Johann Friedrich Herbart war mit Ziechners Worten “... ein tiefblickender geborener Pädagoge“ (Ziechner, 1908, S.43), der seine Pädagogik auf die Psychologie und Philosophie gründete. Er zählt zu den ersten, die für die Verwissenschaftlichung der pädagogischen Praxis eintraten. Unter der Orientierung an Herbart beginnt die Pädagogik sich erstmals als eine eigenständige Disziplin zu etablieren. Später wurden allerdings, vor allem in Deutschland Herbarts Leben und Werk durch den Kampf der Reformpädagogen gegen die Nachfolger Herbarts, die sogenannten Herbartianer, verdunkelt und vielfach entstellt. Die Herbartianer haben Herbarts pädagogische Ideen formalisiert und dadurch vielfach ins Gegenteil verkehrt. Doch seit seinem 200. Geburtstag- 1976- findet auch in der Bundesrepublik eine Renaissance in der Beschäftigung mit Herbart statt.
In der folgenden Arbeit möchte ich zuerst Johann Friedrich Herbarts Leben vorstellen. Denn es ist immer sehr schwierig die Gedankengänge nachzuvollziehen ohne die Person und deren Geschichte näher zu kennen. Zwar muss ich zugeben, dass Herbarts Werke gerade auch wegen des großen geschichtlichen Zeitabstands schwer verständlich sind, doch aufgrund derer Bedeutung in der Erziehung eine Herausforderung wert sind. Deshalb werde ich mich nach der Vorstellung dieser bedeutenden Persönlichkeit seinem Hauptwerk „Allgemeine Pädagogik aus dem Zwecke der Erziehung abgeleitet“ widmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Biographie
2.1 Jugendzeit: 04. Mai 1776 (*)- 1794
2.2 Studienzeit: 1794- 1797
2.3 Hauslehrerzeit: 1797- 1800 und Aufenthalt in Bremen: 1800- 1802
2.4 Erster Göttinger Aufenthalt: 1802- 1809
2.5 Aufenthalt in Königsberg: 1809- 1833
2.6 Zweiter Göttinger Aufenthalt: 1833- 14. August 1841(+)
3. „Allgemeine Pädagogik aus dem Zwecke der Erziehung abgeleitet“
3.1 Aufbau des Buches
3.2 Herbarts Erziehungs- und Unterrichtslehre
3.2.1 Ziele und Möglichkeiten der Erziehung
3.2.2 Regierung der Kinder
3.2.3 Unterricht
3.2.4 Zucht
4. Schluss (in Bezug auf das Werk)
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Leben und das pädagogische Hauptwerk von Johann Friedrich Herbart zu beleuchten, um dessen theoretische Grundlagen und erziehungspraktische Ansätze in ihrem historischen Kontext verständlich zu machen.
- Biographische Einordnung von Johann Friedrich Herbart
- Strukturanalyse des Hauptwerks „Allgemeine Pädagogik aus dem Zwecke der Erziehung abgeleitet“
- Differenzierung der pädagogischen Kernbereiche Regierung, Unterricht und Zucht
- Diskussion der Formalstufen des Lernens
- Kritische Würdigung des Herbartschen Erziehungsansatzes
Auszug aus dem Buch
Unterrichtstheorie, sog. Formalstufen
Herbart definiert dabei immer das Verhältnis des Lernenden zu sich selbst und zum jeweiligen Lerngegenstand, bzw. die sogenannte Subjekt- Objekt Beziehung. Unter dem objektiven Teil versteht man, die Identität bzw. die Charakterzüge des Menschen, die bereits durch vergangene Handlungen und Ereignisse erworben wurde(n). Demgegenüber steht der subjektive Teil des Charakters, der durch kritische Beobachtung des objektiven Teils dem erworbenen Charakter zustimmt oder sich ihm widerstreitend verhält. Diese zwei Pole umfassen somit den zweiten großen Teil unserer Zielsetzung, die durch den Unterricht zunächst nur teilweise erfüllt wird, nämlich die Sittlichkeit. Einen ’sittlichen Charakter haben’ bedeutet demnach, dass man mitmenschlich und selbstbestimmend ist. Doch nun zurück zum Ablauf des Lernvorgangs.
Unterricht versteht Herbart als den ständigen Wechsel von Vertiefung und Besinnung. Die Vertiefung als „Prozeß der Wahrnehmung und Aneignung eines zu lernenden Gegenstandes“ und Besinnung als „die Rückwendung des lernenden Subjekts auf sich selbst.“ (Kim 1993, S.130) Dabei werden beide Bereiche noch mal unterteilt. Die Vertiefung besteht aus der Stufe der Klarheit und der Stufe der Assoziation. Der Lehrer hat dabei die Aufgabe den Unterrichtsstoff, den er dem Charakters des Schülers anpasst, auszuwählen und ihn dem Schüler durch kurze Erläuterungen nahe bringt. Der Schüler muss wiederum versuchen den neuen Stoff zu erfassen und zu verstehen (Klarheit). Bei der Assoziation werden dann die neuen Vorstellungen miteinander verbunden. Die Phase der Besinnung teilt sich in die Stufe des Systems und die Stufe der Methode. Nachdem bei der Vertiefung alles neue aufgenommen wurde, wird dieses nun mit den alten Vorstellungen zur Einheit verbunden, also in ein System gebracht. Damit man überprüfen kann inwieweit das System schon Bestand hat, wird versucht das Gelernte anzuwenden (Methode). Diese vier Stufen sind eine theoretische, gleichsam prinzipielle Darstellung des Erkenntniserwerbs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der historischen Bedeutung Herbarts und der Rezeption seines Werkes durch die Herbartianer sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Biographie: Detaillierter Lebenslauf Herbarts von seiner Jugend über seine Studienzeit bis hin zu seinen verschiedenen beruflichen Stationen und seinem Tod.
3. „Allgemeine Pädagogik aus dem Zwecke der Erziehung abgeleitet“: Analyse des strukturellen Aufbaus des Hauptwerks sowie der zentralen pädagogischen Säulen Regierung, Unterricht und Zucht.
4. Schluss (in Bezug auf das Werk): Kritische Auseinandersetzung mit Herbarts Pädagogik basierend auf der Fachliteratur und eine zusammenfassende Würdigung seiner Bedeutung.
Schlüsselwörter
Johann Friedrich Herbart, Allgemeine Pädagogik, Erziehungslehre, Unterrichtslehre, Formalstufen, Vertiefung, Besinnung, Regierung der Kinder, Zucht, Vielseitigkeit des Interesses, Sittlichkeit, Charakterbildung, pädagogische Reform, Ideengeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine einführende Betrachtung von Leben und Werk des Pädagogen Johann Friedrich Herbart, mit einem Fokus auf seinem Hauptwerk zur Allgemeinen Pädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die biographischen Stationen Herbarts, der Aufbau seines Hauptwerkes sowie die detaillierte Erläuterung seiner erziehungswissenschaftlichen Konzepte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die komplexen Gedankengänge Herbarts für Studierende zugänglich zu machen und die praktische Relevanz seiner erzieherischen Ansätze zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, wobei Herbart-Experten wie Greßler, Kim und Hornstein herangezogen werden, um das Werk problemgeschichtlich zu erörtern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biographie des Autors und eine tiefgehende Analyse der drei pädagogischen Säulen: Regierung, Unterricht und Zucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Vielseitigkeit des Interesses, Formalstufen, erziehender Unterricht, Sittlichkeit, Charakterbildung und pädagogische Disziplin.
Was genau versteht Herbart unter dem Begriff „Formalstufen“?
Herbart beschreibt damit einen theoretischen Ablauf des Erkenntniserwerbs, bestehend aus Vertiefung (Klarheit, Assoziation) und Besinnung (System, Methode).
Warum ist die „Regierung der Kinder“ für Herbart so wichtig?
Sie gilt als notwendige äußere Disziplinierung und Voraussetzung, um den noch unreifen Willen des Kindes zu ordnen und den Boden für weiteren Unterricht zu bereiten.
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- Daniela Klepke (Author), 2003, J. F. Herbart - Biographie und sein Werk "Allgemeine Pädagogik aus dem Zwecke der Erziehung abgeleitet", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25754