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Verhandlungsmoral als Folge von Individualisierung

Title: Verhandlungsmoral als Folge von Individualisierung

Term Paper , 2003 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Julia Knauer (Author)

Sociology - Children and Youth
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Summary Excerpt Details

In der vormodernen Gesellschaft waren Frau und Mann voneinander abhängig. Sie
bildeten eine Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, die sogenannte Produktionsfamilie.
Die Familie lebte in einem Haus. Jedes Mitglied hatte seinen Platz und Aufgabe mit der
er betraut war. Sie alle arbeiteten nicht für sich, sondern ihr Tun war dem großen Ziel,
ihre Existenz zu erhalten, unterstellt. Es war eine engverbundene Gemeinschaft, mit
wenig Raum für Privates. In diesem Zusammenhang war die vorindustrielle Familie eher
eine Notgemeinschaft, zusammengehalten durch zwanghafte Solidarität.
Mit beginnender Industrialisierung verlor die Familie ihre Produktionsaufgabe. Die
kleinen Bauern wurden von ihrem Land , das sie ernährte, freigesetzt, und mussten sich
nach Arbeit in Fabriken umsehen. Arbeits- und Wohnplatz wurden getrennt, die
traditionellen Bindungen aufgelöst. Es entstand die bürgerliche Kleinfamilie, und somit
auch die traditionelle Ehe. Der Mann wurde zum Ernährer der Familie und die Frau war
für Haushalt und Kinder zuständig. Folglich kam eine neue Art der Abhängigkeit der
Ehepartner zustande: die Frau wurde abhängig vom Geld ihres Mannes, und der Mann
brauchte sie zur Haushaltsführung und Versorgung um funktionsfähig und leistungsbereit zu sein. Der Familienzusammenhalt blieb durch die permanente
Unterdrückung der Rechte der Frau gewahrt, während sich der Mann individuell
beruflich entfalten konnte, durfte sie dies nicht. Man kann dies auch als halbierte
Moderne bezeichnen. Der Zwang zur Gemeinschaft blieb in veränderter Weise
bestehen. ( Beck/ Beck-Gernsheim 1994: 120/121 )
Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor die Familie, entstanden durch den steigenden
Wohlstand und die technische Weiterentwicklung, auch zunehmend die
Versorgungsfunktion. Kindertagesstätten wurden eingerichtet, Fast-Food-Ketten
eröffnet, Fernheizung eingeführt und dies alles erleichterte das alltägliche Leben.
( Schmidt 1996: 32-36 )
Mit der zunehmenden Entfunktionalisierung wird immer größerer Wert auf die
gefühlsbetonte Seite des Zusammenlebens zweier Menschen gelegt. Das
“Aufeinanderangewiesensein“ entfiel zunehmend, und somit ging der wirtschaftliche
Hauptinhalt der damaligen Beziehungen verloren.
Diese Tendenz wurde durch die Tatsache unterstützt, dass es seit den 60iger Jahren
auch in immer größer werdendem Maße Frauen möglich war, sich beruflich und privat
frei zu entfalten, wenn auch noch immer in einem anderen Umfang als Männer dies tun. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einstimmung auf das Thema

2. Die Auflösung traditioneller Bindungen

3. Verhandlungsmoral – Schlüssel für die Tücken der Individualisierung ?

4. Markt versus Partnerschaft

5. Individualisierung versus Partnerschaft

6. Die Ehe – verdichtete Form der Verhandlungsmoral

7. Abschaffen der Sexualmoral

8. Schlussbemerkung / Fazit

9. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den soziologischen Wandel von Paarbeziehungen im Kontext der fortschreitenden Individualisierung und die damit verbundene Notwendigkeit, partnerschaftliche Lebensformen durch ständige Kommunikation und Aushandlungsprozesse zu gestalten.

  • Die historische Transformation der Familie von der Produktions- zur Individualisierungsgemeinschaft.
  • Die Auswirkungen ökonomischer Marktmechanismen auf die Stabilität und Struktur privater Partnerschaften.
  • Der Wandel der Ehe von einer Zwangsgemeinschaft hin zu einem verhandlungsbasierten "Bastel-Projekt".
  • Die Auflösung klassischer Sexualmoral zugunsten individueller Konsensvereinbarungen.

Auszug aus dem Buch

1. Einstimmung auf das Thema

„Wortlos marschierte er an mir vorbei in die Wohnung, zog einen Umschlag aus der Tasche und reichte ihn mir. Der Umschlag war bereits geöffnet worden. „Das liegt seit meiner Rückkehr bei uns im Posteingangskorb“, sagte er und ließ sich aufs Sofa fallen. „Ich habe den Umschlag versehentlich aufgemacht. Tut mir Leid. Aber ich denke, es ist letztlich am besten so.“

Zitternd zog ich die Karte aus dem Umschlag.

Auf der Karte ein Cartoon: Zwei Igel stehen vor einer Waschmaschine und schauen zu, was ein BH und eine Unterhose in der Trommel an erotischen Verschlingungen alles so anstellen.

„Von wem ist die Karte eigentlich?“, fragte er freundlich.

„Keine Ahnung.“

„Ich glaube aber schon“, sagte er mit jener ruhigen, beherrschten Art, die den Gedanken nahe legt, dass er jeden Moment ein Hackmesser zücken könnte, mit dem er mir die Nase abschneidet.

„Ich habe dir doch gesagt, ich weiß es nicht“, murmelte ich.

„Dann lies mal was da steht.“

Ich mache die Karte auf. Im Innenteil mit spinniger, roter Schrift die Worte: „Meinem Schatz zum Valentinstag – wir sehen uns, wenn du dein Nachthemd abholen kommst – alles Liebe – Sxxxxxxxx.“

Geschockt starrte ich darauf. In diesem Moment klingelte das Telefon.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einstimmung auf das Thema: Anhand einer alltäglichen Beziehungsepisode wird die Bedeutung von Kommunikation und Gefühlsarbeit in modernen Partnerschaften illustriert.

2. Die Auflösung traditioneller Bindungen: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel der Familie von der vormodernen Produktionsgemeinschaft hin zur bürgerlichen Kleinfamilie und die Folgen der Entfunktionalisierung.

3. Verhandlungsmoral – Schlüssel für die Tücken der Individualisierung ?: Der Text analysiert den Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach individueller Freiheit und dem Bedürfnis nach Bindung, der ständige Beziehungsarbeit erfordert.

4. Markt versus Partnerschaft: Es wird untersucht, wie Leistungsdruck und Marktlogik Anforderungen an die Flexibilität des Einzelnen stellen, die oft im Konflikt mit partnerschaftlichen Bedürfnissen stehen.

5. Individualisierung versus Partnerschaft: Das Kapitel thematisiert die Entstehung eines biographischen Beziehungspluralismus, in dem klassische Ehemodelle an Bedeutung verlieren und alles ausgehandelt werden muss.

6. Die Ehe – verdichtete Form der Verhandlungsmoral: Die Ehe wird hier als ein vertraglich geprägtes "Mietrecht der Bedürfnisbefriedigung" betrachtet, das kontinuierliche "Gefühlsarbeit" erfordert.

7. Abschaffen der Sexualmoral: Die Analyse zeigt, wie eine starre Sexualmoral durch das Prinzip des expliziten Konsenses und die Aushandlung sexueller Interaktionen ersetzt wird.

8. Schlussbemerkung / Fazit: Die Autorin reflektiert die Thematik anhand eigener Erfahrungen und bestätigt die zunehmende Notwendigkeit ständiger Verhandlungen im modernen Zusammenleben.

9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten soziologischen Fachliteratur und populärwissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Individualisierung, Verhandlungsmoral, Gefühlsarbeit, Partnerschaft, Ehe, Wahlbiographie, Marktgesellschaft, Beziehungspluralismus, Privatisierung, Sozialer Wandel, Lebensform, Selbstentfaltung, Moderne, Konsens, Mobilität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den soziologischen Veränderungen von Partnerschaften in einer individualisierten Gesellschaft, in der traditionelle Bindungen zugunsten ständiger Aushandlungsprozesse weichen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Auflösung traditioneller Familienstrukturen, den Einfluss der Leistungsgesellschaft auf Beziehungen und die Transformation von Ehe und Sexualität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Bedürfnis nach individueller Freiheit und dauerhafter Gemeinsamkeit in Einklang gebracht wird und warum dies eine permanente "Verhandlungsmoral" erfordert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine soziologische Literaturanalyse (insbesondere Beck/Beck-Gernsheim) und verknüpft diese mit alltagsnahen Fallbeispielen aus der eigenen Lebenswelt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Spannungsfelder zwischen Marktlogik, beruflicher Flexibilität und partnerschaftlicher Stabilität sowie die zunehmende Reglementierung privater Absprachen detailliert dargestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Individualisierung, Verhandlungsmoral, Gefühlsarbeit, Beziehungspluralismus und die Wahlbiographie.

Wie verändert sich das Verständnis der Ehe durch die Individualisierung?

Die Ehe wird zunehmend als eine freiwillige, auf Verhandlungen basierende Verbindung begriffen, die weniger Sicherheit bietet, aber individuelle Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet, vergleichbar mit einem "Projekt".

Welche Rolle spielt die "Gefühlsarbeit" laut der Autorin?

Gefühlsarbeit ist die notwendige, oft mühevolle Leistung der Partner, um den gemeinsamen Alltag, die Bedürfnisse und die eigene Identität in einer entfunktionalisierten Welt ständig neu zu synchronisieren.

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Details

Title
Verhandlungsmoral als Folge von Individualisierung
College
University of Leipzig  (Soziologie)
Grade
1,7
Author
Julia Knauer (Author)
Publication Year
2003
Pages
13
Catalog Number
V25840
ISBN (eBook)
9783638283571
Language
German
Tags
Verhandlungsmoral Folge Individualisierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Knauer (Author), 2003, Verhandlungsmoral als Folge von Individualisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25840
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