Hausarbeit auf einer Übersetzung des origanals von: ABRAHAM, M.: The development and piloting of a replicable methodology for village based adult education in Meket Woreda, North Wollo, Region 3, Ethiopia. Addis Ababa 1997 - Eine Zeitschrift die dort veröffentlicht wurde
Schlagworte
Organisation, Durchführung, Erwachsenenbildungsprogrammen, Beispiel, Pilotprojektes, Alphabetisierung, Frauen
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagogin Eyleen Böttger (Autor), 2001, Die Organisation und Durchführung von internationalen Erwachsenenbildungsprogrammen am Beispiel eines Pilotprojektes zur Alphabetisierung von ländlichen Frauen in Äthiopien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25693

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