Partikelverben im Deutschen - Eine syntaktische Analyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
21 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Die Partikelverben im Deutschen
1.2. Gliederung der Arbeit

2. Der syntaktisch-semantische Ansatz
2.1. Die syntaktische Grundlage
2.2. Die semantische Grundlage
2.3. Die Interaktion von Lexikon und Syntax

3. Die Analyse
3.1. Die Partikel ab
3.1.1. Die Argumentstruktur der Partikel ab
3.1.2. Andere Verwendungen der Partikel ab
3.2. Die Partikel aus
3.2.1. Aus als aspektueller Operator
3.2.2. Die Argumentstruktur der Partikel aus
3.2.3. Andere Verwendungen der Partikel aus
3.3. Die Partikel an
3.3.1. An als aspektueller Operator
3.3.2. Die Argumentstruktur der Partikel an
3.3.3. Andere Verwendungen der Partikel an
3.4. Die Partikel auf
3.4.1. Auf als aspektueller Operator
3.4.2. Andere Verwendungen der Partikel auf
3.5. Die Partikel los
3.5.1. Die Argumentstruktur der Partikel los
3.5.2. Andere Verwendungen der Partikel los

4. Bilanz

5. Literatur

1. Einleitung

1.1. Die Partikelverben im Deutschen

Die Partikelverben sind ein kontrovers diskutiertes Phänomen der deutschen Sprache. Zum einen verursachen sie einen Streitpunkt in der Frage, ob sie lexikalisch oder syntaktisch zu analysieren sind. Sie liefern Anhaltspunkte für beide Ansätze, weshalb sie mitunter als Grenzfall oder Schnittstelle zwischen Morphologie und Syntax1 verstanden werden. Auch besteht Uneinigkeit darüber, ob die Partikel oder das Basisverb als Kopf des Komplexes anzusehen sind. Ihre Entstehung wirft jedenfalls interessante Fragen auf, und es gibt eine ganze Reihe von Versuchen, Schablonen für die Bildung dieser Partikelverben zu modellieren, sowohl syntaktischer als auch morphologischer Art.

Schließlich spielt auch die Semantik bei den Partikelverben eine besondere Rolle. Sie sind zwar häufig einfache Kompositionen, in denen die Bedeutung der Partikel und des Basisverbs sich verbinden, in vielen Fällen aber sind sie ambig2 und nur aus dem Kontext zu deuten, zudem sind sie häufig Idiomatisierungen oder Metaphorisierungen.

1.2. Gliederung der Arbeit

Ich werde mich im folgenden mit Jochen Zellers (2001) Aufsatz „How Syntax restricts the lexicon: particle verbs and internal arguments“

auseinandersetzen und seine syntaktische Analyse der Partikelverben kritisch beleuchten. In Kapitel 2. stelle ich seine These und seine Ausgangsüberlegungen vor. In Kapitel 3. überprüfe ich –hauptsächlich anhand seiner eigenen Beispiele und parallel zu seiner Gliederung - seine Beweisführung, und in Kapitel 5. ziehe ich Bilanz.

2. Der syntaktisch-semantische Ansatz

2.1. Die syntaktische Grundlage

Im Zuge des „Syntaktisierungstrends in der Wortbildung“3 versucht sich Jochen Zeller (2001) in seinem Aufsatz „How syntax restricts the lexicon: particle verbs and internal arguments“ an einer syntaktischen, genauer: einer syntaktisch-semantischen Analyse der Partikelverben. Er geht davon aus, dass die Argumente von Partikelverben immer von der Partikel, nicht vom Basisverb eingebracht werden, weil syntaktisch die Partikel Kopf einer maximalen Projektion ist, die die Komplementstelle des Verbs besetzt und daher keines der Argumente des Basisverbs mit einer syntaktischen Objektposition veknüpft werden kann, wenn eine Partikel vorhanden ist:

„Paricles in German have the capacity to introduce new arguments when they combine with a verb. Based on this observation, I argue that the internal arguments of a particle verb are always introduced by the particle. I suggest that this follows from the fact that syntactically the particle is the head of a maximal projection that occupies the single complement position of the verb; therefore, none of the base verb’s arguments can be linked to a syntactic object position if a particle is present.“4

Syntaktisch repräsentiert er die Verb-Partikel-Konstruktion also als Verb mit einer Komplementphrase, deren Kopf die Partikel ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zellers Hauptinteresse liegt – wie der Titel seiner Arbeit schon sagt - auf den (internen) Argumentstellen, also den Objekten, der Partikelverben. Er versucht, zu beweisen, dass

„Internal arguments are always introduced by the particle. Conceptual arguments of a base verb that do ot correspond to conceptual arguments of the particle can never be realized as objects of a particle verb.“5

In Fällen, in denen das Partikelverb das gleiche Objekt realisiert wie das Basisverb, aus dem es gebildet wurde, so geht Zeller davon aus, dass zufällig die Partikel die gleiche Argumentstelle in die Verbindung eingebracht hat, wie das Basisverb, und dass es deswegen so aussieht, als sei die Argumentstelle des Basisverbs erhalten worden, während sie aber tatsächlich von der Argumentstelle der Partikel ersetzt worden ist.

Sein Ziel ist es, zu zeigen, dass nur die Partikel die syntaktische Realisierung der Verbargumente der Partikelverben bestimmt, und dass anhand ihrer Argumentstruktur Schablonen für die syntaktische Realisierung der Verbargumente erstellt werden können.

2.2. Die semantische Grundlage

Für seine semantische Analyse der Partikelverben orientiert sich Jochen Zeller an der semantic theory Jackendoffs6. In diesem Ansatz wird die Bedeutung eines lexikalischen Eintrags durch seine lexical conceptual structure (LCS)

bedingt. Es wird ein Basis Repertoire von major conceptual categories angenommen, z.Bsp. Event, Thing, Place, Path, etc. Diese Kategorien können ausgebaut werden zu function-argument structures, die simple semantische Prädikate enthalten, z.Bsp. CAUSE, GO, BE etc. Die Argumente dieser Prädikate werden in der LCS eines lexikalischen Eintrags als Variablen dargestellt.

Die LCS für trinken wird zum Beispiel so repräsentiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das A steht für Argumentstelle, die Klammern (< >) signalisieren ihre Fakultativität. Das a signalisiert den Weg der Flüssigkeit in den Mund des/der Handelnden, des Agent (vgl. bsp. ‚füttern‘).

Zeller nimmt an, dass beim Kombinieren von Partikel und Verb die LCS der Partikel und die LCS des Verbs verschmelzen (LCS-fusion) und dabei die Argumentstellen der Partikel diejenigen des Basisverbs blockiert und ersetzt.

(3) Beispiel für eine LCS-fusion:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1vgl Stiebels und Wunderlich (1994) S. 913: „Particle verbs [...] constitute an interesting borderline case between morphology and syntax. In morphological terms, particle verbs feed the formation of deverbal adjectives and nouns [...], and therefore they behave like mophological objects. In the syntax, however, the particle can be separated, and in verb-first sentences [...] it must be stranded.

2 Stiebels (1996), S. 49

3 Olsen (1994), S. 202

4 Zeller (2001), S. 459

5 Zeller (2001), S. 462

6 Jackendoffs semantic theory beschrieben in Zeller (2001), S.463

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Partikelverben im Deutschen - Eine syntaktische Analyse
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Hauptseminar Wortbildung
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V25901
ISBN (eBook)
9783638284011
ISBN (Buch)
9783638789127
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit entstand im Wintersemester 02/03 für das Hauptseminar Wortbildung im Deutschen an der Uni Köln. Thema sind die Partikelverben im Deutschen. Dabei konzentriere ich mich auf den semantisch-syntaktischen Untersuchungsansatz von J. Zeller, der sich widerum and R. Jackendoff orientiert.
Schlagworte
Partikelverben, Deutschen, Eine, Analyse, Hauptseminar, Wortbildung
Arbeit zitieren
Britta Sonnenberg (Autor), 2003, Partikelverben im Deutschen - Eine syntaktische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25901

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