Das deutsche Rentensystem in der Krise


Hausarbeit, 2003

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I

1. Die Geschichte des deutschen Rentensystems
1.1 1889 Bismarcks Sozialgesetzgebung
1.2 1957 Die große Rentenreform
1.3 Rentenreformen ab 1972 bis Heute

2. Die aktuellen Probleme des Rentensystems
2.1 Der Geburtenrückgang
2.2 Die Überalterung

Teil 2

3. Einleitende Worte zur Befragung

4. Die Interviews
4.1 Eduard (59 Jahre, selbständig)
4.2 Christa (42 Jahre, Angestellte)
4.3 Katharina (81 Jahre, Rentnerin)
4.4 Lars (26 Jahre, Fachschüler)

5. Zusammenfassung der Interviews

Teil 3

6. Vorwort

7. aktuelle Reformen und Reformvorschläge
7.1 kurzfristig wirkende Maßnahmen
7.2 mittel- und langfristig wirkende Maßnahmen

8. Schlussbetrachtung

Das deutsche Rentensystem in der Krise

Einleitung

„Etwas Merkwürdiges passierte neulich, auf dem Weg zum Theater (…) Wie gebannt hockten die Männer vor der Glotze, und mit unerwarteter Milde dachte ich: „Ach wie süß, die Kerle schauen sicher Fußball.“ (…) als ich bei einem flüchtigen Blick auf den Monitor feststellte, dass dort kein grüner Rasen, sondern viel mehr drei hässliche, alte talking heads zu sehen waren. (…) „Hallooo, was guckt ihr denn da so interessantes?“ fragte (ich). Einer antwortete schnell, der Höflichkeit halber: „Über die Rente.“ (…) Was um Himmels willen fasziniert sie an der Rente? Die sie vielleicht erst in 20 Jahren bekommen würden. Oder auch nicht. Aber H., der beim Fernsehen arbeitet, sagt: „Die beste Quote macht man – abgesehen von der Volksmusik – mit der Rente und der Steuerreform!“ Das erklärt einiges am öffentlichen Diskussionselend.“[1]

Anders beschreibt die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen, Antje Hermenau, das deutsche Sozialsystem. "Unser System ist wie eine Familie, bei der die Eltern ziemlich alt sind. Der Vater hat die Arbeit verloren, und die Mutter macht einen Halbtagsjob." In der Hoffnung, dass sich bald ein Job mit dreifachem Einkommen auftue, finanziere die Familie das große Haus, die zwei Autos und das Studium der Tochter zum Gutteil auf Pump.“[2]

Andere Stimmen bezeichnen unsere Rente als “Rente ohne Zukunft“. Die Thematik des nie unterschriebenen und krankenden Generationenvertrages wird aufgegriffen. Drei Kinder haben Birgit Schmidtke und ihr Mann Siegfried. Damit, so sagen sie, tun sie genug für die Gesellschaft. Deswegen wollen sie jetzt den Generationenvertrag kündigen und keine Rentenbeiträge mehr zahlen. (…) Der Generationenvertrag ist sowieso am Ende, meint Schmidtke: "Die Kosten des Kindesunterhalts werden privatisiert, die Eltern bleiben darauf sitzen und die Erträge werden sozialisiert. Auf einmal wird eine Zwangsversicherung aufgebaut, in die die Kinder einzahlen müssen - für andere Leute, für fremde Eltern, mit denen sie eigentlich gar nichts am Hut haben. Es wird in eine allgemeine Kasse einbezahlt und anstatt die eigenen Eltern zu versorgen, müssen die Kinder andere Leute versorgen, vor allen Dingen Leute, die keine Kinder haben."[3]

Die hier vorangestellten Zitate und Ansichten verdeutlichen zwei Tendenzen:

a) ein großes öffentliches Interesse unabhängig von sonst üblichen Zielgruppenfokussierungen. Beim Thema Rente ist eine ganze Nation “Zielgruppe“, vom Jugendlichen bis zum Greis.
b) eine starke emotionale Widerspiegelung der Thematik. Unzufriedenheit, Ungerechtigkeitsempfinden und demzufolge Ärger und erhitzte Gemüter kennzeichnen die wahrnehmbaren Diskussionen. Einheitlich werden Veränderungen gefordert. Die Aktualität der Thematik war mein Ansatzpunkt dem nachzugehen. Ich beschränke mich jedoch im Folgenden auf die Altersrente.

Im Teil 1 möchte ich das System der Rentenversicherung beleuchten. Ich werde kurz auf die Historie eingehen, in diesem Zusammenhang relevante Begrifflichkeiten klären und die wichtigsten zurückliegenden Reformen nennen. Abschließend werde ich versuchen einen Abriss der heute existierenden Probleme daraus abzuleiten.

Teil 2 besteht aus persönlichen Erfahrungsberichten von befragten Personen zur Thematik der Rente.

Im dritten Teil meiner Hausarbeit werde ich einen Einblick in die aktuellen staatlichen Reformen und Reformvorschläge geben.

Teil I

1. Die Geschichte des deutschen Rentensystems

1.1 1889 Bismarcks Sozialgesetzgebung

In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts entwarf Bismarck das Sozialversicherungsprogramm. Ein Teil dessen war die gesetzliche Rentenversicherung, die am 24. Mai 1889 verabschiedet wurde und am 22. Juli 1889 in Kraft trat. Die durchschnittliche Jahresaltersrente betrug damals 120 Mark.[4] Bei Berücksichtigung der bis zum heutigen Tag kulminierten Inflation, entspricht dies einer heutigen Kaufkraft von ca. 1100 €. Mit Vollendung des 70. Lebensjahres konnte man eine Altersrente beziehen. 1916 wurde das Eintrittsalter auf 65 Jahre abgesenkt.[5] Sie beschränkte sich anfänglich auf gelernte Arbeiter und wurde erst nach und nach auf andere Gruppen Erwerbstätiger ausgedehnt. Den Rentenbeitrag zahlten zur Hälfte der Arbeitnehmer und zur anderen Hälfte der Arbeitgeber. Finanziert wurde die Rente damals durch das Verfahren der Kapitaldeckung, d.h. die Reichsversicherungsanstalt legte den gezahlten Rentenbeitrag auf ein Konto des Einzahlers, von dem er später seine Rente erhielt. Durch den Effekt der langfristigen Anlagen zu Grunde liegenden Zinses-Zins Wirkung, konnte auf diese Weise eine verlässliche Auszahlungsmenge gebildet werden.

Die Finanzierung durch Kapitaldeckung brach nach ein paar Jahrzehnten zusammen. Als Gründe hierfür sind die Weltwirtschaftskrise, die damit verbundenen Inflationen und die 2 Weltkriege zu nennen. Das Kapitaldeckungsverfahren für die Altersrenten wurde schließlich nachhaltig dadurch erschwert, dass der Staat die Beitragsreserven für Kriegsführung angriff. Nach dem Krieg gab es noch weniger Beitragszahler und dafür aber weit aus mehr Empfänger. In ihrer Summe bewirkten die genannten Ereignisse die Notwendigkeit einer Neustrukturierung des Rentensystems.

1.2 1957 Die große Rentenreform

Am 23. Februar 1957 begründete die große Rentenreform unter Bundeskanzler Konrad Adenauer unser heutiges Rentensystem. Es gab viele Neuerungen.

Das Finanzierungssystem der Kapitaldeckung wurde nach und nach vom Umlageverfahren abgelöst. Anfänglich wurden Beiträge angespart um die Finanzierung der Rente für die nächsten Jahre zu sichern. 1967 waren die letzten Reserven der kapitalgedeckten Beiträge aufgebraucht und die Rente wurde ausschließlich per Umlage finanziert.[6] Das bedeutet, dass die aktuell arbeitende Bevölkerung in die Rentenkasse einzahlte und somit die Pensionen der aktuellen Rentner finanzierte. Ebenso erwarteten die Beitragszahler, dass ihre Renten später durch die Beiträge der dann nachgewachsenen Generation finanziert werden. Sie erwerben sich somit ein Anrecht auf eine spätere Rente.

Beide Aspekte zusammen ergeben den Generationenvertrag. Die jüngere arbeitende Generation finanziert die Renten der Älteren, da diese sich ihr Anrecht durch frühere Erwerbstätigkeit und die damit verbundenen Beitragszahlungen erworben haben. Folglich erwirbt die jeweils zahlende Generation einen Anspruch auf ihre spätere Rente aus Zahlungen der folgenden arbeitenden Generation.

Eine weitere Neuerung war die Dynamisierung der Rente. Die bis dahin weitgehend statisch orientierte Rente wurde durch die "dynamische Rente" abgelöst. Die Rente sollte nun eine echte Absicherung im Alter sein. Bis dato kam sie eher einem Zubrot gleich. Sie wird seitdem an das jeweilige Bruttolohn- und Preisniveau, und an die wechselnde Wirtschaftsproduktivität angeglichen. 1959 wurde diese Anpassung erstmals durchgeführt.[7] Auf diesem Weg wurde gewährleistet, dass die der Marktwirtschaft immanente Inflation nicht die tatsächliche Kaufkraft der Altersbezüge über die persönliche Rentendauer mindert. Die Renten nehmen seit dieser Zeit am Wirtschaftswachstum teil und haben sich seither verzehnfacht.[8] Berechnungsgrundlage für die Höhe der Altersbezüge ist seither die Rentenformel. In dieser werden die persönlich erworbenen Entgeltpunkte mit dem Rentenartfaktor, welcher sich an der Art der Rente orientiert, z.B. für das Alter, multipliziert und somit die Höhe der individuellen Rente errechnet.[9]

Dies sind nur die wesentlichen und heute, wenn auch teilweise eingeschränkt, immer noch geltenden Punkte der großen Rentenreform von 1957.

1.3 Rentenreformen ab 1972 bis Heute

Im Folgenden beschränke ich mich auf die wichtigsten Neuerungen die Altersrente betreffend (vgl. Verband deutscher Rentenversicherungsträger; Sozialversicherungs-Office; Deutsches Institut für Altersvorsorge im Internet). Dementsprechend erhebt diese Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Das Rentensystem behauptete sich seit der 57er Reform gut. Das System wurde begünstigt durch das Wirtschaftswunder, die Vollbeschäftigung und den Babyboom der sechziger Jahre. Vor dem Hintergrund dieser positiven Bilanz entschloss sich die Bundesregierung 1972 das Rentensystem erneut zu modifizieren. U. a. konnten Versicherte mit 35 Versicherungsjahren nun bereits mit 63 Jahren in Rente gehen. Es wurden Altersrenten an Schwerbehinderte und an Berufs- und Erwerbsunfähige ab dem 62. Lebensjahr gezahlt. Des Weiteren wurde die Berechnung der Rente grundlegend geändert. So wurde beispielsweise eine Rentenberechnung nach Mindesteinkommen durchgeführt.

[...]


[1] R. Zucker (01.11.2003): Feuilleton / Zimt / Straßenfeger; Frankfurter Rundschau

[2] C. Tutt & C. Hulverscheidt (18.08.2003, Berlin): Demografie: Deutschland droht breite Altersarmut; www.ftd.de/cgi-bin/gx.cgi/AppLogic+FTContentServer?pagename=PrintArticlel...

[3] C. Esser, H. Klar & A. Randerath (16.09.2003): Renten ohne Zukunft;: www.zdf.de; Frontal21

[4] Blankart, Charles B.: Integriertes Steuer- und Sozialsystem, Heidelberg 2003; S. 386

[5] www.sozialversicherungs-office.de/inhalt/sgb-rentenreform.html

[6] www.dia-vorsorge.de/downloads/df050102.pdf

[7] www.vdr.de/internet/vdr/home.nsf/index.htm?OpenPage&content=http://www.vdr.de/internet/vdr/infopool.nsf/WebpagesFlat/Chronik:+Wichtige+Ereignisse+fuer+die+Rentenversicherung

[8] www.sozialversicherungs-office.de/inhalt/sgb-rentenreform.html

[9] www.bundesregierung.de/servlet/init.cms.layout.LayoutServlet?global.naviknot..., Renten-ABC

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das deutsche Rentensystem in der Krise
Hochschule
Universität Leipzig  (Soziologie)
Veranstaltung
Armut und Reichtum
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V25838
ISBN (eBook)
9783638283557
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rentensystem, Krise, Armut, Reichtum
Arbeit zitieren
Julia Knauer (Autor), 2003, Das deutsche Rentensystem in der Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25838

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