George Alexander Kelly (1905-1966). Ausgehend von einer Betrachtung des Menschen über
die Jahrhunderte hinweg behauptet Kelly, daß Wissenschaftler nur eine Technik perfektioniert
haben, die sich im Laufe der Geschichte der Menschheit herausgebildet hat und die jedem
Menschen zu eigen ist
- die Schaffung eines mehr oder weniger schlüssigen Systems zur Interpretation der Welt,
zwecks Prognose und Veränderung von Ereignissen.
Dabei sei zu beachten, daß es für den Phä nomenbereich Welt wahrscheinlich so viele
Theorien gäbe, wie es Menschen gibt, was zum einen daran liegt, daß jeder von der Welt
unterschiedliche Auschnitte zu Gesicht bekommt, zum anderen auch aus seiner wo auch
immer herstammenden Persönlichkeit. Diese Auffassung führt nun dazu, daß Kelly dem
Menschen nicht seine Persönlichkeitstheorie überstülpt, sondern, daß er versucht, dessen
Weltauffassung zu rekonstruieren.
In den 50er Jahren entwickelte KELLY - im Bewußtsein der Grenzen der standardisierten
Testverfahren (“Krise der Dioagnostik”)- eine Methode, die persönlichen Konstrukte von
Individuen zu erfassen, genauer solche Kontrukte, die im Zusammenhang mit bedeutsamen
Rolleninhabern aus dem Umfeld des Klienten stehen (role construct repertory test, REPTest).
Da er die so gewonnen Daten in Matrixform darstellte, nannte er sein Verfahren Role
Construct Repertory Grid (engl. grid = Gitter, Raster). Später wurde dieses Verfahren zur
allgemeineren Repertory Grid Technik, die neben Beziehungsrollen auch persönliche
Konstrukte aus anderen Lebensbereichen erfaßt, weiterentwickelt.
Die Grid- Technik ist eine idiographische Kartographie (Erstellung einer Karte vom
Konstruktsystem eines Individuums).
Bei der Grid-Technik handelt es sich um eine Methode, nicht um eine n standardisierten Test.
Sie kann als besondere Form des strukturierten Interviews betrachtet werden und ist
gekennzeichnet durch eine relative hohe Beteiligung des Pb sowie einen weitgehend
dialogischen Verlauf (z.B. immer wieder Rückfragen auf Seiten des Untersuchers, ob der Pb
etwas so gemeint hat, z.B. mit Formulierung einverstanden ist). [...]
Inhaltsverzeichnis
1 KELLYS THEORIE DER PERSÖNLICHEN KONSTRUKTE
1.1. Entstehungszusammenhang
1.2. Einige Charakteristika der Theorie der persönlichen Konstrukte
2 GRID-TECHNIK/REP-TEST: PLANUNG UND DURCHFÜHRUNG
2.1. Grid-Technik
2.2. Der Rep Test (Role Construct Repertory Test) von Kelly als ein Beispiel für die Grid-Technik
2.3. Grid-Technik: Wahl der Elemente
2.4. Grid-Technik: Konstrukterhebung
2.4.1 Zugrundeliegende Annahmen
2.4.2 Methoden der Konstrukterhebung:
2.4.3 Sonstiges
2.4.4 Erfassung von Veränderung - Mehr-Punkt-Erhebungen
2.5. Andere gebräuchliche Grid-Formate (F&B, Sch&C)
2.5.1 Rank Order Grid (Phillida Salmon; erstmals beschrieben bei Bannister 1963)
2.5.2 Rating Grid
2.6. Standardisierte Vorgehensweise
3 AUSWERTUNGSMETHODEN FÜR REPERTORY GRIDS
3.1. Auswertungsbeispiel für ein Handverfahren – Erfassung der Konstruktbedeutungen aus einem Dyad-Grid
3.2. Ähnlichkeit der Elemente
3.2.2 Erfassung des Zusammenhangs von Konstrukten und Elementen durch Handverfahren zur Sortierung der Kelly-Matrix/”Fokussierung” eines Grids
3.3. Computergestützte Verfahren
3.3.1 Hauptkomponentenanalyse (PCA) und Biplot-Diagramme
3.3.2 Duale hierarchische Clusteranalyse (FOCUS)
3.4. Grid-Maße
3.4.1 Unterscheidung von Grid-Maßen und statistischen Maßen
3.4.2 Grid-Kennwerte
4 TESTTHEORETISCHE ASPEKTE DER GRID-TECHNIK
4.1. Reliabilität
4.2. Validität
4.3. Kriterien zur Charakterisierung von Konstruktsystemen
5 KRITIK
6 LITERATUR
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt eine umfassende Einführung in die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung der Grid-Technik nach George A. Kelly. Das Ziel ist es, den Lesern zu vermitteln, wie diese idiographische Methode genutzt werden kann, um individuelle Konstruktsysteme zu erfassen, auszuwerten und im therapeutischen oder diagnostischen Kontext nutzbar zu machen.
- Theoretischer Hintergrund der Theorie der persönlichen Konstrukte
- Planung und Durchführung der Repertory-Grid-Erhebung
- Methoden der manuellen und computergestützten Auswertung
- Testtheoretische Einordnung und kritische Reflexion des Verfahrens
Auszug aus dem Buch
1.1. Entstehungszusammenhang
George Alexander Kelly (1905-1966). Ausgehend von einer Betrachtung des Menschen über die Jahrhunderte hinweg behauptet Kelly, daß Wissenschaftler nur eine Technik perfektioniert haben, die sich im Laufe der Geschichte der Menschheit herausgebildet hat und die jedem Menschen zu eigen ist - die Schaffung eines mehr oder weniger schlüssigen Systems zur Interpretation der Welt, zwecks Prognose und Veränderung von Ereignissen.
Dabei sei zu beachten, daß es für den Phänomenbereich Welt wahrscheinlich so viele Theorien gäbe, wie es Menschen gibt, was zum einen daran liegt, daß jeder von der Welt unterschiedliche Auschnitte zu Gesicht bekommt, zum anderen auch aus seiner wo auch immer herstammenden Persönlichkeit. Diese Auffassung führt nun dazu, daß Kelly dem Menschen nicht seine Persönlichkeitstheorie überstülpt, sondern, daß er versucht, dessen Weltauffassung zu rekonstruieren.
In den 50er Jahren entwickelte KELLY - im Bewußtsein der Grenzen der standardisierten Testverfahren (“Krise der Dioagnostik”)- eine Methode, die persönlichen Konstrukte von Individuen zu erfassen, genauer solche Kontrukte, die im Zusammenhang mit bedeutsamen Rolleninhabern aus dem Umfeld des Klienten stehen (role construct repertory test, REP Test).
Da er die so gewonnen Daten in Matrixform darstellte, nannte er sein Verfahren Role Construct Repertory Grid (engl. grid = Gitter, Raster). Später wurde dieses Verfahren zur allgemeineren Repertory Grid Technik, die neben Beziehungsrollen auch persönliche Konstrukte aus anderen Lebensbereichen erfaßt, weiterentwickelt.
Die Grid-Technik ist eine idiographische Kartographie (Erstellung einer Karte vom Konstruktsystem eines Individuums).
Bei der Grid-Technik handelt es sich um eine Methode, nicht um einen standardisierten Test. Sie kann als besondere Form des strukturierten Interviews betrachtet werden und ist gekennzeichnet durch eine relative hohe Beteiligung des Pb sowie einen weitgehend dialogischen Verlauf (z.B. immer wieder Rückfragen auf Seiten des Untersuchers, ob der Pb etwas so gemeint hat, z.B. mit Formulierung einverstanden ist).
Zusammenfassung der Kapitel
1 KELLYS THEORIE DER PERSÖNLICHEN KONSTRUKTE: Dieses Kapitel führt in die historische Entstehung und die philosophischen Grundannahmen des konstruktiven Alternativismus ein.
2 GRID-TECHNIK/REP-TEST: PLANUNG UND DURCHFÜHRUNG: Hier werden die praktischen Vorgehensweisen zur Wahl der Elemente und zur Erhebung der persönlichen Konstrukte detailliert erläutert.
3 AUSWERTUNGSMETHODEN FÜR REPERTORY GRIDS: Dieses Kapitel stellt sowohl manuelle als auch computergestützte Verfahren zur Analyse der gewonnenen Grid-Daten vor.
4 TESTTHEORETISCHE ASPEKTE DER GRID-TECHNIK: Dieser Abschnitt beleuchtet die Reliabilität und Validität des Verfahrens vor dem Hintergrund seiner idiographischen Ausrichtung.
5 KRITIK: Hier wird das Verfahren einer kritischen Würdigung unterzogen, insbesondere im Hinblick auf die Annahme der Bipolarität.
6 LITERATUR: Auflistung der verwendeten Fachliteratur zur Vertiefung des Themas.
Schlüsselwörter
Grid-Technik, Repertory Grid, Kelly, Persönliche Konstrukte, Konstruktiver Alternativismus, REP-Test, Idiographische Methode, Konstrukterhebung, Biplot-Prinzip, Hauptkomponentenanalyse, Clusteranalyse, Reliabilität, Validität, Konstruktsystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und der methodischen Umsetzung der Grid-Technik nach George A. Kelly zur Erfassung kognitiver Konstruktsysteme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die Planung und Durchführung von Grid-Interviews, die verschiedenen Auswertungsmethoden sowie die Diskussion der Gütekriterien innerhalb der Psychodiagnostik.
Was ist das primäre Ziel der beschriebenen Methode?
Das primäre Ziel ist die Rekonstruktion der Weltauffassung eines Individuums, um Verhaltensweisen und persönliche Konstruktwelten vorhersagbar und für den Klienten reflektierbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit beschreibt den Repertory Grid Test, eine idiographische, dialogorientierte Erhebungsmethode, die eine qualitative Analyse quantitativ in Matrixform übersetzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Durchführung der Konstrukterhebung, die Anwendung spezifischer Grid-Formate sowie die mathematisch-statistische Auswertung der Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem zentralen Begriff der Grid-Technik sind dies Konstruktive Alternativismus, Biplot-Diagramme, Clusteranalyse und die testtheoretische Validierung idiographischer Verfahren.
Inwiefern unterscheidet sich die Grid-Technik von klassischen Tests?
Im Gegensatz zu standardisierten Tests bleiben die Inhalte der Erhebung bei der Grid-Technik weitgehend dem Befragten überlassen, was den Fokus auf die Einzigartigkeit des individuellen Konstruktsystems legt.
Warum ist das "Dichotomie-Korollarium" von so zentraler Bedeutung?
Es postuliert, dass menschliche Konstrukte bipolar aufgebaut sind, was eine grundlegende Vereinfachung des Informationsflusses ermöglicht und die Basis für die bipolare Matrix-Auswertung bildet.
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- Raphaela Böhmer (Author), 2003, Die GRID-Technik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25995