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Gegenstände, Formen und Funktionen modernen autobiographischen Erzählens: Jean-Paul Sartre, Alfred Andersch und Joan Didion

Title: Gegenstände, Formen und Funktionen modernen autobiographischen Erzählens: Jean-Paul Sartre, Alfred Andersch und Joan Didion

Thesis (M.A.) , 2003 , 181 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Julia Röhlig (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

[...] Zum Vorgehen: Trotz der anfangs genannten Einschränkungen hinsichtlich der theoretischen Reichweite dieser Arbeit wird es nötig sein, den konkreten Textanalysen einige theoretische und allgemeine Überlegungen voranzustellen (Kap. 2): So sollen zunächst die Begriffe ‚autobiographisch’ bzw. ‚Autobiographie’ und ‚Erzählen’ im literaturwissenschaftlichen Sinn definiert werden, um den gattungstypologischen Standort der Texte zumindest grob zu bestimmen und für die folgenden Analysen das nötige begriffliche ‚Rüstzeug’ bereitzustellen (Kap. 2.1). Daran fügen sich einige Überlegungen zur existentiellen Funktion autobiographischen Erzählens im allgemeinen sowie zu den Hintergründen, Bedingungen und typologischen Merkmalen der Akzentverschiebung im modernen autobiographischen Erzählen im besonderen an, mit denen die oben aufgestellten Thesen vertieft und differenziert werden sollen (Kap. 2.2). Der dritte Teil der Arbeit umfaßt die Analysen der Texte. Aufgrund ihrer Verschiedenheit werde ich die Texte getrennt behandeln (Kap. 3.1, 3.2, 3.3). In den einzelnen Untersuchungen fließen jeweils zwei Interessenrichtungen zusammen. Die eine richtet sich generell auf den Zusammenhang zwischen der existentiellen Funktion, die das autobiographische Erzählen jeweils für die Autoren erfüllt, und der spezifischen Selektion, Anordnung und Präsentation des Lebensstoffes. Die Gliederung meines Vorgehens in den einzelnen Text-Kapiteln wird sich nach dieser Fragestellung richten: Für jeden Text möchte ich untersuchen, welche Funktion er für seinen Autor hat (Kap. 3.1.1, 3.2.1, 3.3.1), wie sich diese Funktion in den Formen und Gegenständen des Erzählens manifestiert (Kap. 3.1.2, 3.2.2, 3.3.2) und welchen Ausgang bzw. welches Ergebnis die autobiographische Suche hat (Kap. 3.1.3, 3.2.3, 3.3.3). Die zweite Interessenrichtung bezieht sich auf die Modernität und Innovativität der Texte im oben erläuterten Sinne: Inwiefern heben sich die Texte von der Tradition ab und inwiefern sind sie darin miteinander vergleichbar? Diese Fragen bestimmen die Untersuchungs- und Deutungsschwerpunkte bei den Analysen der Texte, das heißt, ich werde natürlich nur diejenigen inhaltlichen und formalen Besonderheiten behandeln, die mir im Hinblick auf die Entwicklungen der modernen Autobiographik bedeutsam erscheinen. Die entsprechenden Einordnungen und Abgrenzungen werden in die Analysen einfließen und in einem abschließenden Resümee noch einmal in geraffter Form rekapituliert. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil

2.1 Begriffsbestimmungen

2.1.1 Die Autobiographie und ihre Nachbargattungen

2.1.2 Erzählen

2.2 Funktionen, Formen und Gegenstände (modernen) autobiographischen Erzählens - grundsätzliche Überlegungen

2.2.1 Die existentielle Funktion autobiographischen Erzählens

2.2.1.1 Autobiographisches Erzählen und personale Identität

2.2.1.2 Identitätsungewißheit und existentielle Haltlosigkeit als Ausgangspunkte modernen autobiographischen Erzählens

2.2.2 Konsequenzen der modernen Identitätsproblematik für das autobiographische Erzählen

3. Drei moderne autobiographische Erzähltexte

3.1 Jean-Paul Sartre: Les Mots

3.1.1 Autobiographisches Erzählen als Instrument analytischer Erkenntnis und idealtheoretischer Selbst-Konstruktion

3.1.2 Erzählen unter der ‚Diktatur des Sinns’

3.1.2.1 Aufbau: Dialektik im Gewand einer Geschichte

3.1.2.2 Gegenstand

3.1.2.2.1 Der vermeintliche Bruch von 1916: metadiskursive Nachschöpfung des Wahnsinns in ‚Verschiebungen’ und ‚Entstellungen’

3.1.2.2.2 Klassische Elemente der Kindheitserzählung im Dienst der Dialektik

3.1.2.3 Figuren als Rollenträger

3.1.2.4 ‚Der Mann im Kind’: Perspektive und Stellung des autobiographischen Subjekts

3.1.2.5 Stil und Darstellung: Ein abtrünniger Meister der ‚belles-lettres’

3.1.3 Das Ergebnis der autobiographischen Suche: existentielle Bestimmungslosigkeit als positives Lebensaxiom

3.2 Alfred Andersch: Der Seesack. Aus einer Autobiographie

3.2.1 Autobiographisches Erzählen als Selbstversuch und Selbstsuche

3.2.2 Erzählen als Widerspiegelung eines ungewissen Such-Prozesses

3.2.2.1 Aufbau: Ein ‚ungeordnetes Buch, das kein Buch ist’

3.2.2.2 Gegenstand

3.2.2.2.1 Eine Situation existentieller Ungewißheit als Anhaltspunkt der Identitäts-Suche

3.2.2.2.2 Begebenheiten, Begegnungen, Augenblicke und ‚Fremdmaterial’ mit möglichem Erkenntnisgewinn

3.2.2.3 Stellung des autobiographischen Subjekts: Ein dominanter Sprecher

3.2.2.4 ‚Tupfen-Stil’ und ‚Flickenteppich’: Stil, Redeweisen, Redegestik

3.2.3 ‚Ergebnis’ und existentieller Stellenwert der autobiographischen Suche: ein Versuch mit geringem Erfolg?

3.3 Joan Didion: The White Album

3.3.1 Autobiographisches Erzählen als Akt elementarer existentieller Selbstbehauptung

3.3.2 Eine Erzählung (von) der Krise des Erzählens

3.3.2.1 Aufbau: „not a movie but a cutting-room experience“

3.3.2.2 Gegenstand

3.3.2.2.1 Einseitige Materialauswahl und -darstellung

3.3.2.2.2 ,,Here are some particulars” - zum Stellenwert und zur Funktion des Konkreten und Einzelnen im White Album

3.3.2.3 Stellung des autobiographischen Subjekts: Eine unzuverlässige Erzählerin

3.3.2.4 Zeigen statt Sagen: Stil, Rhetorik und Redegestik als zentrale Bedeutungs-Träger

3.3.3 Ergebnis?

4. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Gegenständen, Formen und Funktionen des autobiographischen Erzählens anhand von Texten von Jean-Paul Sartre, Alfred Andersch und Joan Didion. Das primäre Ziel ist es, die existentielle Dimension des autobiographischen Schreibens in der Moderne zu analysieren und aufzuzeigen, wie sich die Autoren mit den Krisen von Identität und Erzählbarkeit auseinandersetzen.

  • Die existentielle Grundfunktion autobiographischen Erzählens als Sinn-Suche.
  • Entwicklung und Transformation der modernen Autobiographik im 20. Jahrhundert.
  • Die Krise des Subjekts und der Verlust kollektiver Sinnkonzepte.
  • Formale Innovationen und metadiskursive Verfahren als Reaktion auf existentielles Unbehagen.

Auszug aus dem Buch

Die existentielle Funktion autobiographischen Erzählens

Didion formuliert in extrem zugespitzter Form die o.g. existentielle Grundfunktion des Erzählens: Erzählen versteht sie nicht in einem engen, speziell auf ihre Tätigkeit als Journalistin und Schriftstellerin bezogenen Sinn, sondern als allgemein menschliche Fähigkeit (‚we’), die dem Menschen hilft, das Chaos der alltäglichen Erfahrung zu selektieren, zu ordnen und zu ‚interpretieren’. Die Suche nach ‚Geschichten’ scheint gleichbedeutend mit der Suche nach lebensweltlichem Sinn (‚sermon’, ‚social or moral lesson’) und Zusammenhängen (‚imposition of a narrative line’) und entspringt einem Bedürfnis, das zu erfüllen für jeden Menschen lebenswichtig im eigentlichen Sinn des Wortes ist. Denn, so die implizite Konsequenz, wer die ‚Geschichten’, die ‚Predigten’ und ‚Lektionen’ in seinen alltäglichen Erfahrungen nicht mehr erkennt, wer sie nicht sich selbst oder anderen erzählen kann, läuft Gefahr, sich selbst und die Welt in der Vielfalt dieser ‚wechselnden Phantasmagorie’ zu verlieren.

Nun bringt ein derart weiter und zugleich überspitzter Begriff von Erzählen zwar dessen eigentümlichste und ursprünglichste Bedeutung auf den Punkt, doch es liegt auf der Hand, daß sich nicht jedes literarische Erzähl-Werk, jede kleine Alltagserzählung als existentielle Sinn-Suche oder gar als Rettungsversuch vor dem Abgleiten ins existentielle oder psychische Abseits verstehen läßt. Wozu also dieser Ausflug in anthropologische und existentielle Weiten? Er führt zu einem wesentlichen Merkmal autobiographischen Erzählens. Denn hier haben wir es mit einem Bereich des Erzählens zu tun, in dem seine existentielle Grundfunktion wohl am konsequentesten und deutlichsten zum Tragen kommt. Wer das Unternehmen wagt, unmittelbar über sich und sein Leben zu erzählen, ist kein ‚Geschichtenerzählspieler’, der ein ‚Spiel’ mit möglichen Bedeutungen und Sinnzusammenhängen spielt - der womöglich sein Inneres auf fiktionale Ebenen verlagert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie autobiographisches Erzählen als Sinn-Suche in modernen Texten fungiert und wie erzähltheoretische Ansätze um die existentielle Dimension erweitert werden können.

2. Theoretischer Teil: Es werden methodische Grundlagen zur Autobiographie, zum Erzählen nach Dietrich Weber und zur identitätsstiftenden Funktion von Sprache und autobiographischer Selbstaussage dargelegt.

3. Drei moderne autobiographische Erzähltexte: Der Hauptteil analysiert detailliert die Texte von Sartre, Andersch und Didion, um die individuellen Ansätze zwischen Tradition und Moderne und die jeweilige existentielle Problematik herauszuarbeiten.

4. Zusammenfassung: Die Ergebnisse der Einzelanalysen werden gebündelt, wobei die Akzentverschiebung vom teleologischen, sinnstiftenden Erzählen zur fragmentarischen, suchenden Selbsterkundung im Vordergrund steht.

Schlüsselwörter

Autobiographie, modernes Erzählen, existentielle Sinn-Suche, Identität, Identitätskrise, Selbstdarstellung, autobiographische Illusion, Form und Funktion, Subjektivität, Sinn-Krise, Erzählbarkeit, Jean-Paul Sartre, Alfred Andersch, Joan Didion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang von Gegenständen, Formen und Funktionen des autobiographischen Erzählens in der modernen Literatur anhand von drei beispielhaften Autoren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die existentielle Sinn-Suche, die Krise des modernen Subjekts, die Bedeutung von Identität und die Transformation autobiographischer Schreibweisen im 20. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, warum und wie die gewählten Autoren ihr Leben darstellen, und dabei die existentielle Funktion des autobiographischen Erzählens als Mittel der Selbstbehauptung oder Selbsterkenntnis offenzulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden textnahe Analysen durchgeführt, die sich auf erzähltheoretische Konzepte (insb. Dietrich Weber und Philippe Lejeune) stützen, um die individuelle Form der Selbstbetrachtung jedes Autors zu verstehen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei große Analysen zu Jean-Paul Sartres "Les Mots", Alfred Anderschs "Der Seesack" und Joan Didions "The White Album", wobei jeweils Struktur, Gegenstand und Funktion beleuchtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben Begriffen wie Autobiographie und Identität sind besonders "existentialistische Sinn-Suche", "Krise des Subjekts" und "moderne Erzählformen" essenziell.

Wie unterscheidet sich Sartres Ansatz von Didions Umgang mit der Krise?

Sartre nutzt die Autobiographie als analytisches Instrument, um eine "Totalität" seines Lebens zu konstruieren, während Didion in "The White Album" die Unfähigkeit zum sinnstiftenden Erzählen thematisiert und das Chaos der Moderne in einer collagenartigen Form ohne Pointe spiegelt.

Welche Rolle spielt die Metapher der "Archäologie der Seele" bei Andersch?

Die Metapher veranschaulicht Anderschs fragmentarisches Vorgehen, bei dem er in seinem eigenen Leben nach Sinn-Fragmenten gräbt, ohne den Anspruch zu erheben, ein vollständiges, "abgeschlossenes" Bild seiner Persönlichkeit zu zeichnen.

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Details

Title
Gegenstände, Formen und Funktionen modernen autobiographischen Erzählens: Jean-Paul Sartre, Alfred Andersch und Joan Didion
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Grade
1,3
Author
Julia Röhlig (Author)
Publication Year
2003
Pages
181
Catalog Number
V25900
ISBN (eBook)
9783638284004
Language
German
Tags
Gegenstände Formen Funktionen Erzählens Jean-Paul Sartre Alfred Andersch Joan Didion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Röhlig (Author), 2003, Gegenstände, Formen und Funktionen modernen autobiographischen Erzählens: Jean-Paul Sartre, Alfred Andersch und Joan Didion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25900
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