Goethes Prometheus Hymne ist den meisten Deutschen aus ihrer Schulzeit in Erinnerung. Aber warum hat Goethe die griechische Mythenfigur Prometheus als Protagonist für eins seiner bekanntesten Werke gewählt?
Nach einer Einführung in verschiedene Versionen des griechischen Mythos Prometheus geht diese Arbeit auf die Funktion des Mythos in Goethes Hymne ein. Dabei werden drei Kontexte berücksichtigt: erstens, die Genieästhetik des Sturm und Drang; zweitens, die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe der Zeit der Entstehung der Hymne; drittens, biografische Bezüge zu Goethes Leben und Werk.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Der Prometheus-Mythos
1.1.1. Prometheus, der Rebell
1.1.2. Prometheus, der Gefesselte, der Erfinder der Künste
1.1.3. Prometheus, der Menschenbildner
1.2. Die Entstehungsgeschichte der Hymne
2. Die Funktion des Mythos
2.1. Im Kontext der Genieästhetik des Sturm und Drang
2.2. Im Kontext der gesellschaftlichen Hintergründe
2.2.1. Religion
2.2.2. Absolutismus
2.3. Vor biografischem Hintergrund
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion des griechischen Prometheus-Mythos in Goethes gleichnamiger Hymne. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, wie Goethe die mythologische Figur nutzt, um zentrale Anliegen der Epoche des Sturm und Drang sowie seine eigene künstlerische Selbstbehauptung auszudrücken.
- Die literarische Transformation des Prometheus-Mythos durch Goethe.
- Die Bedeutung der Genieästhetik für das Selbstverständnis des Künstlers.
- Religionskritik und die Ablehnung transzendenter Autoritäten.
- Sozial-politischer Protest gegen absolutistische Herrschaftsstrukturen.
- Die Einbettung der Hymne in Goethes Biografie und Werkentwicklung.
Auszug aus dem Buch
2.1. Im Kontext der Genieästhetik des Sturm und Drang
Im Kontext des Sturm und Drang fungiert Prometheus in erster Linie als „Urbild aller genialen Schaffenskraft und menschlicher Autonomie“. Er erschafft den Menschen aus sich heraus und wird durch seine Auflehnung gegen Fremdbestimmung zur Symbolfigur für alle Menschen, die nach Selbstbestimmung im sozialen, politischen und geistigen Leben streben.
Die Figur Prometheus verkörpert ein festes Vertrauen in seine Fähigkeiten. Sein Selbstbewusstsein und seine Schöpferkraft stehen im starken Kontrast zum Bild der Götter, so dass die Hymne prägnant die „Antithese von Tatenlosigkeit der Götter und Schaffenskraft des Titanen“ darstellt. Prometheus verwirklicht sich selbst und wird zum Vorbild für den Titanismus des Sturm und Drang: durch die Schaffung des Menschen geht er über seine Grenzen hinaus.
Durch den kreativen Schöpfungsprozess hat er sich von der traditionellen Form des Schaffens, der Nachahmung - griechisch mimesis -, abgewandt. Er ist die erste wahre Künstlerpersönlichkeit und wird damit zum Vorbild und zur Identifikationsfigur jedes Künstlers, der den Geniegedanken als Leitmotiv ansieht.
Goethes Hymne wurde zum „poetische[n] Manifest der Geniebewegung“. Bis heute wird es als charakteristisches Programmgedicht des Sturm und Drang bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den griechischen Prometheus-Mythos ein, beleuchtet seine unterschiedlichen Facetten als Rebell, Erfinder und Menschenbildner und skizziert die Entstehungsgeschichte der Hymne.
2. Die Funktion des Mythos: Der Hauptteil analysiert die Bedeutung der Prometheus-Figur im Kontext der Genieästhetik des Sturm und Drang, in ihrer Funktion als religionskritisches und antifeudales Symbol sowie vor Goethes persönlichem biografischen Hintergrund.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Wirkung der Hymne zusammen, betont ihre Bedeutung als Ausdruck des "Kults des Ich" und unterstreicht die zeitlose Funktion des Prometheus als Symbol für Autonomie und künstlerische Rebellion.
Schlüsselwörter
Prometheus, Goethe, Sturm und Drang, Mythos, Genieästhetik, Titanismus, Religionskritik, Absolutismus, Autonomie, Schöpferkraft, Rebellion, Lyrik, Selbstbewusstsein, Spinozismus, Hymne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Aufarbeitung und funktionalen Bedeutung des Prometheus-Mythos in Johann Wolfgang von Goethes Hymne "Prometheus".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die Epoche des Sturm und Drang, künstlerische Autonomie, religionskritische Aspekte sowie den politischen Protest gegen zeitgenössische absolutistische Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goethe den antiken Stoff als Medium für seine eigenen künstlerischen, philosophischen und gesellschaftspolitischen Ansichten nutzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext in den Kontext zeitgenössischer Ideengeschichte, biografischer Daten und literaturwissenschaftlicher Fachliteratur setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Prometheus als Geniefigur, die Analyse der Hymne als Ausdruck gesellschaftlichen Protests sowie die Betrachtung der Zusammenhänge zwischen dem Werk und Goethes eigener Biografie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Genieästhetik, Titanismus, Schöpferkraft, Religionskritik, Selbstbestimmung und Sturm und Drang.
Wie distanzierte sich Goethe später von seinem eigenen Werk?
Der ältere Goethe blickte kritisch auf seine "Jünglingsgrillen" und übte Distanz zu dem radikalen Geist, der die Hymne während seines eigenen "Sturm und Drang" geprägt hatte.
Welche Rolle spielt der Spinozismus in der Interpretation?
Die Hymne wurde oft in den Kontext des sogenannten "Pantheismusstreits" gestellt, da Zeitgenossen in Goethes Werk eine atheistische oder spinozistische Weltsicht zu erkennen glaubten.
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- BA, MA Kathrin Gerbe (Author), 2004, Die Funktion des Mythos in Goethes "Prometheus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25980