In der vorliegenden Arbeit soll das Leben und das Werk Leo Trotzkis, des neben Lenin wichtigsten Mannes während der Oktoberrevolution in Rußland 1917, dargestellt werden. Den Schwerpunkt bildet hierbei seine Theorie der „permanenten Revolution“, die erheblichen Einfluß auf die bolschewistische Politik ausübte und seine Stellungnahme zur bolschewistischen Regierungs-form nach Lenins Tod 1924, welche später den Anlaß zu seiner Verfolgung gab. Da dieses Thema sehr speziell ist, werden Grundkenntnisse des Marxismus -Leninismus vorausgesetzt. Nach der Einleitung befaßt sich das zweite Kapitel mit der Herkunft Trotzkis und seinem politischen Werdegang. Weiterhin wird die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in Rußland gegen Ende des 19. Jahrhunderts kurz umrissen. Im dritten Kapitel wird die Theorie der „permanenten Revolution“ und ihre Unterschiede zum ursprünglichen Marxismus vorgestellt. Diese Theorie bildet auch den Hintergrund der Ereignisse während der Revolutionen von 1917 bis zum Tode Lenins 1924 (Kapitel Vier). Das fünfte Kapitel behandelt die Zeit nach Lenins Tod, die Aus-einandersetzungen Trotzkis mit Stalin und anderen führenden Bolschewiki, seine Ausweisung aus der Sowjetunion und die Zeit bis zu seinem gewaltsamen Tod 1940. Das letzte Kapitel bildet der Versuch einer Bilanzierung von Trotzkis politischem Wirken und stellt Thesen für sein Scheitern auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Quellenlage
2. Herkunft und Werdegang Trotzkis
3. Die „permanente Revolution“
3.1. Entwicklung der Theorie
3.2. Die „permanente Revolution“ und der Marxismus
3.3. Die Revolution von 1905
3.4. Trotzki und Lenin
4. Das Revolutionsjahr 1917
4.1. Der Zusammenbruch des Zarenreiches im Frühjahr
4.2. Die Zeit der Doppelherrschaft:März bis November 1917
4.3. Die Oktoberrevolution
4.4. Zusammenfassung: Die „permanente Oktoberrevolution“ ?
5. Konsolidierung und Bürokratisierung der Revolution
5.1. Vom „Roten Oktober bis zu Lenins Tod
5.1.1. Die wirtschaftliche Katastrophe Rußlands
5.1.2. Der Aufstieg Stalins
5.2. Die Sowjetbürokratie
5.3. Lenins Nachfolge
5.4. Die Entmachtung Trotzkis
5.4.1. Die Entscheidung des Machtkampfes
5.4.2. Die chinesische Revolution und das Ende Trotzkis
6. Fazit: Trotzki und der „Trotzkismus“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert das Leben und Werk von Leo Trotzki mit besonderem Fokus auf seine Theorie der „permanenten Revolution“. Dabei wird untersucht, wie diese Theorie die bolschewistische Politik und die Ereignisse zwischen 1917 und 1924 prägte und in welchem Zusammenhang sie mit dem späteren Aufstieg Stalins und Trotzkis politischem Scheitern steht.
- Biographische Grundlagen und politischer Werdegang Trotzkis
- Entwicklung und Kerninhalte der Theorie der „permanenten Revolution“
- Die Rolle Trotzkis während der Ereignisse des Jahres 1917
- Ursachen für den Machtkampf zwischen Trotzki und Stalin
- Kritische Bilanzierung des „Trotzkismus“ und Trotzkis politischem Scheitern
Auszug aus dem Buch
3.1. Entwicklung der Theorie
Nach diesem Parteitag hielt sich Trotzki seit Mitte 1904 in München bei dem Sozialisten Alexander Helphand, der unter dem Pseudonym „Parvus“ arbeitete, auf. Aus dessen vorangegangenen und Trotzkis eigenen Ideen entwickelten sie gemeinsam ihre Thesen über die Art und Weise der zukünftigen proletarischen Revolution, die als Theorie der „permanenten Revolution“ entscheidende Bedeutung erlangen sollten:
Entgegen der klassischen Marxschen Lehre, daß die Bourgeoisie, sobald sie die Macht besitzt, durch ihre eigene fortschrittliche Entwicklung die Vorraussetzung zur Erhebung des von ihr erzeugten Proletariats schafft, könne laut Trotzki die sozialistische Revolution auch in einem unterentwickelten, also nicht von der Bourgeoisie beherrschten Land beginnen, da die Revolution erst in der weltweiten Etablierung des Sozialismus ihren Abschluß findet. Jede proletarische Machtergreifung in einem Land ist also nur als Etappe der Revolution zu betrachten.
In einem unterentwickelten Land wie etwa Rußland muß nicht erst diese Phase der bürgerlichen Herrschaft abgewartet werden, bis es „reif“ für den Sozialismus ist; die notwendigen Aufgaben werden durch die Diktatur des Proletariats bewältigt -- ohne daß das Proletariat die (von Marx vorausgesetzte) erdrückende Mehrheit der Bevölkerung stellt.
Eben weil das Proletariat in Rußland nicht die Bevölkerungsmehrheit stellt, sondern die Bauernschaft, ist die proletarische Herrschaft nur durch ein Bündnis der Arbeiter und Bauern denkbar. Trotzki spricht der Bauernschaft jedoch eine eigene revolutionäre Kraft ab und weist ihr eine die Arbeiterschaft unterstützende Rolle zu.
Die „Permanenz“ in dieser Theorie liegt also zum einen daran, daß durch die Machtergreifung des Proletariats die sozialistische Revolution weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene abgeschlossen sein wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung von Trotzkis Leben, seiner Theorie der „permanenten Revolution“ und dem methodischen Vorgehen der Arbeit.
2. Herkunft und Werdegang Trotzkis: Überblick über Trotzkis frühe Jahre, seine Politisierung und erste Kontakte zu revolutionären Kreisen.
3. Die „permanente Revolution“: Erläuterung der Entstehung und theoretischen Fundierung seiner zentralen revolutionären Doktrin im Vergleich zum Marxismus.
4. Das Revolutionsjahr 1917: Analyse von Trotzkis Rolle während der Februar- und Oktoberrevolution sowie seiner praktischen Anwendung der Theorie.
5. Konsolidierung und Bürokratisierung der Revolution: Untersuchung der wirtschaftlichen Herausforderungen, des Aufstiegs Stalins und der Entmachtung Trotzkis.
6. Fazit: Trotzki und der „Trotzkismus“: Kritische Bilanz über das Scheitern Trotzkis und die historische Einordnung seiner politischen Wirksamkeit.
Schlüsselwörter
Leo Trotzki, permanente Revolution, Russische Revolution 1917, Bolschewiki, Stalin, Machtkampf, Sowjetunion, Marxismus-Leninismus, Kriegskommunismus, Weltrevolution, Arbeiterklasse, Bürokratisierung, Trotzkismus, Rote Armee, Oktoberrevolution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Leo Trotzki, einem der zentralen Akteure der Oktoberrevolution, und stellt dabei seine Theorie der „permanenten Revolution“ in den Mittelpunkt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die biographischen Anfänge Trotzkis, die theoretische Ausarbeitung der „permanenten Revolution“, die Ereignisse des Jahres 1917 und den darauffolgenden Machtkampf mit Stalin sowie die Entmachtung und das spätere Schicksal Trotzkis ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Trotzkis politische Thesen zu erläutern, deren Einfluss auf die bolschewistische Praxis zu beleuchten und eine Bilanz über die Ursachen seines politischen Scheiterns gegenüber Stalin zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Trotzkis eigenen Schriften, Biographien und weiterer relevanter Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Revolution, die praktische Umsetzung 1917, die Konsolidierungsphase nach der Revolution und die Analyse des Machtkampfes innerhalb der Sowjetführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Trotzki selbst die „permanente Revolution“, der Gegensatz zwischen Trotzkis Internationalismus und Stalins „Sozialismus in einem Lande“ sowie der Prozess der bürokratischen Entartung der Revolution.
Warum konnte Trotzki sich im Machtkampf gegen Stalin nicht durchsetzen?
Trotzki unterschätzte den taktischen Geschick Stalins bei der Kontrolle des Parteiapparates und hielt sich von operativer Parteiarbeit fern, die ihm eine verlässliche Anhängerschaft hätte sichern können.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der „permanenten Revolution“ für das Scheitern Trotzkis?
Die Theorie erwies sich als Hindernis, da sie auf der Ausbreitung der Revolution in die Industrieländer basierte, während die Realität der 1920er Jahre eine Isolation Rußlands und die Notwendigkeit einer nationalen Konsolidierung zeigte, wofür Stalins „Sozialismus in einem Lande“ eine einleuchtendere Antwort bot.
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- Maik Nolte (Author), 1999, Leo Trotzki und die permanente Revolution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25916