Das integrierte Medien- und Internetunternehmen AOL Time Warner - Eine kritische Analyse des Zusammenschlusses


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

22 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. DARSTELLUNG DER FUSIONSPARTNER
1.1. AOL
1.2. Time Warner

2. DER ZUSAMMENSCHLUSS

3. DAS GENEHMIGUNGSVERFAHREN
3.1. Durch die Aktionäre
3.2. Durch die Europäische Kommission in Brüssel
3.3. Durch die Federal Trade Commission
3.4. Durch die Federal Communications Commission

4. BEWERTUNG DES ZUSAMMENSCHLUSSES
4.1. Vorteile
4.1.1. Für AOL Time Warner
4.1.2. Für die Konsumenten
4.2. Nachteile
4.2.1. Für AOL Time Warner
4.2.2. Für die Angestellten
4.2.3. Für die Konsumenten

5. RESÜMEE

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

QUELLENVERZEICHNIS

ANHANG

1. DARSTELLUNG DER FUSIONSPARTNER

1.1. AOL

AOL ist mit 33 Millionen Kunden in rund 100 Ländern der weltweit größte und am schnellsten wachsende Serviceanbieter im Internet.[1] Gegründet wurde das Unternehmen 1991 von dem Marketing-Spezialisten Stephan McConnell Case, der schon vorher im Onlinebereich tätig war. 1992 brachte er das Unternehmen aus Dulles, Virginia an die Börse – wenig später wurde das Internet zum weltweiten Massenmedium.[2] Das Motto von AOL-Gründer Case lautet „AOL anywhere“, womit er versucht, dem Internet im Leben der Bürger eine so starke Bedeutung zu geben wie dem Telefon und dem Fernsehen. Durch eine Vielzahl an Kooperationen und Fusionen bietet AOL seit Ende der 90er Jahre die gesamte Palette aus Internet-Technologie und Internet-Software an. 1999 z.B. übernahm AOL die kalifornische Internetfirma Netscape Communications Corp., die als erste einen Browser, den Netscape Communicator, auf den Markt gebracht hatte.[3] Das Unternehmen finanziert sich zum größten Teil aus Abonnementsgebühren, die es von seinen Nutzern regelmäßig für die angebotenen Dienste erhält. Ca. 20 Prozent des Umsatzes setzen sich aus Werbeeinnahmen zusammen. Ein weiterer kleiner Teil des Umsatzes bilden Vermittlungsgebühren und Provisionen, die AOL von Werbern auf seinen Websites erhält, die durch die Dienste AOLs neue Kunden akquirieren können.[4] Mit dieser Strategie ist AOL erfolgreich, was sich daran zeigt, dass, anders als bei anderen Internetunternehmen, Gewinne erzielt werden.

1.2. Time Warner

Time Warner Inc. ist der weltgrößte klassische Medienkonzern mit Sitz in New York. Zum führenden Medienunternehmen hat sich Time Warner aus einer Reihe von Fusionen entwickelt. 1989 schloss sich der Magazinverlag Time Inc., welcher bereits 1923 gegründet wurde, mit dem Musik- und Filmkonzern Warner Communications Inc. zusammen. Im Jahre 1995 erwarb Gerald M. Levin – Präsident von Time Warner – dann mehrere Fernsehkabelbetreiber bis 1996 die Turner Broadcasting System Inc. mit Time Warner fusionierte. Mit dieser Fusion fielen diverse Zeitschriften- und Buchverlage, Musik- und Filmunternehmen sowie Rundfunk- und Kabelfernsehgesellschaften wie z.B. CNN in den Besitz von Time Warner.[5] Nach AT&T verfügt Time Warner über das zweitgrößte Kabelnetz in den USA, besitzt damit einen Marktanteil von 20 Prozent und ist vor allem in den Großstädten wie New York der dominante Anbieter. Neben der eigentlichen Versorgung mit dem Fernsehprogramm bietet das Kabelnetz außerdem die Möglichkeit für breitbandigen Internetzugang.[6]

2. DER ZUSAMMENSCHLUSS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darüber hinaus ist dieser Zusammenschluss der erste, bei dem ein Internetunternehmen ein traditionsreiches und zudem deutlich umsatzstärkeres Medienunternehmen übernimmt.[8] Zum Zeitpunkt der Fusionsankündigung hatte diese einen Marktwert von 246 Mrd. Dollar[9], womit diese Fusion der größte Firmenzusammenschluss der Industriegeschichte ist. Mit diesem Marktwert ist AOL Time Warner nach Microsoft (576 Mrd. Dollar), General Electric (495 Mrd. Dollar) und Cisco Systems (362 Mrd. Dollar) eines der teuersten Unternehmen in den USA.[10] Durchgeführt werden soll die Fusion durch einen Aktientausch, bei dem die Anteilseigner von Time Warner für je eine Aktie 1,5 Anteile und jene von AOL genau einen Anteil vom neuen Unternehmen erhalten sollen.[11] Dadurch werden die AOL-Aktionäre letztendlich 55 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, was damit zu begründen ist, dass AOL an der Börse höher notiert wurde als Time Warner. AOL-Vorstandschef Steve Case soll der neue Verwaltungsratsvorsitzende des neuen Unternehmens werden, während Time Warner Präsident Gerald Levin vorerst den Vorstandsvorsitz übernehmen soll.[12]

3. DAS GENEHMIGUNGSVERFAHREN

3.1. Durch die Aktionäre

Am 23.06.2000 stimmten die Aktionäre von AOL und von Time Warner in Virginia bzw. in New York über die Fusion der beiden Unternehmen ab. Während sich knapp 97 Prozent der Aktionäre von AOL für eine Fusion aussprachen, waren es bei Time Warner sogar 99 Prozent.[13] AOL bemühte sich im Vorwege sehr darum, seine ca. 3 Millionen Aktionäre zu einer positiven Stimmabgabe zu bewegen. Neben der Möglichkeit auf der offiziellen AOL-Website online über die Fusion abzustimmen, versorgte AOL seine Aktionäre mit einer Hochglanz-Broschüre „Vote Now!“, in der die Vorteile der geplanten Fusion erläutert wurden. Des weiteren wurde ein Telefon-Center eingerichtet, welches durchgängig damit beschäftigt war ca. 100.000 Aktionäre von der Übernahme zu überzeugen. Den Angestellten des Unternehmens, die beachtliche Anteile von AOL halten, wurde bereits im voraus für die Zustimmung gedankt. Dass AOL weder Kosten noch Mühen scheute, um seine Anleger von der Fusion zu überzeugen, ist damit zu begründen, dass sich der Aktienkurs von AOL, der kurz vor Bekanntgabe der Fusion noch bei 73 Dollar lag, bis zum Tag der Abstimmung auf 57 Dollar reduzierte. Ein weiterer Grund, der die Taktik von AOL bestätigt, ist, dass lediglich 45 Prozent der Aktien[14] von institutionellen Investoren gehalten werden, dass heißt, dass der weitaus größere Anteil der Aktionäre Privatanleger sind.

Time Warner hat weniger Aufwand betrieben um seinen Aktionären die Fusion anzupreisen. Lediglich die institutionellen Investoren, die im Besitz von ca. 60 Prozent der Aktienanteile waren, erhielten Anrufe. Hier entwickelte sich der Aktienkurs jedoch auch entgegengesetzt zu dem von AOL; er stieg von 64,75 Dollar auf etwa 83 Dollar.[15]

3.2. Durch die Europäische Kommission in Brüssel

Nach den Aktionären hat die Europäische Kommission als erste Instanz am 11. Oktober 2000 der Fusion zwischen AOL und Time Warner unter strengen Auflagen ihre Zustimmung erteilt.[16] Insbesondere betrachtete die Europäische Kommission die Auswirkungen der Fusion auf den sich entwickelnden Markt für die Übertragung von Musik über das Internet.

Am 24. Januar 2000 – nur kurze Zeit nach Bekanntgabe seiner eigenen Fusion – verkündete AOL Time Warner den Plan, mit der britischen EMI-Gruppe[17] ein Joint-Venture einzugehen, um gemeinsam als Warner EMI Music[18] auf den Spitzenplatz im weltweiten Musikgeschäft aufzusteigen.[19] Diesen Plan musste AOL Time Warner jedoch leider verwerfen, da ansonsten keine Fusionsgenehmigung von der EU-Kommission zu erwarten gewesen wäre, weil EMI und Warner Music eine zu starke Stellung im Internet-Musikbereich eingenommen hätten. Trotz dieses Entgegenkommens forderte die Europäische Kommission außerdem, dass die strukturellen Verbindungen zu Bertelsmann gelöst werden müssen. Zusammen mit Bertelsmann hat AOL seit 1995 AOL Europe betrieben, bei dem beide Unternehmen zu jeweils 50 Prozent beteiligt waren. Die Forderung der EU-Kommission wird damit begründet, dass AOL Time Warner auch ohne EMI zusammen mit dem von Bertelsmann betriebenen Musikkonzern BMG den Online-Musikvertrieb dominiert hätte.[20] Nach Ankündigung der Fusion von AOL und Time Warner vereinbarte Bertelsmann im März 2000 ohnehin vertraglich, seinen Anteil von 50 Prozent an AOL Europe für 6,75 Mrd. Dollar bis 2003 an AOLs US-Mutter zu verkaufen.[21] Zugleich wurde damals ein umfangreiches, auf 250 Mio. Dollar beziffertes Vertragswerk mit AOL abgeschlossen, welches Regelungen über das sog. Cross-Selling trifft, wonach die beiden Unternehmen die Inhalte des jeweils anderen Partners im elektronischen Handel zu Vorzugskonditionen vertreiben sollen.[22] Bis zu dem Ausstieg von Bertelsmann bei AOL Europe und dem französischen Gemeinschaftsunternehmen AOL Compuserve gab es Übergangsregelungen, damit die Beziehungen zwischen AOL und dem Gütersloher Konzern nicht zu eng werden. Zum Beispiel durfte AOL Time Warner nichts unternehmen, was dazu führen könnte, dass die Bertelsmann-Musik im Internet nur über AOL zugänglich ist oder so formatiert wird, dass sie sich nur noch mit der AOL-Player-Software[23] abspielen lässt.[24] Mit dieser Bedingung sollte erzielt werden, dass AOL Time Warner bezüglich der Musikverwertungsrechte in Europa keine marktbeherrschende Position einnimmt. Mit Verkauf der Bertelsmann-Anteile von AOL Europe zu Beginn des Jahres 2002 existieren nun laut Unternehmensangaben zwischen Bertelsmann und AOL Deutschland keine offiziellen Geschäftsbeziehungen mehr.

[...]


[1] vgl. AOL: (Erstelldatum: k. A.; Abrufdatum: 22.03.2002) „America Online Inc.“,

URL: http://www.aol.de/ueberaol/index.html; S. 1

[2] vgl. Bert Fröndhoff: „Der stille Pionier des Internets“, in „Handelsblatt“, Düsseldorf / Frankfurt 2000, Ausgabe 7/2000

[3] vgl. Dr. Insa Sjurts: „Die Fusion AOL-Time Warner: Eine strategietheoretische Erklärung“, in „Zeitschrift Führung + Organisation“, Hamburg 2000, Heft 3/2000, S. 130

[4] vgl. o.V.: „Abonnenten sind das Kapital für die Zukunft“, in „Handelsblatt“, Düsseldorf 2001, Ausgabe 10/2001, S. 18

[5] vgl. Ulrike Sosalla u. Thomas Clark: “Neuer AOL-Chef muss alte Fusionen kitten”, in „Financial Times Deutschland“, Hamburg 2001, Ausgabe 237/2001, S. 6

[6] vgl. Constantin Gillies: „Das Erfolgsrezept: Content is King“, in „Die Welt“, Hamburg 2000, Ausgabe 178/2000, S. WW9

und o.V.: „Kartellbehörden sehen Kauf von Time Warner durch AOL kritisch“, in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, Frankfurt a.M. 2000, Ausgabe 207/2000, S. 22

[7] vgl. o.V.: „Medienriesen“, in „Handelsblatt“, Düsseldorf 2001, Ausgabe 10/2001, S. 18

[8] vgl. Ulf Brychcy: „AOL übernimmt Time Warner“, in „Süddeutsche Zeitung“, München 2000, Ausgabe 7/2000, S. 1

[9] AOL wurde im Januar 2000 ( zum Zeitpunkt der Fusion [Höhepunkt des Internetbooms]) mit 163 Mrd. $ und Time Warner mit 83 Mrd. $ bewertet.

[10] vgl. Martin Halusa: „AOL und Time Warner ergänzen sich ideal“, in „Die Welt“, Hamburg 2000, Ausgabe 8/2000, S. 14

[11] vgl. heise online: (Erstelldatum: 10.01.2000; Abrufdatum: 22.03.2002) „AOL und Time Warner fusionieren“, URL: http://www.heise.de/newsticker/data/hob-10.01.00-000/; S. 1

[12] vgl. Gerti Schön: „Erfolgsrezept für multimedialen Einheitsbrei“, in „Frankfurter Rundschau“,

Frankfurt a.M. 2000, Ausgabe 9/2000, S. 17

[13] vgl. o.V.: „Aktionäre billigen Fusion Time Warner und AOL“, in „Handelsblatt“, Düsseldorf 2000, Ausgabe 120/2000, S. 29

[14] Bei den meisten anderen Unternehmen der IT-Branche sind es i.d.R. zwischen 55 und 75 %.

[15] vgl. Helene Laube: „AOL wirbt um Ja-Stimmen der Privatanleger“, in „Financial Times Deutschland“, Hamburg 2000, Ausgabe 120/2000, S. 5

[16] vgl. Golem Network News: (Erstelldatum: 11.10.2000; Abrufdatum: 23.03.2002) „EU billigt Fusion von AOL und Time Warner unter Auflagen“, URL: http://www.golem.de/0010/10234.html; S. 1

[17] bei EMI unter Vertrag stehende Künstler: Robbie Williams, Spice Girls, Rolling Stones, etc.

[18] bei Warner Music unter Vertrag stehende Künstler: Madonna, Eric Clapton, etc.

[19] vgl. Martin Fiutak: (Erstelldatum: 24.01.2000; Abrufdatum: 23.03.2002) „AOL Time Warner schluckt EMI“, URL: http://news.zdnet.de/story/0,,s2050292,00.html; S. 1

[20] vgl. Birgit Jennen u. Johannes Röhrig: „EU nickt Fusion von AOL und Time Warner ab“, in „Financial Times Deutschland“, Hamburg 2000, Ausgabe 198/2000, S. 3

[21] vgl. o.V.: „Fusion AOL/Time Warner mit Auflagen genehmigt“, in „Handelsblatt“, Düsseldorf 2000, Ausgabe 197/2000, S. 24

und o.V.: „AOL zahlt bar für AOL Europe“, in „Börsen-Zeitung“, Frankfurt a.M. 2002, Ausgabe 4/2002, S. 13

[22] vgl. Birgit Jennen u. Johannes Röhrig: „EU nickt Fusion von AOL und Time Warner ab“, a.a.O., S.1

[23] AOLs Winamp-Player ist eines der beliebtesten Abspielmedien für Musik aus dem Internet

[24] s. Golem Network News: “EU billigt Fusion von AOL und Time Warner unter Auflagen“, a.a.O., S.1

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das integrierte Medien- und Internetunternehmen AOL Time Warner - Eine kritische Analyse des Zusammenschlusses
Hochschule
Wirtschaftsakademie Hamburg
Note
2+
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V25727
ISBN (eBook)
9783638282697
ISBN (Buch)
9783638648752
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien-, Internetunternehmen, Time, Warner, Eine, Analyse, Zusammenschlusses
Arbeit zitieren
André Kühnapfel (Autor), 2002, Das integrierte Medien- und Internetunternehmen AOL Time Warner - Eine kritische Analyse des Zusammenschlusses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25727

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