Die Wilhelminische Flottenrüstung und ihre Auswirkung auf das deutsch-englische Verhältnis


Seminararbeit, 2003
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt:

1.Einleitung

2. Die Anfänge der Flottenpolitik (1897-1906)
2.1 Entstehung und Verwirklichung des Tirpitzschen Flottenplans
2.2 Schlachtflottenbau und erste Flottennovellen

3. Zwischen Flottenexpansion und Wettrüsten (1907-1914)
3.1 Der Beginn des Wettrüstens – Der Dreadnoughtsprung
3.2 Scheitern des Tirpitzplans 1913/14

4. Das deutsch- englische Verhältnis im Zeichen der Flottenrüstung
4.1 Der Beginn des Antagonismus
4.2 Die Haldane Mission - Versuch einer Verständigung mit England
4.3 Scheitern der deutsch-britischen Verständigung

5. Zusammenfassung

6. Quellen und Literatur

1. Einleitung

Aus dem Deutschen Reiche ist ein Weltreich geworden. Überall in fernen Teilen der Erde wohnen Tausende unserer Landsleute, deutsche Güter, deutsches Wissen, deutsche Betriebsamkeit gehen über den Ozean. … An Sie, meine Herren, tritt die ernste Pflicht heran, mir zu helfen dieses größere Deutsche Reich auch fest an unser heimisches zu binden.“[1]

Dieser Auszug aus einer Tischrede des deutschen Kaisers vom 18.01.1896 beschreibt sehr trefflich die deutschen Ambitionen, ihren Halbhegemonialstatus in einen hegemonialen umzuwandeln und somit Weltmacht zu werden.

In der folgenden Arbeit soll die deutsche Flottenrüstung besprochen werden, die es dem Reich ermöglichen sollte, jenen Weltmachtstatus zu erlangen und zu verteidigen. Die Flottenrüstung war der zentrale Punkt, da durch sie das Deutsche Reich sich zu verwirklichen und ihren Weltmachtanspruch zu untermauern versuchte. Ein weiterer Aspekt wird die Herausforderung Englands sein, welches sich einem selbstbewussten, nach Kolonien und einer starken Flotte strebenden Deutschen Reich gegenübersah. Deutschland versuchte mit großer Kraft Weltmacht zu werden, was in jedem Falle auf die Kosten einer anderen Weltmacht – England – gehen musste.

Ende der 1890er Jahre entwickelte Admiral Tirpitz ein Konzept, den Flottenplan, welches die deutsche Schlachtflotte hinter England zur zweitstärksten der Welt machen sollte.

Hierbei gilt es zu untersuchen, ob die Tirpitzsche Flottenrüstung das Wettrüsten zwischen der Kontinentalmacht Deutschland und der Weltmacht Großbritannien herauf beschwor, da Tirpitz die erforderliche Flottenstärke von 2:3 gegenüber der englischen ständig propagierte und durchzusetzen versuchte. Er untergrub mit seinen Forderungen den für die Engländer so wichtigen two power standart, der besagte, dass die britische Flotte mindestens doppelt so stark sein soll wie die zweitstärkste Schlachtflotte der Welt. Dies war für das britische Empire von enormer Bedeutung, da es nur durch eine den Handel schützende Flotte das Überleben des Mutterlandes und der Kolonien gewährleisten konnte.

Die Frage, die nun aufgeworfen wird und auch zentral für diese Arbeit sein soll, lautet demnach: War eine deutsche Gleichberechtigung und Seegeltung überhaupt möglich, ohne die englische Seesuprematie in Frage zu stellen? Es soll demzufolge geklärt werden, inwiefern die deutsche Flottenrüstung den deutsch-britischen Antagonismus bestärkte und ob durch die deutsche Fehleinschätzung ihrer militärischen und politischen Macht nicht die ‚Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts’[2] heraufbeschworen wurde.

Das britische Empire hatte sich seine Position im internationalen ‚Weltspiel’ über Jahrhunderte weg erstritten, doch nun wähnte das Deutsche Reich seine Zeit gekommen, Englands Position streitig zu machen und dies durch eine starke Flotte zu begründen.

Entgegen allen anfänglichen Beteuerungen Tirpitz’ war die deutsche Schlachtflotte von Anfang an gegen England gerichtet und nicht wie der Admiral beteuerte zum Schutz der deutschen Küsten und der deutschen Handelsflotte sowie der überseeischen Kolonien.

Die Quellenlage über dieses Thema gestaltet sich verhältnismäßig gut, da der Forschung mittlerweile fast alle deutschen und britischen Flottenpläne sowie auch Reichs- und Empirefinanzen aus der damaligen Zeit vorliegen. Die letzten nicht geöffneten Akten über den Flottenbau befinden sich zum Teil in den Archiven von Stahl produzierenden und verarbeitenden Unternehmen. Da in dieser Arbeit jedoch nicht die Flottenrüstung im speziellen, sondern ihre Auswirkung auf das deutsch-englische Verhältnis im Vordergrund stehen soll, ist dieser Missstand nicht so erheblich.

Beginnen soll diese Arbeit mit einer Einführung zur Entstehung des Flottenplans [2.1] und mit den ersten Novellen zur Flottenrüstung [2.2]

Im zweiten Teil der Arbeit wird der – für das Reich und auch das deutsch-englische Verhältnis so ausschlaggebende – Übergang zum Bau einer neuen Schlachtschiffgeneration, den Dreadnoughts [3.1] besprochen. Weiterhin wird sich dieser Teil mit dem Scheitern des Tirpitzplans [3.2] befassen, was sich im ersten Weltkrieg noch als fatal erweisen sollte.

Der letzte Teil der Arbeit wird sich mit dem Beginn des deutsch-englischen Antagonismus, der zwischen den beiden Weltmächten fast zwangsläufig aufkam, [4.1] befassen.

Abschließend soll erläutert werden, welchen Einfluss die Haldane Mission [4.2] auf die deutsch-englische Verständigung in der Flottenfrage hatte und ob das ‚hineinschlittern’ der beiden Mächte in den ersten Weltkrieg nicht, durch eine anti-aggressivere Außenpolitik beiderseits, hätte verhindert werden können [4.3].

2. Die Anfänge der Flottenpolitik (1897-1906)

2.1 Entstehung und Verwirklichung des Tirpitzschen Flottenplans

Admiral Tirpitz wurde am 31. März 1897 zum Staatssekretär im Reichsmarineamt berufen und begann sogleich mit der Entwicklung eines Flottenplans, der die deutsche Schlachtflotte zur zweitstärksten der Welt machen sollte. Das Deutsche Reich, welches wenige Jahre zuvor in das ‚Wilhelminische Zeitalter’ eingetreten war, begann seinen Anspruch nach Weltmacht zu untermauern, mit einer bis dahin in Deutschland ungekannten Energie zur Flottenrüstung.

Am Tage Tirpitz’ Amtsantritts verfügte das Deutsche Reich über gerade mal „6 Hochseepanzerschiffe erste Klasse und stand damit unter den Seemächten erst an fünfter Stelle, obwohl es inzwischen zur zweitgrößten Handelsmacht der Welt aufgerückt war.“[3]

Das Deutsche Reich sah seine ökonomische Prosperität und die nationale Selbsterhaltung eng miteinander verknüpft. Es richtete aus diesem Grund sein Streben auf die Expansion, in der Hoffnung – sollte sie von Erfolg gezeichnet sein – ,die sozialen und innenpolitischen Erschütterungen im Reich aufzufangen, oder wie es Tirpitz ausdrückte: „Wenn die gesamten Seeinteressen systematisch vorwärts getrieben werden, so ist dies das beste Mittel gegen die Sozialdemokratie.[4] Weiterhin war Tirpitz der Ansicht, dass Deutschland aufgrund seiner militärischen Macht und der ökonomischen Überlegenheit quasi als Folge Weltgeltung bekommen müsse.

Reichskanzler Chlodwig Fürst zu Hohenlohe Schillingsfürst begründete das in Deutschland aufkommende Begehren nach eine starken Flotte mit den Worten: „Die Entwicklung des deutschen Handels bringt es mit sich, dass dadurch die Eifersucht anderer Handelstreibender Völker erregt wird. … Wollen wir uns nicht in allem fügen und auf die Rolle einer Weltmacht verzichten, so müssen wir geachtet sein. … Dazu ist den Seemächten gegenüber eine Flotte nötig.[5]

Dem Deutsche Reich wurde demnach klar, dass seine internationale und vor allem auf kolonialen Gebiet labile Stellung eine „der Offensive fähige Flotte[6] benötigt würde, um sich gegebenenfalls gegen eine andere Weltmacht, in diesem Fall England, zur Wehr setzten zu können.

[...]


[1] Hohlfeld, Johannes: Dokumente der deutschen Politik und Geschichte von 1848 bis zur Gegenwart: ein Quellenwerk für die politische Bildung und staatsbürgerliche Erziehung, Berlin, S. 63.

[2] Gemeint ist hier der Erste Weltkrieg.

[3] Görtemarker, Manfred: Deutschland im 19. Jahrhundert. 5. Auflage. Bonn 1996, S. 163.

[4] Zit. nach: Deist Wilhelm: Flottenpolitik und Flottenpropaganda. Das Nachrichtenbureau des Reichsmarineamtes 1897- 1914. Stuttgart 1976, S.

[5] Görtemarker, Manfred: Deutschland im 19. Jahrhundert. 5. Auflage. Bonn 1996, S. 163.

[6] So Admiral Tirptitz in seiner Dienstschrift IX. zit. nach Duppler, Jörg (Hg.): Seemacht und Seestrategie im 19. und 20. Jahrhundert. MGM. Band 18. Hamburg, Berlin & Bonn 1999, S.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Wilhelminische Flottenrüstung und ihre Auswirkung auf das deutsch-englische Verhältnis
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
PS: "Wilhelm II. und Deutschlands Weg in den Ersten Weltkrieg"
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V25881
ISBN (eBook)
9783638283861
ISBN (Buch)
9783656561354
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit habe ich Ende Mai 2004 zurückbekommen.
Schlagworte
Wilhelminische, Flottenrüstung, Antagonismus, Tirpitzplan, Wilhelm II., Erster Weltkrieg, deutsch-britisch, dreadnoughtsprung
Arbeit zitieren
Andrej Wackerow (Autor), 2003, Die Wilhelminische Flottenrüstung und ihre Auswirkung auf das deutsch-englische Verhältnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25881

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