Friedrich von Hausen: Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden (MF 47,9)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

27 Seiten, Note: 3+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abkürzungen

Literatur

I. Einleitung

II. Zum Autor
1. Urkundliche Zeugnisse
2. Werk und Überlieferung
a) Das Werk
b) Die Überlieferung

III. Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden
1. Inhalt
2. Form und Metrik
3. Das Problem der Strophenfolge
4. Zur Verbesserung der Verse MF 47,19f
5. Thematik und Konflikt

IV. Zusammenfassung

Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Literatur

Textausgaben

Carl von Kraus: Des Minnesang Frühling. Nach Karl Lachmann, Moritz Haupt

und Friedrich Vogt neu bearb. von Carl von Kraus. Leipzig 1940. 35.

Aufl. Stuttgart 1970

Karl Lachmann – Moritz Haupt, Des Minnesangs Frühling. Leipzig 1857

Hugo Moser – Helmut Tervooren, Des Minnesangs Frühling. Unter Benutzung

der Ausgaben von Karl Lachmann und Moritz Haupt, Friedrich Vogt

und Carl von Kraus bearb. von Hugo Moser und Helmut Tervooren. 38.,

erneut revidierte Auflage. I: Texte. Stuttgart 1988

Sekundärliteratur

Hennig Brinkmann, Friedrich von Hausen. Studienbogen Sprache und Literatur,

Deutsche Reihe, Minden 1948

Helmut de Boor, Friedrich von Hausen: Mîn herze und mîn lîp diu wellent schei

den, in: Die deutsche Lyrik, I. herausgegeben von Benno von Wiese, Düs

seldorf 1956, S. 35 – 42

Anka Fuß – Susanne Kirst – Manfred Günter Scholz, Zur Sprecherkonstella- tion in Hausens Lied Mîn Herze und mîn lîp diu wellent scheiden, in:

Euphorion 91 (1997), S. 343-362

Hermann Ingebrand,: Interpretationen zur Kreuzzugslyrik Friedrichs von Hau-

sen, Albrechts von Johansdorf, Heinrichs von Rugge, Hartmanns von

Aue und Walthers von der Vogelweide. Inaugural-Dissertation zur Er-

langung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Johann-

Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main 1966

Günther Jungbluth, Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden. Zu Friedrich

von Hausen 47,9. Euphorion. 47 (1953), S. 241 – 259

Ingrid Kasten, Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters, Frank-

furt/Main 1995 (Bibliothek des Mittelalters, 3)

Richard Kienast, Hausens Scheltliet (MF 47,33) und der Sumer von Triere, Sit-

zungsberichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin,

Klasse für Sprachen, Literatur und Kunst, Jahrgang 1961, Nr. 3

Otto Ludwig, Die Rolle des Sprechers in MF 47,9, ZfdA. 93 (1964), S. 123 – 132

Otto Ludwig, Zum Text von 47,9 f., ZfdA. 93 (1964), S. 65-66

Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, II. Zweite, völlig neu

bearbeitete Auflage. Herausgegeben von Kurt Ruh zusammen mit Gundolf Keil, Werner Schröder, Burghart Wachinger, Franz Josef Worst-

brock. Berlin, New York 1980

David Guthrie Mowatt, Friderich von Hûsen. Introduction, Text Commentary

and Glossary. Cambridge 1971

Günther Schweikle, Friedrich von Hausen. Lieder, Text, Übersetzung und Kom-

mentar. Stuttgart 1984

Günther Schweikle, Die mittelhochdeutsche Minnelyrik, I. Die frühe Minnely-

rik. Texte und Übertragungen, Einführung und Kommentar. Darmstadt

1977

Günther Schweikle, Minnesang. Zweite, korrigierte Auflage. Stuttgart, Weimar

1995

Verfasserlexikon: s. Die deutsche Literatur des Mittelalters

I. Einleitung

Thema der vorliegenden Arbeit ist die Analyse des Kreuzzugsliedes Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden (MF 47,9) von Friedrich von Hausen.

Vorangehen soll zunächst eine kurze Darstellung der erhaltenen urkundlichen Belege, die Hausens Lebensweg kennzeichnen, um seine Stellung und Funktion am staufischen Hof aufzuzeigen. Dies ist wichtig, da diese sowie seine Teilnahme an Barbarossas Feld- und Kreuzzügen die Thematik in seinen Liedern bestimmen. Anschließend werden Hausens Werk und seine Überlieferung kurz dargestellt, um dessen Bedeutung für die mittelalterliche Lyrik zu unterstreichen.

Danach wird Hausens bekanntestes Kreuzzugslied Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden in Bezug auf Inhalt, Form und Thematik ausführlich analysiert.

Abschließend folgt eine Zusammenfassung der Hauptergebnisse dieser Arbeit.

Ein nicht zu umgehendes Problem dieser Arbeit ist, daß den verschiedenen Theorien zu Hausens Kreuzzugslied, die hier einbezogen werden, unterschiedliche Textausgaben zugrunde liegen und somit auch unterschiedlichen Textfassungen als textliche Belege dienen. Deshalb richten sich die Belegstellen, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, nach der Ausgabe MFMT.

II. Zum Autor

Friedrich von Hausen (ca.1150 bis 1190 n. Chr.) war der erste bedeutsame Dichter des sogenannten rheinischen Minnesangs. Er brachte als erster Lyriker einen neuen Stil in den bis zu seiner Zeit gepflegten frühen – auch als donauländisch bezeichneten – Minnesang. Im folgenden Kapitel sollen in Kürze sein Leben, wie es aus den bis heute existierenden Urkunden erschlossen werden kann, sein dichterisches Werk und dessen Überlieferung dargestellt werden, um Hausens Bedeutung für die mittelhochdeutsche Lyrik hervorzuheben.

1. Urkundliche Zeugnisse

Eine Charakteristik der Überlieferung mittelhochdeutscher Texte ist, daß die dichterische Tätigkeit eines Adligen nicht urkundenwürdig war. Dies führt oft zu Problemen bei der Zuordnung von handschriftlich überlieferten Texten zu Autoren. Im Fall Friedrich von Hausens aber läßt sich aus der Übereinstimmung von Zeit und Namen mit einiger Sicherheit darauf schließen, daß es sich bei dem Dichter Friedrich von Hausen und dem Adligen mit gleichem Namen am Hof Barbarossas um ein und dieselbe Person handelt. Die Tatsache daß in den beiden Minnesanghandschriften B und C, die das Hausen-Corpus überliefern, kein Wappen angeführt ist, das eventuell eine eindeutige Identifizierung des Autors ermöglichen könnte, erschwert allerdings eine absolut eindeutige Zuordnung[1]. Lediglich die Miniaturen, die dem Hausen-Corpus in den beiden Handschriften B und C vorangehen, sind Anhaltspunkt dafür: die Bilder stellen beide Male einen Kreuzfahrer dar. Dieses Motiv könnte auf die Kreuzfahrt des staufischen Ministerialen Hausen hinweisen. Möglich ist auch, daß das Motiv erst nachträglich aus den Kreuzliedern des Dichters Hausen geschlußfolgert wurde[2]. Die Lyrik Hausens weist indes einige wesentliche Momente auf, die auf Parallelen zum Lebensweg des urkundlich bezeugten Friedrich von Hausen hindeuten.

Es gibt nicht wenige zeitgenössische urkundliche Belege für Friedrich von Hausen, was für mittelalterliche Dichter recht ungewöhnlich ist. Geboren wird er um etwa 1150 n. Chr. zur Zeit des Abschlusses des zweiten Kreuzzuges (~1147 bis 1149). Erstmals tritt er als Fridericus de Husen in einer Urkunde des Erzbischofs Christian von Mainz – ausgestellt am 9. August 1171 – mit seinem Vater Walther von Hausen, einem staufischen Freiherrn, auf[3]. Der Vater Walther wird zwischen 1140 und 1173 in Urkunden der Erzbischöfe von Mainz und Trier, des Bischofs von Worms und des Abts von Lorsch erwähnt. Des weiteren ist er in der Umgebung Kaiser Friedrich I. präsent. Auch sind Schenkungen an die Klöster Rupertsberg bei Bingen und Schönau bei Heidelberg bezeugt. Eine Notiz in einer leider nicht mehr existenten Schönauer Handschrift vermerkt beim Stichwort Neckar: apud husen castrum quondam Waltheri rhenum influit (bei Hausen, einstmals der Burg Walthers, fließt [der Neckar] in den Rhein)[4]. Dieser kurze Hinweis, der in einer Ende des 13. Jahrhunderts im Kloster Heilbronn angefertigten Abschrift erhalten ist, bekräftigt die Annahme, daß der Stammsitz der von Hausens das heute zu Mannheim gehörende Rheinhausen war, wo Rhein und Neckar zusammenfließen[5]. In zwei 1175 datierten Urkunden des Erzbischofs Christian von Mainz, in Pavia ausgestellt, wird Friedrich von Hausen genannt, allerdings nicht namentlich, sondern als der Sohn Walthers. Daraus läßt sich zwar schließen, daß Friedrich am fünften Italienfeldzug teilnahm, aber nicht, welches Amt er zu dieser Zeit bekleidet und welche Funktion er dort erfüllt.

In den nächsten elf Jahren ist Friedrich von Hausen nicht urkundlich bezeugt. Erwähnt wird er erst wieder in den Jahren 1186 und 1187 als Gefolgsmann Friedrich I. Barbarossa in Italien[6].

Nach dem Chronicon Hanoniense des hennegauischen Geschichtsschreibers Gislebert von Mons (~1200) gehörte Friedrich von Hausen als hochangesehener Ministeriale den familiares et secretarii an, den Vertrauten des Kaisers am staufischen Hof[7]. In den urkundlichen Zeugnissen wird er unter anderem im Jahr 1187 nach Verhandlungen Barbarossas mit König Philipp August von Frankreich bei Mouzon an der Maas als Fridericus de Husa unter den homines domini imperatoris judicatores – also den Richtern des Kaisers – aufgeführt[8]. Des weiteren wird er dort als probissimus miles – als höchst bewährter Ritter – bezeichnet.

Friedrich von Hausen stirbt am 6. Mai 1190 nach einem Sturz vom Pferd im dritten Kreuzzugs Barbarosses in Kleinasien bei Philomelium (heute Akschehir, Anatolien). In fünf mittelalterlichen Schriften wird sein Tod beklagt[9].

Anhand dieser zahlreichen Lebenszeugnisse wird deutlich, daß Friedrich von Hausen als hochangesehener Ministeriale im Dienst des staufischen Kaiserhofs stand. Allerdings gibt es in den genannten Urkunden keinerlei Hinweise auf sein dichterisches Werk. Lediglich drei jüngere Dichter erwähnen Hausen als Minnesänger. Der Epiker Heinrich von dem Türlin führt Hausen in seinem Dichterkatalog (~1220) an, zusammen mit dichtenden Zeitgenossen wie Dietmar von Aist und Heinrich von Rugge[10]. Der Lyriker Reinmar von Brenneberg (Mitte des 13. Jahrhunderts) erwähnt ihn in einer ihm zugeschriebenen Totemklage, unter anderem außerdem Heinrich von Rugge, Rudolf von Fenis und Albrecht von Johansdorf[11]. Schließlich nennt Der von Gliers (13. Jahrhundert) Hausen im 3. Leich einer Totenklage, neben Ulrich von Gutenburg, Heinrich von Rugge, Hartmann von Aue und anderen[12]. In all diesen Dichterzeugnissen wird Hausen als Minnesänger gewürdigt, seine Verdienste als Ritter und Ministeriale werden allerdings mit keinem Wort erwähnt.

2. Werk und Überlieferung

Hausens Lyrikstil hat großen Einfluß auf den gesamten mittelhochdeutschen Minnesang genommen. Die Neugestaltungen von Struktur und Gestaltung der Lyrik, die er durchgeführt hat, setzten sich mit der Zeit durch und wurden schließlich allgemein gebräuchlich. Sein Werk und dessen Überlieferung werden nachfolgend dargestellt.

a) Das Werk

Minnesänger der sogenannten ersten Hochphase des Minnesangs um 1170 bis ca. 1200, der Phase des rheinischen Minnesangs, sind in erster Linie am Oberrhein zu lokalisieren. Als führender Vertreter gilt Friedrich von Hausen. Nach ihm wird der rheinische Minnesang auch als Hausen-Schule bezeichnet. Die Voranstellung, die Friedrich von Hausen im Kreis der rheinischen Minnesänger von der Forschung gewährt wird, ist durchaus berechtigt, da er das umfangreichste Liedercorpus dieser Gruppe vorweist, welches zudem durch einen unverwechselbaren und neuen dichterischen Stil geprägt ist[13].

[...]


[1] G. Schweikle, Friedrich von Hausen, S. 11.

[2] G. Schweikle, Friedrich von Hausen, S. 11.

[3] G. Schweikle, Die mittelhochdeutsche Minnelyrik, S. 468.

[4] G. Schweikle, Friedrich von Hausen, S. 12.

[5] VL. S. 938.

[6] G. Schweikle, Die mittelhochdeutsche Minnelyrik, S. 469.

[7] G. Schweikle, Friedrich von Hausen, S. 15.

[8] G. Schweikle, Die mittelhochdeutsche Minnelyrik, S. 469.

[9] G. Schweikle, Die mittelhochdeutsche Minnelyrik, S. 469.

[10] G. Schweikle, Die mittelhochdeutsche Minnelyrik, S. 469f.

[11] G. Schweikle, Die mittelhochdeutsche Minnelyrik, S. 470.

[12] G. Schweikle, Die mittelhochdeutsche Minnelyrik, S. 470.

[13] G. Schweikle, Friedrich von Hausen, S. 19.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Friedrich von Hausen: Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden (MF 47,9)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar: Literatur der Mittelhochdeutschen Zeit: Lyrik
Note
3+
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V26045
ISBN (eBook)
9783638285018
ISBN (Buch)
9783638687065
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich, Hausen, Hauptseminar, Literatur, Mittelhochdeutschen, Zeit, Lyrik
Arbeit zitieren
Magistra Artium Melanie Kindermann (Autor), 2003, Friedrich von Hausen: Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden (MF 47,9), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26045

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