In dieser Arbeit soll ein Blick auf die Ereignisse des letzten Kriegsjahres geworfen werden. Dabei wird untersucht, inwieweit das Oberkommando der deutschen Wehrmacht die jeweiligen Lagen realistisch einschätzte und entsprechend reagierte; ferner die eigene Strategie, um die drohende Niederlage abzuwenden. In Kapitel II. wird die Struktur und Hierarchie der Wehrmachtsführung analysiert und so ein Einblick in die Konstellation zwischen dem "Führer" und den Offizieren gegeben. Kapitel III. behandelt die herausragenden Ereignisse des letzten Kriegsjahres im Einzelnen; angefangen mit dem Zusammenbruch der Heeresgruppe "Mitte" im Juni 1944 über die Abschnürung der H.Gr. "Nord" im Baltikum und der Ardennenoffensive im Dezember bis hin zum Endkampf an der Oder im März 1945. Dabei werden jeweils die Voraussetzungen der Operationen geschildert, ihr Verlauf und ihre Folgen für die weitere Kriegführung. Das Hauptaugenmerk soll hierbei vor allem darauf gerichtet werden, inwiefern das OKW durch seine taktischen Anweisungen die Ausgangslage der eigenen Truppen verschlechtert hat.
Kapitel IV. zieht aus den eben beschriebenen Ereignissen das Fazit und untersucht die Fragen nach dem Grund des Weiterkämpfens bis zum völligen Zusammenbruch, der realistischen Chancen einer Wende sowie der Verantwortung für die immense Zahl der Opfer in den letzten Kriegsmonaten. Ebenfalls wird noch einmal die Strategie des OKW kritisch beleuchtet und die Schlußfolgerung der Befehlsstruktur für die Operationsplanungen gezogen.
Inhaltsverzeichnis
I.Einleitung
1.Fragestellung
2. Quellenlage
3. Forschungsstand
II. Die Wehrmachtsführung
1. Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW)
2. Die Machtverschiebung in der entscheidenden Phase
3. Hitler und das Offizierskorps
III. Die Endphase des Krieges
1. Die Strategie Hitlers
a) Boden halten um jeden Preis
b) die deutsche "Herrenrasse"
c) neue Technologien
d) Fazit
2. Der Zusammenbruch der H.Gr."Mitte" im Juni 1944
3. Die "Kurland - Armee
4. Die Ardennenoffensive
5. Zusammenfassung
IV. Fazit
1. Standhalten oder Rückzug?
2. Die Abwehr der Invasion
3. Ein Angriff mit dem "Rücken zur Wand"
a) Erfolgschancen der Ardennenoffensive
b) die Erwartungen des Angriffs
4. Die "verhinderte" Strategie des OKW
5. Der verlorene Krieg
V. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht kritisch die militärische Lagebeurteilung und Strategie der Wehrmachtsführung zwischen Juni 1944 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit Hitlers Befehlsgewalt, die Struktur des Oberkommandos der Wehrmacht und ideologische Vorgaben die militärischen Entscheidungsprozesse beeinflussten und zum Zusammenbruch an den verschiedenen Fronten beitrugen.
- Analyse der hierarchischen Struktur und der Befehlskonstellation der Wehrmachtsführung.
- Untersuchung der strategischen Prinzipien Hitlers, wie "Boden halten um jeden Preis" und die Auswirkungen der "Herrenrasse"-Ideologie.
- Kritische Aufarbeitung bedeutender militärischer Ereignisse wie der Zusammenbruch der Heeresgruppe "Mitte", der "Kurland-Armee" und der Ardennenoffensive.
- Bewertung der Rolle des Offizierskorps und dessen Abhängigkeit von Hitlers Weisungen.
- Reflektion über die Möglichkeiten und Versäumnisse der militärischen Führung in der Endphase des Krieges.
Auszug aus dem Buch
3. Hitler und das Offizierskorps
Wie erläutert, wurden die Offiziere - auch in leitenden Positionen wie beispielsweise im OKW - in zunehmenden Maße zu Befehlsempfängern. Als sich die deutsche Front 1942 festgerannt hatte und sich Mißerfolge und vor allem Gegenschläge häuften, machte der "Führer" gewöhnlich die örtlichen Kommandierenden verantwortlich, was in der Regel zu deren Ablösung führte. Die Nachfolger wurden, insbesondere nach dem Attentat des 20. Juli 1944, weniger nach Eignung oder Erfahrung, sondern vielmehr nach Loyalität ausgesucht. Ein Beispiel hierfür liefert die Ernennung des "Reichsführers SS", Heinrich Himmlers, zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe "Weichsel" im Januar 1945. Himmler fehlte jede Erfahrung auf dem Gebiet der Kriegsführung; trotzdem bestand Hitler auf diesem Einsatz - mit dem Resultat, daß die Heeresgruppe schnell zusammenbrach.
Die leitenden Offiziere bekamen oft den Vorwurf der Feigheit zu hören. Als es im Frühsommer 1944 gelang, wieder eine durchgehende (wenn auch schwach besetzte) Ostfront zu schaffen; die nächste sowjetische Großoffensive aber unmittelbar bevorstand, erklärte der Generalstab des Heeres Hitler die Notwendigkeit des Ausbaus einer befestigten Verteidigungslinie ca. 20 km hinter der Front, die Durchbrüche der Roten Armee auffangen sollte. Hitler antwortete, daß die Existenz einer solchen Linie die Fronttruppen veranlassen würde, frühzeitig zurückzuweichen, statt zu kämpfen und kritisierte die "stets nach hinten blickenden Generäle". Auch bei anderen Themen war Hitler kompromißlos. Guderian, seit dem Attentat Chef des Generalstabes des Heeres, kommentiert hierzu: "Seinem Charakter entsprechend, verwandelte sich sein tief eingewurzeltes Mißtrauen (...) gegen den Generalstab und die Generale im besonderen nunmehr in abgrundtiefen Haß. (...) Er glaubte niemandem mehr. Die Verhandlungen mit ihm, die schon vorher schwierig genug waren, gestalteten sich nunmehr zu einer Qual, die sich von Monat zu Monat steigerte."
Zusammenfassung der Kapitel
I.Einleitung: Einführung in die Fragestellung und kritische Betrachtung der Quellenlage sowie des Forschungsstandes zur Endphase des Zweiten Weltkriegs.
II. Die Wehrmachtsführung: Analyse der Organisationsstruktur des OKW, der Machtverschiebungen unter Hitler sowie dessen zunehmend schwieriges Verhältnis zum Offizierskorps.
III. Die Endphase des Krieges: Untersuchung der Strategie Hitlers, des Zusammenbruchs der Heeresgruppe "Mitte", der "Kurland-Armee" und des Scheiterns der Ardennenoffensive.
IV. Fazit: Kritische Zusammenfassung, ob und wie die militärische Führung den Zusammenbruch hätte beeinflussen können und wer die Verantwortung trug.
Schlüsselwörter
Wehrmachtsführung, Oberkommando der Wehrmacht, Adolf Hitler, Ostfront, Ardennenoffensive, Heeresgruppe Mitte, Strategie, Zweiter Weltkrieg, Befehlsstruktur, Militärgeschichte, Festungspolitik, Untergang, Offizierskorps.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Handeln der Wehrmachtsführung in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs (Juni 1944 bis Mai 1945) und beleuchtet die strategischen Fehlentscheidungen unter der direkten Führung Adolf Hitlers.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Befehlsstruktur der Wehrmacht, der Einflussnahme Hitlers auf militärische Entscheidungen, dem Verhältnis zwischen politischer Führung und Generalität sowie der Analyse konkreter Operationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu klären, inwieweit die Wehrmachtsführung die Lage realistisch einschätzte und ob durch eine alternative Strategie die Niederlage abgewendet oder die Auswirkungen gemildert werden konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein historisch-kritischer Ansatz gewählt, der vorhandene Protokolle, Memoiren führender Offiziere und fachwissenschaftliche Literatur analysiert, um ein fundiertes Bild der Ereignisse zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Wehrmachtsführung, eine detaillierte Untersuchung der militärischen Endphase einschließlich der Ardennenoffensive und der strategischen Ansätze Hitlers wie der "Festen Plätze".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wehrmachtsführung, Oberkommando der Wehrmacht, Strategie, Ostfront, Ardennenoffensive, Heeresgruppe Mitte und Befehlsstruktur.
Welche Rolle spielte der "Führerbefehl Nr. 11" im Kriegsverlauf?
Dieser Befehl zur Einrichtung "Fester Plätze" zwang Verbände dazu, strategisch unbedeutende Städte zu halten, was oft zu deren unnötiger Einkesselung und Vernichtung führte, anstatt die Kräfte für einen beweglichen Abwehrkampf zu nutzen.
Warum konnte die Ardennenoffensive nach Ansicht des Autors nicht erfolgreich sein?
Aufgrund mangelnder Ressourcen, fehlender Luftunterstützung bei klarem Wetter und der unrealistischen Zielsetzung, Antwerpen erreichen zu wollen, war die Offensive militärisch zum Scheitern verurteilt.
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- Maik Nolte (Author), 1994, Vom Zusammenbruch der Heeresgruppe im Juni 1944 bis zur sowjetischen Frühjahrsoffensive gegen die Reichshauptstadt. Militärische Lagebeurteilung und Strategie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25915