Entwicklungstendenzen des Digitalen Fernsehens


Diplomarbeit, 2001
143 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Allgemeine Einführung
2.1. Digitales Fernsehen – Fakten und Problemkreise

3. Technik für die Übertragung des Digitalen Fernsehens
3.1. Einführung
3.2. Schema eines digitalen Fernsehsystems:
3.3. Telefonkabel/ XDSL-Standardfamilie, wie z. B. T-DSL (oder auch ADSL)
3.4. Satellit
3.5. Kabelnetze (BK-Netze)
3.5.1. Aufbau der Kabelnetze
3.5.2. Basiszahlen des Kabelnetzes
3.5.3. Ausbaubeispiel Leipzig
3.5.4. Ausbaubeispiel Berlin
3.5.5. Testprojekt in Lauchhammer/ Sachsen
3.5.6. Bertelsmann-Feldversuch in Köln – BBG Beta
3.6. Stromkabel/ Powerline (PLC)
3.6.1. Weitere technische Ausführungen zu PLC
3.6.2. Elektrische Störfelder durch Powerline
3.6.3. Fazit
3.7. Richtfunk = Wireless Local Loop (WLL)
3.8. UMTS
3.8.1. Wie sieht der Migrationspfad von GSM auf UMTS aus?
3.8.1.1. GPRS und HSCSD – Die zweite Generation
3.8.1.2. UMTS – Milliardenausgaben und Zweifel an der Wirtschaftlichkeit
3.8.1.3. Die UMTS-Lizenzversteigerungen und deren Auswirkung auf die Finanzmärkte
3.9. LMDS
3.10. Zusammenfassung

4. Komprimierungsformate
4.1. MPEG – allgemeine Leistungsdaten
4.2. MPEG 4
4.2.1. Zielsetzungen
4.2.2. Das Modell
4.2.3. MPEG 4: Ein typisches Beispiel
4.3. DivX;-)

5. DVB - Grundlagen
5.1. Technische Grundlagen
5.1.1. DVB-Standards 4
5.1.2. Allgemeines zum Multiplexing
5.1.2.1. Frequenzmultiplexing
5.1.2.2. Zeitmultiplexing 4
5.1.3. MPEG I und MPEG II
5.2. Digitale Signalübertragung via DVB
5.3. DVB-T - Terrestrische Signalübertragung
5.3.1. Einführung
5.3.2. Zuschaueransprüche an das Neue Digitale Fernsehen
5.3.3. Technische Aspekte
5.3.4. Datendienste via DVB-T
5.3.5. Abschätzung der erzielbaren DVB-T Versorgung
5.3.6. Pilotprojekte für terrestrisches Digitalfernsehen (DVB-T)
5.3.7. Untersuchungsergebnisse

6. Streaming Media
6.1.1. Marktpotentiale Streaming Media
6.1.2. Real Media
6.1.3. Windows Media Technologie
6.1.4. Quicktime

7. WebTV

8. Decoder/ Set-Top-Boxen
8.1. Technik/ Technologie
8.1.1. Common Interface (CI)
8.1.2. Application Programming Interface (API)
8.1.3. Receiverarten
8.2. Conditional Access-Systeme ( CA-Systeme )
8.2.1. Irdeto und Betacrypt
8.2.2. Seca (auch „Mediaguard“)
8.2.3. Conax
8.2.4. Viaccess
8.2.5. Videoguard
8.2.6. Nagravision
8.2.7. Cryptoworks
8.3. Verschlüsselungsmodi – Multicrypt und Simulcrypt
8.4. Betriebssysteme
8.4.1. Multimedia Home Platform (MHP)
8.4.2. OpenTV
8.4.3. betaNova
8.5. Die d-Box
8.6. Met@box
8.6.1. BOT (Broadcast-Online TV)
8.7. Free Universal Network „F.U.N.“

9. Digitale Märkte - Zahlen und Statistiken
9.1. Ausgangsposition
9.1.1. Chancen
9.2. Der Pay-TV-Markt
9.2.1. Aktuelle wirtschaftliche Situation des Pay-TV-Marktes
9.2.2. Das Free-TV als Konkurrenz zum Pay-TV
9.2.3. Der Neue Content
9.2.4. Video on Demand
9.2.5. Wirkungsmechanismen auf den Erfolg von Pay-TV in Deutschland
9.2.6. Finanzierungs- und Marktpotentiale
9.3. Die potentielle Zielgruppe
9.3.1. Technische Basis 8
9.3.2. Die Interessen des Publikums
9.3.3. Das Zeitbudget des Publikums
9.3.4. Alter und Zahlungsbereitschaft des Publikums
9.3.5. Interaktivität vs. Couchpotato
9.4. Kosten für Programmanbieter
9.4.1. Lizenzkosten
9.4.1.1. Beispiel: Spielfilmrechte
9.4.1.2. Beispiel: Sportrechte
9.4.2. Verbreitungskosten

10. Ausgewählte Player im Digitalen Fernsehmarkt
10.1. Programmanbieter (Deutschland)
10.1.1. PREMIERE WORLD
10.1.1.1. Rückblick
10.1.1.2. Aktueller Stand
10.1.1.3. Struktur des Kirch Konzerns bzgl. Premiere World
10.1.1.4. Das Programmbouquet
10.1.1.5. Verwertungskette von Inhalten im Kirch Konzern
10.1.2. Kirch New Media AG
10.1.3. Bertelsmann AG
10.2. Programmanbieter (International)
10.2.1. BSkyB (England)
10.2.2. Telepiu (Italien)
10.2.3. Canal Plus (Frankreich)
10.3. Kabelnetzbetreiber
10.3.1. Deutsche Telekom AG
10.3.2. Telecolumbus 1
10.3.3. Primacom AG
10.3.4. UPC
10.3.5. Klesch
10.3.6. Callahan Associates International
10.4. Satellitenbetreiber
10.4.1. ASTRA
10.4.2. EUTELSAT

11. Äußere Einflussfaktoren auf den Markt
11.1. Die Rolle der Wohnungswirtschaft
11.2. Politisch-rechtliche Rahmenbedingungen
11.3. Verträglichkeit zwischen Funk- und Kabelanlagen

12. Interaktives Fernsehen

13. Ausblick und Fazit

14. Anhang – Chronologie 1

15. Quellenverzeichnis
15.1. Print
15.2. Web

2. Allgemeine Einführung

2.1. Digitales Fernsehen – Fakten und Problemkreise

Die Digitalisierung des Fernsehens wird aller Voraussicht nach großen Einfluss auf Menschen und Märkte haben. Durch die Kombination von Kompressions- und Multiplex-Techniken wird eine größere Anzahl empfangbarer Programme und (Informations-)Dienste, mit weitaus größerem Funktionsumfang wie es der jetzige Videotext erlaubt, möglich.

Der Zuschauer, oder besser der Nutzer, benötigt dafür ein entsprechendes Empfangsgerät, das das verschachtelte Signal handhaben kann und nutzbar macht. Die bekannteste Form dieser Geräte ist die Set-Top-Box, die aber mit Sicherheit in einiger Zukunft von integrierten, vielleicht auch modularen Lösungen ähnlich einem PC, abgelöst wird.

Auch das Rezeptionsverhalten der Nutzer wird sich verändern. Neue Dienste, die örtlich und zeitlich unabhängig genutzt werden können, werden bereits in Pilotprojekten realisiert. Märkte, insbesondere im Bereich der Content- und Anwendungserstellung, werden sich festigen und neu formieren. Der E-Commerce-Bereich, der über das Internet mittlerweile gerade im Bereich des Business-to-Consumer-Segments als wenig erfolgversprechend für den Massenmarkt galt, könnte mit dem Erreichen der Wohnstuben seinen eigentlichen Durchbruch erleben.

Der Fernseher, wenn er denn dann noch so heißt, wird zur Informations- und Kommunikationszentrale und ermöglicht zusätzlich zur zweifelsfrei weiter bestehenden und gewünschten passiven Unterhaltung gleichermaßen aktive Möglichkeiten der Mediennutzung. Dieser augenscheinlich verheißungsvollen Zukunft stehen durchaus Problemkreise gegenüber. Mehr Programme müssen sich eine gleichbleibende Anzahl von Fernsehhaushalten teilen. Das heißt, dass die Werbepreise, die sich heute im Free-TV schon nahe der Schmerzgrenze für die Industrie befinden, wohl keine wesentlichen Erhöhungen mehr zulassen. Im gleichen Atemzug ist jedoch sehr fraglich, ob die Preise für attraktive Programminhalte ebenfalls irgendwann wieder sinken werden. Im Moment ist das genaue Gegenteil der Fall. Wandern diese Angebote also ins Pay-TV ab oder wird es differenzierte Modelle geben, bei denen nur einzelne Sendungen dem Zuschauer einen Obolus abverlangen werden? Inwieweit er jedoch, vom deutschen Free-TV doch so verwöhnt, bereit ist dafür zu zahlen, ist fraglich. Nach bisherigen Erkenntnissen lehnen das ca. zwei Drittel der Bevölkerung dies kategorisch ab.

Liegt die Lösung also in neuen Werbeformen, wie z. B. interaktiven Spots? Will wirklich eine ausreichende Anzahl von sogenannten „Viewsern“ die Tagesschaukrawatte eines Herrn Wickert per Klick oder wie auch immer frei Haus geliefert haben?

Skeptiker werden, wie bei der „Revolution durch das Internet“, wieder ihre Vereinsamungs- und Abstumpfungstheorien überarbeiten und alle Alarmglocken läuten lassen.

Fakt ist jedenfalls: das digitale Fernsehen und seine Dienste werden kommen. Dieser Weg wird von der Industrie forciert und vom Gesetzgeber vorgezeichnet.

Das Bundeskabinett beschloss am 24. August 1998 auf Empfehlung der Initiative Digitaler Rundfunk (IDR) die herkömmliche terrestrische analoge Ausstrahlung der Fernsehübertragung bis zum Jahre 2010 komplett auf die neue digitale Sendetechnik umzustellen.

Damit wird das bislang recht begrenzte Programmangebot von 3 bis 6 Sendern auf ca. 18 bis 24 empfangbare TV-Sender, sowie weitere Radioprogramme und Datendienste ermöglicht, ohne dass in Zukunft noch eine Antenneninstallation auf dem Dach notwendig sein wird.

Wesentliche Gründe dafür sind u.a.:

- Je nach Kompressionsstufe kann eine höhere Bildqualität bei geringerem Bandbreitenbedarf erzielt werden. Außerdem ist eine bessere Tonqualität mit vielen Kanälen für Mono, Stereo, Surround-Sound und Effekte, sowie die Übertragung mehrsprachiger Dienste, erzielbar.
- Eine Parallel-Übertragung ermöglicht den gemeinsamen Transport von Fernseh-, Hörfunk-, Computerdaten und beliebigen anderen Diensten.
- Es ergibt sich eine bessere Auslastung vorhandener Sendefrequenzen, d. h. höhere Programmvielfalt, neue Kapazitäten für mobile und portable Dienste und Anwendungen, wie z. B. in der Verkehrstelematik und –navigation.

3. Technik für die Übertragung des Digitalen Fernsehens

3.1. Einführung

Bewegtbildübertragungen benötigen eine hohe Bandbreite, die die bisherigen Internet-Zugangs- techniken überfordern. Die Industrie sucht fieberhaft nach Alternativen, die in recht unterschiedliche Richtungen gehen und letzten Endes wohl komplementär und den jeweiligen Umständen entsprechend zum Einsatz kommen werden.

Mit dem alt bekannten analogen Telefonanschluss sind derzeit nur Übertragungsraten bis zu 56 kBit/s realisiert und selbst diese Geschwindigkeit wird gerade mal im Idealfall erreicht, nämlich nur dann, wenn der angesprochene Server und alle zwischengeschalteten Leitungswege und Rechner den Nutzern diese Datenrate auch zugänglich machen können. Immerhin ist dies derzeit noch die preiswerteste Alternative, die fast jedem den Einstieg in die digitale Welt ermöglicht.

Auch ein ISDN-Anschluss, der Übertragungsraten bis zu 64 kBit/s bzw. 128 kBit/s bei Kanalbündelung erreicht, stößt bereits bei der Übertragung briefmarkengroßer Videos bzw. Bewegtbildanwendungen an seine Grenzen und stellt alles andere als eine Alternative dar. Etwa 9 Prozent aller Telefonhaushalte verfügen derzeit über einen ISDN-Anschluss.1

Im Vergleich zur analogen Sendetechnik, kommen bei der digitalen Signalübertragung einige Schritte hinzu, bis das Programm oder der Dienst gesendet und beim Kunden empfangen werden kann. Diese Schritte soll nachfolgendes Schema verdeutlichen:

3.2. Schema eines digitalen Fernsehsystems:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 1: Schematische Struktur eines integrierten digitalen Fernseh- und Kommunikationssystems nach SCHRAPE, KLAUS: Prognos AG; Basel

3.3. Telefonkabel/ XDSL-Standardfamilie, wie z. B. T-DSL (oder auch ADSL)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 2: Internet-Zugang via DSL (aus Screen MM 11/2000)

AAADDSL (Asssyymmmmeettriiiccc Digital Subscriber Line)))::: Die Ursprünge der ADSL- Technologie liegen im Jahre 1987, wo das Unternehmen Bellcore an einem Standard arbeitete, der Video on demand über eine normale Kupferdoppelader ermöglichen sollte. Aber erst nach der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes 1996 fand die Branche Interesse an der Technologie.

Die bekannten analogen Modems nutzen nur den für Sprache geeigneten Frequenzteil des Kupferkabels bis 4 kHz und somit nicht dessen volle Bandbreite. Genau hier liegt der Ansatz für die xDSL-Technologien, die auch höhere Frequenzbereiche nutzen. Dabei wird die Leitung in 3 Kanäle getrennt. Ein Kanal überträgt, wie bisher die Pots, die „Plain Old Telephone Services“, also den herkömmlichen analogen Telefondienst. Ein zweiter Kanal ist für den Upstream reserviert und stellt so die Datenübertragung vom Endkunden zum Provider sicher. Kanal drei ist entsprechend für den Downstream gedacht, d. h. er bringt die Daten vom Provider zum Endkunden. Meist sind diese Aufteilungen asymmetrisch. Das bedeutet, dass der Downstream über eine größere Bandbreite, als der Upstream verfügt, denn in den meisten Fällen ist die Datenmenge, die pro Zeiteinheit vom Kunden zum Provider fließt, um ein Vielfaches kleiner als die, die er von seinem Provider empfängt. Aufgrund auftretender Bandbreitenverluste bei weiten Entfernungen zwischen Sender und Empfänger bezeichnet man diesen Standard auch als „Last Mile Technologie“.

ADSL stellt in Richtung Teilnehmer bis zu 8 Mbit/s und Rückkanal in mehrfacher ISDN- Geschwindigkeit zur Verfügung. Dazu ist die Aufrüstung des doppeladrigen Telefonkabels nötig, aber auch vergleichsweise kostengünstig über entsprechende Umwandler in lokalen Verteilerstellen zu realisieren. Auf Teilnehmerseite kommt ein spezielles ADSL-Modem zum Einsatz. Entscheidend für die Qualität ist die Entfernung zur Verteilerstelle. Bei größeren Entfernungen treten Bandbreitenverluste auf. Ein weiteres Problem stellen Störeinflüsse durch eine mangelnde Abschirmung dar, da die vorhandenen Leitungen ursprünglich nur für niedrige Frequenzen gedacht waren. Mit der ADSL-Technologie ist eine Übertragung von Filmen in VHS- Qualität möglich.

Die nächste Ausbaustufe des ADSL wird derzeit unter dem Namen VDSL untersucht.

Diese Technologie soll ebenfalls asymmetrisch sein und Downloadraten bis zu 52 Mbit/s erreichen, benötigt dafür allerdings ein Hybridnetz, das sich aus Glasfaser- und Kupferleitungen zusammensetzt. Nur die letzten 300 Meter zum Kunden dürften dann noch aus Kupfer bestehen.

Deutsche Telekom mit T-DSL (= ADSL-Dienst im Regelbetrieb):

Bis Ende 2000 soll in ca. 200 Städten, vornehmlich in Westdeutschland, T-DSL verfügbar sein, was ca. 60 Prozent der deutschen Haushalte entspricht.

T-DSL richtet sich an Privatkunden und stellt eine Bandbreite von 768 kBit/s für den Datenempfang und 128 kBit/s zum Senden zur Verfügung. Damit ist es in seinen eigentlich technisch erzielbaren Leistungen stark eingeschränkt. Geschäftskunden können gegen einen erheblichen Aufpreis auch größere Bandbreiten ordern. Bereits Ende Februar 2000 verzeichnete die Telekom nach eigenen Angaben 100.000 Interessenten und 10.000 angeschlossene Kunden.

Bis Jahresende 2000 sollen laut Geschäftsbericht des 3. Quartals ca. 500.000 T-DSL-Anschlüsse vermarktet sein.2

Von Kritikern befürchtete Bandbreitenprobleme scheinen dabei kaum eine Rolle zu spielen. So baut sowohl die Telekom selbst ihre Backbones, also auch Kooperationspartner, von denen Leitungskapazitäten gemietet werden, ihre Netze trotz konkurrierender Technologien weiter aus.

3.4. Satellit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 3: Internetzugang via Satellit (aus Screen MM 11/2000)

Die Satellitentechnik liegt auf Platz 2 bezüglich ihrer Verbreitung. Nach Angaben des AGF/GfK-Ferseh-Panel (Methodenbericht 03/2000) empfangen ca. 36 Prozent , also ca. 10,81 Mio. Haushalte, Satellitensignale. Dabei sind die, die Sat-Empfang über eine Kopfstelle beziehen, noch nicht berücksichtigt.3

Derzeit überwiegt mit Abstand noch der analoge Empfang, obwohl ASTRA und Eutelsat bereits seit Jahren digitale Programme ausstrahlen. Satelliten-Transponder können auch für über IP übertragene Daten große Bandbreiten zur Verfügung stellen. Ein ASTRA-Transponder auf 19,2° Ost bietet z. B. eine Kapazität von 38 Mbit/s. Diese wird allerdings auf die jeweilige Anzahl der Downloads geteilt, also liegt sie z. B. bei 100 Nutzern nur noch bei 380 kbit/s, was aber immerhin noch einer 6-fachen ISDN-Geschwindigkeit entspricht.

Sowohl Eutelsat, als auch ASTRA sind mit einem eigenen Providerservice derzeit am Markt.

Je nach garantierter Bandbreite werden Pakete zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Dabei dient die Satellitenverbindung ausschließlich zum Empfang der Daten, also der Übermittlung des Datenstroms vom Server zum Nutzer. In umgekehrter Richtung muss noch das herkömmliche Telefonkabel oder eine andere "irdische“ Verbindung dienen. Zwar gibt es bereits Technik, die auch einen Rückkanal zum Satellit anbietet, allerdings ist die erforderliche Hardware für den Consumer-Markt mit ca. 5000 DM noch zu teuer.

Beide Dienste fallen allerdings in letzter Zeit durch immer wieder auftretende technische Probleme im Praxisbetrieb eher durch Negativschlagzeilen auf. So beeinträchtigt z. B. die Laufzeit zum geostationären Satelliten den Datenaustausch in Echtzeit. Daher schätzen Experten der Bertelsmann Broadband Group das Zukunftspotential von Internetproviding via Satellit als eher gering ein. Für die Zukunft sind weitere Investitionen im Satellitenbereich geplant. Dabei konkurrieren momentan zwei Ansätze:

Variante 1 verwendet wie bisher geostationäre Satelliten, wie sie heute bereits im Einsatz sind. Allerdings treten dabei momentan Schwierigkeiten bei der Echtzeitkommunikation auf, die erst noch gelöst werden wollen.

Variante 2 geht von einem Satellitennetz von ca. 400 Satelliten in 1500 km Höhe aus, die die Erde wie ein Netz umkreisen sollen. Dieser Ansatz bedingt beim Anwender, aufgrund der geringeren Höhe der Satelliten, intelligent gesteuerte Antennen, die den Satellitenbahnen folgen können.

Die Investitionen, die für ein solches globales Satellitennetzwerk nötig wären, werden von Experten auf 4 bis 10 Milliarden Dollar geschätzt. Allerdings könnte dieses System auch mehrere 10 Mio. Kunden weltweit mit Breitbanddiensten versorgen, und die Kosten pro Kunde könnten so auf wenige hundert Dollar sinken. Der Kunde seinerseits müsste in die entsprechende Empfangsanlage investieren, von der die erwähnte bewegliche Sat-Schüssel mit geschätzten 500 bis 1000 Dollar das wohl teuerste Element wäre. Die erzielbaren Übertragungsraten würden bei ca. dem zwölffachen der ADSL-Raten liegen. Den entscheidenden Anreiz für ein solches System könnte der Wettbewerb liefern. Sollte es auch in Zukunft so bleiben, dass es weit mehr Firmen gibt, die Breitbanddienste anbieten wollen, als bodengestützte Übertragungsmöglichkeiten vorhanden sind, würde sich ein solches System für den Betreiber mit hoher Wahrscheinlichkeit auszahlen. Entsprechenden ersten Marktforschungen zufolge könnte man damit ca. 15 bis 20 Prozent Marktanteil erreichen.

Derzeit kämpfen 2 Dienste um die Gunst der Kunden.

Tabelle 1: Anbieter von Sat-Internet-Zugängen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Vermarkter von Sat-Internet-Zugängen (aus PC-Professionell 12/2000)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.5. Kabelnetze (BK-Netze)

3.5.1. Aufbau der Kabelnetze

Obwohl man immer nur von „dem Kabelnetz“ spricht, gliedert es sich doch vielmehr in viele kleine Kabelinseln. Das nationale Kabelnetz besteht aus jeweils selbstständigen und in sich abgeschlossenen Kabelnetzen. Diese verfügen über eine eigene Kopfstelle, an der die einzuspeisenden Programme per terrestrischer Antenne, und/oder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 4: Internet-Zugang via BK-Kabel (aus Screen MM 11/2000)

Satellitenantenne empfangen und auf entsprechende Kabelkanäle umgesetzt werden. Gerade an kleineren Kopfstellen werden nicht alle Programme selbst empfangen, sondern teilweise auch per Richtfunk oder Glasfaserleitung von einer größeren Kopfstelle der näheren Umgebung zugespielt.

Das bestehende TV-Kabelnetz ist ein hierarchisch strukturiertes Baumnetz. Dieses erstreckt sich von der Kopfstelle, wo die Programmsignale empfangen werden, über Verteilerstrecken und Zwischenverstärker bis hin zum Hausübergabepunkt. Dieser befindet sich meist im Keller oder an der Außenwand eines Hauses.

Das Kabelnetz ist in folgende Netzebenen unterteilt:

Tabelle 3: Netzebeneneinteilung des Kabelnetzes 1 (Quelle: Galaxis Kabelbackgrounder, www.galaxis.de)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gelegentlich wird bei der Aufteilung in Netzebenen bereits der Signalweg zwischen Produktionsstudio und Kabelkopfstelle mit einbezogen. Dann ergibt sich folgende Aufteilung:

Tabelle 4: Netzebeneneinteilung des Kabelnetzes 2 (Quelle: Galaxis Kabelbackgrounder, www.galaxis.de)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.5.2. Basiszahlen des Kabelnetzes

Der deutsche Breitbandkabelmarkt zählt weltweit zu einem der Größten. Von den insgesamt 39 Mio. Wohnungen in Deutschland können rund zwei Drittel, nämlich 25,8 Mio. Wohneinheiten, angeschlossen werden. Ende 1999 nutzten dies tatsächlich ca. 17,8 Mio. Haushalte. Das entspricht ca. 69 Prozent. Es ist anzunehmen, dass in den Bundesländern, mit geringerer Einwohnerdichte, der Anteil tatsächlich angeschlossener Einheiten etwas geringer sein wird, als der Durchschnitt in eher städtisch gelagerten Gebieten, da hier die Installation eine Sat-Schüssel unproblematischer sein dürfte. Der Kabelzugang hat mit 56 Prozent aller Fernsehhaushalte in Deutschland vor dem Satellit mit 36 Prozent die größte Verbreitung.4

Insgesamt sind die Zuwachszahlen an Neukunden der BK-Netzanbieter zwar noch steigend, aber in den letzten Jahren mit stetig sinkender Tendenz.

Tabelle 5: Anschließbare Wohneinheiten aufgeschlüsselt nach Bundesländern (Quelle: INFOSAT 9/2000)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nachdem 1999 ein einheitlicher europäischer Kabelmodemstandard verabschiedet wurde, haben Kabelnetzbetreiber nun auch eine gewisse Investitionssicherheit bezüglich der Umrüstung ihrer Netze.

Bei entsprechendem Ausbau und der Rückkanalfähigkeit sind dann auch interaktive Dienste, wie Highspeed-Internet, Homebanking, Homeshopping, Telefonie u. a. möglich. Dabei muss jedes Kabelnetz für sich allein aufgerüstet werden. Die bisherigen Leitungen können in den meisten Fällen weiterverwendet werden, es bedarf lediglich des Austauschs der Zwischenverstärker.

Probleme können hier nur bei Anlagen, die über 20 Jahre und älter sind, auftreten.

Die Kosten sind relativ günstig und werden pro Wohnungsanschluss auf durchschnittlich 30 bis 250 DM geschätzt. Hierbei werden die passiven Bauelemente in den Übergabepunkten (sprich Keller/Außenwand ... ) ersetzt und durch das Kabelnetz ferngespeist.

Auf Ebene 4 (NE 4) des Kabelnetzes, also der Verteilung bis in die Haushalte, liegt derzeit eine zersplitterte Struktur von mehr als 1000, meist kleineren Unternehmen, vor. Nur wenige von ihnen, wie Telecolumbus, Bosch Telecom oder UPC, kommen auf 1 Mio. und mehr angeschlossene Haushalte.

In der digitalen DVB-C Norm verfügen Kupfer-Koaxialkabel über eine Bandbreite von ca. 40 Mbit/s, wobei man im Alltagseinsatz wohl nur ca. 1 bis 10 Mbit/s anbieten wird.5

Bidirektionale Kabelnetze nach heutigem Standard sollen in der Regel über eine Bandbreite von 5 bis 862 MHz verfügen, wobei die gesamte Übertragungsbandbreite in einen Verteilweg (Downstream) von der Kopfstelle zum Teilnehmer mit 80 bis 862 MHz, und einen Rückweg (Upstream) mit 5 bis ca. 55 MHz aufgeteilt wird. Die für interaktive Dienste zur Verfügung stehende Rückkanal-Bandbreite wird von allen Teilnehmern, die vom selben Knotenpunkt (Fibre Node, FN) aus versorgt werden, gemeinsam genutzt. Der Rückkanal beginnt bei 4 MHz und erstreckt sich je nach bestückter Rückkanalweiche bis 30, 55 oder 65 MHz. Entsprechend beginnt der Vorwärtszweig bei 47, 73 oder 86 MHz. Dies bedeutet, dass bei einem erweiterten Rückkanalkonzept zukünftig das VHF-Band I (47-68 MHz) für die Übertragung in Vorwärtsrichtung entfällt.6

Der weltweit erste Pilotversuch mit rückkanalfähigen Breitbandkabelzugängen wurde 1994 von Time Warner in Florida durchgeführt, aber bald darauf als Misserfolg gewertet und abgebrochen. Es gibt bereits verschiedene (Pilot-)Projekte in Deutschland, in Städten wie Köln und natürlich Leipzig, wo Breitbandkabelnetze bereits erprobt bzw. vermarktet werden.

Die wichtigsten Anbieter solcher Dienste sind in Tabelle 6 aufgelistet.

Tabelle 6: Anbieter von BK-Zugängen (Quelle:PC-Professionell 12/2000)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.5.3. Ausbaubeispiel Leipzig

Die PrimaCom AG mit Firmensitz in Mainz will die gesamte Messestadt mit einem Glasfaser- und Breitbandkabelnetz versorgen. Für monatliche Pauschalen ab derzeit ca. 40 DM kommen dann Nutzer in den Genuss der hohen Übertragungsraten, Fernsehen und Telefonie. PrimaCom wird seine anderen Kabelnetze zügig für die neue Hybrid-Glasfaser-Koax-Technik7 um- und aufrüsten. Durch den Kauf 3 weiterer Kabelnetzbetreiber verfügt PrimaCom derzeit in der Region Sachsen/ Sachsen-Anhalt/Thüringen über ca. 510.000 Kunden, was einem Marktanteil von 28 Prozent entspricht. Bisher hat das Unternehmen laut einer Pressemeldung vom 06.11.2000 ca. 50 Mio.

Euro in die Aufrüstung des sächsischen Kabelnetzes investiert.

Auch die Telekom Tochter KabelDeutschland GmbH wurde in den letzten Monaten in Leipzig aktiv, und plant, den Abschluss der flächendeckenden Umrüstung ihrer Kundenanschlüsse im Stadtgebiet bis Ende des Jahres 2000.

3.5.4. Ausbaubeispiel Berlin

Die Deutsche Telekom hat die Erweiterung seines Berliner Kabelnetzes beschlossen. In Kooperation mit privaten Netzbetreibern soll für 600.000 Wohneinheiten ein HFC-Netz (hybrides Glasfaser-/Koaxialnetz) realisiert werden. Bis Mitte 2000 soll die Aufrüstung abgeschlossen und 20.000 Haushalte rückkanaltauglich gemacht worden sein.

3.5.5. Testprojekt in Lauchhammer/ Sachsen

Teilnehmer des Pilotversuchs waren die Lausitzer Kabelbetriebs GmbH, innoka und TeleGlobal. Der Sprecher berichtete auf der FRK-Fachtagung8 von großen Organisationsproblemen bei den Umbauarbeiten. So war es nicht möglich, tagsüber die Kabelverbindungen zu den TV-Haushalten einfach zu unterbrechen, sodass zwischen 3 und 7 Uhr nachts gearbeitet werden musste.

Die zentrale Frage des Pilotprojektes war, ob das Spektrum an sogenannten Power-Usern reichen würde, um eine vernünftige Finanzierung zu erzielen.

Dies wurde differenziert bewertet. Immerhin circa 15 Prozent der rückkanalfähigen Haushalte hatten bei einem vernünftigen Preis hohes Interesse an den neuen Services.

Die technischen Erfahrungen waren sehr positiv. So schafften 80 Prozent der Endkunden die Installation der Technik allein und nur bei 1 bis 3 Prozent musste ein Techniker vorbeischauen. Größere Probleme bereiteten Firmenkunden, gerade hinsichtlich der Einrichtung einer Firewall. Hier blieb die Frage, wer dieses Know-how anbieten könnte ungeklärt.

Die finanziellen Vorleistungen für die Kabelnetzbetreiber waren nach eigenen Aussagen immens. Allein für die Bereitstellung einer 34 Mbit-Leitung durch die Deutsche Telekom AG war ein Betrag von 25.000 DM fällig.

3.5.6. Bertelsmann-Feldversuch in Köln – BBG Beta

Im April 2000 starteten Feldtests mit interaktivem TV in rückkanalfähigen Kabelnetzen in 10 deutschen Großstädten. Der Zugang ist aber momentan nur über das Endgerät PC möglich, da noch keine entsprechenden Set-Top-Boxen verfügbar sind. Im Unterschied zu anderen Versuchen ruft der Zuschauer Angebote individuell über eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung ab. Dabei können abgerufene Sendungen, Beiträge, Musikclips und Services von unterschiedlichen Anbietern stammen. Eine thematisch gegliederte Nutzeroberfläche und Navigation über Fernbedienung erleichtert die Auswahl. Email, Online-Shopping und –banking, sowie der Direktzugang ins Internet sind im Angebot der BBG9 berücksichtigt.

Die Refinanzierung soll über eine relativ niedrige Grundgebühr, die etwa 10 DM monatlich für den BBG-Beta-Kanal-Zugang beträgt, erfolgen, sowie über Pay per view-Einnahmen und Transaktionsgebühren von E-Commerce ergänzt werden.

Aktueller Verlauf des Versuchs

Die Beta-Tester werden kostenlos mit Hardware und Breitbandzugang in Zusammenarbeit mit NetClogone ausgerüstet und im Laufe des Tests telefonisch von Bertelsmann-Betreuern interviewt. Den Nutzern steht zum Beispiel ein „virtuelles Film-Archiv“ zur Verfügung, in dem er „Die Hits der Busenqueen“, „Ratgeber Lust“ oder „Rennschwein Rudi Rüssel“ abrufen kann.

Im aktuellen Praxisbetrieb tauchen aber viele Probleme auf. Sind mehrere benachbarte Wohneinheiten online, ruckeln die Bilder, weil der Verteilrechner überlastet ist. Internetzugang und die abrufbaren Musikvideos seien dagegen so schnell, dass das Navigationsmenü Mühe hat, mit ihnen Schritt zu halten. Auch der EPG10 läuft wohl noch nicht fehlerfrei. Filmabbrüche sind momentan ebenfalls keine Seltenheit. Aber auch über sehr positiv aufgenommene neue Möglichkeiten, wie z. B. das Anhalten oder Spulen eines abgerufenen Films, sind zu berichten.

Den typischen potentiellen Nutzer betitelt man bei Bertelsmann mit dem Überbegriff „Kabulske“, einem virtuellen „Wesen“, was in „Glabotki“, einem Ort zwischen Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen wohnen soll. Er steht für das angestrebte Massenpublikum am Markt, der eigentlichen „proletarischen“ Zielgruppe.

Über 125 Inhaltepartner, von RTL bis zur Deutschen Welle, sind eigenen Angaben zufolge mit im Boot. „Aus den ‚Bertelsmann-Playout-Centern‘ sollen unbegrenzt viele Abruffilme und Texte ins System fließen – theoretisch jedenfalls.“ 11

Nach Angaben des Unterehmens kommt die d-Box als mögliche Plattform auch nicht in Frage, schon, weil sie momentan noch nicht rückkanalfähig ist. Der zu entwickelnde Decoder, um die Angebote der Bertelsmänner zugänglich zu machen, müsste die Internetsprache verstehen, einen Hochleistungsprozessor enthalten, über ein integriertes Kabelmodem und eine Zugangskontrolle verfügen, sprich eine CICAM-Schnittstelle besitzen und entsprechende CA-Module zur Verfügung stellen. Momentanes Hauptziel des Versuchs ist die Erforschung des Marktpotentials, der Kundenwünsche und Erfahrungen für einen technischen Regelbetrieb zu sammeln.

3.6. Stromkabel/ Powerline (PLC):

Trotz mehrmaliger Ankündigung der Marktreife bzw. –einführung durch verschiedene Unternehmen kam diese Technik bis heute nicht über das Versuchsstadium hinaus.

Die Einspeisung der Daten ins Stromnetz erfolgt via Richtfunk oder Kabel über eine Koppeleinheit in den Umspannungsstationen. Die Daten werden in einem Huckepackverfahren, also einer Modulation, mit dem Stromsignal übertragen. In den Haushalten werden die Signale mittels spezieller Umwandler/Modems wieder herausgefiltert. Die Übertragungsraten der bisherigen Tests liegen bei zwei bis zehn Mbit/s, die sich allerdings 100 - 200 Haushalte teilen müssen.

Ein Pilotprojekt in Großbritannien seit Mitte der 90er Jahre wurde als Fehlschlag im September 1999 eingestellt. Auch ein Joint Venture des kanadischen Telekommunikationsausrüsters Nortel Networks mit dem britischen Energiekonzern United Utilities hat ihr Engagement aufgrund von fehlenden Zukunfts- und gering geschätzten Rentabilitätsaussichten, beendet. Daraufhin trennte sich im Oktober 1999 auch der Berliner Energieversorger Bewag von seinem Powerline-Projekt DÜNE12, mit der Begründung, sich wieder stärker um ihr Kerngeschäft kümmern zu müssen..

In den schwäbischen Gemeinden Herrenberg, Pfinztal und Sinsheim führt das Unternehmen Tesion, eine Tochter der EnBW13, bereits seit Dezember 1998 ein Pilotprojekt durch. Die ca. 200 angeschlossenen Haushalte kommen dabei in den Genuss von einer Übertragungsrate von ca. 1 Mbit/s in beide Richtungen. Das Unternehmen rechnet mit der kommerziellen Markteinführung für Frühjahr 2001.

Und so funktioniert die Kundenanbindung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 5: Kundenanbindung des Tesions-Feldversuchs in Herrenberg

Das größte Problem bei dieser Technik stellt die mangelnde Abschirmung der Stromleitungen dar, die zur Störung anderer Funkdienste führen kann. Denn wenn die Stromleitungen hochfrequente Signale aus dem Internet oder Telefongespräche übertragen, werden sie zu Antennen, die sich mit anderen Funknetzbetreibern – zum Beispiel Radiosendern oder Funkamateuren – ins Gehege kommen. Hinsichtlich dieser Problematik ist das deutsche EMV-Gesetz (ElektroMagnetische Verträglichkeit) sehr streng. Die zu reservierenden Frequenzen zur Datenübertragung sind noch nicht geklärt und, laut einem Mitarbeiter der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP), stehen die Chancen für PLC die erforderlichen Frequenzen zu bekommen, „nicht so gut“.14 Auch Tesion musste zu einer Behelfslösung greifen, um den Regularien der RegTP zu entkommen. Man nutzt dort einfach die Frequenzen, die für den Seefunk reserviert sind, also im Schwabenland niemanden stören dürfte. Hier hat die Behörde wohl schon ihr Wohlwollen signalisiert. Als Endkundenpreis geht die Branche von ca. 50 DM alles inklusive aus und auch für die Netzbetreiber wären die Installationskosten mit einem Preis für den Hausanschluss im Keller von 200 DM und einem Adapter für die hausinterne Kommunikation zum Preis von 50 DM im Vergleich zu anderen neuen Übertragungstechnologien ein wahres Schnäppchen.

3.6.1. Weitere technische Ausführungen zu PLC

Die für die Übertragung binärer Daten erforderlichen Trägerfrequenzen liegen deutlich über denen, die für den Elektrizitätstransport standardisierten Frequenzen von 50 bzw. 60 Hz definierten. „Durch geeignete Verfahren zur Modulation von Amplitude (ASK), Frequenz (FSK), Phase (PSK), einer Kombination dieser Größen, oder neueren Verfahren wie OFDM-QAM werden digitale Daten repräsentiert. ... Die europäischen Normen unterscheiden sich wesentlich von den in den USA oder in Fernost gültigen Regulierungen. In den USA dürfen Trägerfrequenzen bis zu 450 kHz genutzt werden, während in Europa die Grenze bei nur 145,8 kHz liegt.“ 15

Prinzipiell gibt es zwei Verfahren für PLC:

Schmalbandige Verfahren:

Diese Verfahren nutzen insbesondere Frequenzmodulation (Frequency Shift Keying, FSK) oder Phasenmodulation (Phase Shift Keying, PSK) und seltener Amplitudenmodulation (Amplitude Shift Keying). Es sind jedoch nur Datenraten ähnlich den bisherigen analogen Modems zu erzielen.16

Breitband- oder Spreizverfahren (Spread Spectrum)

Diese Verfahren ermöglichen eine extreme Redundanz der Signalübertragung und sind daher resistenter gegen Störungen. Um diese hohen Datenraten im Megabit-Bereich zu erzielen, werden Frequenzen bis zu 30 MHz benötigt. Damit können außerhalb von Häusern rund 300 Meter und in Gebäuden bis zu 50 Meter, also auch die magische letzte Meile, überbrückt werden.16

3.6.2. Elektrische Störfelder durch Powerline

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) hat hinsichtlich eventuell auftretender Störfelder und daraus resultierenden Gefahren für die Gesundheit durch „Elektrosmog“ mehrere Untersuchungen in Auftrag gegeben, die unter anderem zu folgenden Ergebnissen kamen:

Der Aufbau des 230 V-Stromversorgungsnetzes schwankt stark und ist unter anderem abhängig vom Installationsjahr und der ausführenden Firma. „Einen Einfluss auf das Abstrahlverhalten bei Powerline Communication haben die Unsymmetrie17 mit der resultierenden asymmetrischen Spannung, die Leitungsanordnung, die Dämpfung, die Verbraucher und weitere Einflussgrößen.“ In den Untersuchungen wurde festgestellt, dass unter bestimmten Voraussetzungen bedenkliche elektromagnetische Felder, insbesondere entlang der Leitungen, entstehen können.

Der RegTP empfiehlt die Studie folgendes: „Um einerseits hohe Abstrahlungen zu vermeiden und andererseits die Entwicklung neuer Techniken nicht durch grenzwertbedingte Einschränkungen zu blockieren, sollten etwaige Grenzwerte für die Störfeldstärken bzw. die Nutzsignale gut ausgewogen werden.18

3.6.3. Fazit

Experten gehen nicht von einem baldigen Durchbruch dieser Technik aus, die Probleme seien zu vielfältig. Es bleibt aber zu erwarten, dass sich auch für PLC in einiger Zukunft Marktanteile ergeben dürften, da das Kundeninteresse als sehr hoch einzuschätzen ist. Schließlich findet man eine Steckdose in der Regel in jedem Zimmer und wenn man über diese Steckdose mehr als nur Strom beziehen könnte, dann wäre das ein echter Mehrwert und zumindest ein Teil des oft so lästigen Strippenziehens und des dadurch entstehenden Kabelgewirrs könnte so bald der Vergangenheit angehören. Nicht zu vergessen ist dabei außerdem die bereits erwähnte Überbrückung der letzten Meile.

3.7. Richtfunk = Wireless Local Loop (WLL):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 6: Internet-Zugang via Funk (aus Screen MM 11/2000)

Durch Richtfunk ist eine drahtlose Datenübertragung bis etwa 2 Mbit/s möglich und wird vom Kunden über eine Antenne und ein Funkmodem empfangen. Eine digitale Sendeeinheit kann ca. 3000 Haushalte im Umkreis von bis zu 20 km bedienen. Die Teilnehmer werden dabei über eine „Punkt-zu-Multipunkt (PMP)“- Anbindung versorgt. Die Reichweite ist von der benötigten Bandbreite und der genutzten Frequenz abhängig. In jedem Fall ist eine Sichtverbindung (auch „Line of Sight“) zwischen der Antenne beim Kunden und der Basisstation. Schnee oder Regen können sich sehr negativ auf die Signalübertragung auswirken.

Im September 1999 wurden insgesamt 262 Lizenzen in 2 Frequenzbereichen vergeben. Der Löwenanteil, nämlich ein Anteil von 207 Regionen, ging dabei an Viag Interkom.

Das Unternehmen hat gegenüber Mitbewerbern den Vorteil der Nutzung von Synergieeffekten, die aus dem eigenen E2-Netz entstehen und eine bessere Rentabilität versprechen. Man rechnet dennoch mit Investitionen in Höhe von über einer Milliarde DM in den nächsten zwei bis drei Jahren. In jeder Region sind mindestens zwei Anbieter im Besitz einer solchen Lizenz und auch hier wurden, ähnlich den UMTS-Regularien, bestimmte Richtlinien für die zukünftigen Netzbetreiber erteilt. Der Berliner Lizenzinhaber Firstmark hat in Hamburg in Kooperation mit Hansenet ein flächendeckendes PMP-Richtfunknetz installiert. Weitere Schwerpunkte setzt das Unternehmen in Leipzig, Berlin und Essen.

Die Betriebsfirmen setzen große Hoffnungen in diese Technik, da sie ihnen endlich Zugang zu den Endkunden verspricht, von denen sie ja im Moment durch die sogenannte „letzte Meile“, die die Telekom fest in ihrer Hand hält, getrennt sind. Das könnte aber noch einige Zeit dauern, denn im Moment sind die Kosten pro Teilnehmeranschluß noch immens und werden von Thomas Zundl, Geschäftsführer der Beratungsfirma Certus Consulting Group, auf ca. 12.700 DM geschätzt. Im Vergleich dazu bezifferte er die Kosten für einen drahtgebundenen breitbandigen ADSL-Anschluss auf 1.400 DM. Zwar werden sich die Kosten durch eine baldige Weiterverbreitung der Basisstationen noch deutlich verringern, aber man schätzt, dass selbst im Jahre 2004 ein solcher Anschluss noch viermal so teuer sein wird, wie ein herkömmlicher.19

Dementsprechend bleibt zu hinterfragen, ob sich solche immensen Investitionen je rechnen können, denn wer kann schon den TK-Markt im Jahr 2004 voraussagen, angesichts der Fülle der neu aufkommenden Technologien.

Im Moment sind mehrere Anbieter auf dem Markt, die aber durch die relativ hohen Kosten fast ausschließlich im Business-to-Business-Bereich Relevanz haben.

Bild 7: PMP-Sendeanlage

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Bild 8: Schema einer Richtfunkversorgung (Quelle: Screen Multimedia 01/2000)

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Tabelle 7: Die wichtigsten Anbieter, die Funk-Lizenzen erworben haben:

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3.8. UMTS

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Bild 9: Datenübertragung via UMTS (aus Screen MM)

UMTS20 soll die bisherige Mobilfunktechnologie GSM, die momentan Übertragungsraten bis 9.600 bit/s und in naher Zukunft mit GSM 2+ bis zu 115.200 bit/s langfristig ablösen. Die Einführung von UMTS ist für das Jahr 2002 geplant und ermöglicht dann Datenraten von maximal zwei Mbit/s, was immerhin schon fast der eines VHS-Signal entspricht. Das UMTS-Funknetz wird in hierarchische Versorgungsebenen, die unterschiedliche Transfergeschwindigkeiten zulassen und von der Bewegungsgeschwindigkeit des Empfängers abhängen, unterteilt. In der sogenannten Makroebene sind es mindestens 144 kbit/s bei einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 500 km/h. In der Mikroebene sind es mindestens 384 kbit/s bei einer Geschwindigkeit von maximal 120 km/h.

In der sogenannten Pikozone sind Transferraten von 2 Mbit/s bei maximal 10 km/h möglich.“21 Die UMTS-Technologie benötigt das 5-fache an Sendemasten und ist einer von drei Standards, die vom Internationalen Verband für Telekommunikation (International Telecommunication Union, ITU) festgelegt wurden.

Sechs Unternehmen haben in Deutschland UMTS-Frequenzblöcke erworben:

- T-Mobil,
- Mannesmann Mobilfunk (heute D2-Vodafone),
- Group 3G, Mobilcom,
- VIAG INTERKOM und
- E Plus / Hutchinson.

Diese Unternehmen müssen einige Bedingungen erfüllen:

So müssen bis 31.12.2003 mindestens 25 Prozent der Bevölkerung und bis 31.12.2005 mindestens 50 Prozent der Bevölkerung mit UMTS versorgt werden. Auch danach kann die Versorgungspflicht unter bestimmten Bedingungen weiter erhöht werden. Die Laufzeit der Lizenzen geht bis 31.12.2020.

Die Frage nach der Beziehung zwischen Wirtschaftlichkeit und dem zu zahlenden Betrag in Höhe von insgesamt ca. 99 Millarden DM durch die erfolgreichen Bieter wurde immer häufiger gestellt. Einige Marktforschungsinstitute haben Zahlen über Marktkanteile und Umsatzvolumina im UMTS- Umfeld vorgelegt, die man bereits heute mit Hilfe der bekannten Zahlen (Lizenzkosten, Infrastrukturkosten, Wettbewerber, ...) als äußerst optimistisch bewerten kann. Durch die Presse sind in den vergangenen Monaten immer wieder Designstudien von Endgeräten publiziert worden. Fast könnte der Leser meinen, es gäbe sie wirklich. Doch die Realität ist, dass die Entwicklung von Diensten, von Content und letztlich auch von Endgeräten noch in den Kinderschuhen steckt.

[...]


1 ZIMMER, JOCHEN, „Interaktives Fernsehen – Durchbruch via Internet“ Quelle: Media Perspektiven 3/2000, S. 110 ff.

2 Geschäftsbericht der Deutschen Telekom AG für das III. Quartal 2000

3 TV Guide 2000, Hrsg.: Mediagruppe München, www.mgmuc.de

4 Quelle: Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, www.regTP.de, Download am 04.12.2000

5 vgl. ZIMMER, JOCHEN: Interaktives Fernsehen – Durchbruch.. . Media Perspektiven 3/2000, S. 112 ff.

6 Quelle: Galaxis Kabelbackgrounder, www.galaxis.de

7 HFC = Hybrid Fibre Coax: steht für die Kombination von Kupfer-Koaxial-Kabel und Lichtwellenleiter-Technologie

8 FRK = Fachverband regionaler Kabelnetzbetreiber

9 BBG = Abkürzung für „Bertelsmann Boradband Group“ – eine hundertprozentige Tochter der Bertelsmann AG

10 EPG = Abkürzung für „Electronic Program Guide“, eine Datendienstanwendung, die das aktuelle Fernsehprogramm am Bildschirm zeigt und navigierbar macht.

11 vgl. DRIESEN, OLIVER: Kabulske im Datenstau. DER SPIEGEL. Nr. 45/2000 vom 06.11.2000

12 DÜNE steht für „Datenübertragung über Niedrigspannungsnetze“

13 EnBW= Energie Baden Württemberg, viertgrößter Energieversorger der BRD

14 vgl. EGGEBRECHT, MANUEL: Stromnetz: Keine Daten aus der Steckdose. In der Wirtschaftswoche online, http://wiwo.de/Wirtschaftswoche/Wiwo_CDA/0,1702,11070_10601,00.html (Download am 04.12.2000)

15 vgl. www.plc-online.de (Download am 09.12.2000)

16 vgl. www.powerline.net - Betreiber dieser Site ist der RWE-Konzern, Download am 09.12.2000

17 Unsymmetrien in Stromkreisen: Führt ein Leitungspaar Signale mit unterschiedlichem Betrag, so können sich die Strahlungsfelder dieser Signale nicht, wie bei um 180° phasenversetzten Signalen mit gleichen Beträgen (symmetrische Signale), gegenseitig auslöschen; Je kleiner die Frequenzen, desto geringer die Feldstärke; Unsymmetrische Signale sind Hauptursache für ungewollt auftretende Störfelder

18 vgl. VICK, RALF Dr. Ing.: Studie „Störfeldstärken durch Powerline Communication im 230 V Netz“. www.emc-experts.de (Download am 09.12.2000)

19 vgl. LUX, HARALD: Per Luftfracht bitte. In: Screen Business Online 01/2000, S. 90 ff.

20 UMTS steht für „Universal Mobile Telecommunications System“

21 vgl. REIBOLD, HOLGER: Netzwerktrends. In: Internet Professionell. S. 40 ff.

Ende der Leseprobe aus 143 Seiten

Details

Titel
Entwicklungstendenzen des Digitalen Fernsehens
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (FB Polygrafie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
143
Katalognummer
V257
ISBN (eBook)
9783638101936
Dateigröße
2958 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitales, Fernsehen, Technik, Premiere, Decoder, Übertragungswege, Technologien, Markt, Chancen, Internet, UMTS, Kirch, Satellit, TV, Inhalte, Programm
Arbeit zitieren
René Helbig (Autor), 2001, Entwicklungstendenzen des Digitalen Fernsehens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/257

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